Drachenlord (* 2. August 1989 in Neustadt an der Aisch, bürgerlich Rainer Winkler) ist ein deutscher Webvideoproduzent und Livestreamer, der aufgrund einer ausgeprägten Mobbing- bzw. Cyber-Mobbing-Szene, die sich gegen ihn bildete, Bekanntheit im deutschsprachigen Raum erlangte.

Aus zunächst einzelnen gegen Winkler gerichteten Aktionen formierte sich eine Online-Community aus im Folgenden als „Hater“ bezeichneten „Anti-Fans“. Die Community bezeichnete die Aktionen euphemistisch als „Drachengame“. Das Erscheinen von Teilen der Community am Wohnhaus Winklers im mittelfränkischen Altschauerberg führte zeitweise zu täglich mehrfachen Polizeieinsätzen, ausgelöst durch zum Teil strafbare Handlungen beider Seiten. Aus dem Geschehen resultierten immer wieder Verurteilungen, sowohl von Community-Mitgliedern als auch von Winkler selbst.

Im Oktober 2021 verkaufte Winkler sein Anwesen an die Gemeinde. Nachdem er es im Februar 2022 verlassen hatte, ließ die Gemeinde das Wohnhaus und eine baufällige Garage abreißen. Auch seine neuen Wohnorte wurden immer wieder von Hatern aufgespürt. Nachdem sich im August 2025 erneut mehrere tausend Hater in der Nähe des ehemaligen Wohnortes Winklers in Altschauerberg versammelt hatten, ließ die Gemeinde im September 2025 sämtliche verbleibende Gebäude auf dem Grundstück abreißen.

Leben Winkler wuchs im Emskirchener Gemeindeteil Altschauerberg auf. Eigenen Angaben zufolge ist Winkler Legastheniker und besuchte eine Förderschule. Bereits dort habe er lange unter Mobbing leiden müssen. Nach seiner Schullaufbahn bestritt er einige Jobs über eine Zeitarbeitsfirma, gab sie aber 2011 für seine YouTube-Aktivitäten auf.Julia Ruhnau: Endlevel Hass, für den Theodor-Wolff-Preis nominierter Text auf bdzv.de ursprünglich erschienen in Nürnberger Nachrichten am 4. Juni 2022, abgerufen am 14. August 2023.

Internetauftritt Winkler ist spätestens seit 2011 unter dem Pseudonym Drachenlord in den sozialen Medien aktiv. Seinen YouTube-Kanal, auf dem er regelmäßig Videos publizierte, erstellte er am 10. August 2011. Sein erstes Video, in dem er die hauptsächlich im Metal verbreitete Tanzform Headbanging praktizierte, lud er am 11. August 2011 hoch. Bis zur Löschung wurde sein YouTube-Kanal über 200.000 Mal abonniert. Die zuletzt öffentlich einsehbaren Videos wurden über 18 Millionen Mal abgerufen (Stand: 23. März 2022). Weiterhin betrieb Winkler regelmäßig Livestreaming auf der Plattform YouNow. Im März 2019 stufte die Bayerische Landeszentrale für neue Medien das Streaming-Angebot als Rundfunk ein und untersagte den weiteren Betrieb bis zur Vorlage einer rundfunkrechtlichen Zulassung.Pressemitteilung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) vom 28. März 2019 zum Livestream von „Drache_Offiziell“, abgerufen am 20. März 2022 Vor Gericht bezeichnete er sich im Oktober 2021 als YouTuber oder Influencer und gab seinen monatlichen Verdienst mit 3500 bis 6000 Euro an.Augsburger Allgemeine: Youtuber „Drachenlord“ muss zwei Jahre in Haft, veröffentlicht am 21. Oktober 2021, abgerufen am 6. März 2022

Winkler veröffentlichte zunächst Let’s Plays und Inhalte zum Thema Metal-Musik, zog den Unmut vieler Zuschauer auf sich und wurde auch durch sein äußeres Erscheinungsbild immer häufiger zur Zielscheibe von verbalen Mobbing-Attacken.Der Fall „Drachenlord“ offenbart den Menschenhass im Internet In: Tagesspiegel, veröffentlicht am 27. August 2018, abgerufen am 22. März 2022.

YouTube löschte im August 2022 Winklers YouTube-Kanal, der über Jahre hinweg sein Hauptmedium gewesen war.

