mini|Friedrich Wilhelm Basilius von Ramdohr Friedrich Wilhelm Basilius von Ramdohr (* 21. Juli 1757 auf Drübber, heute Ortsteil der Gemeinde Dörverden; † 26. Juli 1822 in Neapel) war ein zeitweise in Dresden praktizierender konservativer Jurist, Journalist, Schriftsteller sowie kurhannoverscher und ab 1806 preußischer Diplomat.
Leben
Herkunft und Studium mini|hochkant|Friedrich Wilhelm Basilius von Ramdohr (1795) Friedrich Wilhelm Basilius von Ramdohr wurde 1757 als ältester von sechs Söhnen des Hof- und Kanzleirats Alexander Andreas von Ramdohr (1724–1782)Joachim Lampe: Aristokratie, Hofadel, und Staatspatriziat in Kurhannover: Beamtenlisten und Ahnentafeln. 1963; S. 7 () und der Johanna Georgine von Borries, verw. von Hattorf (einer Tochter des Johann Friedrich von Borries), auf dem Rittergut Drübber geborenvgl. E. Henning: Preussische Diplomaten im 19. Jahrhundert. 2003, S. 194: Johann Caspar Struckmann: Preußische Diplomaten im 19. Jahrhundert. Trafo, 2003, ISBN 978-3-89626-391-9 ()., das von 1686 bis 1839 im Besitz der Familie von Ramdohr war. Ab 1775 studierte der vielseitig talentierte Ramdohr Jura und Altertumswissenschaften bei Christian Gottlob Heyne in Göttingen, wo er zusammen mit Ernst Brandes Mitglied der aus der Göttinger Espérancierloge MarsFreimaurer-Zeitung: Handschrift für Brüder, Band 4, 1850, S. 181 () hervorgegangenen Ordensverbindung Z.N. war, die von dem Professor Johann Friedrich Blumenbach geführt wurde.Vgl. Daneben übte er sich im Zeichnen, in Pastell-, Porträt- und Ölmalerei sowie literarisch im Verfassen von Dramen und in Inszenierungen mit Laientheatern. Zudem besuchte er schon früh die bedeutenden Kunstsammlungen Europas. 1778 wurde er Hofgerichtsauditor in Hannover und war Ritterschaftsdeputierter der Grafschaft Hoyavgl. Sigusch, S. 572. Bis 1781 hatte er eine Beziehung mit der verheirateten Charlotte Kestner, geborene Buff, die als Goethes unerfüllte Liebe das Vorbild für die Figur der Lotte in Die Leiden des jungen Werthers war. Episoden dieser Liebschaft verarbeitete Ramdohr in seinem erfolglosen Frühwerk, Kaiser Otto der Dritte, ein Trauerspiel, das im Februar 1783 in Göttingen veröffentlicht wurde, aber nahezu unbeachtet blieb.
Kunstreisen, Karriere und literarisches Schaffen
Das Jahr 1784 verbrachte der nun bereits als Baron titulierte Ramdohr, nach unglücklichen Liebschaften mit Christian Gottlob Heynes Gattin Georgine sowie deren Schwester LuiseCarl Haase: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, 1968, S. 170 (), beides Töchter von Georg Friedrich Brandes, auf Reisen. Er blieb ein halbes Jahr lang in Rom, u. a. beim russischen Hofrat Johann Friedrich Reiffenstein, machte Bekanntschaft mit dem Maler Lambert KraheRosenberg: Lambert Krahe eine biographische Skizze, Originalveröffentlichung in: Brink, Sonja (Hrsg.): Akademie - Sammlung - Krahe : eine Künstlersammlung für Künstler (Ausstellungskatalog), Düsseldorf 2013, S. 38–75; siehe Seiten 48 und 60 und bereiste auch Paris, wo er als Gast bei Friedrich Melchior Grimm weilte und Paul Henri Thiry d’Holbach und Denis Diderot begegneteMortier 1986, S. 43ff, sowie Wien, wo er im Oktober 1784 Bekanntschaft mit dem Theaterautor Friedrich Ludwig Schröder machte und sich im Januar 1785 für diesen beim Herzog von York einsetztevgl. Friedrich L. Meyer: Friedrich Ludwig Schröder.Beitrag zur Kunde des Menschen und des Künstlers: in zwei Theilen. Band 1, Hoffmann und Campe, 1819, S. 399 ().. Die Mittel für diese Reisen hatte er bereits Juni 1781 von seiner GroßmutterIch war wohl klug, dass ich dich fand: Heinrich Christian Boies Briefwechsel mit Luise Mejer 1777-85, Biederstein, 1963, S. 97 () in Celle erhalten. Nach seiner Italienreise