mini|Der Obelisk Nadel der Kleopatra in London, im Hintergrund das New Adelphi Building
Die Nadel der Kleopatra in London ist einer von zwei altägyptischen Obelisken, der heute in der Nähe der Golden Jubilee Bridges und der U-Bahn-Haltestelle Embankment im Bezirk Westminster am Victoria Embankment der Themse in London steht. Der Obelisk kam 1820 als Dank für militärische Unterstützung Englands als Geschenk des in Ägypten herrschenden Muhammad Ali Pascha zur Krönung von Georg IV. an das englische Königshaus. 1878 wurde er in London aufgestellt. Der Obelisk ist ein Monolith aus Rosengranit. Er wurde in Aswan gehauen und ist mit Hieroglyphen beschriftet. Zusammen mit dem Exemplar im New Yorker Central Park werden beide als Nadeln der Kleopatra (Cleopatra’s Needles) bezeichnet.
Beschreibung Wie auch andere Obelisken, ist die Nadel der Kleopatra ein Monolith mit quadratischem Querschnitt. Sein Gewicht beträgt etwa 186 t. Er ist 20,90 m hoch, misst an der Basis 2,30 m und verjüngt sich nach oben hin auf eine Breite von 1,40 m, um dann an der Spitze in ein Pyramidion überzugehen. Letzteres war ursprünglich mit einer Goldlegierung (Elektron) überzogen. Die unteren Kanten des Obelisken sind abgerundet.E. Wilson: Our Egyptian Obelisk: Cleopatra’s Needle. London 1877, S. 18f.
An allen Seiten wurden dreispaltig in vertikaler Anordnung Hieroglyphen versenkt eingemeißelt. Sie sind an drei der vier Seiten vergleichsweise gut erhalten, da der Obelisk während seiner Zeit in Alexandria umgestürzt war. Danach lange Zeit unter einer Sandschicht begraben, war er vor Witterungseinflüssen durch die sandige und salzige Luft gut geschützt.R. A. Hayward: Cleopatra's Needles. Hartington 1978, S. 14.
Geschichte In Ägypten Der Obelisk stammt aus den Steinbrüchen des heutigen Assuan im Süden Ägyptens. Nachdem die Obelisken in einem Stück aus den Felsen geschlagen worden waren, wurden sie 1500 km (1200 km Luftlinie) stromabwärts über den Nil transportiert, um sie nach On (Heliopolis) zu bringen.E. Wilson: Our Egyptian obelisk: Cleopatra’s needle. London 1877, S. 11–15. Dort wurden beide Obelisken zu Ehren des Pharao Thutmosis III. um 1450 v. Chr. vor dem Sonnentempel aufgerichtet. Sie waren zunächst nur mit der mittleren Spalte auf allen vier Seiten mit Hieroglyphen zu Ehren des Thutmosis III. beschriftet. Die beiden äußeren Spalten wurden 200 Jahre nach ihrer Errichtung auf allen vier Seiten durch Ramses II. ergänzt.British Museum in London: England's Obelisk. Cleopatra's Needle. Restored inscriptions, translation, and notes, Inscriptions on Pyramidion. (Übersetzung von Thomas Birch [1705–1766]) (Volltext als PDF). In On (Heliopolis) stand das Obeliskenpaar rund 1400 Jahre.
Unter der Herrschaft des römischen Kaisers Augustus wurden die beiden Monumente im Jahr 13 v. Chr. in Heliopolis abgebaut und im 200 km entfernten Alexandria vor dem Caesarium als Zierobjekte und Tor zum Mittelmeer wieder errichtet.R. A. Hayward: Cleopatra’s Needles. Hartington 1978, S. 15. Der genaue Zeitpunkt ihrer Aufstellung ist durch eine Inschrift „18. Jahr des Kaiser Augustus“ in den von den Römern aufgestellten bronzenen Stützfüßen bekannt.A. Noakes: Cleopatra’s Needles. London 1962, S. 30.R. A. Hayward: Cleopatra’s Needles. Hartington 1978, S. 40.
Wie lange der Umzug von Heliopolis nach Alexandria gedauert hat, ist nicht bekannt. Es wird davon ausgegangen, dass der Obelisk im Jahr 1301 durch ein starkes Erdbeben niedergestürzt ist. Dass er umgefallen war, wurde erstmals von dem Reisenden George Sandys im Jahr 1610 schriftlich dokumentiert.R. A. Hayward: Cleopatra’s Needles. Hartington 1978, S. 16.
mini|Vorbereitungen zur Aufstellung des Obelisken in London; Journal Engineering vom 16. März 1877
In Europa Im Jahr 1820 wurde der Obelisk von Muhammad Ali Pascha, der als Machthaber vom Osmanischen Reich eingesetzt worden war, als diplomatisches Geschenk dem Königshaus von England vermacht.E. Wilson: Our Egyptian obelisk: Cleopatra’s needle. London 1877, S. 8. Zunächst blieb der Obelisk jedoch in Ägypten, da die Engländer die Transportkosten nicht tragen wollten, bis er 1877 mit Hilfe der Finanzierung durch den englischen Chirurgen und Mäzen Erasmus Wilson (1809–1884) und nach Planung des Ingenieurs Waynman Dixon nach England verfrachtet werden konnte.E. Wilson: Our Egyptian obelisk: Cleopatra’s needle. London 1877.
