Die Rheinanlagen sind ein ca. 3,6 km langer Park am linken Ufer des Rheins in Bingen am Rhein. Sie bestehen aus dem Hafenpark/Gartenstadt, den Hindenburganlagen, dem Rhein-Nahe-Eck und dem Park am Mäuseturm. Sie werden von der Stadt Bingen seit 2010 als Kulturufer Bingen bezeichnet und liegen am Anfang des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.
Von den Anlagen aus hat man einen Blick über den Rhein auf die Mäuseturminsel mit dem Binger Mäuseturm, das Rheinknie am Binger Loch, die Burg Ehrenfels in den gegenüberliegenden Rüdesheimer Weinbergen, darüber den Landschaftspark Niederwald mit dem Niederwalddenkmal und am Rheinufer die Altstadt von Rüdesheim mit der Brömserburg. Auf der eigenen Rheinseite zeigt sich die Burg Klopp über der Altstadt von Bingen.
Das Kulturufer ist in Innenstadtnähe verkehrsgünstig gelegen mit dem Stadtbahnhof und dem Hauptbahnhof und mit den Anlegestellen der Rheinfähre Bingen–Rüdesheim. Es gibt Schiffslandebrücken, die von verschiedenen Schifffahrtsgesellschaften als Anlegeplätze von Ausflugs- und Kabinenschiffen genutzt werden. Das Kulturufer bietet unter anderem ein Kongresszentrum, eine Open-Air-Bühne, ein Museum und Gastronomie. Es ist alljährlich Veranstaltungsort von Bingen swingt, Rhein in Flammen und Kulturuferfest.
Geschichte Das Rheinufer war von der Römerzeit an Anlegeplatz für Schiffe. Wein wurde ein, andere Güter wie Salz ausgeladen, verzollt und weitertransportiert. Es war auch Ankerplatz für die Schiffe, denn bei einbrechender Dunkelheit war das Binger Loch nicht mehr befahrbar.
1826 reagierte man auf die zunehmende Zahl von Touristen und plante die Erneuerung der „Quais“ an Rhein und Nahe „um daselbst angebrachte Mistkäuten und sonstige Cloaken zu verbauen“. Mit den weiteren Verschönerungen 1840 und dem Bau einer Kaimauer, dem „Rhein-Quai“, hatte sich bereits eine deutliche Wandlung vollzogen. Der Rhein war damals wesentlich breiter, das Ufer war ungefähr bei der heutigen Vorstadtstraße.
Mit Aufschüttungen in den 1890er Jahren wurde die Uferlinie in den Rhein verlagert. In Richtung Osten stand der neu gewonnene Raum für die Errichtung von Lagerhallen und die Ansiedlung von Firmen zur Verfügung. Der neue „Sicherheitshafen“ gewährte den Lastkähnen Schutz. Am Ufer wurde auch Wäsche gewaschen und auf der Bleichwiese in Höhe des heutigen NH-Hotels ausgelegt, es gab auch eine Schwimmanstalt.
1906 wurde das Zollamt neu gebaut, es war vorher im heutigen Bahnhof und danach im Badhaus untergebracht. Daneben lag das Hafenamt (heute Wasserschutzpolizei). Eine Hafenbahn verband die Bahn mit den Schiffen. Ein großer Getreidespeicher entstand direkt am Ufer.
Die Rheinanlagen bestehen seit 2008 auf dem Gelände der Landesgartenschau Bingen am Rhein 2008. Dabei wurde das Areal des ehemaligen Industriehafens in drei Terrassenstufen umgebaut. Die drei Teilbereiche der Landesgartenschau sind heute als Kulturufer Bingen zugänglich.
