mini|hochkant=1.3|Stadtplan von 1892 mit den Sakralbauten (in roter Farbe) Die Liste der Sakralbauten in Mariupol beschreibt ausgewählte Gotteshäuser in Mariupol.
Historischer Hintergrund Mariupol ist eine Gründung griechisch-orthodoxer Siedler, die Ende der 1770er Jahre in großer Zahl von der Krim abwanderten, da sie dort zunehmend weniger toleriert wurden. Die Neuankömmlinge brachten wirtschaftlichen Fortschritt mit in die Gegend, so dass die Stadt schnell anwuchs. Der Vordenker der Abwanderung, der Metropolit Ignatios (1771–1786), begründete die ersten Kirchen in den 1780er Jahren. Später stieg der Einfluss der russisch-orthodoxen Kirche. Im Jahr 1882 erreichte ein Zweig der Katharinenbahn die Stadt Mariupol. 1889 wurde ein moderner Tiefwasserhafen an der Küste des Asowschen Meeres eröffnet. Zwei Hüttenwerke folgten, ausländische Konsulate und Handelsvertretungen entstanden. In der Folge des Aufblühens der Stadt entstanden viele repräsentative Gebäude. Auch einige der Kirchen und Synagogen hatten ihren Ursprung in dieser Zeit.
Nach dem Ersten Weltkrieg bildete sich erstmals eine eigenständige ukrainische Kirche, die erste Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche, die aber 1930 ihre Autokephalie verlor. In den Folgejahren wurden alle Kirchengebäude der Stadt zerstört und die Synagogen geschlossen, da der Einfluss der kämpfenden Gottlosen wuchs, die eine eigene Union der militanten Ungläubigen der Ukraine (ukrainisch Спілка войовничих безвірників України) bildeten. Deren Niedergang brachte minimale Verbesserungen und nach dem Zweiten Weltkrieg, währenddessen die kurzlebige zweite Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche bestand, konnte sich eine neue Gemeinde in Mariupol etablieren, die der heutigen St.-Nikolaus-Kathedrale (Mariupol).
Wirklichen Aufschwung brachte aber erst die Perestroika und die Gründung der Ukraine, seit der nicht nur zahlreiche neue Kirchen entstanden, sondern auch die jüdische und die islamische Gemeinde eigene Gotteshäuser in Mariupol gründen konnten. Innerhalb der orthodoxen Kirche kam es zu zahlreichen Zerwürfnissen. So bildeten sich in der Ukraine: die autokephale Orthodoxe Kirche der Ukraine, entstanden 2018 durch griechische Vermittlung aus der dritten Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche und der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche Kiewer Patriarchats (Eparchie Donezk und Mariupol), die autonome Ukrainisch-Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats (Eparchie Donezk und Mariupol, zirka 20 Kirchen und Kapellen im Stadtgebiet) und eine Restkirche der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche Kiewer Patriarchats (Eparchie Mariupol), die die Vereinnahmung durch die griechische Kirche ablehnt, aber auch nicht zur russischen gehören will, wodurch gleich drei orthodoxe Bischöfe für Mariupol zuständig sind. Daneben gibt es noch die russisch-orthodoxe Kirche in den von Russland annektierten Gebieten (Krim, VR Donezk, VR Lugansk), und die wieder zugelassene Ukrainische griechisch-katholische Kirche (Erzbischöfliches Exarchat Donezk). Mit der Belagerung von Mariupol kam es im Jahr 2022 erneut zu massiven Angriffen auf Kirchengebäude. Etliche Kirchen wurden beschädigt bzw. zerstört.
Bei den älteren Kirchen ist zum einen die kirchliche Zugehörigkeit schwer zu klären, da sie von einem griechisch-orthodoxen Metropoliten gegründet wurden, später aber mutmaßlich zur russisch-orthodoxen Kirche oder zur Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche gehörten, zum anderen sind die Architekten nicht immer ermittelbar. Ähnlich verhält es sich mit der zweiten Welle von Kirchengründungen ab 1870. Vermutlich waren es hier die Stadtbaumeister, die die Entwürfe lieferten.