Politik und Fremdherrschaft der Neuzeit mini|hochkant|Nadel der Kleopatra
Ägypten befand sich zwischen 1517 und 1882 unter der Herrschaft des Osmanischen Reiches. Nachdem Napoleon Bonaparte an die Macht gekommen war, breitete sich Frankreich durch kriegerische Handlungen auf dem europäischen Festland wie auch dem Mittelmeerraum aus. Durch die Besetzung Maltas 1798 war Englands strategische Position im Mittelmeer geschwächt, und Frankreich übernahm die Vorherrschaft. Kurz darauf begannen die Franzosen einen Feldzug nach Ägypten und drängten die Osmanen in Ägypten zurück. England bot dem Osmanischen Reich militärische Unterstützung und entsandte Truppen nach Ägypten.
Am 1. August 1798 landete Admiral Nelson 15 Meilen entfernt von Alexandria bei Abukir und schlug die Franzosen in der Seeschlacht bei Abukir. Auf dem Festland kamen die französischen Truppen bis an die Grenze Syriens, wo sie von englischen Truppen wieder zurückgedrängt wurden. Der Kampf um die Vorherrschaft in Ägypten zog sich über drei Jahre hin, bis im März 1801 der englische General Ralph Abercromby mit 15000 Mann in Abukir landete und die französischen Truppen nach Alexandria zurückdrängte. Ralph Abercromby starb im Kampf, und wenige Monate später kapitulierten die französischen Truppen. Nach Abzug der Franzosen traten die Engländer die ägyptischen Gebiete wieder an das Osmanische Reich ab und hinterließen nur ein kleines Kontingent an Soldaten unter Befehl des Earl von Cavan, dessen Truppen die beiden heute als „Kleopatras Nadeln“ bezeichneten Obelisken entdeckten.R. A. Hayward: Cleopatra’s Needles. Hartington 1978, S. 19.
Interesse an einer Trophäe Das Vorhaben der Franzosen, die Obelisken nach Frankreich zu transportieren, gab den ersten Impuls zur Idee, einen der Obelisken nach England zu bringen, um den Sieg über Frankreich zu zelebrieren und um Horatio Nelson, General Ralph Abercromby, wie auch der gefallenen Truppen zu gedenken. Dieses Vorhaben wurde von den osmanischen Machthabern bereitwillig genehmigt und Pläne wurden ausgearbeitet. Lord Cavan appellierte an den Nationalstolz seiner Truppenmitglieder und überzeugte sie, eine Verfrachtung des Obelisken mitzufinanzieren und das Projekt umzusetzen. Alle erklärten sich bereit, das Vorhaben auszuführen, sodass mit kollektiven Geldern die zurückgelassene französische Fregatte „El Corso“ gekauft werden konnte. Diese sollte über einen für diesen Zweck angefertigten steinernen Steg durch eine Öffnung im Bug mit dem Obelisken beladen, dann fixiert und so nach England gebracht werden. Während der Arbeiten von Lord Cavans Truppen wurde das Unterfangen durch den Befehl der englischen Oberbefehlshaber der in Ägypten stationierten Truppen, Lord Keith und General Fox, gestoppt. Lord Keith befürchtete, dass die Mission schiefgehen könnte und mit dem Verlust des Obelisken Schande über das englische Königreich kommen würde.R. A. Hayward: Cleopatra’s Needles. Hartington 1978, S. 19–20; A. Noakes: Cleopatra’s Needles. London 1962, S. 6–7.