verfasste er das dreiteilige Buch Über Mahlerey und Bildhauerarbeit in Rom für Freunde des Schönen in der Kunst, das 1787 in Leipzig verlegt wurde und als vielbenutzter Kunstführer Verbreitung fand. Zurück in Celle gab Ramdohr auch persönlich, unter anderem für Carl Ludwig FernowLuise Gerhardt: Carl Ludwig Fernow, Verlag Haessel, 1908, S. 23, den Ansporn zu mancher Italienreise. Das Buch wurde jedoch auch teilweise kritisch aufgenommen. So urteilt Goethe, der es auf seiner Italienischen Reise in Rom erhalten hatte, in einem Brief vom Oktober 1787:Goethe, Italienische Reise, Zweiter Römischer Aufenthalt, Brief vom 27. Oktober 1787
Ab 1788 war Ramdohr siebzehn Jahre lang Oberappellationsrat der gelehrten Bank am Oberappellationsgericht in Celle, dem höchsten Justizhof der hannoverschen Länder, und zugleich Direktor der dortigen Justizkanzlei. Er war hier der Vorgesetzte des Sekretärs Johann Wilhelm Zschorn (1714–1795), dessen testamentarisch überlassene Gemäldesammlung der Kunstsammlung der Universität Göttingen am 16. Februar 1796 zufiel (es existiert ein Porträt Zschorns in Form einer Pastellzeichnung von Friedrich Wilhelm Basilius von Ramdohr). Ramdohr war wohl zeitweise der Kurator der Sammlung. Am 14. Juli 1790 nahm er zusammen mit Friedrich Gottlieb Klopstock, Adolph Freiherr Knigge, Friedrich Ferdinand Alexander zu Dohna-Schlobitten, Reimarus und Unzer am Revolutionsfest des Heinrich Sieveking in Hamburg teil. Im Februar 1791 veröffentlichte er einen kritischen Aufsatzsiehe Axel Schumann: Berliner Presse und Französische Revolution: Das Spektrum der Meinungen unter preußischer Zensur 1789–1806. Dissertation TU Berlin 2001, S. 127f. (online; PDF; 1,5 MB) über das Vorrecht des Adels auf Spitzenstellungen im Staat. 1791 unternahm er eine Bildungsreise nach Dänemark und wurde Ehrenmitglied der Mahler-, Bau- und Bildhauer-Akademie KopenhagenAnnalen der Braunschweig-Lüneburgischen Churlande, Bände 1–2; Band 5. S. 204. Hannover 1791. 1792 beschrieb er die Kunstsammlung des Freiherrn von Brabeck und wurde nach Veröffentlichung seines Werkes Charis oder ueber das Schöne und die Schönheit in den nachbildenden Künsten (Leipzig 1793) auswärtiges Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen ab 1794.
Friedrich Schiller schreibt in einem Brief an Goethe über Charis:Schiller, Brief an Goethe vom 7. September 1794;
Laut Karl August Böttiger genoss Ramdohr in Leipzig und Dresden nun die größte Achtung und Auszeichnung, und ward überall als ein Orakel über die schönen Künste mit Staunen angehört. So traf er im August 1794 Goethe und Christoph Martin Wieland in der Bildergalerie Dresden und wurde am 18. September 1794 von Goethe in Weimar empfangen, später folgten Begegnungen mit Schiller, Körner, 1805 auch mit den Gebrüdern Grimm, wenngleich zeitgenössische Briefe, etwa des Kunstgeschichtlers Johann Dominik Fiorillo, belegen, dass seine Bücher teilweise als fehlerhaft empfunden wurden.
mini|Carl Christian Vogel von Vogelstein – Basilius von Ramdohr (1813) Ende 1796 leitete Basilius von Ramdohr die Heirat mit seiner ersten Ehefrau ein, der 46-jährigen Juliana Wilhelmine Antoinette Davide von dem Bussche, verwitwete Gräfin von Oberg (1752–1807). Über diese Verbindung schrieb August Wilhelm von Schlegel an Georg Joachim Göschen am 22. Dezember 1796:
Im Jahr 1798 erschien Ramdohrs vierteiliges Werk Venus Urania, und im Jahr darauf die zweibändigen Moralischen Erzählungen in Leipzig. Von September 1800 bis Februar 1801vgl. Carl Haase, 1968 führte Ramdohr erfolglose briefliche Verhandlungen mit dem oldenburgischen Herzog um die Nachfolge nach Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg als Regierungspräsident in Eutin.
