Diese Liste von Studien und Umfragen zu geschlechtergerechter Sprache enthält wissenschaftliche Studien und Befragungen sowie Meinungsumfragen zum Thema geschlechtergerechte Sprache, zum Gebrauch von Genderzeichen wie dem Gendersternchen als Mittel gendergerechter Schreibung sowie zur gesprochenen Gender-Pause (mit Glottisschlag).

Studien zu geschlechtergerechter Sprache Systematische Übersichtsarbeiten Es gibt nur wenige systematische Übersichtsarbeiten zu den vielen Studien und wissenschaftlichen Befragungen im Bereich der geschlechtergerechten Sprache im Deutschen.

Im Jahr 2009 hielten Sascha Demarmels und Dorothea Schaffner zu sieben untersuchten Studien aus den Jahren 1994 bis 2007 fest, dass bei ihnen die subjektive Beurteilung der Verständlichkeit geschlechtergerechter Sprachformen als hoch zu beurteilen sei.Sascha Demarmels, Dorothea Schaffner: Gendersensitive Sprache in Unternehmenstexten. In: Sascha Demarmels, Wolfgang Kesselheim (Hrsg.): Textsorten in der Wirtschaft. Springer VS, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-17869-1, S. 98–120, hier S. 109 (); Zitat: „[…] (Braun et al. 2007; Frank-Cyrus und Dietrich 1997; Guyatt u. a. 1997; Parks und Robertson 2000; Prentice 1994; Rothmund und Christmann 2003; Steiger und Irmen 2007).“

2020 fasste das Handbuch geschlechtergerechte Sprache aus dem Dudenverlag die Studienlage zusammen:

2021 kommen die öffentlich-rechtlichen Wissenschaftsmagazine Quarks (WDR) und Leschs Kosmos (ZDF) zu ähnlichen Ergebnissen.WDR-Quarks, Lara Schwenner: Geschlechtergerechte Sprache: Was Gendern bringt – und was nicht. In: Quarks.de. 26. März 2021, aktualisiert: 10. Januar 2022, abgerufen am 29. März 2022 (Quellen; YouTube-Video: 12:15 Minuten).Video von Leschs Kosmos, ZDF: Gendern – Wahn oder Wissenschaft? In: ZDF.de. 5. Oktober 2021, abgerufen am 20. März 2022 (29:42 Minuten; YouTube-Version).Christine Olderdissen: Leschs Kosmos über: “Gendern – Wahn oder Wissenschaft?” In: Genderleicht.de. 14. Oktober 2021, abgerufen am 20. März 2022.

Studien zur Verständlichkeit

Ab den frühen 1990er-Jahren wurde in Dutzenden von empirischen sprach- und sozialwissenschaftlichen Studien und Befragungen die Verständlichkeit von Schreib- und Sprechweisen geschlechtergerechter Sprache untersucht und verglichen, auch mit dem Gebrauch generischer Maskulinformen (jeder Lehrer, alle Lehrer in der geschlechtsneutralen Bedeutung „Personen, die lehren“).

2007 vermerkte eine Forschungsgruppe um die Sprachwissenschaftlerin Friederike Braun an der Universität Kiel:

Einzelstudien zu sprachlichen Mitteln

Beidnennung, vollständige Paarform (Lehrerinnen und Lehrer oder Lehrer und Lehrerinnen): Zwischen 1993 und 2010 ermittelten mehrere empirische Studien, dass Versuchspersonen Schreibweisen mit Beidnennung eher mit weiblichen Personen assoziieren als bei der Verwendung generischer Maskulinformen (alle Lehrer).Brigitte Scheele, Eva Gauler: Wählen Wissenschaftler ihre Probleme anders aus als WissenschaftlerInnen? Das Genus-Sexus-Problem als paradigmatischer Fall der linguistischen Relativitätsthese. In: Sprache & Kognition. Band 12, Nr. 2, 1993, S. 59–72 (Psychologisches Institut, Universität Heidelberg; Zusammenfassung auf zpid.de).Dagmar Stahlberg, Sabine Sczesny: Effekte des generischen Maskulinums und alternativer Sprachformen auf den gedanklichen Einbezug von Frauen. In: Psychologische Rundschau. Band 52, Nr. 3, 2001, S. 131–140 (doi:10.1177/0261927X01020004004; Volltexte: online auf researchgate.net; PDF: 1,3 MB, 10 Seiten auf fh-muenster.de).Jutta Rothmund, Brigitte Scheele: Personenbezeichnungsmodelle auf dem Prüfstand: Lösungsmöglichkeiten für das Genus-Sexus-Problem auf der Text-Ebene. In: Zeitschrift für Psychologie. Band 212, Nr. 1, Januar 2004, S. 40–54 (doi:10.1026/0044-3409.212.1.40).

