Das ist Cinerama ist ein US-amerikanischer Dokumentar- beziehungsweise Reisefilm aus dem Jahr 1952. Es war der erste Film, der im Filmformat Cinerama veröffentlicht wurde, das er vorstellen sollte. In den 1950er Jahren war Das ist Cinerama einer der finanziell erfolgreichsten Filme der Filmgeschichte.
Handlung Der Film beginnt in Schwarzweiß und im üblichen Hollywoodformat. Lowell Thomas führt in die Geschichte der Darstellung der Welt ein, beginnend mit Höhlenmalereien über Leonardo da Vinci und die Beginne der Filmgeschichte. Mit den Worten „Ladies and Gentlemen: This is cinerama“ wird der Film farbig und nimmt das Cineramaformat 2,685:1 an. Es folgt eine Fahrt mit einer Achterbahn in Coney Island aus der Perspektive des ersten Platzes im ersten Wagen. Danach werden Aufnahmen von Teilen einer Aufführung von Aida an der Scala, ein Hubschrauberflug über die Niagarafälle, Gondelfahrten in Venedig, ein Stierkampf und ein Tanzfest in Spanien, ein Treffen schottischer Clans am Edinburgh Castle, ein Auftritt der Wiener Sängerknaben vor dem Schloss Schönbrunn gezeigt.
Nach einer Pause folgen Aufnahmen von Motorbooten und Darbietungen von Wasserskiakrobatik bei Cypress Gardens in Florida. Den Abschluss bildet ein längerer Abschnitt, benannt nach dem dazu gesungenen Lied America the Beautiful, mit Flugbildern, wie sie aus dem Cockpit zu sehen sind. Gezeigt werden dabei mehrere US-amerikanische Sehenswürdigkeiten, wie Manhattan, der Grand Canyon, der Crater Lake, verschiedene Nationalparks oder ein Flug unter der Golden Gate Bridge hindurch.
Hintergrund Vorgeschichte Fred Waller hatte schon vor dem Zweiten Weltkrieg ein System aus elf Kameras, das er Vitarama nannte, entwickelt und auf der 1939 New York World’s Fair vorgestellt. Während des Krieges wurde es weiter entwickelt und als Flugsimulation für Trainingsfilme verwendet. Allerdings war es so für Kinos ungeeignet. Als Waller 1949 seine Sponsoren verlor, tat er sich mit dem Toningenieur Hazard E. Reeves zusammen, der in die Firma investierte und ihr Präsident wurde. Bald taten sie sich mit Thomas-Todd Productions einer Produktionsfirma des Journalisten und Reiseschriftstellers Lowell Thomas sowie des Filmproduzenten Michael Todd zusammen. Der Dokumentarfilmer Robert J. Flaherty sollte den ersten Film drehen, doch verstarb dieser kurz nachdem er erste Szenen gedreht hatte. Daraufhin übernahmen Todd und sein Sohn und brachen nach Europa auf, wo sie weitere Szenen drehten. Dabei überzogen sie das Budget so sehr, dass sie aus der Firma gedrängt wurden, worauf Lowell Thomas seinen Freund Merian C. Cooper verpflichtete. Dieser traf schließlich die wesentlichen Entscheidungen für den Film. Er veranlasste weitere Aufnahmen für die Achterbahnfahrt. Außerdem beauftragte er für die abschließende Szene America the Beautiful den Piloten Paul Mantz.
Musik This Is Cinerama enthält neben der Musik von Giuseppe Verdi (Aida), Georg Friedrich Händel (Hallelujah), Johann Strauss (Sohn) (An der schönen blauen Donau, gesungen vom Knabenchor) und Samuel A. Ward (America the Beautiful), auch Originalmusik. Die wurde hauptsächlich von Max Steiner geschrieben, der damals bei Warner Bros. angestellt war. Lowell Thomas hatte versucht, Steiner offiziell für den Film auszuleihen. Jack L. Warner verweigerte dies aber. Steiner komponierte die Musik heimlich. Sein Freund Louis Forbes arbeitete mit dem Orchester und passte zusammen mit Steiner die Musik für den Film an. Somit durfte Max Steiner aus rechtlichen Gründen nicht im Film genannt werden. Auch Roy Webb und Paul Sawtell komponierten Teile der Filmmusik. Die Oscarnominierung für die Musik ging an Louis Forbes.
