Die Zeche Walsum auch Bergwerk Walsum genannt, ist ein ehemaliges Steinkohlenbergwerk in Duisburg-Walsum. Auf dem Werkgelände befindet sich neben den Bergwerksanlagen das Kraftwerk Duisburg-Walsum, in dem Teile der hier geförderten Steinkohle direkt verstromt wurden.

Geschichte Die Anfänge Bereits in den 1880er Jahren begann der Industrielle August Thyssen im Bereich des Niederrheins, nördlich von Duisburg-Hamborn, mehrere Grubenfelder zu erwerben. Im Jahr 1903 wurde ein Feldesteil vom Grubenfeld Deutscher Kaiser abgetrennt. Noch im selben Jahr wurde die Gewerkschaft Rhein I gegründet. Im Jahr 1904 plante August Thyssen, auf seinem Grubenfeldbesitz eine Doppelschachtanlage zu errichten. Im selben Jahr reichte Thyssen beim Bergamt den Betriebsplan ein. Die Bergbehörde genehmigte noch im selben Jahr den Antrag. Im Anschluss daran wurde 1904 mit Teufarbeiten für einen Vorschacht begonnen. Der Vorschacht wurde nur wenige Meter abgeteuft. Ab dem Jahr 1908 wurden am geplanten Bergwerksstandort Versuchsbohrungen durchgeführt. Außerdem wurden weitere Vorarbeiten zum Teufen des Schachtes 1 durchgeführt. Der Schacht sollte im Gefrierverfahren erstellt werden. Im Jahr 1909 wurden die ersten Bohrlöcher für das Gefrierverfahren erstellt. Noch im selben Jahr wurde der Betrieb wieder eingestellt. Im Jahr 1910 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Es wurde eine Abschlussbohrung bis zu einer Teufe von 956 Metern erstellt. Im darauffolgenden Jahr wurden die Arbeiten erneut unterbrochen. Aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges wurden die Arbeiten im Jahr 1914 eingestellt. Im Jahr 1919 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Im Jahr 1922 wurde ein Bohrturm/Abteufturm errichtet und die Bohrarbeiten der Gefrierlöcher fortgesetzt. Bereits im Jahr 1923 wurden die Arbeiten wieder unterbrochen, Grund war die Besetzung des Ruhrgebietes.

Nachdem August Thyssen am 4. April des Jahres 1926 gestorben war, übernahm sein Sohn Heinrich das Unternehmen. Noch im selben Jahr wurde das Bergwerkseigentum in die neu gegründete Gas- und Wasserwerke GmbH eingebracht. Im Jahr 1927 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Im selben Jahr wurde von der Thyssenschen Gas- und Wasserwerke GmbH die Gewerkschaft Walsum gegründet. Außerdem wurde in diesem Jahr die Berechtsame konsolidiert. Die Berechtsame umfasste nun eine Fläche von 17,6 km2. Nach Abklärung der Besitzverhältnisse an Grubenfeldern mit der Vereinigten Stahlwerke AG konnte 1927 mit dem Abteufen des Schachtes 1 begonnen werden. Im Jahr 1929 erreichte der Schacht bei einer Teufe von 339 Metern das Steinkohlegebirge. Ein Wassereinbruch führte aber dazu, dass die Arbeiten einstweilen gestundet werden mussten. Im selben Jahr wurde Wilhelm Roelen Werksdirektor des Bergwerks. Nach seinen Plänen wurde die Zeche Walsum weiter ausgebaut. Im Jahr 1930 wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht 2 begonnen. Der Schacht wurde neben Schacht 1 angesetzt. Um die Eigenversorgung des Bergwerks mit elektrischem Strom und mit Pressluft sicherzustellen, wurde im selben Jahr mit dem Bau eines Zechenkraftwerks begonnen. Außerdem wurden in diesem Jahr die Teufarbeiten an Schacht 1 wieder aufgenommen und bei einer Teufe von 397 Metern (- 367 m NN) im Flöz Chriemhilt die Pumpensohle angesetzt. Noch im selben Jahr wurde bei einer Teufe von 432 Metern (- 402 m NN) die Baldursohle angesetzt. Außerdem erreichte in diesem Jahr der Schacht 2 das Karbon. Anschließend wurde in diesem Jahr mit der Förderung für den Eigenbedarf begonnen.

