Die Wahl zum neunten Landtag von Sachsen-Anhalt fand am 6. September 2026 statt. Sie wurde national und international beachtet, da die rechtsextreme AfD zum zweiten Mal nach Thüringen 2024 als stärkste Kraft aus einer Landtagswahl hervorging und nur knapp eine absolute Mehrheit der Sitze verfehlte. Sie erreichte mit 43,8 % ihren bisher höchsten Stimmenanteil bei einer Landtagswahl und auch den höchsten Wert, den eine Partei in Sachsen-Anhalt seit der Wende errungen hat. Die zweitplatzierte CDU fiel mit 17,2 % der Stimmen auf ein historisches Tief. SPD und Grüne erhielten jeweils leicht verbesserte 9,3 bzw. 8,9 %, die Linke erzielte mit 8,6 % ihr bislang schlechtestes Ergebnis im Bundesland. Das 2024 gegründete BSW schaffte mit 5,3 % den vierten Einzug in ein Landesparlament, die FDP dagegen scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung lag bei einem Rekordwert von 77,8 %.
Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hatte seine Rolle erst Anfang des Jahres vom langjährigen Amtsinhaber Reiner Haselhoff übernommen und war als Spitzenkandidat der CDU zur Wiederwahl angetreten. Aussichtsreichster Gegenkandidat und Bewerber der AfD für das Amt des Regierungschefs ist Ulrich Siegmund. Der Ministerpräsident wird zu einem vom Parlament selbst gewählten Zeitpunkt durch den Landtag gewählt. Schulzes bisherige Koalition aus CDU, SPD und FDP hat mit der Wahl ihre Regierungsmehrheit verloren. Eine neue Regierung ist noch nicht gebildet.
Die Wahlen in Sachsen-Anhalt waren die dritten von insgesamt fünf deutschen Landtagswahlen im Jahr 2026. Zwei Wochen später fanden Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern statt.
Organisation Wahltermin mini|Landtagsgebäude von Sachsen-Anhalt am Magdeburger Domplatz Nach Artikel 43 der Landesverfassung findet die Landtagswahl frühestens im 58. und spätestens im 62. Monat nach Beginn der Wahlperiode statt, sofern es nicht zu einer vorzeitigen Beendigung der Wahlperiode kommt.
Die Wahlperiode des am 6. Juni 2021 gewählten Landtags begann mit seiner ersten Sitzung am 6. Juli 2021.
Als mögliche Wahltermine kamen deshalb zunächst alle Sonntage zwischen dem 10. Mai 2026 und dem 6. September 2026 in Frage. Im Mai 2025 beschloss der Landtag den spätestmöglichen Wahltag 6. September 2026 als Termin. Zwei Wochen später, am 20. September 2026, finden die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sowie die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin statt.
Wahlrecht
Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat mindestens 83 Abgeordnete. Diese Zahl hatte sich in der Vergangenheit durch eine höhere Anzahl Wahlkreise sowie durch Überhang- und Ausgleichsmandate meist deutlich erhöht: 2011 waren es 105, 2016 87, 2021 97 Abgeordnete. 2026 wird die Mindestzahl von 83 nicht überschritten.
Jeder Wähler hat zwei Stimmen: Mit der Erststimme wird in jedem der seit 2021 noch 41 Wahlkreise ein Abgeordneter direkt gewählt. Mit der für die Proportion der Sitzverteilung im Landtag maßgeblichen Zweitstimme wird die Landesliste einer Partei gewählt. Die Sitze werden nach dem Hare/Niemeyer-Verfahren proportional unter denjenigen Parteien verteilt, die mindestens 5 % der Zweitstimmen erringen.§§ 1 und 35 Wahlgesetz des Landes Sachsen-Anhalt
Ausgangslage
Bei der Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt wurde die CDU erneut stärkste Partei. Die AfD verlor leicht, blieb aber zweitstärkste Kraft. Ein vor der Wahl prognostiziertes „Kopf-an-Kopf-Rennen“ zwischen CDU und AfD blieb aus; die CDU landete 16 Prozentpunkte vor der AfD.
Starke Verluste verzeichnete Die Linke, die mit 11 Prozent ihr schlechtestes Landesergebnis erzielte. Auch die SPD errang mit 8,4 % das schlechteste Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Die FDP schaffte mit 6,4 % nach zehn Jahren den Wiedereinzug in den Landtag. Die Grünen gelangten mit knapp sechs Prozent erneut ins Parlament.
