mini|Dr. Beckel in seiner Weinlaube in Faistenau, Herbst 2023 mini|Graveur-Maschine, hergestellt von Hermann Beckel, sp. 19. Jahrhundert. Lothar Beckel (* 15. August 1934 in Langenau, Tschechoslowakei) ist ein Kartograf, Unternehmer, Flieger und war 1977 österreichischer ESA-Astronautenkandidat. Herkunft Lothar Beckel ist das einzige Kind von Ilse Beckel, geb. Wünsch (* 5. Oktober 1911; † 3. Feber 1971), und Edwin Beckel (* 11. März 1908; † 9. Oktober 1975), der 1940 seinen elterlichen BetriebMETALL- UND EISEN-GIESSEREI • MASCHINEN- UND FORMEN-FABRIK HERMANN BECKEL LANGENAU A. D. B. N.-B. Spezialität: Kompl. Kuglerei- und Schleiferei-Einrichtungen[,] Abspreng- und Verschmelz-Maschinen[,] Graveur-Maschinen etc. für Fuß- und Kraftbetrieb. Nach: übernehmen konnte, nachdem er eine Schlosserlehre absolviert und 1937 einen Gewerbeschein erworben hatte. Im Berechtigungsdokument wird das Unternehmen in Langenau Nr. 144 beschrieben: Fabrikmäßige Maschinen u. Formenerzeugung, verbunden mit Metall u. Eisengießerei.GEWERBE & BERECHTIGUNG auf Grund des G E W E R B E S C H E I N E S […] Böhm.-Leipa, den 28. Feber 1940. […] Das Unternehmen stellte Glasbearbeitungsmaschinen her, mit denen Glashütten ausgerüstet wurden, sowie Gravurwerkzeuge für Glas-Kugler bzw. Glas-Raffineure. Lothar Beckels Mutter Ilse war weltgewandt, sie hatte jahrelang in der Schweiz und in Frankreich gelebt, weswegen sie fließend Französisch sprach. Sein Vater Edwin wurde im Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1940, eingezogen und war als Maschinist auf dem holländischen Tankschiff MS RANSDORP tätig, das von der Kriegsmarine konfisziert worden war; das Kriegsende erlebte er als Gefangener der Royal Navy. Ilse Beckel führte den Betrieb mit ca. 35 Beschäftigten bis zur Enteignung 1945 weiter. Danach wurde sie mit ihrem Sohn nach Obříství im Kreis Melnik verbracht, wo sie auf einem ehemaligen Gutshof Zwangsarbeit leisten musste; am 23. Dezember 1947 musste bzw. konnte sie mit ihrem Sohn Lothar die Tschechoslowakei verlassen.

Nach der Vertreibung der Familie aus dem Sudetenland in Folge des Zweiten Weltkriegs, kamen Mutter und Sohn Beckel Ende 1947 nach Bad Ischl, wo der 1946 aus der englischen Kriegsgefangenschaft entlassene Vater bereits wieder als technischer Leiter in einer Glasfabrik arbeitete, nämlich bei Franz Voigts »Glasmanufaktur Bad Ischl«. Franz Voigt (* 27. Juni 1898) war zuvor langjähriger Direktor der berühmten Glasfabrik Moser in Karlsbad gewesen.

Laufbahn Lothar Beckel studierte zunächst in Linz Maschinenbau, besuchte dann aber die Hochschule für Welthandel in Wien, die er mit dem Grad Diplomkaufmann absolvierte. Anschließend arbeitete er im neu geschaffenen väterlichen Betrieb, den er 1973 übernahm: die Firma »MSU-Spezialerzeugnisse • EDWIN BECKEL« in der Salzburger Straße 38 in Bad Ischl. In ihr wurden korrosionsbeständige Bügel, Leitern, Geländer für Kanäle, Kläranlagen, Brunnen, Wasserspeicher, Kraftwerke, Silos, Fassaden usw. hergestellt. 1995 wurde die Firma veräußert und bis 2012 als »B-E-K-L-Bad Ischler Edelstahl-Konstruktions- und Leichtmetallbau GmbH« fortgeführt.Wiener Zeitung, Ausgabe vom 15. Februar 2012.

1962 hatte er bereits seine wissenschaftliche Laufbahn im Bereich der Geografie und der Satellitenbeobachtung begonnen. 1972 tauchten die ersten Satellitenbilder auf, die veröffentlicht wurden, und Beckel gehörte zu den „Wissenschaftern der ersten Stunde“, die sich mit der neuen Materie intensiver beschäftigten. Am Institut für Geografie und Regionalforschung der Universität Wien war er über lange Jahre als Universitätsdozent tätig.

1977 war Beckel einer der sechs Kandidaten aus Österreich bei der Astronautenauswahl der Europäischen Weltraumorganisation (ESA).

Von 1984 bis 2007 war Beckel Inhaber eines Kartographieunternehmens zur Auswertung von Satellitenbilddaten und der Herstellung und dem Vertrieb kartografischer Produkte. Die GEOSPACE Beckel Satellitenbilddaten Gesellschaft m.b.H. sowie die Geospace International GmbH waren dabei als Institut für angewandte Forschung und praktische Anwendung von Fernerkundung mit Satellitenbilddaten und geographischen Informationssystemen tätig.

Ehrungen 1989: Ritter-von-Gerstner-Medaille der Sudetendeutschen Landsmannschaft 2002: Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste 2005: Ehrenmitgliedschaft der Österreichischen Geographische Gesellschaft in Würdigung der „innovativen Nutzbarmachung von Fernerkundung mit Satellitenbilddaten für angewandte geographische Forschung“ 2008: Wissenschaftspreis des Sudetendeutschen Kulturpreises 2008: Berufung zum ordentlichen Mitglied der Naturwissenschaftlichen Klasse der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste

Werke

Weblinks

Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste – Puhani Universität Wien, Institut für Geographie und Regionalforschung Ehemalige Homepage der Geospace Austria im Webarchiv

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Geboren 1934 Kategorie:Mann Kategorie:Kartograf (20. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste Kategorie:Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste