mini|hochkant|Pentti Linkola (2011) Kaarlo Pentti Linkola (* 7. Dezember 1932 in Helsinki; † 5. April 2020 in Ritvala, ValkeakoskiLuonnonsuojelija Pentti Linkola on kuollut YLE Uutiset, 5. April 2020) war ein finnischer Naturschützer, Tiefenökologe, Autor und Ornithologe. Als Denker erlangte er vor allem durch seine radikalen Positionen Bekanntheit: Im Sinne der Natur befürwortete er jegliche Maßnahmen, die eine große Zahl von Menschen töten, bspw. Terrorismus, Völkermord, Pandemien und einen dritten Weltkrieg.

Aus ökologischen Gründen lehnte Linkola auch die moderne westliche konsumistische Überflussgesellschaft ab und warb für ein einfaches Leben. Er selbst verfolgte ein solches und übte den Beruf des Fischers aus, ohne moderne Technik zu verwenden.

Da er aufgrund seiner radikal-ökologischen Positionen unter anderem auch Demokratie und Migration ablehnte, wird er teilweise als politisch rechtsextrem und als einer von weltweit nur wenigen prominenten Vertretern des Ökofaschismus eingeordnet.

Trotz seiner radikalen Positionen war er in Finnland vor allem in seinen späteren Lebensjahren eine der beliebtesten Personen des öffentlichen Lebens.

Berufs- und Privatleben Linkola war der Sohn von Kaarlo Linkola (1888–1942), Professor für Botanik und später Rektor der Universität Helsinki, und dessen zweiter Ehefrau Hilkka geb. Suolahti (1907–2001), Tochter des früheren Kanzlers der Universität Helsinki Hugo Suolahti. Er hatte eine ältere Schwester, Aira, und einen jüngeren Bruder, Martti. Ein Halbbruder aus der ersten Ehe des Vaters, Anssi, fiel 1941 im Alter von 20 Jahren im Fortsetzungskrieg gegen die Sowjetunion. Linkolas Vater war Mitbegründer und erster Vorsitzender der Finnischen Naturschutzvereinigung (Suomen Luonnonsuojeluyhdistys, heute Suomen luonnonsuojeluliitto).

Linkola wuchs in Helsinki auf, bis 1943 in der Dienstwohnung des Vaters im Botanischen Garten der Universität, und verbrachte die Sommer auf dem Bauernhof seines Großvaters in der Nähe von Hattula. Nach dem Tod des Vaters 1942 verschlechterte sich die finanzielle Lage der Familie. Linkola besuchte in Helsinki die angesehene Suomalainen Yhteiskoulu, an der er 1950 das Abitur ablegte, und nahm danach ein Studium der Zoologie und Botanik an der Universität Helsinki auf, das er aber schon nach kurzer Zeit abbrach, nach eigener Aussage, weil er sich nicht für Schreibtischarbeit eigne, sondern im Freien leben müsse. Er bildete sich autodidaktisch in Biologie und anderen Naturwissenschaften fort, arbeitete von 1952 bis 1959 als freiberuflicher Naturforscher, darunter längere Zeit auf der Vogelwarte Signilskär in Hammarland auf den Åland-Inseln, und wurde zu einem der bekanntesten Ornithologen Finnlands. 1959 wurde er Berufsfischer und fischte auf der Ostsee und in Binnenseen, lange Jahre in Kuhmoinen am Päijänne-See, ab 1978 auf dem Vanajavesi.Matti Tanner: Pentti Linkola 1932-2020: Äärimmäinen luonnonsuojelija ei säästänyt itseään – ihmisten vihaajaksi luultu erakko oli loistava seuramies. In: Iltalehti, 5. April 2020 (finnisch) Zugleich setzte er seine systematischen Vogelbeobachtungen fort. Linkola arbeitete bis 1995 ganzjährig als Fischer, wobei er auf alle technischen Hilfsmittel verzichtete, von einem Ruderboot aus fischte und den Fang mit einem Pferdewagen zu den Abnehmern brachte. Er lebte allein in Ritvala, einem kleinen Dorf, das früher zu Sääksmäki und heute zu Valkeakoski gehört, in einem kleinen Häuschen, das mit Holz beheizt wurde und nur über Wasser aus dem Brunnen verfügte.Matti Kuusela: In: Aamulehti, 16. August 2017 (finnisch) Im fortgeschrittenen Alter litt Linkola unter Typ-I-Diabetes Pentti Linkola – kuusikymppisenä ykköstyypin diabeetikoksi, in: Diabetes-lehti 5/2013 (finnisch) und klinischen DepressionenPentti Linkola. In: Helsingin Sanomat, 2. Dezember 2012 (finnisch). Er starb in der Nacht vom 4. auf den 5. April 2020 im Alter von 87 Jahren zuhause im Schlaf und wurde am Morgen von seiner Haushälterin tot aufgefunden.Matti Kuusela: In: Aamulehti, 5. April 2020 (finnisch)