Binnen-I (LehrerInnen): 1993 ermittelte eine psycholinguistische Studie, dass Schreibweisen mit Binnen-I bei Versuchspersonen eher zu einer Nennung weiblicher Personen führen als bei generischen Maskulinformen. 2001 kam eine Studie zu gleichen Ergebnissen (auch bei Beidnennung).Ab 1999 zeigten einige Studien jedoch, dass die Verwendung des Binnen-I bei Versuchspersonen zu einer übermäßigen Nennung oder mentalen Repräsentation weiblicher Personen führen kann.Katja Müller, Sandra Reinmuth u. a.: Effekte geschlechtergerechter Sprache auf die Beantwortung von Meinungsumfragen. Universität Mannheim, 1999 ().Elke Heise: Sind Frauen mitgemeint? Eine empirische Untersuchung zum Verständnis des generischen Maskulinums und seiner Alternativen. In: Sprache & Kognition. Band 19, Nr. 1–2, Januar 2000, S. 3–13 (Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie, Universität Göttingen; doi:10.1024//0253-4533.19.12.3).Elke Heise: Auch einfühlsame Studenten sind Männer: Das generische Maskulinum und die mentale Repräsentation von Personen. In: Verhaltenstherapie & psychosoziale Praxis. Band 35, Nr. 2, 2003, S. 285–291 (Abstract auf apa.org).

Kurzformen mit Schrägstrich (Lehrer/-innen): 2000 ermittelte eine psycholinguistische Studie, dass Kurzformen mit Schrägstrich bei der mentalen Repräsentation eher eine Gleichverteilung weiblicher und männlicher Personen bewirken als bei Binnen-I (LehrerInnen) oder generischen Maskulinformen (Lehrer).

Rothmund, Christmann (2002)

Die Psychologinnen Jutta Rothmund und Ursula Christmann fanden 2002 keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der subjektiven Verständlichkeit der verschiedenen Sprachformen oder Schreibweisen. 220 Personen beurteilten Texte anhand von drei Verständlichkeitsmaßen (Lesbarkeit, sprachliche Prägnanz, inhaltliche Interessantheit) sowie sprachlicher Ästhetik als weiteren Aspekt der Textqualität. Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen generischen Maskulinformen und unterschiedlichen Alternativformen (etwa Beidnennung, Verwendung des Wortes Personen, Mischung mit generischen Maskulinformen) hinsichtlich der subjektiven Verständlichkeit. Einen signifikanten Effekt gab es nur hinsichtlich der subjektiven Beurteilung der sprachlichen Ästhetik, die bei der Beidnennung in Kombination mit der Ersetzung durch das Wort Person schlechter ausfiel als beim generischen Maskulinum.Jutta Rothmund, Ursula Christmann: Auf der Suche nach einem geschlechtergerechten Sprachgebrauch: Führt die Ersetzung des generischen Maskulinums zu einer Beeinträchtigung von Textqualitäten? In: Muttersprache. Band 112, Nr. 4, 2002, S. 115–135 (Diplom-Psychologin, Köln, sowie Psychologisches Institut, Universität Heidelberg; PDF: 2,3 MB, 11 Textscans auf uni-heidelberg.de).

Braun und andere (2007)

Friederike Braun überprüfte mit ihrer Forschungsgruppe am Sprachseminar der Universität Kiel 2007, wie gut 86 Versuchspersonen die Texte der Packungsbeilagen von Medikamenten verarbeiteten und reproduzierten, die sich nur hinsichtlich der Form der Personenbezeichnung voneinander unterschieden (generisches Maskulinum, Beidnennung und Neutralisierungen, Binnen-I). Darüber hinaus bewerteten die Versuchspersonen den Text im Hinblick auf verschiedene Merkmale der Textqualität (Verständlichkeit, Güte der Formulierungen und Lesbarkeit). Hinsichtlich des Kriteriums der Verarbeitung und der Erinnerung gab es keine Unterschiede: Weibliche und männliche Teilnehmer zeigten bei allen drei Sprachformen eine ähnlich gute Verarbeitungs- und Erinnerungsleistung. Das Resultat dieser Studie lautete, dass geschlechtergerechte Texte ähnlich erfolgreich verarbeitet werden können wie Texte mit generischen Maskulinformen und dass die Erinnerungsleistung durch geschlechtergerechte Formen nicht reduziert wird. Eine Besonderheit der Studie ist nach Angaben der Autorinnen, dass darin „nicht nur – wie in bisherigen Studien – die subjektive Bewertung verschiedener Merkmale der Textqualität erfasst wurde, sondern auch die Erinnerungsleistung für Informationen im Text als objektives Kriterium der erfolgreichen Informationsverarbeitung.“Duden-Handbuch 2020, S. 91–92: Lesezeitmessungen / Einschätzungen der Testpersonen.Anatol Stefanowitsch: Sprachstruktur: Frauen natürlich ausgenommen. In: SciLogs.Spektrum.de. 14. Dezember 2011, abgerufen am 23. Mai 2021.Anatol Stefanowitsch: Sprachstruktur: Frauen natürlich ausgenommen. In: SciLogs.Spektrum.de. 14. Dezember 2011, abgerufen am 20. März 2022 (Braun u. a. 2007 + Gygax u. a. 2008).