Die ersten Betriebsjahre Mit Einsetzen der Weltwirtschaftskrise wurde der Betrieb ab dem Jahr 1931 stark zurückgefahren. Im selben Jahr wurde auf der Baldursohle zwischen den Schacht 1 und Schacht 2 ein Durchschlag erstellt. Im Jahr 1932 wurde im Schacht 1 bei einer Teufe von 545 Metern (- 515 m NN) die Wassersohle als 2. Sohle angesetzt. Anschließend wurde der Betrieb komplett eingestellt. Anfang der 1930er Jahre wurde auf dem Bergwerk von über Tage eine Tiefenbestimmung der Karbonoberfläche mittels Reflexionsverfahren durchgeführt. Dieses war die erste praktische Durchführung des Verfahrens im Ruhrbergbau. Sie diente dazu, den Verlauf der nachkarbonischen Hauptverwerfungen zu erkunden und zu bestimmen. Im darauffolgenden Jahr 1933 wurde der Betrieb wieder aufgenommen. Die Teufarbeiten wurden nun verstärkt weiter durchgeführt. Im selben Jahr wurde im Schacht 1 bei einer Teufe von 673 Metern (- 640 m NN) die 3. Sohle als erste Fördersohle angesetzt. Über Tage wurde im Jahr 1934 mit dem Bau eines Stichkanals begonnen (heute Nordhafen Walsum). Der Kanal wurde vom Rhein zum Bergwerk geführt, dort wurde ein Wendebecken errichtet, in dem Schiffe mit einer Tragfähigkeit von 5000 Tonnen beladen werden konnten. Um die Abwetter aus den Grubenbauen entfernen zu können, wurde im selben Jahr ein Grubenlüfter in Betrieb genommen. Der Lüfter wurde von einer Tandem-Verbunddampfmaschine angetrieben, die eine Leistung von 2600 PS hatte.

Im Jahr 1935 wurde im Schacht 1 bei einer Teufe von 800 Metern (- 770 m NN) die 4. Sohle angesetzt. Außerdem wurden in diesem Jahr die Teufarbeiten an Schacht 2 weiter geführt. Im Jahr 1936 wurde der Schacht 2 mit der 4. Sohle durchschlägig. Bei einer Teufe von 833 Metern wurden die Teufarbeiten im Schacht 1 vorerst beendet. Im selben Jahr wurde im Schacht 1 mit der regelmäßigen Förderung begonnen. Außerdem wurde in diesem Jahr der Stichkanal vom Rhein fertiggestellt. Der Kanal erreichte eine Länge von 1600 Metern. Im Jahr 1937 wurde über Schacht 1 ein Turmfördergerüst in patentierter Bauweise errichtet. Das Fördergerüst hatte eine Höhe von 70 Metern. Schacht 2 wurde einstweilen nur offen gehalten. Die Förderung erfolgte im Schacht 1 mittels vieretagiger Förderkörbe, auf denen pro Etage ein Großraumwagen mit einem Fassungsvermögen von 3,8 m3 Platz hatte. Am 2. August 1941 kam es auf dem Bergwerk zu einem Grubenbrand, hierbei wurden sechs Bergleute getötet. Im selben Jahr wurde die Waschkaue fertiggestellt. Im Jahr 1942 wurde das Feld Zollhaus verliehen. Das Feld Zollhaus hatte eine Fläche von 0,57 km2. Dadurch umfasste die Berechtsame nun eine Fläche von 18,2 km2. Im Jahr 1943 wurde die Tandemverbundmaschine des Grubenlüfters durch einen Drehstromasynchronmotor ersetzt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges erlitt die Zeche Zerstörungen durch Bombeneinwirkungen. Der Betrieb musste 1945 vorübergehend eingestellt werden. Der Betrieb wurde am 2. August des Jahres 1945 wiederaufgenommen.

