Sonne und Beton ist ein Coming-of-Age- und Kriminalfilm von David Wnendt aus dem Jahr 2023. Es handelt sich dabei um die Verfilmung des autobiografisch inspirierten gleichnamigen Bestsellers von Felix Lobrecht. Darin brechen vier Klassenkameraden in ihre Schule in Berlin-Gropiusstadt ein, in der Hoffnung, so ihre Geldprobleme zu lösen.
Der Film wurde im Februar 2023 bei der Berlinale uraufgeführt und kam am 2. März 2023 in die deutschen Kinos.
Handlung Berlin-Gropiusstadt im Hitzesommer 2003, im zeitlichen Umfeld der Hartz-Reformen. Die Jugendlichen Lukas, Julius und Gino verbringen ihre Zeit in Neukölln mit Kiffen und ihren weitgehend erfolglosen Versuchen, Mädchen aufzureißen. Mit dem Halbkubaner Sanchez kommt ein neuer Schüler in die Klasse, der sich schnell mit Lukas und dessen Kumpels anfreundet.
Zu Hause haben die Jugendlichen meistens nur Stress. Lukas hat vielleicht das größte Potenzial, etwas mehr aus sich zu machen, und wird von seinem Lehrer für gelungene Aufsätze gelobt. Er ist voller Bewunderung für seinen durchtrainierten älteren Bruder Marco, der eine lebende Legende im Bezirk ist und sich als Kleinkrimineller über Wasser hält. Lukas’ Vater Matthias ist arbeitslos und nach dem Tod seiner Frau mit der Erziehung überfordert. Gino leidet sehr unter seinem Vater, einem gewalttätigen und cholerischen Alkoholiker, der seine Mutter und auch seinen Sohn terrorisiert. Julius lebt ohne Eltern in einer heruntergekommenen Wohnung mit seinem älteren Bruder, der immer breit oder dicht ist und mit seinen Kumpels in den Tag gammelt. Der großmäulige Julius ist immer am Start, wenn es um Partys und Drogen geht, und nimmt auch mal die Waffe seines Bruders an sich. Sanchez lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter, die auch mit Job finanziell kaum über die Runden kommt und trotz allem ihrem Sohn eine gute Mutter sein möchte.
Eines Morgens kann Lukas nicht seine Schule betreten, da er seinen Schülerausweis verloren hat und daher die am Schultor wachenden Securityleute ihn ohne diesen nicht hineinlassen dürfen. Er trifft sich mit seinen ohnehin schwänzenden Freunden. Als die Jungs im Park für zehn Euro Gras kaufen wollen, geraten sie zwischen zwei rivalisierende Dealergruppen. Es entsteht eine Massenschlägerei, bis die Polizei eintrifft. Lukas wird nicht nur verprügelt, sondern eine der Drogendealer-Gangs verlangt nun 500 Euro als Entschädigung von ihm. Obendrein nervt es die Jungs, für Aktivitäten wie Schwimmbad, Partys oder dem Ausgehen mit Mädchen nicht das nötige Geld zu haben. Um ihre Geldprobleme zu lösen, kommt Sanchez auf eine Idee. Sie brechen nachts in ihre Schule ein und stehlen einige der nagelneuen, vom Bundesland Berlin finanzierten Schülercomputer aus dem Keller. Trotz unprofessioneller Durchführung gelingt den Jungs der Einbruch; am nächsten Tag ist die Schule allerdings voller Polizisten und Journalisten, der Diebstahl an der „Problemschule“ zieht weite mediale Kreise.
Den Jungs gelingt es, drei der Rechner in einem Pfandhaus zu einer für sie enttäuschenden Summe zu vertickern. Für die erhaltenen 800 Euro kaufen sie sich unter anderem neue Markenklamotten. Als sein Lehrer ihn zu einem persönlichen Gespräch bittet, glaubt Lukas zunächst, sie seien aufgeflogen – doch Herr Sonnabend verdächtigt stattdessen die Mitschüler mit Migrationshintergrund und glaubt, dass Lukas als deutscher Schüler ihm bei der Aufklärung helfen könne. Die Drogendealer haben noch immer nicht die 500 Euro bekommen und demolieren als Strafe das Auto von Lukas’ Vater. Lukas versucht die Situation mit dem Anführer der Drogendealer zu klären, der ihn schlagen möchte. Die muslimischen Mütter und Tanten des Drogendealers beobachten die Situation und bringen ihn dazu, mit Lukas Frieden zu schließen. Als Lukas später mit dem Dealer ohne dessen Familie vor der Tür steht, muss er ihm zur endgültigen Friedensschließung zusätzlich noch seine gerade neu gekauften Turnschuhe geben.