Im Jahr 1487 wurde der Bau des ersten Alten Krans am Rheinufer fertiggestellt. Der heute noch existierende Alte Binger Rheinkran ist ein hölzerner Turmtretkran aus der Zeit um 1787 und steht seit 1907 unter Denkmalschutz.Alter Kran
Hafenpark / Gartenstadt
Skulpturen Einhörner und Widder und Begegnung mini|Liesel Metten: Einhörner und Widder Im Rahmen der Neugestaltung sind die Skulpturen Einhörner und Widder von Liesel Metten und Begegnung von Hubertus von der Goltz entstanden.
mini|Industriekran
Industriekran Der Industriekran ist ein Laufkran des Maschinenbauers J. S. Fries Sohn (1964) auf einer Kranbahn. Unter dem Auslegearm befindet sich eine gestaffelt aufgehängte Führerkabine. Der Kran bildet ein modernes Pendant aus Stahl zu dem nur unweit gelegenen hölzernen Alten Kran – nach Ausgrabungen des Fundaments auf das Jahr 1487 datiert – ein technikgeschichtlich interessantes Ensemble, das rund 300 Jahre Krangeschichte verkörpert.
Zur Erinnerung an den ehemaligen großen Verladehafen auf dem Gelände des heutigen Hafenparks soll der Kran als Industriedenkmal erhalten bleiben.
Gartenstadt Mit der Gartenstadt entstand zugleich ein neues Wohngebiet, dessen Stil von geradlinig angeordneten Baukörpern und einfachen geometrischen Formen geprägt ist.
Hindenburganlagen Der Park am Rhein wurde „Hindenburg-Anlage“ getauft. Der damalige Reichspräsident besuchte am 21. Juli 1930 Bingen, nachdem sich die Besatzungstruppen zurückgezogen hatten. Er erinnerte sich daran, daß er 1870 als junger Leutnant in Bingerbrück auswaggoniert wurde und von dort zu Fuß in den Frankreichfeldzug zog.
Durch wirtschaftliche Veränderungen verlor der Hafen in den 1990er Jahren an Bedeutung. Die „Hindenburg-Anlage“ wurde im Rahmen der Landesgartenschau 2008 umgestaltet. Das Zollamt wurde nach seiner Schließung ein Restaurant.
Schiffanleger Hauptanleger für die Bingen-Rüdesheimer Schifffahrtsgesellschaft, dazu für die Köln-Düsseldorfer Fahrgastschiff, die Rössler-Linie sowie Hotelschiffe.
Binger Rheinkahn Für Kinder wurde ein „Rheinkahn“ mit Spielmöglichkeiten gebaut, der mit 50 m Länge und 8 m Breite etwa halb so groß ist wie einer der Original-Rheinkähne.
Pegelhaus Bis zur Zerstörung im 2. Weltkrieg wurde der Wasserstand an einem Pegelhaus angezeigt. 1950/51 wurde der Pegel neu errichtet, im Vorbau war das Büro des Strommeisters.Pegelhaus
Lotsenhaus Zur Fahrt durch das „Gebirge“ nahmen die meisten Schiffen einen Lotsen an Bord. Im Lotsenhaus konnte man den Bedarf anmelden, ankommende Schiffe wurden beobachtet ob sie eine Lotsenflagge gesetzt hatten und Lotsen warteten bei Schlechtwetter im Lotsenhaus, bevor sie mit dem Lotsenversetzboot zu den Schiffen gebracht wurden. Heute beherbergt das Lotsenhaus das Lotsenmuseum.Lotsenmuseum Bingenmini|Lotsenhaus in Bingen
Holländerbock Der „Holländerbock“ war die Anlegestelle der 1823 gegründeten „Nederlandsche Stoomboot Maatschappij“, die ab 1838 die Strecke von Rotterdam bis Mannheim im Personen- und Güterverkehr mit Dampfschiffen befuhr. Heute steht dort einer der beiden Flaggenmasten.
Berliner Meilenstein Der Stein wurde in den 1970er Jahren errichtet als einer von zehn Exponaten in Rheinland-Pfalz. Er zeigt den Berliner Bär, die Entfernung 597 km und die Aufschrift Berlin.