Bekannte Stadtbaumeister ab 1870
Samuel Josipowitsch Ber (ukrainisch: Самуїл Йосипович Бер / russisch Самуил Иосифович Бер) (1854–1905), ausgebildet in St. Petersburg, ging spätestens 1883 nach Chabarowsk, wo er als Architekt und Rabbiner wirkte Adolf Gustawowitsch Emerik (ukrainisch: Адольф Густавович Емерік / russisch: Адольф Густавович Эмерик) 1900 oder 1901 wurde Wiktor Nilsen vom Mariupoler Bürgermeister Iwan Alexejewitsch Popow (russisch: Иван Алексеевич Попов) zum Stadtbaumeister der Stadt Mariupol ernannt.
In der Zeit nach dem Jahr 1989 kam es teils zu mehrfachen Wechselvorgängen der Gebäude zwischen den orthodoxen Kirchen. So wurde aus der für Mariupol zuständigen Bischofskirche des Moskauer Patriarchats, der Peter-Paul-Kathedrale in Donezk, im Jahr 1998 die Verklärungskathedrale des Kiewer Patriarchats, welche 2018 an die Orthodoxe Kirche der Ukraine kam.
Orthodoxe Kirche der Ukraine NameUkrainischer NameBildAdresseBaujahrErhaltenArchitektBeschreibungSt.-Pantaleon-KircheХрам великомученика Пантелеймона150pxвулиця Успенська 5 2017nein14 Meter hohe Holzkirche – während der Belagerung von Mariupol im Frühjahr 2022 komplett zerstört – Erzengel-Michael-KapelleХрам-каплиця Архистратига Михайла150pxНахімова проспект 84 2019jaSt.-Olga-KircheХрам святої княгині Ольгивулиця Маміна Сибіряка 66 2020jaVorgängerbau wurde 2009 niedergebrannt (damals noch Teil der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche Kiewer Patriarchats) – neuer Glockenturm 2020 neu geweihtSt.-Petro-Mohyla-Kirche und Mariä-Himmelfahrt-KathedraleХрам святого Петра Могили та собор Успіння Пресвятої Богородиціпроспект Нахімова 3 2020jaentstand durch Umbau eines bestehenden Gebäudes, Weihe im September 2020: Erdgeschoss St.-Petro-Mohyla-Kirche, Obergeschoss Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale, zudem Schule, Bibliothek und Kantine im Gebäude – Fassade mit 500 Meter langer Bemalung von Olga Tscheromuschkina – seit Juni 2022 massiv durch russische/prorussische Besatzer im Bestand bedroht, da sie russischen Vorgaben nicht entspreche, Bibliothek mit ukrainischen Unikaten am 25. Juni 2022 gezielt zerstörtHl.-Fürbitte-KircheСвято-Покровский храмулица Олимпийская 79/1 2021jaGedächtniskirche für die im Krieg mit Russland gefallenen Soldaten
Ukrainisch-Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats NameUkrainischer / Russischer NameBildAdresseBaujahrErhaltenArchitektBeschreibungSt.-Nikolaus-KathedraleСвято-Микільський кафедральний собор150pxулица Кальмиусская 114 1989–1991jaA. D. Kljujew & N. J. ErenburgErzengel-Michael-KathedraleСобор Архистратига Михайла150pxулица Воинов-Освободителей 3 1996–1998jaV. N. Konstantinow, L. N. KuzminkowZur Pfarrei gehören zwölf Kirchen und zwei Kapellen im Stadtgebiet – im März 2022 durch Beschuss beschädigtMariä-Schutz-und-Fürbitte-KircheХрам Покрови Пресвятої Божої Матері150pxулица Савчука 41 2007–2020jaStanislaw StolowMariä Schutz und Fürbitte geweiht – Pfarrei der St.-Nikolaus-Kathedrale – während der Belagerung von Mariupol im Frühjahr 2022 besetzten russische und prorussische Einheiten die KircheSt.-Nikolaus-KircheСвято-Миколаївський храм150pxпроспект Нахимова 37-А 2000–2001jaPfarrei der St.