Inzwischen hat Lukas seinem älteren Bruder Marco anvertraut, dass er und seine Freunde die Computer gestohlen haben. Marco vermittelt die Jungs an einen Typen, bei dem sie ihre letzten Rechner loswerden können, der sie jedoch nicht bezahlt und einfach mit den Computern wegfährt. Was die Jungs nicht wissen: es handelt sich bei dem Typen um einen Komplizen von Marco, der jetzt selbst an den gestohlenen Rechnern verdient und damit seine eigenen Schulden in der Unterwelt abbezahlen kann. Es ist kurz zu sehen, dass Marco den verloren geglaubten Schülerausweis seines Bruders aus der Anfangsszene des Films zum Drehen eines Joints benutzt.
Während Lukas, Julius und Sanchez die letzten Computer losgeworden sind, dreht Gino, der immer mehr an der Situation mit seinem brutalen Vater verzweifelt, durch. Gino nimmt ihm von Julius geschenktes Tilidin ein und gewinnt durch den Rausch an Mut, schlägt seinen wieder einmal auf die Mutter einprügelnden Vater mit einer Flasche nieder und verletzt diesen schwer. Dann springt er selbst vom Balkon. Als Lukas, Julius und Sanchez das hören und sich auf den Weg ins Krankenhaus machen wollen, entdeckt Julius, wie seine Freundin Denise mit dem Drogendealer Cem herumknutscht. Es kommt zu einer kurzen Prügelei mit Cem, doch die Jungs erkennen, dass der Besuch im Krankenhaus für sie wichtiger ist. Der Film endet damit, wie sie den schwer verletzten, aber ansprechbaren Gino besuchen und sich als Zeichen der Freundschaft umarmen.
Literarische Vorlage und Biografisches
Der Film basiert auf dem 2017 im Verlag Ullstein erschienenen autobiografisch inspirierten Bestseller Sonne und Beton von Felix Lobrecht. Der 1988 geborene Stand-Up Comedian wuchs mit zwei Geschwistern bei seinem alleinerziehenden Vater in Berlin-Neukölln auf und erhielt 2020 und 2021 den Deutschen Comedypreis in den Kategorien Bester Komiker und als Bester Comedy-Podcaster für Gemischtes Hack. Zu seinem Roman erklärte Lobrecht: „Ich konnte […] viele Szenen im Buch nur deshalb so schreiben, dass sie später funktionierten, weil ich Bilder vor Augen hatte. Offenkundig kenne ich die Gegend gut, in der das Buch spielt, und ich habe beim Schreiben immer genau die Orte gesehen.“
Produktion Regie, Drehbuch und Besetzung Regie führte David Wnendt, der gemeinsam mit Lobrecht auch dessen Roman für den Film adaptierte.Barbara Schuster: Wnendt wieder mit Constantin. In: Blickpunkt:Film, 7. Oktober 2020. Bekanntheit erlangte Wnendt vor allem durch seinen mehrfach preisgekrönten Spielfilm Kriegerin und die Bestsellerverfilmungen Feuchtgebiete und Er ist wieder da. mini|hochkant=0.75|Regisseur David Wnendt bei der Berlinale 2023 Die große Stärke des Romans sei, wie authentisch, glaubwürdig und sensibel er dieses Lebensalter rüberbringe, so Wnendt: „Die Figuren sind differenziert und realistisch dargestellt. Lukas und seine Freunde sind keine Engel, sie können rau, grob und frech sein, sie bauen viel Mist und doch sind sie verletzlich und fähig, Zärtlichkeit zu zeigen.“ Als Wnendt auf Lobrecht zukam, weil er seinen Roman verfilmen wollte, hatte dieser nach eigenen Aussagen ein gutes Gefühl, nachdem er sich seinen Debütfilm Kriegerin angesehen hatte. „Es ist ein ganz anderes Genre, ein ganz anderes Milieu, aber die Unmittelbarkeit und harte Dichte war genau das, was ich mir auch für eine Verfilmung meines Romans wünschte“, so Lobrecht.
Nach einem Casting von über 5.000 Jugendlichen aus ganz Deutschland überzeugten Levy Rico Arcos, Vincent Wiemer, Rafael Luis Klein-Heßling und Aaron Maldonado-Morales die Filmcrew.Felix Lobrechts „Sonne und Beton“: Starttermin & Trailer sind da!. In: TV Movie, 13. Januar 203. Sie spielen in den Hauptrollen Lukas, Julius, Gino und ihren neuen Klassenkameraden Sanchez.Sonne und Beton. In: constantin-film.de. Abgerufen am 14. Januar 2023. Levy Rico Arcos besucht eine Schule in Gropiusstadt, Aaron Maldonado-Morales kommt aus Kreuzberg.