Im Jahr 1805 wurde Muhammad Ali von der osmanischen Zentralregierung als Machthaber für Ägypten eingesetzt und zum Pascha ernannt. Um seine politischen Beziehungen zu stärken, wandte dieser sich 1811 an den englischen Konsul Samuel Brigs, um zu erfahren, wie er der britischen Krone unter König George III. seinen Dank für die militärische Hilfestellung während der französischen Besetzung verdeutlichen könne. Samuel Brigs schlug den umgestürzten Obelisken in Alexandria als Präsent vor. Im Jahr 1820 schenkte Muhammad Ali Pascha daraufhin den Obelisken als Zeichen der politischen Freundschaft und zur Krönung von König George IV. dem englischen Königshaus. Die Geste wurde zwar dankend angenommen, und es wurde auch schon über einen möglichen Standort (gegenüber dem Cotton House, der Residenz von König George IV. als Prince of Wales) nachgedacht. Jedoch schreckten die errechneten Kosten von 15000 Pfund für den Transport ab, und das Vorhaben wurde auf Eis gelegt. Trotzdem gab es immer noch vereinzelt Interesse an der Überführung des Obelisken nach London. Im Jahr 1822 wurde beispielsweise ein Entwurf von Captain William Henry Smith ausgearbeitet und präsentiert, zu dem Muhammad Ali Pascha seine Hilfe anbot, indem er einen Steg für das Vorhaben finanzieren wollte. Nachdem es bis 1831 immer noch keine Fortschritte gab, den Obelisken nach England zu holen, schenkte Muhammad Ali Pascha den Obelisken erneut zur Krönung von König William IV. dem Königshaus. Hierzu bot er an, den Obelisken auf eigene Kosten auf ein von den Briten gesandtes Schiff zu laden.R. A. Hayward: Cleopatra’s Needles. Hartington 1978, S. 20–21.
In der Zwischenzeit übergab Muhammad Ali Pascha einen Obelisken – heute Obelisk von Luxor genannt – an Frankreich zur Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Staaten. Dies stieß in England auf Empörung, und es wurde versucht, an den Patriotismus zu appellieren. 1832 versuchte Joseph Hume von der Opposition mit dem Argument eines Gesichtsverlusts Englands gegenüber Frankreich vergeblich, das englische Königshaus davon zu überzeugen, die Initiative zu ergreifen und den Obelisken zu holen. Frankreich transportierte seinen Obelisken für umgerechnet etwa 80.000 Pfund nach Paris.R. A. Hayward: Cleopatra’s Needles. Hartington 1978, Ende S. 21–22.
Weitere Versuche blieben erfolglos, obwohl immer wieder mögliche Standorte für den Obelisken vorgeschlagen wurden, wie etwa im Jahr 1840 der Trafalgar Square. Das Interesse stieg unter der Whig-Regierung, scheiterte aber wieder an den Kosten.R. A. Hayward: Cleopatra’s Needles. Hartington 1978, S. 25. Im Jahr 1867 kaufte der griechische Kaufmann Giovanni Demetrio das Grundstück, auf dem sich der Obelisk befand, der ägyptischen Regierung ab. Er hatte vor, es zu bebauen, und suchte nach Möglichkeiten, den Obelisken zu entfernen. Er verklagte den ägyptischen Staat, der kein Interesse daran zeigte, den Obelisken zu entfernen, und drohte, ihn zu zerlegen und zu entsorgen.R. A. Hayward: Cleopatra’s Needles. Hartington 1978, S. 26. Daraufhin ergriff der Offizier James Alexander die Initiative. Mit Hilfe des Ingenieurs Dusan entwarf er ein Transportkonzept, das in der Zeitschrift The Engineer veröffentlicht wurde. Daraufhin wurde ihm das „Thames Embankment“ von dem „Metropolitan Board of Works“ angeboten. Jedoch fehlte es immer noch an Geldern, um das Projekt zu finanzieren. Über zehn Jahre hinweg versuchte er immer wieder, Interesse an seiner Mission zu erwecken. Da Muhammad Ali Pascha inzwischen verstorben und Ismail Pascha als Khedive an seine Stelle getreten war, gab es Zweifel daran, ob das Angebot des Pashas, für die Kosten der Verladung des Obelisken aufzukommen, überhaupt noch bestand. Daher reiste James Alexander 1875 nach Ägypten, um sich über den Stand einer entsprechenden Genehmigung zu informieren. In einer Audienz bei dem herrschenden Khedive wurde ihm versichert, dass jenes Angebot noch bestehe. Das erweckte großes Interesse innerhalb der englischen Bevölkerung. Die Einzelheiten des erneut angesteuerten Projektes müssten jedoch mit dem Inhaber des Grundstücks geklärt werden. Daraufhin verabredete er sich mit dem griechischen Geschäftsmann Giovanni Demetrio, der zunächst unwillig erschien. Denn seine Klage gegen den ägyptischen Staat war noch nicht entschieden. Bei einem erneuten Treffen ließ er sich jedoch zu einer Zusage bewegen und versprach, dem Vorhaben nicht im Weg zu stehen.R. A. Hayward: Cleopatra’s Needles. Hartington 1978, S. 27–31; A. Noakes: Cleopatra’s Needles. London 1962, S. 18ff.