-Nikolaus-KathedraleAlexander-Newski-KircheХрам Святого Олександра Невського150pxулица Соборная 2017jaDreifaltigkeitskircheСвято-Троїцький храм150pxулица Троицкая 46 2006jagehört zur Erzengel-Michael-Kathedrale – während der Belagerung von Mariupol im Frühjahr 2022 beschädigtMariä-Entschlafens-KircheСвято-Успенский храмулица Сурикова 36 1989Ruinegehört zur Erzengel-Michael-Kathedrale – während der Belagerung von Mariupol gab es im Frühjahr 2022 Gefechte direkt bei der Kirche – schwer beschädigtSt.-Wladimir-KircheХрам святого равноапостольного князя Владимираулица Киевская 45 2004jagehört zur Erzengel-Michael-Kathedrale – auch: , – die provisorische Kirche (erbaut 1999–2000) wurde am 25. Januar 2015 durch eine Granate beschädigt – während der Belagerung von Mariupol im April 2022 beschädigtSt.-Ambrosius-KircheСвято-Амвросиевский храмулица Волонтеровская 4 jagehört zur Erzengel-Michael-KathedraleSt.-Charalambos-KircheСвято-Харалампиевский храмулица Невская 27 jagehört zur Erzengel-Michael-KathedraleTempel der Ikone der stillenden GottesmutterХрам иконы Божией Матери “Млекопитательница”улица Металлургическая 1 jagehört zur Erzengel-Michael-Kathedrale – soll Kuppel erhaltenSt.-Georgs-KircheСвято-Георгиевский храм150pxSartana, Соборна вулиця 2005jagehört zur Erzengel-Michael-Kathedrale – Vorgängerkirche war von 1842Mariä-Geburts-KircheХрам Рождества Пресвятой Богородицыулица 40 лет Октября 98 jagehört zur Erzengel-Michael-KathedraleHl.-Fürbitte-KircheСвято-Покровский храмулица Олимпийская 79/1 jagehört zur Erzengel-Michael-KathedraleKirche der heiligen Märtyrerinnen Fides, Spes, Caritas und ihrer Mutter SofiaХрам святых мучениц Веры, Надежды, Любови и матери их Софииулица Гонды 40 jagehört zur Erzengel-Michael-KathedraleKirche der heilig-königlichen PassionsträgerХрам святых Царственных Страстотерпцеввулиця Чайковського 34 jagehört zur Erzengel-Michael-KathedraleKapelle der hl. Anastasia von SirmiumЧасовня Святой вмч. Анастасии УзорешительницыPriazovsky-Strafkolonie Nr. 107 (Приазовская исправительная колония №107)jagehört zur Erzengel-Michael-KathedraleHl.-Trauer-KapelleСвято-Скорбященская часовняUntersuchungsgefängnis ()jagehört zur Erzengel-Michael-KathedraleAlexander-Newski-KircheХрам святого Александра НевскогоJustizvollzugsanstalt Nr. 138 ()jagehört zur Erzengel-Michael-KathedraleHl.-Verklärungs-KircheСвято–Преображенский храмВідрадна вулиця 14 2001RestePfarrei der St.-Nikolaus-Kathedrale – während der Belagerung von Mariupol im April 2022 zerstörtAllerheiligenkircheВсесвятский кладбищенский храмСтарокрымском кладбище jaPfarrei der St.-Nikolaus-Kathedrale – FriedhofskircheSt.-Boris-und-Gleb-KircheСвято-Борисо-Глебский храмулица Азовской военной флотилии 25 jaPfarrei der St.-Nikolaus-KathedraleKapelle der heiligen Märtyrerin TatianaКаплиця святої мучениці ТетяниУніверситетська вулиця, 7 (Nordwesten des Areals der TU)2018RuineEinweihung 2018 – schwere Beschädigung im März 2022St.-Serafim-KircheСвято-Серафимовский ХрамKamensk, Плотинна вулиця 108А jaPfarrkirche von Kamensk, gehört zur Erzengel-Michael-KathedraleSt.-Elias-KircheСвято-Ильинский храмStaryj Krym, улица Комсомольская 35 jaeinzige orthodoxe Kirche des Ortsteils
Vor 1939 zerstörte orthodoxe Kirchen