mini|Außenansicht der Kirchenburg Effeltrich von Nordosten, im Vordergrund der dem Dorfzentrum zugewandte Torbau mini|Innenraum der Pfarrkirche St. Georg, Blick zum Chor
Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Georg ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Effeltrich, einer Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Forchheim. Es ist Teil der Kirchenburg Effeltrich, welche als die am besten erhaltene Wehranlage dieser Art in Oberfranken gilt. Die Anlage ist als Baudenkmal mit der Nummer D-4-74-122-22 in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen.
Die Pfarrgemeinde Effeltrich umfasst neben der Pfarrkirche, deren Patron der heilige Georg (Gedenktag: 23. April) ist, auch die Filialkirche St. Vitus in Gaiganz. Sie gehört zum Dekanat Forchheim des Erzbistums Bamberg und bildete von 2009 bis 2019 einen Seelsorgebereich mit den Pfarreien Langensendelbach und Poxdorf. Seit 2019 gehört sie zum Seelsorgebereich Neubau mit Sitz Neunkirchen am Brand.Pfarrei St. Georg, Effeltrich: Das war einmal: Seelsorgebereich ELAPO. Online auf kirche-effeltrich.de; abgerufen am 24. April 2022.
Geschichte Nach seiner Gründung im 9. oder 10. Jahrhundert gehörte Effeltrich zunächst zum Sprengel der Pfarrkirche St. Martin in Forchheim, bevor ab dem 11. Jahrhundert St. Michael in Neunkirchen zur Mutterkirche von Effeltrich und Poxdorf wurde. Durch seine Zugehörigkeit zur Hofmark Neunkirchen war Effeltrich im Mittelalter und in der frühen Neuzeit dem Hochstift Bamberg unterstellt, aber zeitweise mit der gesamten Hofmark an andere Herrscher verpfändet. Erst mit Säkularisation 1802 endete dieser Zustand. Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts war Effeltrich nach Kersbach umgepfarrt worden. 1881 wurde in Effeltrich eine Lokalkaplanei errichtet, bevor es 1937/38 zur Pfarrei erhoben wurde. Dadurch wurde der Grundstein zur Erhaltung der historischen Kirchenburg samt Wehrkirche gelegt, die seither mehrfach renoviert wurde.Zeune, S. 2f.
Baugeschichte der Kirchenburg Unter dem Eindruck der Hussitenkriege (1430) und des Ersten Markgrafenkriegs (1449, 1450), während derer Effeltrich insgesamt dreimal von plündernden Truppen heimgesucht wurde, entstand ab den 1460er Jahren rund um eine bestehende, wohl um 1300 erbaute Kapelle die Kirchenburg. Sie zählt mit den Anlagen in Hannberg, Hetzles und Kraftshof zu einer Gruppe architektonisch eng verwandter Kirchenburgen, die zwischen 1460 und 1510 im Raum Erlangen entstanden.Zeune, S. 3–8.
mini|Verschiedene Schießschartenformen am Nordostturm Aus dendrochronologischen Untersuchungen geht hervor, dass der Bau der Kirchenburg Effeltrich in den 1460er Jahren auf der Ostseite begann und dann über Norden nach Westen fortgesetzt wurde, sodass der auf 1473 datierte Westturm das jüngste erhaltene Bauteil darstellt. Ablesen lässt sich der Baufortschritt nicht nur an mehreren Baufugen, sondern auch anhand verschiedener Schießschartenformen: Während an der Ost- und Nordseite noch T- und L-förmige Schießscharten für Armbrüste ausgeführt wurden, sind am Südwestturm die eigentlich zeitgemäßen Schlüsselscharten für Hakenbüchsen zu finden. Zu diesem Zeitpunkt überformte man wohl auch die zuvor angelegten T- und L-Scharten zu Schlüsselscharten. Ausgangspunkt der Bautätigkeiten war der Torturm, dessen Unterteil auf älteren Torbau zurückgeht. Dieser wird aufgrund von geborgenem Bauholz auf das Jahr 1303 datiert. Dieser erste Torbau dürfte also gleichzeitig mit dem Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche entstanden sein.