Diplomat, Privatier und Kunstkritiker
Im Juli 1803Allgemeine Zeitung München Nr. 229, S. 916, 17. August 1803 wurde er, zusammen mit dem Legationsrat von Hinüber, zu Napoléon nach Paris und Brüssel und später nochmals nach Paris geschickt, um Abmilderungen der seit 3. Juni herrschenden französischen Besetzung Kurhannovers zu erreichen, was schließlich im Oktober 1803 den Abzug von 7200 französischen Soldaten bewirkte.Ludwig H. Schelver: Das Kurfürstenthum Hannover unter den Franzosen in den Jahren 1803, 1804 … Vieweg 1806, Seite 36 1804 war Ramdohr Deputierter der hannoverschen Stände in Paris. Auf einer von dem dänischen Dichter Jens Immanuel Baggesen veranstalteten Soiree im Februar 1804 traf Ramdohr als Gast auf Heinrich von Kleist.Hermann F. Weiss: Funde und Studien zu Heinrich von Kleist. Niemeyer 1984, S. 75, ISBN 978-3-484-10482-2 Im Sommer 1805 traf Ramdohr in Paris auf Jacob Grimm, der danach kein sehr hohes Ansehen von ihm hatte. Ramdohr war vom englischen König seit kurzem zum Direktor der Cellischen Justizkanzlei ernannt worden, als im Februar 1806 Teile von Kurhannover an Preußen fielen. Ramdohr bat in London um seine Entlassung, trat aber im September 1806 als Diplomat in preußische Dienste und wurde vom König von Preußen zum geheimen Legationsrat und 1807 zum Kammerherrn in Sachsen ernannt, wobei ihm die bisherige Kanzleidirektor-Gage als Pension und Wartegeld zugesichert wurden, bis ein Gesandtschaftsposten für ihn frei würde. Er entfremdete sich nun zusehends seiner Heimat und verkaufte das vom Vater ererbte Rittergut Drübber an seinen jüngeren Bruder Alexander Andreas.J. Lampe: Aristokratie. 1963, S. 325 () Nach dem Zusammenbruch Preußens legte Ramdohr, seit 1807 Witwer, seine politische Tätigkeit vorübergehend nieder und lebte 1808 als Privatmann in Merseburg bei dem Domherrn von Bodenhausen und dann in Dresden, wo er als freischaffender juristischer und Kunstschriftsteller, auch für das Journal Phöbus, tätig war. Im Januar 1809 veröffentlichte er einen kritischen Artikel über den Dresdner Maler Caspar David Friedrich, der einen über die damaligen Literaturzeitungen ausgetragenen, heftigen Disput auslöste, aber andererseits Friedrichs Kunst bekannt machte. Mitte März 1809 antwortete Ramdohr auf eine Gegendarstellung Gerhard von Kügelgens mit einem weiteren Aufsatz (Uber kritischen Despotismus und künstlerische Originalität, als Beantwortung der Bemerkungen des Herrn von Kügelgen über eine von mir herrührende Kritik eines Gemäldes des Herrn Friedrich).
Gesandter in Rom und Neapel
1810 kehrte Ramdohr als faktischer Geschäftsträger Preußens am Vatikan nach Italien zurück, wo er auch eine Revision seiner eigenen Grundsätze zur Kunstästhetik und die Sammlung von Daten zu einem neuen kritisch-geschichtlichen Werk über Malerei beginnen wollte. Im Januar 1812 organisierte er den Aufenthalt des Prinzen Bernhard von Sachsen-Weimar und seiner Entourage in RomRichard Starklof: Das Leben des Herzogs Bernhard v. Sachsen-Weimar-Eisenach, k. niederl. Generals der Infanterie, Bd. 1, S. 105; Gotha 1865.. Im Jahr 1813 erschien in Paris eine von Ramdohr übersetzte und ergänzte Sammlung von Wielands Erzählungen. Bereits um 1812 hatte Ramdohr erneut geheiratet, nämlich die erheblich jüngereF. v. Oppeln-Bronikowski: David Ferdinand Koreff: Serapionsbruder, Magnetiseur, Geheimrat und Dichter, 1928, S. 40, 105, 283 () Dorothea Denecke, mit der er sich zum Zeitpunkt der wieder aufflammenden Kriegshandlungen Preußens mit Frankreich im August 1813 in Rom aufhielt. Während Ramdohr von den Franzosen als Gefangener zurückgehalten wurde, versuchte die schwangere Dorothea in Begleitung von Adolf Friedrich August von Rochow (1788–1869)Adolph Friedrich August von Rochow: Nachrichten zur Geschichte des Geschlechts derer von Rochow und ihrer Besitzungen. A. W. Schade, Berlin 1861, S. 174 über Wien zurück nach Hannover zu gelangen, was aber infolge der Kriegswirren misslang. Sie blieb als Gast im Hause der Caroline von Humboldt am Wiener Minoritenplatz bis März 1814, wo sie nach Geburt ihrer Tochter, Karoline von Ramdohr, am 12. Februar 1814 schwer erkranktevgl. S. 427 K. v. Pichler: Denkwürdigkeiten aus meinem Leben... Band 6, Verlag G. Müller, 1914 () und auch David Ferdinand Koreff kennenlernte. mini|160px|Wallenstein-Porträt, mit Widmung Ramdohrs für Thorvaldsen (Stich Joseph Bergler)