Auseinandersetzungen

Die „Hater-Community (Haider)“ Ab welchem Zeitpunkt die Bezeichnung „Hater“ verwendet werden kann, ist schwierig festzulegen, zumal der Fall bisher nur spärlich wissenschaftlich untersucht bzw. von Experten beurteilt wurde. Bereits Ende 2014 gingen jedoch beim Nürnberger Radiosender Radio Z über 1000 E-Mails und Drohanrufe ein, nachdem Winkler dort ein Interview gegeben hatte, was er in zwei Videos angekündigt hatte.Videos Vlog des Drachen Nr. 21: Änderung im Plan vom 24. November und Vlog des Drachen Nr. 28: Unerwartet Zeit vom 4. Dezember Das Interview wurde allerdings wegen des „fraglichen Informationsgehalts“ nicht ausgestrahlt. In: Twitter, veröffentlicht am 8. Dezember 2020, abgerufen am 27. August 2023.

Die Hater-Community vernetzt sich über diverse Online-Plattformen wie Discord oder Telegram. Die größte Telegram-Gruppe umfasst zehntausende Mitglieder. Auf Videoportalen wie YouTube sind tausende von Gegnern produzierte Videos, etwa in Form von Reactions, Parodien und Leaks, zu finden. Weiterhin bestehen Websites, die ähnlich wie Nachrichtenportale regelmäßig über Neuigkeiten des „Drachengames“ berichten, und Chroniken, die akribisch jeglichen von Winkler und von den Hatern produzierten Content archivieren. Zudem sind auch Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen mit Winkler unterhalten, sowie Restaurants, Hotels und Privatpersonen, die mit Winkler im Kontakt stehen, von negativen Auswirkungen betroffen. Hierzu zählen beispielsweise Hassmails, Scherzanrufe, unerwünschte Pizzalieferungen oder gefälschte Paketbestellungen. Unternehmen haben auch unter schlechten, geschäftsschädigenden Online-Bewertungen zu leiden; Lieferdienste kämpfen mit unbezahlten Rechnungen. Laut der Journalistin Julia Ruhnau zieht jeder, der mit Winkler in Kontakt kommt, „eine Armada von anonymen Internettrollen an“.

Vandalismus am Wohnsitz mini|Winklers inzwischen abgerissenes Elternhaus, jahrelang Schauplatz von Auseinandersetzungen Zu ersten Konflikten war es bereits vor 2014 gekommen, auf die Winkler kontinuierlich reagierte. Anfang 2014 soll ein Hater die Kontaktdaten von Winklers Schwester ausgemacht haben und sie seinen Angaben zufolge mit verzerrter Stimme in einem Anruf bedroht haben. Winkler reagierte darauf im Februar 2014 mit einem nur kurze Zeit öffentlichen Video, in dem er aus Wut seine volle Adresse preisgab und die Akteure herausforderte, zu ihm zu kommen. Es kam immer wieder zu Ruhestörungen; zur Anzeige gebracht wurden auch Sachbeschädigungen und Hausfriedensbruch, sowohl bei Winkler selbst als auch bei unbeteiligten Anwohnern, während der COVID-19-Pandemie Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz,Über zehn Notrufe bei der Polizei: „Drachenlord“ bekommt erneut Besuche In: nordbayern.de, veröffentlicht am 22. März 2021, abgerufen am 20. März 2022 Beleidigungen sowie Gewaltdelikte. Zum Zeitpunkt des Berufungsprozesses gegen Winkler waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft über 150 Verfahren gegen Hater offen.Ulrike Löw: Erste Zeugenaussagen vor Gericht: Darf der Drachenlord auf Milde hoffen? In: nordbayern.de, veröffentlicht und abgerufen am 23. März 2022.

2022 wurde ein Sprecher der mittelfränkischen Polizei durch den BR mit der Angabe zitiert, zuletzt habe es kaum einen Tag ohne Besuche von teilweise randalierenden Hatern gegeben. Im Schnitt habe die örtliche Polizei fünf bis zehn Mal täglich ausrücken müssen, an Spitzentagen bis zu fünfzehn Mal, was bei den Beamten zu einer erheblichen Belastung geführt habe. Auch nach dem Wegzug Winklers aus Altschauerberg kam es noch zu Besuchen durch Schaulustige und zu Straftaten wie Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Laut Carsten Keller, dem Chef der Polizeiinspektion Neustadt/Aisch, handelte es sich bei solchen Vorfällen um „Einzelfälle, die aber immer mal wieder aufploppen“.Ex-Heimat des Drachenlords erneut von Hatern attackiert: Trio flüchtet In: nordbayern.de, veröffentlicht am 6. Juni 2023, abgerufen am 12. August 2023.