Die Kirchhofbefestigung wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgestaltet. Anfangs dürfte die Wehrmauer ein Quadrat mit einer kurz abgeschrägten Torfront gen Südosten dargestellt haben, deren Orientierung durch den älteren Torbau vorgegeben war. Gemäß einer Baubeschreibung aus dem Jahr 1801 erhoben sich an allen vier Ecken bis zu elf Meter hohe, schlanke Rundtürme mit hoch aufragenden, polygonalen Spitzkegeldächern. Vermutlich wurde der Torbau – ähnlich wie bei den Anlagen in Kraftshof und vermutlich auch Hannberg – ursprünglich von einem weiteren Rundturm flankiert, der aber nicht erhalten ist. Das 1966 eingeführte Gemeindewappen Effeltrichs zeigt eine solche Torfront mit zwei Türmen. Zwischen den fünf Türmen erstreckten sich jeweils acht bis neun Meter hohe und 1,3 Meter dicke Mauern, die an der Oberseite mit einem gedeckten Wehrgang abgeschlossen waren. Ein solcher ist heute nur mehr am Torbau zu finden. Die Verteidigung der Mauerabschnitten basierte auf dem damals bereits überholten Prinzip der Vertikalverteidigung und erfolgte von einer 40 Zentimeter dicken Brustwehr aus. Die Türmen wiesen dagegen mehrere gewölbte Wehrgeschosse auf und waren auf eine leicht schräge Horizontalverteidigung ausgelegt. Besonders wehrhaft war der Ostturm, an dem man insgesamt 15 T-Scharten auf vier verschiedenen Geschossen verteilte.
Effeltrich wurde 1552 im Zweiten Markgrafenkrieg erneut geplündert, wobei die Kirchenburg wohl eingenommen wurde. Die südliche Kurtine wurde komplett geschleift, auch die Ostmauer wurde trotz des damals vorgelagerten Wehrgrabens beschädigt. Nach Kriegsende wurde die Ostmauer instand gesetzt, während die südliche Kurtine völlig neu errichtet werden musste. Dabei wurde nicht nur der Verlauf der Ringmauer leicht verändert, sondern auch anstelle des zerstörten Rundturms an der Südwestecke ein einfacher und kostengünstiger auszuführender Viereckturm errichtet. Dieser wiederum wurde von 1960 bis 1962 als Beinhaus neu errichtet. In den Jahren 1653/54 wurde der Wehrgang erneuert, wobei er als zum Kirchhof hin offene Holzkonstruktion mit Satteldach ausgeführt wurde. Heute ist er nach Abbruchtätigkeiten 1809, 1813 und 1835, als der obere Teil der Ringmauer zurückgebaut wurde, nur noch entlang des Torbaus erhalten.
mini|Bronzeskulptur des heiligen Georg als Drachentöter (Harro Frey, 2001) am Südportal der Pfarrkirche
Baugeschichte der Pfarrkirche Die Pfarrkirche geht im Kern auf eine wohl dreiachsige Chorturmkirche aus der Zeit um 1300 zurück. Teile der ältesten Bausubstanz sind noch im unteren Bereich der nördlichen Langhausmauer zu finden. 1405 wurde das Langhaus um eine Achse verlängert und erhöht. Außerdem wurde der bis heute bestehende Turm errichtet. Erst 1433 wurde der Kirchenbau als Kapelle von Effeltrich erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1497, als rund um die Kirche bereits eine Wehranlage bestand, fügte man den heutigen Chor an und erhöhte erneut das Langhaus. Hierzu wurde der alte Dachstuhl abgetragen und ein Stück höhergesetzt. Die Daten 1405 und 1497 gehen aus einer dendrochronologischen Untersuchung hervor. Dadurch wurde gezeigt, dass die am südöstlichen Strebepfeiler des Chores schwach lesbare Jahreszahl 1509 keine Bezug zu Bautätigkeiten an der Kirche besitzt. Vielmehr geben die verwendeten Steinmetzzeichen Aufschluss über den genauen Zeitpunkt des Umbaus. So ist an der Kirche das Zeichen Hans Beheims d. Ä. zu finden, der 1494/95 auch die Kaiserstallung der Nürnberger Burg errichtete. Daher gilt Hans Beheim d. Ä. heute als verantwortlich für den Umbau der Effeltricher Kirche 1497.Zeune, S. 14–16.
An der Südseite des Langhauses wurde um 1520 ein Anbau errichtet, in dem sich eine Ölberggruppe befindet. Das oberste Turmgeschoss, das früher wohl mit Scharwachttürmen versehen war, wurde erst im 16. Jahrhundert aufgesetzt. Der heutige, polygonale Spitzhelm wurde vermutlich 1797 errichtet, als man ihn mit einem nach Südosten ausgerichteten Uhrerker aus Fachwerk verzierte. In der Barockzeit wurde auch der Innenraum umgestaltet. So frischte der Maler Johann Brückner aus Ebermannstadt 1730 die damals „abgestorbenen“ Gemälde farblich auf (1979 wurden diese wieder freigelegt), strich die Gewölberippen neu und belegte den Namen Jesu mit Dukatengold. Die 1732 als baufällig bezeichnete Holzdecke des Langhauses wurde nur ein Jahr später durch den Bamberger Tüncher Mitternacht mit einem glatten Verputz und der gesamte Kirchenraum mit einer Ausweißung versehen. Zwischen 1750 und 1760 wurde der Innenraum im Stile des Rokoko umgestaltet; zum Abschluss wurde 1760 die Decke stuckiert. Die damals aufgestellten Seitenaltäre mussten 1892/93 neugotischen Seitenaltären weichen, deren Aufbauten inzwischen verloren gingen. 1892/93, 1929, 1950, 1978/79 und in den 1990er Jahren wurden jeweils Renovierungsarbeiten durchgeführt.