Nachkriegszeit

mini|Zeche Walsum, 1959

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Gewerkschaft Walsum, das Bergwerk zu einem leistungsfähigen Verbundbergwerk auszubauen. Besonderer Wert wurde auch auf den Ausbau des Zechenkraftwerks gelegt. Im Jahr 1946 wurden die 3. Sohle und die 4. Sohle als Hauptfördersohlen betrieben. Im Jahr 1951 wurde das Betriebsverwaltungsgebäude fertiggestellt. Im Jahr 1952 wurde mit der Auffahrung in das Feld Neu-Eversael begonnen. Nach erfolgten Wiederaufbauarbeiten wurde die Gewerkschaft Walsum im Jahr 1953 in die Walsum Bergbau Aktiengesellschaft (kurz Walsum AG) umgewandelt. Unter dieser Bergbaugesellschaft wurde der weiträumige Ausbau des Bergwerks fortgeführt. Noch im selben Jahr wurden die Felder Eversael, Görsicker und Hiesfeld XVI, Hiesfeld XVIII, Hiesfeld XXI erworben. Außerdem wurde begonnen, den Wetterschacht 2 zum Förderschacht umzubauen. Er erhielt ein baugleiches Fördergerüst wie Schacht 1 und wurde zunächst mit einer Wagenförderung ausgestattet. In den 1950er Jahren kam es zu Unstimmigkeiten mit den inländischen Kunden des Bergwerks. Grund war, dass die auf dem Bergwerk abgebauten Kohlen an ausländische Kunden 25 DM pro Tonne günstiger verkauft wurden als an inländische Kunden. Der damalige Bergwerksdirektor Heribert Barking war bereit, diesen Rabatt auch an die inländischen Kunden weiterzugeben, war aber aufgrund der Verpflichtungen gegenüber dem westdeutschen Verkaufskartell an die vorgegebenen Preise gebunden. Im Jahr 1956 wurde der Schacht 2 als zweiter Förderschacht in Betrieb genommen. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Zechenkraftwerk mittlerweile auf eine elektrische Leistung von 38 Megawatt ausgebaut worden. Schacht 1 erhielt den Namen Franz Lenze, Schacht 2 den Namen Wilhelm Roelen, benannt nach langjährigen Bergwerksdirektoren der Zeche. Im selben Jahr wurden die Felder Neu-Eversael und Zollhaus geteilt. Anschließend wurden die Felder Neu-Eversael II und Zollhaus II abgegeben. Die Berechtsame umfasste nun eine Fläche von 59,4 km2. Im Jahr 1957 erreichte das weiter ausgebaute Zechenkraftwerk eine Leistung von 175 Megawatt. Es war noch ein weiterer Kraftwerksblock mit einer Leistung von 150 Megawatt in Bau, der bis zum Jahr 1959 fertig gebaut werden sollte.

Die weiteren Betriebsjahre In den Folgejahren wurde die Zeche Walsum weiter ausgebaut. Im Jahr 1963 wurde die Gesellschaftsform des Bergwerks umgewandelt in eine Aktiengesellschaft. Im darauffolgenden Jahr wurde ab der 3. Sohle mit den Teufarbeiten für einen Blindschacht begonnen. Im Jahr 1965 wurde das Feld Am Stapp verliehen. Das Feld hatte eine Fläche von 0,18 km2. Durch diese Verleihung umfasste die gesamte Berechtsame nun eine Fläche von 59,6 km2. Zu diesem Zeitpunkt waren auf dem Bergwerk sämtliche Gewinnungsbetriebe vollmechanisiert. Auch der Strebausbau war mittlerweile in sämtlichen Streben des Bergwerks vollmechanisch. Im Jahr 1966 wurde im Blindschacht von der 3. Sohle bei einer Teufe von 913 Metern (- 880 m NN) die 5. Sohle angesetzt. Im selben Jahr wurde im Flözhorizont E/F das Augermining angewendet. Das war der erste Einsatz dieses Verfahrens im Ruhrbergbau. Zur selben Zeit wurde die Schachtförderung am Wilhelm-Roelen Schacht umgebaut auf Gefäßförderung. Im Jahr 1967 wurden die Teufarbeiten an den Schächten Franz und Wilhelm wieder aufgenommen und die Schächte wurden tiefer geteuft. Im Jahr 1968 wurde die Ruhrkohle AG gegründet und die Zeche Walsum wurde in die neugegründete Ruhrkohle AG eingegliedert. Direktor der Berggesellschaft Zeche Walsum AG war der Professor für Bergbaukunde Friedrich Adler (1916–1996).Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 5. Das Bergwerk wurde der „Bergbau AG Niederrhein“ angegliedert. Im Jahr 1968 wurden die Schächte Franz und Wilhelm mit der 5. Sohle durchschlägig. Nachdem die Förderung im Wilhelm Roelen Schacht auf Gefäßförderung umgestellt worden war, konnte mit dem Schacht eine deutlich höhere Tagesförderung erzielt werden als mit der früheren Gestellförderung. Im Jahr 1969 kam es bei der Streckenförderung zu einem Unfall im Einschienenhängebahnbetrieb, hierbei wurden drei Bergleute getötet. Im Jahr 1976 erfolgte die Übernahme der Schachtanlage Wehofen 1/2 von der stillgelegten Zeche Friedrich Thyssen 2/5. Die Wehofen-Schächte dienten ausschließlich der Wasserhaltung. Im Jahr 1979 wurde mit den Vorarbeiten für den Schacht Voerde begonnen. Der Schacht wurde acht Kilometer nordwestlich des Betriebsteils 1/2 angesetzt. Im darauffolgenden Jahr wurde mit den Gefrierarbeiten begonnen. Die Länge der Gefriersäule betrug 627 Meter. Außerdem wurde in diesem Jahr im Schacht 1 mit der Förderung ab der 5. Sohle begonnen.

mini|Schacht Voerde im 1982