Die Gedenksteine waren ein Symbol der Solidarität mit dem geteilten Berlin und seiner besonderen Lage mitten in der DDR.Berliner Meilenstein
Rhein-Nahe-Eck Im Abschnitt Rhein-Nahe-Eck liegen das Rheintal-Kongresszentrum und das Historische Museum am Strom – Hildegard von Bingen.
Museum am Strom Das Museum am Strom im historischen Elektrizitätswerk von 1889 präsentiert Dauer- und Sonderausstellungen zu Hildegard von Bingen, der Rheinromantik und Stadtgeschichte Bingens von den Römern bis heute. Eine Besonderheit stellt das 67 Instrumente umfassende „Binger Ärztebesteck“ aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. dar; der weltweit größte Fund zur antiken Medizin.
Kriegerdenkmal Das Denkmal ist den Gefallenen des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 17 gewidmet. Das Regiment wurde vom Großherzogtum Hessen-Darmstadt im Zuge der Mobilmachung am 2. August 1914 als Teil der Preußischen Armee aufgestellt, die Soldaten kamen hauptsächlich aus der Preußischen Rheinprovinz. Das Regiment erlitt insbesondere 1915 in der Champagne schwere Verluste, 1916 an der Somme und 1917 in der Osterschlacht bei Arras. Dann wurde es in den Osten verlegt und kämpfte die letzten Schlachten gegen das nicht mehr zaristische Russland. 1918 wird es nach Verdun verlegt, im April wieder in die Region Arras. Es wurde 1934, nach dem Abzug der Besatzungstruppen, aber noch im demilitarisierten Rheinland, durch das NS-System errichtet.
Der hochstrebende, obeliskenartige Pfeiler des Denkmals besteht aus fünf dreiseitigen Blöcken roten Nahe-Porphyrs, die die fünf Kriegsjahre des Ersten Weltkriegs symbolisieren. Die großformatigen Inschriften nennen die wichtigsten Schlachten des Krieges.
Statue von Ludwig IV. Großherzog von Hessen Der überlebensgroße Bronzeguss wurde 1913 enthüllt. Er erinnert an die Zeit von 1815 bis 1945, als die Stadt zum Regierungsbezirk Hessen-Darmstadt gehörte. Ludwig IV. war 15 Jahre lang dessen Großherzog. Er galt als liberal, wohlwollend und reiselustig.
Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Statue von den Franzosen und von Belgiern in den Rhein geworfen, nach dem zweiten Weltkrieg von den Amerikanern. Ohne Kopf und ohne Säbel gelangte er in ein Depot und in Privatbesitz, bis 2001 er wieder komplett am Rhein seinen alten Platz einnehmen konnte. Zur Freude der Binger, denn „Am Ludwig verabredeten sich die Binger zu Rendezvous.“Großherzog Ludwig IV von Hessen-Denkmal in Bingen
Park am Mäuseturm Neben Liegewiesen, schattenspendenden Bäumen und bunten Blumenbeeten ist das naturbelassene Ufer Rückzugsraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Ein Skateplatz, Beachvolleyball- und Basketballfelder sowie ein großer Spielplatz ergänzen das Freizeitangebot.
Vom Ufer aus kann der Verkehr der Ausflugsschiffe und Rheinfrachter auf dem Strom beobachtet werden vor der Kulisse des Binger Mäuseturms sowie der Ruine Ehrenfels auf dem gegenüberliegenden Rheinufer.
Kulturelle Veranstaltungen bereichern das Angebot im Park am Mäuseturm von Frühjahr bis Herbst.
Weblinks Das Kulturufer Bingen am Rhein, Website der Stadt Bingen Dein Bingen, Fremdenverkehrsinformation Bingen am Rhein
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Bingen am Rhein) Kategorie:Parkanlage in Rheinland-Pfalz Kategorie:Parkanlage in Europa