Missbräuchliche Verwendung von Notrufen Im Juli 2015 kam es bei Winkler zum vermutlich ersten Fall von Swatting in Deutschland, der mit einem Gerichtsurteil endete. Ein 24-Jähriger löste einen falschen Notruf aus und sorgte so für einen Großeinsatz von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst am Haus Winklers. Dieses und weitere zum Teil gegen Winkler gerichtete Delikte führten zu einer Verurteilung des Mannes im Jahr 2017 zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe.Dreieinhalb Jahre Haft nach falschem Alarm In: Süddeutsche Zeitung, veröffentlicht am 23. Februar 2017, abgerufen am 23. März 2022 In der folgenden Zeit kam es immer wieder zu missbräuchlichen Notrufen zum Nachteil Winklers. Im Mai 2022 provozierten Hater durch einen falschen Notruf einen Großeinsatz der Polizei in einem Nürnberger Hotel, in dem sich Winkler zu diesem Zeitpunkt aufhielt.Drachenlord-Hater provozieren Großeinsatz in Nürnberger Hotel – Streamer muss Zimmer verlassen. In: nordbayern.de, veröffentlicht am 9. Mai 2022, abgerufen am 1. August 2023.

Versammlungen in Emskirchen Für den Zeitraum vom 18. bis 21. August 2018 verhängte das zuständige Landratsamt ein Versammlungsverbot in der gesamten Gemeinde Emskirchen, nachdem wohl mehr als 10.000 Personen ihr Kommen zu einer unangemeldeten Veranstaltung („Schanzenfest“) angekündigt hatten. Am 20. August 2018 versammelten sich dennoch etwa 800 Mitglieder der Community unangemeldet in Altschauerberg. Die Teilnehmer stammten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Die Polizei erteilte rund 300 Platzverweise. Ein massives Polizeiaufgebot verhinderte zwei Monate später am 20. Oktober 2018 ein erneutes derartiges Zusammenkommen.

Auch 2025 und 2026 gab es erneute Versuche, eine als „Schanzenfest“ bezeichnete Versammlung in Altschauerberg durchzuführen. Dies konnte durch massiven Polizeieinsatz unterbunden werden. Dabei fanden sich trotz des Erlasses einer Allgemeinverfügung bis zu 4000 Personen an der Ortsgrenze ein. Am Rande des Versammlungsgeschehens kam es zu Beleidigungen der Einsatzkräfte, Widerstandshandlungen und Sachbeschädigungen.Polizeieinsatz in Emskirchen. Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Mittelfranken vom 9. August 2025, abgerufen am 10. August 2025

Falschmeldungen Immer wieder kam es auch zu Fake-News-Meldungen mit Bezug auf Winkler. Im März 2019 wurde Winkler nach dem Anschlag in Utrecht Opfer eines derartigen Vorfalls, bei dem der türkische Fernsehsender 24 ihn auf Basis von im Internet verbreiteten Falschinformationen als Täter darstellte.Lukas Schauer: Türkischer TV-Sender macht Youtuber zum Utrecht-Attentäter In: Abendzeitung, veröffentlicht am 19. März 2019, abgerufen am 27. Februar 2025 Nach dem Anschlag von Kongsberg im Oktober 2021 änderten Mitglieder der Hater-Community den Namen Winklers in einen stereotypischen skandinavischen Familiennamen („Rainer Winklarson“) und verbreiteten ihn in den sozialen Medien als Namen des Täters, woraufhin verschiedene Medien diese Information erneut ungeprüft übernahmen. Laut Recherchen von tagesschau.de wurden im Netz 50 Medienberichte ausfindig gemacht, die den falschen Namen weiterverbreitet hatten, darunter italienische, griechische und französische Medien sowie die japanische Ausgabe des russischen Portals Sputnik.Patrick Gensing: Medien verbreiten falschen Täternamen In: tagesschau.de, veröffentlicht am 14. Oktober 2021, abgerufen am 20. März 2022.

Im Online-Kartendienst Google Maps manipulierten Hater immer wieder Straßennamen in Altschauerberg und der unmittelbaren Umgebung. So waren dort auf das „Drachengame“ bezugnehmende und vor allem für Insider verständliche Namen wie Meddlweg, Haidergasse oder Freundin-Ausdenken-Weg zu sehen.Christian Urban: Haben Drachenlord-Hater Straßennamen auf Google Maps manipuliert? In: nordbayern.de, veröffentlicht am 3. Februar 2021, abgerufen am 12. August 2023.

Anfang 2023 veröffentlichte die Bild ein, wie sich später herausstellte, gefälschtes Interview mit Winkler. In einem Livestream bestritt er energisch, der Zeitung ein Interview gegeben zu haben, und kritisierte sie. Das Interview war vermutlich von einem Hater fingiert worden. Der Bild-Reporter hatte offizielle Ausweisdokumente angefordert und offenbar gefälschte oder öffentlich einsehbare Dokumente erhalten und für echt gehalten. Die Zeitung zog den Bericht anschließend zurück.»Bild«-Zeitung zieht Bericht über Drachenlord zurück In: Der Spiegel, veröffentlicht am 13. Januar 2023, abgerufen am 14. August 2023.