Blake, Klimmt (2010)

Am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover ließen Christopher Blake und Christoph Klimmt 204 Personen einen Nachrichtentext lesen. Dann wurden sie zum geschätzten Anteil von Frauen und Männern am dargestellten Sachverhalt befragt sowie zu ihrer persönlichen Einschätzung von Lesbarkeit und Textästhetik. Als weiterer Indikator der Lesbarkeit wurde die benötigte Lesezeit pro Zeichen gemessen (in Millisekunden: ms). Der Nachrichtentext wurde in drei verschiedenen Versionen getestet:Christopher Blake, Christoph Klimmt: Geschlechtergerechte Formulierungen in Nachrichtentexten. In: Publizistik. Band 55, Nr. 3, September 2010, S. 289–304 (doi:10.1007/s11616-010-0093-2).Besprechung beider Studien bei Marcus C. G. Friedrich, Elke Heise: Does the Use of Gender-Fair Language Influence the Comprehensibility of Texts? An Experiment Using an Authentic Contract Manipulating Single Role Nouns and Pronouns. In: Swiss Journal of Psychology. Band 78, Heft 1–2, 2019, online: 25. März 2019, S. 51–60 (englisch; Volltext auf researchgate.net); Zitat: „The influence of pair forms and neutral forms on comprehensibility was investigated in two further experiments (Blake & Klimmt, 2010). In the first experiment, participants were randomly provided with one of three versions of a newspaper article: one version using masculine-only forms, one using neutral forms and pair-forms, and one version using neutral forms and capital-I forms.“ mit generischen Maskulinformen (Lesezeit: 58 ms pro Zeichen) mit Beidnennungen und geschlechtsneutralen Bezeichnungen (58 ms pro Zeichen) mit Binnen-I und geschlechtsneutralen Bezeichnungen (62,6 ms pro Zeichen: plus 4,6 ms)

Hinsichtlich der subjektiven Beurteilungen der Lesbarkeit seitens der Befragten und ihrer Einschätzung der sprachlichen Ästhetik gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen der Version mit generischen Maskulinformen und den beiden alternativen Versionen. Diese erhöhten aber den geschätzten Frauenanteil, während beim generischen Maskulinum der Männeranteil überschätzt wurde. Eine wiederholte Studie an 325 Versuchspersonen bestätigte diese Ergebnisse.

Friedrich, Heise (2019)

Am Institut für Pädagogische Psychologie der TU Braunschweig untersuchten Marcus Friedrich und Elke Heise 2019 anhand eines Experiments mit 355 Studierenden, ob der Stromliefervertrag eines deutschen Stromversorgers mit generischen Maskulinformen verständlicher war als die geschlechtergerecht überarbeitete Version mit 39 Beidnennungen anstelle der ursprünglichen Maskulinformen (Kontoinhaber oder Kontoinhaberin statt Kontoinhaber, sowie er oder sie statt nur er). Die Bewertung der Textverständlichkeit durch die Testpersonen ergab keinerlei Unterschiede zwischen den Versionen.Marcus C. G. Friedrich, Elke Heise: Does the Use of Gender-Fair Language Influence the Comprehensibility of Texts? An Experiment Using an Authentic Contract Manipulating Single Role Nouns and Pronouns. In: Swiss Journal of Psychology. Band 78, Heft 1–2, 2019, online: 25. März 2019, S. 51–60 (englisch; TU Braunschweig, Institut für Pädagogische Psychologie; doi:10.1024/1421-0185/a000223; Volltext auf researchgate.net; Besprechung1, Besprechung2).

Studien zur Akzeptanz

Zur Akzeptanz (Befürwortung/Ablehnung) von gendergerechter Sprache oder einzelner Schreibweisen wurden seit den ersten wissenschaftlichen Richtlinien im Jahr 1980 verschiedene sprachwissenschaftliche und psycholinguistische Studien und Befragungen durchgeführt.

Hellinger, Schräpel (1983)