Da eine „Große Koalition“ aus CDU und SPD mit 49 von 97 Sitzen nur eine knappe Mehrheit gehabt hätte, bildeten nach der Wahl CDU und SPD zusammen mit der FDP eine schwarz-rot-gelbe Koalition („Deutschland-Koalition“). Reiner Haseloff (CDU) wurde erneut zum Ministerpräsidenten und Chef der Landesregierung gewählt.
Im Parlament hatte die Regierung mit 56 der 97 Sitze eine deutliche Mehrheit, gleichwohl erreichte Reiner Haseloff erst im zweiten Wahlgang eine Mehrheit der Stimmen.
Parteien und Kandidaten Wahlvorschläge mussten bis zum 20. Juli 2026 bei der Landeswahlleiterin bzw. den Kreiswahlleitern eingereicht werden. Parteien, die nicht im Landtag vertreten sind oder sich an der letzten Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt beteiligt haben, mussten ihre Beteiligung bis zum 7. Juli 2026 anzeigen und ihre Parteieigenschaft nachweisen. Landeslisten bedürfen Unterstützungsunterschriften von 1000 Wahlberechtigten, Kreiswahlvorschläge die von 100 Wahlberechtigten. Davon ausgenommen sind Wahlvorschläge von Parteien, die im Landtag oder durch einen in Sachsen-Anhalt gewählten Abgeordneten im Bundestag vertreten sind. Folgende 15 Parteien wurden am 24. Juli 2026 vom Landeswahlausschuss mit ihren Landeswahlvorschlägen für die Landtagswahl am 6. September 2026 zugelassen: Partei Kurzbezeichnung Wahl 2021 Mandate vorder Wahl 2026 CDU 37,1 % 40 AfD 20,8 % 22 Linke 11,0 % 11 SPD 8,4 % 9 FDP 6,4 % 7 Grüne 5,9 % 6 Freie Wähler 3,1 % dieBasis 1,5 % Tierschutzpartei 1,4 % Gartenpartei 0,8 % Die PARTEI 0,7 % Tierschutzallianz 0,5 % BSW — PdF Volt —
Spitzenkandidaten Christlich Demokratische Union (CDU) Der damalige Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) verkündete am 7. August 2025, dass er nicht erneut als Spitzenkandidat antreten werde. Stattdessen führte der Landesvorsitzende Sven Schulze die Partei in den Wahlkampf. Schulze war seit 2021 Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalts und wurde am 28. Januar 2026 zum Ministerpräsidenten gewählt. Seit 2021 ist er Landeschef der CDU, zuvor war er Mitglied des Europäischen Parlaments. Am 1. November 2025 wurde er auf einer Landesvertreterversammlung der CDU Sachsen-Anhalt in Oschersleben mit 90,1 % zum Spitzenkandidaten gewählt.
Alternative für Deutschland (AfD) Die AfD kürte ihren Spitzenkandidaten auf einem Landesparteitag in Magdeburg am 23. Mai 2025: Ulrich Siegmund wurde von 98,3 % der Delegierten gewählt. Siegmund ist seit 2016 Landtagsabgeordneter und seit 2022 Co-Vorsitzender der Fraktion. Als Spitzenkandidat folgt er Oliver Kirchner nach, der dies 2021 war. Der Landesverband wird vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt seit 2023 als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft.
Die Linke (Linke) Die Linke hat Eva von Angern als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2026 aufgestellt. Die Landesvorsitzenden Janina Böttger und Hendrik Lange schlugen sie am 17. Juni 2025 vor. Von Angern ist seit 2002 Mitglied des Landtags und führt seit 2020 die Linksfraktion. Sie war bereits 2021 Spitzenkandidatin, als die Linke mit 11,0 % ihr historisch schlechtestes Ergebnis erzielte und rund ein Drittel ihrer Stimmen verlor.
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) Die SPD legte sich früh auf einen Spitzenkandidaten fest. Am 16. Juni 2025 nominierte der SPD-Landesvorstand einstimmig Armin Willingmann als Spitzenkandidaten. Er wurde auf einem Landesparteitag am 6. September 2025 offiziell bestätigt. Willingmann gehört seit 2016 der Landesregierung an, zuletzt als Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt sowie als erster stellvertretender Ministerpräsident.