Zwischen 1993 und 2003 schuf der Bildhauer Harro Frey aus Pettensiedel neben einer modernen Altarausstattung mit Volksaltar, Ambo und Osterleuchter auch die Bronzeplastik des heiligen Georg am Kirchenportal sowie ein bronzenes Paar in fränkischer Tracht vor dem Pfarrhof. Zur gleichen Zeit malte der Künstler Emil Wachter aus Karlsruhe zehn Bildmeditationen mit Szenen aus der Schöpfungsgeschichte für das barocke Chorgestühl. Im Jahr 2003 wurde das Pfarrzentrum in der Nähe der Kirchenburg fertiggestellt.
Architektur mini|Außenansicht des Torbaus mit Figurennischen und Ziererker mini|Innenansicht des Torbaus mit gedecktem Wehrgang
Kirchhofbefestigung Entsprechend der Ausrichtung der Pfarrkirche, deren Achse gegenüber der Ostung leicht nach Norden verdreht ist, verlaufen auch die Wehrmauern. Die Ringmauer, bestehend aus fünf Abschnitten, ist insgesamt rund 180 Meter lang und umfasst den Kirchenfriedhof. Seit dem Umbau infolge des Zweiten Markgrafenkriegs ist die Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung (ca. 48 Meter) etwas größer als die Ost-West-Ausdehnung (ca. 42 Meter). Die kürzeste und zugleich am aufwändigsten gearbeitete Seite stellt der dem Dorf zugewandte Torbau auf der Südostseite dar, der einen aufwändig gestalteten Ziererker und drei korbbogige Figurennischen enthält. Im Übrigen bilden die Befestigungsmauern annähernd ein Rechteck. An den Ecken im Südosten, Nordosten und Nordwesten befinden sich drei Rundtürme mit Spitzkegeldächern, die aus der Erbauungszeit der Anlage stammen. Der Südwestturm wurde nach der Zerstörung im Zweiten Markgrafenkrieg als Viereckturm errichtet, Anfang der 1960er Jahre abgebrochen und als Beinhaus wiederaufgebaut. An seiner Tür befindet sich ein Relief, das im Zuge der Umfunktionierung zum Beinhaus von dem Neunkirchener Bildhauer Felix Müller geschaffen wurde. Es stellt den Erzengel Michael als Seelenwäger dar. Der Torbau wird lediglich im Osten von einem Rundturm flankiert, das westliche Pendant fehlt. Außerdem ist dieser als einzige Kurtine in voller Höhe erhalten und weist an der Innenseite einen hölzernen Wehrgang auf, der im Zuge eines Umbaus der Anlage 1653/54 errichtet wurde. Der einst vermauerte Hocheingang zum Obergeschoss des Torbaus ist heute wieder geöffnet. Die übrigen Kurtinen wurden im Zuge von Rückbaumaßnahmen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gestutzt, wobei auch die Wehrgänge entfernt wurden.
Sorgfältig gearbeitete Baudetails wie Glatt-, Buckel- und Bossenquader aus Sandstein sowie Rundbogen- und Schulterbogentüren spiegeln im Hinblick auf die Erbauungszeit eine qualitätvolle Steinmetzarbeit wider. Dagegen weisen etliche Bau- und Stoßfugen innerhalb der einzelnen Kurtinen, die nicht in die Mauerabschnitte eingebundenen Rundtürme sowie die unzweckmäßige Anordnung und Ausführung der Schießscharten auf ein geringes Maß an Planung und eine übereilte Bauausführung hin. Bemerkenswert sind die Buckelquader, die für die Rundtürme und das Obergeschoss des Torbaus verwendet wurden. Diese weisen entsprechend ihrer späten Zeitstellung breite Randschläge mit harten Übergängen zu den Buckeln sowie Zangenlöcher auf. Diese Art von Mauerwerk war traditionell Burg- und Schlossbauten vorbehalten und ist wohl als psychologischer Kniff zu verstehen, der die Wehrhaftigkeit der Kirchenburg optisch unterstreichen sollte.