Der Berliner Rapper Luvre47, der in Gropiusstadt aufwuchs, was er auch häufig in seinen Songs thematisiert, spielt Marco, den älteren Bruder von Lukas. Er steuerte auch den Titelsong des Films bei.Marc Mensch: „Sonne und Beton“ rockt Berlin. In: Blickpunkt:Film, 24. Februar 2023. Felix Lobrecht ist im Film in einer kleinen Nebenrolle als Freund von Julius’ älterem Bruder zu sehen – nach eigenen Angaben hatte Lobrecht bei Regisseur Wnendt gefragt, ob er die Rolle des Marco spielen könne, doch der wollte, dass er sich ebenso wie die anderen Bewerber im Casting präsentierte. Bei dem Casting für die Rolle des Marco war Luvre47 in Wnendts Augen am überzeugendsten, während Lobrecht die kleinere Rolle des Shoot erhielt.Pascal Reis: Diese Rolle wollte Felix Lobrecht in „Sonne und Beton“ übernehmen – ist aber am Casting gescheitert! In: filmstarts.de, 7. März 2023.
Auch weitere Rapper wie Lucio101 (als Cem) und Olexesh (als Marek) sowie Hiphop-Stars wie Juju, NNOC, Azzi Memo, Klapse Mane und Army Of Brothers sind in teils größeren, teils kleinen Nebenrollen zu sehen. Die Rollen der Eltern und Lehrer wurden hingegen überwiegend mit professionellen Schauspielern mit längerer Bühnen- und Filmerfahrung besetzt. Komparsen wurden fast ausschließlich vor Ort besetzt und Schauspieler für kleinere Rollen durch Streetcastings im Bezirk gefunden.
Laut Lobrecht war zunächst eine Produktion durch Netflix geplant. Sie kam jedoch aufgrund inhaltlicher Differenzen nicht zustande. Einige kriminelle Figuren mit Migrationshintergrund sollten in Deutsche umgeschrieben werden. Lobrecht sagte in seinem Podcast: „Die wollten Neukölln politisch korrekt machen, meine Jugend so machen, dass sie in ihren politischen Film reinpasst“. Eine Gang aus arabischen Drogendealern sollte laut Lobrecht durch eine Gang aus deutschen, lesbischen Mädchen ersetzt werden. Lobrecht kritisierte: „Die Fiction-Abteilung bei Netflix ist völlig irre. Die sind wirklich deep down in diesem Woke-Gaga“.Felix Lobrecht: „Die Fiction-Abteilung bei Netflix ist völlig irre. Die sind deep down in diesem Woke-Gaga“. In: welt.de, 6. Juni 2023. Gleichwohl nahm Netflix den Film im Mai 2026 in sein Streamingangebot auf. Die Filmproduktion wurde von der Berliner Filmproduktionsgesellschaft Seven Elephants übernommen.
Filmförderung und Dreharbeiten Sonne und Beton wurde vom Deutschen Filmförderfonds mit einer Produktionsförderung in Höhe von 920.000 Euro unterstützt, mit 500.000 Euro von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und mit 650.000 Euro vom Medienboard Berlin-Brandenburg.Förderung für „Sonne und Beton“-Verfilmung. In: berlin.de, 15. Februar 2021. Weitere 470.000 Euro kamen von der Filmförderungsanstalt und 230.000 Euro von der Mitteldeutschen Medienförderung. Die Filmförderungsanstalt gewährte zudem eine Verleihförderung in Höhe von 300.000 Euro.Verleih- und Vertriebsförderung 2023. In: ffa.de. Abgerufen am 26. April 2023. (PDF)
Die Aufnahmen entstanden an insgesamt 59 Drehtagen zwischen Ende Juni und 11. September 2021 im Berliner Ortsteil Gropiusstadt im Bezirk Neukölln.Barbara Schuster: David Wnendt feiert Drehschluss von „Sonne und Beton“. In: Blickpunkt:Film, 13. September 2021. Als Kamerafrau fungierte Jieun Yi.
Filmmusik, Marketing und Veröffentlichung Die Filmmusik komponierten Enis Rotthoff und Konstantin Scherer. Letzterer ist Musikproduzent und zeichnete in dieser Funktion bereits für die Soundtracks zu den Filmen Fack ju Göhte, Fack ju Göhte 2, Fack ju Göhte 3, 3 Türken und ein Baby und Macho Man verantwortlich. Weiter waren Phil the Beat, Chapo, Elias Hadjeus, Jumpa & Magestick, Luvre47, NNOC und Vincent „Beatzarre“ Stein beteiligt. Anfang März 2023 wurden von Königskinder zwei Soundtrack-Alben veröffentlicht. Eines enthält 17 Musikstücke von Rotthoff, Scherer & Phil the Beat, das zweite 10 Songs von Luvre47, Chapo, Bria, Tihamer, Elias Hadjeus und anderen aus dem Film.‘Sun and Concrete’ ('Sonne und Beton') Soundtrack Albums Released. In: filmmusicreporter.com, 2. März 2023. mini|hochkant=1.25|Die vier Hauptdarsteller und Felix Lobrecht im Februar 2023 bei den Filmfestspielen in Berlin