Der Stein von Memphis oder auch Memphites () ist antiken Quellen zufolge ein aus Memphis in Ägypten stammender Stein oder steinähnliches Präparat, das gegen Schmerzen unempfindlich macht.
Plinius der Ältere berichtet in seiner Naturalis historia über eine Art farbigen Marmor:
Der griechische Arzt Pedanios Dioskurides beschreibt im 1. Jahrhundert den Memphites als von der Größe eines Kiesels, glänzend und gescheckt oder gefleckt. Fein gereieben und dort aufgetragen, wo geschnitten oder gebrannt werden soll, bewirken er eine ungefährliche Unempfindlichkeit.Pedanios Dioskurides: De materia medica V,140.
Der spätantike Lexikograf Isidor von Sevilla beschreibt den Stein ganz ähnlich wie Plinius:
Bei Albertus Magnus dagegen wird der Memphites mit Wasser vermischt als Trank verabreicht:
Im Hortus sanitatis, einem Kräuterbuch aus dem 15. Jahrhundert, werden im vierten Buch De Gemmis & in venenis terrae nascentibus die Eigenschaften des Steins mit nahezu denselben Worten wie bei Albertus Magnus wiedergegeben.
Um welche Art von Stein oder Mineral es sich beim Memphites genau handelt, bleibt unklar. In seinem Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart benennt Johann Christoph Adelung Memphites als eine andere Bezeichnung für Ophit oder Schlangenstein.Johann Christoph Adelung: Der Ophit. In: Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. 2. Aufl. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1798. Bd. 3, S. 607 ().
Sofern es sich beim Memphites um einen Kalkstein oder ein kalkhaltiges Gestein handelt, so beruht die Wirkung möglicherweise auf einer örtlich begrenzten Abkühlung durch Kohlendioxid, das durch die chemische Reaktion von im Steinpulver enthaltenen Carbonaten mit Essigsäure freigesetzt wird.Claudia Richter: Schlafmachende Schwämme. In: Pharmazeutische Zeitung. Band 31, 2. August 1999. Es hätte sich demnach um eine frühe Form der Kälteanästhesie gehandelt.L. Brandt, H. A. Adams, Ch. Hönemann: 170 Jahre Äthernarkose – ein epochales Ereignis mit langer Vorgeschichte. In: Anästhesiologie & Intensivmedizin 57 (2016), S. 614 (PDF).
Als ein sagenhaftes Wunder- und Zaubermittel soll der Memphites angeklagten Hexen geholfen haben, die Schmerzen der Folterung zu ertragen, womit sie sich natürlich erneut der Zauberei schuldig machten, ein als maleficium tacerturnitatis oder Schweigezauber bezeichnetes Verbrechen, dem mit Weihwasser und anderen christlichen Zaubermitteln begegnet wurde.Esther Cohen: The Animated Pain of the Body. In: The American Historical Review, Bd. 105, Nr. 1 (Februar 2000), doi:10.1086/ahr/105.1.36, S. 51.
Einzelnachweise
Kategorie:Regionalanästhesieverfahren Kategorie:Geschichte der Anästhesie