Regie Zur Regie gibt es widersprüchliche Informationen. Zumeist wird Merian C. Cooper als erster genannt, und wenn, dann stets ohne irgendwelche Einschränkungen. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass Cooper erst zu dem Projekt stieß, als einige Szenen bereits gedreht waren. Des Weiteren wird Gunther von Fritsch genannt, der allerdings auf die Szenen in Wien eingeschränkt wird. Michael Todd Jr. wird als Verantwortlicher für die sonstigen Szenen in Europa sowie für die von den Niagarafällen angegeben und Ernest B. Schoedsack beziehungsweise Walter Thompson für den Prolog. Für die Sequenz America the Beautiful wird zudem Fred Rickey genannt. Diese fiel ebenso in die Verantwortung von Merian C. Cooper.
„Mach Cinerama zum Star“ Das ist Cinerama besteht aus einer Folge von kurzen Filmen, von denen die meisten schon gedreht waren, bevor Merian C. Cooper in das Projekt einstieg. Es gab einen Vorschlag, auch eine Geschichte mit Drehbuch und Schauspielern in den Film zu integrieren, doch Cooper wehrte sich dagegen. Cinerama sollte der Held des Films sein, und weder eine Story noch ein Star, auf die sich die Kritiker unweigerlich konzentriert hätten, sollte dem im Weg stehen. Auch die Achterbahnfahrt war Gegenstand von Diskussionen. Die meisten Produzenten wollten sie am Ende des Films oder gar nicht sehen. Cooper dagegen wollte sie am Anfang haben. Auf den Einwand, dass deswegen mindestens sechs Frauen in Ohnmacht fallen oder das Kino verlassen würden, sagte er nur, sie würden ein Problem haben, wenn das nicht passiere. Auch die Szene Americal the Beautiful wurde in Frage gestellt. Während Cooper sie als das große Finale sah, mit dem er die Schönheit, die Kraft und den Ruhm der USA und ihrer Bevölkerung zeigen wollte, wurde ihm entgegnet, 26 Minuten mit Flugszenen seien zu viel, mehr als 3 Minuten gingen nicht.
Merian C. Cooper führte mit Unterstützung durch Robert Bendick den Final Cut durch. Die letzten Bilder kamen erst wenige Stunden vor der Premiere, sodass niemand, auch nicht Cooper oder Bendick, die fertige Version vorher gesehen hatten.
Rezeption Kritiken Die meisten Kritiken zu Das ist Cinerama taten sich schwer, den Film vom Filmformat zu trennen, die zeitgenössischen, weil die Kritiker noch zu sehr von dem Format beeindruckt waren und daher eher dort Berichtenwertes sahen, und die späteren, weil sie sich eher zur Geschichte des Formats beziehungsweise der Qualität der gerade vorliegenden Neuveröffentlichung äußerten.
Zeitgenössische Kritiken Variety und Harrison’s Reports verzichteten darauf, eine Kritik in der jeweils üblichen Form zu veröffentlichen und beschränkten sich jeweils auf einen kurzen Artikel, den sie in der Nähe der Kritiken zu anderen Filmen legten. Beide erwähnten darin den Film eher kurz und gaben Zusammenfassungen zum Inhalt an. Die Variety spricht dabei von einer Aneinanderreihung von 12 verschiedenen Kurzfilmen in ebenso vielen Settings, wobei sie zwischen einem europäischen Teil und America the Beautiful unterscheidet. Auch Harrison’s Reports zählen die einzelnen Teile auf und sprechen von sehr spektakulären Darstellungen der Motorboote und beim Wasserski sowie von einer faszinierenden Luftfahrt durch die USA. Und sie erklären den hin und wieder erscheinenden Lowell Thomas zu einer Art Master of Ceremonies. Die Bedeutung von Cinerama wird dabei sehr betont, es sei Unterhaltungsgeschichte geschrieben worden und habe einen wesentlichen Effekt auf die Filmindustrie gezeigt. Beide heben die Wirkung der Achterbahn hervor, der Zuschauer fühle sich, als würde er mitfahren, und auch das Gefühl im Bauch sei dagewesen. Manche hätten die Fahrt nicht ertragen können und sich deswegen abgewendet. Ansonsten beschrieben sie, wie Cinerama funktioniert. Harrison’s Reports wiesen zudem darauf hin, dass in dem Film nichts erzählt wird, und fragte, ob und wie Cinerama für dramatische Geschichten adaptiert werden könne. Bosley Crowthers Artikel wurde, wie von mehreren Medien, zum Beispiel von der Variety, explizit erwähnt, auf Seite 1 der New York Times abgedruckt. Crowther betonte, dass das eingeladene und bedeutende Publikum aufgeregt und begeistert auf das Spektakel reagiert habe, als ob es das erste Mal einen Film gesehen habe. Nach einer etwas ausführlicheren Schilderung des Inhalts, stellt auch er die Frage nach der Nutzbarkeit für dramatische Filme. Zudem erwähnte er neben der exzellenten Farbe auch den fortschrittlichen Ton, der sehr klar und gut synchronisiert, wenn auch in seiner Lautstärke manchmal „überwältigend“ war. Alistair Cooke sah es in der Folge von Letter from America vom 10. Oktober 1952 ähnlich. Er sprach von einer Revolution, wie sie 1927 Der Jazzsänger, der erste Tonfilm, ausgelöst habe. Er empfahl, sich das Wort „Cinerama“ zu merken, weil es bald so geläufig wie „Telefon“ wäre. Auch er habe sich gefühlt, als wäre er am an dargestellten Ort, besonders in der Achterbahn, und wies auf eine gebildete New Yorkerin hin, die keine Achterbahnen vertrage und während dieser Szene in Ohnmacht gefallen sei. Außerdem warnte er vor den Auswirkungen von Cinerama auf die Politik. Er frage sich, was ein Demagoge mit guter Stimme und ansteckender Persönlichkeit damit anrichten könne.
Spätere Kritiken Anlässlich einer Wiederaufführung 1973 erschien eine Kritik von Vincent Canby in der New York Times. Darin beschwerte er sich, dass Cinerama so oft verbessert wurde, dass es viel weniger sei, als es ursprünglich war. Der Inhalt des Films sei der gleiche, doch in vielen Aspekten sei der Film simpler und schäbiger geworden. Das System mit den drei Kameras habe eine Brillanz im Bild erzeugt, das weder vorher noch nachher jemals erreicht worden sei. Zwar habe sich bei den beiden Versuchen, erzählende Filme mit Cinerama zu machen (Die Wunderwelt der Gebrüder Grimm und Das war der Wilde Westen), gezeigt, dass drei Bildebenen zwei zu viel seien, doch habe die Vereinfachung bei den Travelogues zu viel gekostet. Sogar die Erklärungen in Schwarzweiß am Anfang seien von schlechterer Qualität. Zudem habe es unbeabsichtigte Lacher gegeben, und die Flugszene am Ende sei zu patriotisch. Es habe dabei Buh-Rufe aus dem Publikum gegeben.
Neuere Kritiken, die zur DVD-Veröffentlichung 2012 geschrieben wurden, bezeichnen Das ist Cinerama als Meilenstein, eine Neuheit, die ihren Platz in der Kinogeschichte habe, aber vor allem ein Erlebnis. Allerdings sei es auch einfach ein Werbefilm. Wenn auch mittlerweile etwas veraltet oder kurios, sei der Film immer noch faszinierend. Auch die majestätische Filmmusik von Max Steiner und Roy Webb überzeuge noch. Die restaurierte Version simuliere die gebogene Leinwand mit dem Smilebox-System. Zwar sei der Film im Kino zweifellos beeindruckender, doch auch im Fernseher sei es immer noch ein fesselndes, kraftvolles Erlebnis. Die Mühe, die man sich bei der Restauration gemacht hat, sei bemerkenswert, doch habe man die ursprünglichen Filmrollen Jahrzehnte lang vernachlässigt, sodass selbst die beste Restauration an ihre Grenzen stoße. Trotzdem sei die DVD empfehlenswert.
Nominierung und Auszeichnungen Bei der Oscarverleihung 1954 war Louis Forbes in der Kategorie Beste Filmmusik (Drama/Komödie) nominiert. Der Oscar ging an Bronisław Kaper für Lili.
2002 wurde Das ist Cinerama in das National Film Registry aufgenommen. Der Film wurde außerdem von der Filmbewertungsstelle mit dem Prädikat Wertvoll ausgezeichnet.
Das ist Cinerama erhielt zudem kleinere Auszeichnungen, die auf den ersten Blick wenig mit Filmen zu tun haben. So zeichnete der US-amerikanische Verband der Reisebüros (National Assiociation of Travel Organizations) den Film aus, weil er das Interesse an Reisen fördere.
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