Freie Demokratische Partei (FDP) Die FDP wurde erneut von der Landesvorsitzenden Lydia Hüskens in den Wahlkampf geführt. Hüskens ist seit 2021 Ministerin für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt und war 2021 Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl. Anfang Juni 2025 erklärte sie ihre Bereitschaft zur Kandidatur, Mitte November wurde sie gewählt.
Bündnis 90/Die Grünen (Grüne) Bündnis 90/Die Grünen Sachsen-Anhalt wählten am 23. November 2025 auf einem Landesparteitag Susan Sziborra-Seidlitz, die im Mai 2025 erneut zur Landesvorsitzenden gewählt worden war, als Spitzenkandidatin. Sie führte die Landespartei bereits von 2016 bis 2021, bevor sie in den Landtag einzog. Die langjährige Fraktionsvorsitzende Cornelia Lüddemann kündigte bereits im März 2025 an, nicht erneut als Spitzenkandidatin anzutreten. Olaf Meister, der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion im Landtag, wurde auf Listenplatz 2 gewählt.
Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) Das BSW trat 2026 erstmals in Sachsen-Anhalt an. Anfang März 2026 wurden die beiden Spitzenkandidaten Thomas Schulze und Claudia Wittig gewählt, sie gingen als Duo ins Rennen. Bei der Bundestagswahl 2025 wurde das BSW in Sachsen-Anhalt mit 11,3 % drittstärkste Kraft. Schulze kündigte für 2025 den Aufbau weiterer lokaler Strukturen und Mitgliederwachstum an; Sahra Wagenknecht selbst beabsichtigte, den Wahlkampf zu unterstützen.
Wahlkampf Alle 15 zur Wahl tretenden Parteien beantworteten 38 Fragen für den Wahl-O-Mat. Hierbei konnte sich jede Partei mit „stimme zu“, „neutral“ oder „stimme nicht zu“ äußern.
Weil Umfragen die AfD bei ungefähr 40 Prozent und einige Parteien im Bereich der 5-Prozent-Hürde prognostizierten, erschien eine absolute Mehrheit der AfD-Mandate und damit eine Alleinregierung nicht ausgeschlossen. Um dieses Szenario zu verhindern, warben Kampagnen dafür, taktisch zu wählen: Sie unterstützten SPD und Grüne, damit diese sicher in den Landtag einziehen, und lehnten BSW, FDP und noch kleinere Parteien ab, weil die AfD-Nähe zu groß bzw. die jeweilige Partei zu unbedeutend sei.
In den folgenden Videoformaten trafen die Spitzenkandidaten der jeweiligen Parteien aufeinander.
Format undName der SendungDatumSenderModeration Fakt ist!Sachsen-Anhalts Spitzenkandidaten im Bürgercheck 12. August 202621:00 Uhr MDR Susann Reichenbach,Stefan BernscheinSven SchulzeUlrich SiegmundEva von AngernArmin WillingmannLydia HüskensSusan Sziborra-SeidlitzClaudia Wittigtaz Forum PolitikSachsen-Anhalt: Wetten, dass… die Demokratie gewinnt?! – Die Politik im taz Forum zur Wahl 202625. August 202620:15 UhrtazSabine am Orde, David MuschenichSven SchulzeEva von AngernArmin WillingmannSusan Sziborra-SeidlitzClaudia WittigFakt ist!Das Duell – Sven Schulze vs. Ulrich Siegmund 26. August 202620:15 Uhr MDR Susann Reichenbach,Gunnar BreskeSven SchulzeUlrich SiegmundFakt ist!Sachsen-Anhalts Spitzenkandidaten diskutieren im Schlagabtausch 26. August 202620:45 UhrSven SchulzeUlrich SiegmundEva von AngernArmin WillingmannLydia HüskensSusan Sziborra-SeidlitzThomas SchulzeVor der Entscheidung – Das Duell 2. September 202613:30 Uhr MZ,Volksstimme Michael Bock,Hagen EichlerSven SchulzeUlrich SiegmundWahlarenaSpitzentalk 2. September 202617:00 Uhr ntv,Radio Brocken Nikolaus Blome,Dorothée OsterSven SchulzeUlrich SiegmundEva von AngernArmin WillingmannLydia HüskensSusan Sziborra-SeidlitzClaudia Wittig
Umfragen Sonntagsfrage