Linkola war von 1961 bis 1975 mit Aliisa Anneli Lummes verheiratet, mit der er zwei Töchter hatte, Mirjami (* 1961) und Leena (* 1963). 2004 erzählte Linkola in einer Fernsehsendung, die Ehe sei geschieden worden, weil er nach einem Preisverfall für Fisch Schwierigkeiten hatte, die Familie mit seiner Fischerei zu ernähren, sich aber trotzdem weigerte, den Beruf zu wechseln.Jukka Lindfors: Pentti Linkolalle terrorismi on iloinen asia. YLE-Archiv, 14. November 2018, abgerufen am 16. April 2020 (finnisch). Laut der 2017 erschienenen Biografie von Riitta Kylänpää zerbrach die Ehe, weil Linkola eine langjährige Beziehung mit der Verlegerin Sirkka Kurki-Suonio begonnen hatte. Die beiden Töchter zogen mit ihrer Mutter nach Helsinki.

Aktivitäten Linkola veröffentlichte zunächst Aufsätze in ornithologischen Fachzeitschriften sowie Bücher zur Vogelkunde. Linkola beobachtete und kartierte über lange Zeit Vogelpopulationen und war mehr als 60 Jahre ehrenamtlich in der Vogelberingung tätig. Er wurde von der Vogelkundlichen Vereinigung Finnlands zum Ehrenmitglied ernannt und erhielt 1988 für sein Engagement im Vogelschutz die Goldmedaille der Vereinigung ornithologischer Gesellschaften in Finnland (heute BirdLife Suomi).

Linkolas erste politische Veröffentlichung war die 1960 erschienene pazifistische Broschüre Isänmaan ja ihmisen puolesta: mutta ei ketään vastaan (Für Vaterland und Mensch, aber gegen niemanden), in der er zur Kriegsdienstverweigerung aufrief. Linkola selbst hatte in der finnischen Armee Wehrdienst geleistet und den Rang eines Unteroffiziers erreicht. Später wandte er sich aus ökologischen Gründen vom Pazifismus ab, obwohl er nationale Armeen weiterhin ablehnte.Seija Aunila: Ex-pasifisti Pentti Linkola kertoo. YLE-Archiv, 23. Oktober 2018, abgerufen am 16. April 2020 (finnisch)

1971 erschien Unelmat paremmasta maailmasta (Die Träume von einer besseren Welt), Linkolas erste Veröffentlichung zu Fragen des Naturschutzes. Dieses Buch war ebenso wie die späteren Titel zum Natur- und Umweltschutz eine Zusammenstellung von Aufsätzen, Essays sowie Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln; viele davon waren in der größten finnischen Illustrierten Suomen Kuvalehti erschienen. Für Toisinajattelijan päiväkirjasta (Aus dem Tagebuch eines Querdenkers) von 1979 erhielt er 1983 den Eino-Leino-Literaturpreis der finnischen Buchstiftung, für Johdatus 1990-luvun ajatteluun (Einführung in das Denken der 1990er Jahre) von 1989 erhielt er 1990 den Lauri-Jäntti-Preis für wissenschaftliche Literatur.Lauri Jäntin säätiö: Palkitut 1985–2020. Abgerufen am 16. April 2020 (finnisch).

Linkola beteiligte sich an den Koijärvi-Protesten (1979–1981), aus denen sich die grüne Bewegung in Finnland entwickelte, die er anfänglich unterstützte und für die er 1986 ein Programm entwarf. Er distanzierte sich aber bald von ihr, weil sie ihm nicht radikal genug war, und war an der Gründung der grünen Partei Vihreä liitto nicht mehr beteiligt. Stattdessen galt er als Bezugsperson für kleinere Gruppen radikaler Umweltaktivisten.Ville Matilainen: Pentti Linkolan tummanvihreä maailma. YLE-Archiv, 17. August 2017, abgerufen am 16. April 2020 (finnisch).

1995 gründete Linkola die Naturschutzorganisation Luonnonperintösäätiö (Stiftung Naturerbe), die aus Spendengeldern Waldgebiete ankauft, die sich noch in ursprünglichem Zustand befinden, und sie unter Naturschutz stellen lässt. In diese Stiftung, deren Vorsitzender er seit 1996 war, brachte er die ihm verliehenen Stipendien- und Preisgelder ein, ebenso den Ertrag einer großen Spendensammlung anlässlich seines 60. Geburtstags. Ende 2018 verwaltete die Stiftung insgesamt 1800 Hektar Urwälder, Moorgebiete und andere ursprüngliche Biotope.Tiina Jensen, Heidi Brucker: Keitä ne on, ne luonnon sankarit? Kiitoksia saivat niin aktiivitoimijat kuin omat isätkin. Yksi oli ylitse muiden... Yle, 12. Dezember 2018 (finnisch)

Ferner war Linkola Vorstandsmitglied der finnischen Sektion des WWF.

Trotz seiner einsiedlerischen Lebensweise blieb er bis zu seinem Tod in der finnischen Öffentlichkeit, der Presse und den Medien präsent.

Ansichten Schon um 1970 vertrat Linkola konsum- und technikkritische Positionen und pries das einfache, naturnahe Leben auf dem Lande.Seija Aunila, Sirpa Jegorow: Kalastaja Pentti Linkolan mietteitä. YLE-Archiv, 16. November 2018, abgerufen am 16. April 2020 (finnisch). Im Lauf der Zeit wurde er in seinen Positionen immer kompromissloser, radikaler und provokativer. Linkola vertrat seine Einsichten dabei stets mit Leidenschaft. Er machte bis an sein Lebensende emotional und auch mit großer schriftstellerischer Begabung auf die Zerstörung der natürlichen Umwelt und die katastrophalen Folgen aufmerksam.

Ausgangspunkt und zentrales Thema von Linkolas Denken war die menschengemachte Bedrohung der Ökosphäre und die Notwendigkeit ihrer Rettung. Dabei machte er als wesentliche Faktoren die Bevölkerungsexplosion sowie die von der technischen Entwicklung und dem Kapitalismus geprägte Konsumgesellschaft mit ihrem stetig steigenden Naturverbrauch aus. Den Menschen sah er zunehmend nur noch als homo destructivus, als Zerstörer von Natur und Leben. Deshalb sei zweierlei notwendig: zum einen eine massive Reduzierung der Weltbevölkerung, zum anderen die Abkehr vom konsumistischen Lebensstil der westlichen Überflussgesellschaft (siehe auch Primitivismus). Die Menschheit solle sich den von der Natur gegebenen Begrenzungen anpassen und auf ihre „ökologische Nische“ zurückziehen.

Reduktion der Weltbevölkerung Linkola bestritt grundsätzlich eine privilegierte Stellung der Spezies Mensch gegenüber anderen biologischen Arten und weigerte sich daher, dem einzelnen Menschenleben einen absoluten Wert beizulegen. Vielmehr sei im Kampf gegen die Überbevölkerung als größter Bedrohung des Lebens auf der Erde jedes Mittel gerechtfertigt. Daher sprach Linkola sich nicht nur für Geburtenkontrolle, Eugenik und Antinatalismus aus, sondern begrüßte alle „Aktionen, die die Vernichtung von Menschenleben fördern“André Anwar: Es hilft nicht, Kameraden zu erschießen. In: Der Tagesspiegel, 13. November 2007., einschließlich Terrorismus, Völkermord, Vergiftung städtischer Wasserversorgung oder das absichtliche Auslösen von Pandemien. So bewertete er die RAF-Morde und die Madrider Zuganschläge 2004 positiv und gab noch in seinem letzten Interview, das drei Tage vor seinem Tod erschien, seiner Hoffnung Ausdruck, dass „das Coronavirus die Zerstörung der Erde ein wenig verlangsamen könne“.Juulia Jaulimo: Pentti Linkola kertoi voinnistaan vasta kolme päivää sitten julkaistussa haastattelussa Kulttuuritoimitus-lehdessä – "Koronavirus voi hieman jarruttaa maapallon tuhoa". MTV Uutiset, 5. April 2020 (finnisch) Am besten wäre es, die Weltbevölkerung würde durch einen dritten Weltkrieg auf höchstens ein Viertel reduziert und anschließend durch strenge Geburtenkontrolle konstant gehalten. 1994 erklärte er im Hinblick auf einen Dritten Weltkrieg: „Wenn es einen Knopf gäbe, den ich drücken könnte, dann würde ich mich ohne zu zögern opfern, wenn dadurch Millionen Menschen sterben würden.“

Das Argument, das nur dünn besiedelte Finnland habe kein Überbevölkerungsproblem, wies er mit der Begründung zurück, Gebiete in vergleichbaren Klimazonen seien nahezu menschenleer, Finnland sei daher, relativ gesehen, viel zu dicht besiedelt.

Politisches System und Lebensweise