mini|hochkant=1.4|Die Großen Drei: (von links nach rechts) der britische Premierminister Clement Attlee, der US-Präsident Harry S. Truman, der sowjetische Diktator und Generalissimus Josef Stalin; stehend dahinter: der US-Admiral William Daniel Leahy, der britische Außenminister Ernest Bevin, der US-Außenminister James F. Byrnes und der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow Die Potsdamer Konferenz, offiziell als Dreimächtekonferenz von Berlin bezeichnet, war die letzte der Konferenzen der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs. Sie fand vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 im Schloss Cecilienhof in Potsdam statt und versammelte die Regierungschefs der drei Hauptalliierten des Zweiten Weltkriegs, die nach dem Ende der Kampfhandlungen in Europa das weitere Vorgehen berieten.
Die Ergebnisse wurden im Protokoll der Verhandlungen der Berliner Konferenz, dem sogenannten Potsdamer Abkommen festgehalten. Soweit es Gesamtdeutschland betraf, wurde von den Alliierten eine verkürzte Inhaltsangabe unter der Bezeichnung Mitteilungen über die Konferenz der drei Mächte herausgegeben. Hinsichtlich Japans gaben die Regierungschefs der Vereinigten Staaten von Amerika, Nationalchinas und des Vereinigten Königreichs die Potsdamer Erklärung heraus. Die Verhandlungsergebnisse waren zumeist ein Kompromiss zwischen den Beteiligten, der die tiefen Gegensätze zwischen ihnen nur mühsam überdeckte. Wichtige Ziele des Abkommens, darunter die Einheit Deutschlands, wurden aufgrund der inneren Widersprüche der Siegermächte nicht erreicht.
Ort und Termin mini|Cecilienhof – Tagungsort der Potsdamer Konferenz in der Nauener Vorstadt von Potsdam, Aufnahme von 2007
Der britische Premierminister Winston Churchill hatte eine Konferenz der Großen Drei nach dem Ende der Kampfhandlungen in Europa vorgeschlagen. Da Josef Stalin erfahrungsgemäß keine Konferenzorte außerhalb des sowjetischen Machtbereichs akzeptierte, wählte man Berlin als Konferenzort, so dass die Delegationen im jeweiligen eigenen Sektor untergebracht werden konnten. Potsdam bot aus logistischen Gründen und weil es weniger stark zerstört war als die Berliner Innenstadt mit dem Cecilienhof eine naheliegende Alternative. Als zweite Residenz der preußischen Könige und des deutschen Kaisers hatte es Symbolkraft, zumal es als Wiege des deutschen Militarismus galt und auch an den Tag von Potsdam erinnerte. Der Codename für die Konferenz lautete Terminal.Stefan Gehlen: Zur Verortung der Berliner Konferenz in Potsdam. In: Jürgen Luh (Hrsg.): Potsdamer Konferenz 1945. Die Neuordnung der Welt. Begleitband zur Ausstellung zum 75. Jahrestag der Potsdamer Konferenz, S. 21–23.
Churchill hätte gerne einen frühen Termin für das Treffen gehabt, da er befürchtete, die Zeit würde gegen die Westmächte arbeiten. US-Präsident Harry S. Truman aber wollte zuerst die Haushaltsberatungen im Kongress hinter sich bringen, die am 30. Juni 1945 endeten. Auch Stalin war erst später abkömmlich, da die sowjetische Siegesfeier auf den 24. Juni 1945 terminiert war.Wolfgang Benz: Wie es zu Deutschlands Teilung kam. dtv, München 2018, ISBN 978-3-423-28158-4, S. 73.
Bezeichnung Für die Potsdamer Konferenz gibt es unterschiedliche Bezeichnungen. Der Titel des Treffens lautet in der Kopfzeile vom Originaldokument des 1945 verabschiedeten Abkommens „Berlin Conference of the Three Heads of Government of the U.S.S.R., U.S.A., and U.K.“. In der Übersetzung der „Mitteilung über die Dreimächtekonferenz von Berlin“Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945, in: documentArchiv.de (Hrsg.) wird die Konferenz Dreimächtekonferenz von Berlin genannt.
Im englischen Sprachgebrauch gibt es neben der Bezeichnung The Berlin ConferenceVeröffentlichungen des Harry S. Truman Library and Museum, auf: Trumanlibrary.com auch The Berlin (Potsdam) Conference.Veröffentlichungen der Yale Law School im Rahmen des Avalon-Projekts. Lillian Goldman Law Library, New Haven 2008.
Vorgeschichte Beginnend mit der Konferenz von Teheran 1943 hatten sich die Hauptalliierten der Anti-Hitler-Koalition des Zweiten Weltkriegs bereits mehrfach auf unterschiedlichen Ebenen getroffen, um eine Einigung über das Vorgehen für die Zeit nach dem Sieg über das nationalsozialistische Deutsche Reich zu erzielen. Zuvor hatten US-Präsident Franklin D. Roosevelt und Churchill in der Konferenz von Casablanca ebenfalls 1943 die Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation erhoben.Wolfgang Benz: Wie es zu Deutschlands Teilung kam. dtv, München 2018, S. 15. In der Konferenz von Jalta vom Februar 1945 wurde eine Einteilung in Besatzungszonen sowie eine koordinierte Verwaltung und Kontrolle durch eine Zentrale Kontrollkommission beschlossen. Außerdem wurde eine „Deklaration über das befreite Europa“ beschlossen, die allen Völkern das Recht zusprach, die Regierungsform, unter der sie leben wollten, selbst zu wählen. Dadurch räumte Stalin den Westmächten indirekt eine Mitverantwortung in den von sowjetischen Truppen besetzten Staaten Ostmittel- und Südosteuropas ein.Françoise Sirjacques-Manfrass: Die sicherheitspolitischen Aspekte der Potsdamer Konbferenz. In: Heiner Timmermann (Hrsg.): Potsdam 1945. Konzept, Taktik, Irrtum? Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 978-3-428-48876-6, S. 205–214, hier S. 207.
Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Streitkräfte am 8. Mai 1945 und der Verhaftung der Geschäftsführenden Reichsregierung am 23. Mai hatten die Siegermächte am 5. Juni mit der Berliner Deklaration und der Feststellung der Besatzungszonen sowie der Einsetzung eines alliierten Kontrollrates offiziell die Regierungsgewalt in Deutschland übernommen.Rolf Steininger: Deutsche Geschichte 1945–1961. Darstellung und Dokumente in zwei Bänden. Band 1, Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-596-24315-7, S. 55–60. Eine Konferenz im Juni, wie von Churchill vorgeschlagen, wurde von Stalin verzögert. Dies geschah im Rahmen sowjetischer Bestrebungen, die Westmächte in Bezug auf die deutsche Ostgrenze vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Die Einigkeit der Drei Mächte hatte bereits kurz nach der Konferenz von Jalta die ersten Risse bekommen, was unter anderem an der rüden Art der Sowjets lag, ihre Machtinteressen in Ostmitteleuropa durchzusetzen: Anders als zugesagt, wurde die kommunistische Provisorische Polnische Regierung nicht durch Mitglieder der westlich orientierten Polnischen Exilregierung ergänzt, bei den Beratungen in Moskau zeigten sich die westlichen Botschafter Archibald Clark Kerr und W. Averell Harriman durch die Obstruktionstaktik des sowjetischen Außenministers Wjatscheslaw Molotow enerviert. Ganz offenkundig arbeitete die Sowjetunion daran, in den von der Roten Armee besetzten Gebieten ihr hörige Regierungen einzusetzen und den Kontakt der lokalen nichtkommunistischen Kräfte zu den Westmächten zu unterbinden.Hermann Graml: Die Alliierten und die Teilung Deutschlands. Konflikte und Entscheidungen 1941–1948. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-596-24310-6, S. 61 f. In einem Telegramm an den neuen amerikanischen Präsidenten Truman schrieb Churchill am 12. Mai 1945 von der Gefahr eines Dritten Weltkriegs und eines Eisernen Vorhangs, der sich durch Europa zöge.Hermann Graml: Die Alliierten und die Teilung Deutschlands. Konflikte und Entscheidungen 1941–1948. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1985, S. 65 f. Der abrupte Stopp der Lieferungen nach dem Leih- und Pachtgesetz, den Truman am 12. Mai 1945 verhängte, diente auch dazu, die Sowjetunion unter Druck zu setzen.Hermann Graml: Die Alliierten und die Teilung Deutschlands. Konflikte und Entscheidungen 1941–1948. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1985, S. 73 f. Tatsächlich gestand Stalin nach einer Mission des amerikanischen Diplomaten Harry Hopkins, der vom 26. Mai bis zum 6. Juni in Moskau verhandelt hatte, zu, den konservativen Exilpolitiker Stanisław Mikołajczyk und weitere Nichtkommunisten in die polnische Regierung aufzunehmen. Das änderte zwar wenig an den Machtverhältnissen im sowjetisch besetzten Polen – in Potsdam berichtete Mikołajczyk später resigniert über seinen geringen Einfluss –Jost Dülffer: Die Diskussion um das Selbstbestimmungsrecht und die Friedensregelungen nach den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. In: Jörg Fisch (Hrsg.) Die Verteilung der Welt. Selbstbestimmung und das Selbstbestimmungsrecht der Völker (= Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien. Bd. 79) Oldenbourg, München 2011, ISBN 978-3-486-70384-9, S. 113–141, hier S. 133. doch nun bewegten sich Briten und Amerikaner auf die Anerkennung der polnischen Regierung zu und konzedierten nun auch, dass sie Zugriff auf das polnische Auslandsvermögen erhielt.Hermann Graml: Die Alliierten und die Teilung Deutschlands. Konflikte und Entscheidungen 1941–1948. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1985, S. 77 f.; Gerhard L. Weinberg: Eine Welt in Waffen. Die globale Geschichte des Zweiten Weltkrieges. DVA, Stuttgart 1995, ISBN 3-421-05000-7, S. 877. Dass die Sowjetunion im Juni ihr Besatzungsgebiet östlich von Oder und Lausitzer Neiße unter polnische Verwaltung stellte, ohne dass es hierzu eine Vereinbarung mit den beiden Westmächten gab, brüskierte diese zusätzlich.Hermann Graml: Die Alliierten und die Teilung Deutschlands. Konflikte und Entscheidungen 1941–1948. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1985, S. 85 und 90.
Eine weitere Konfliktlinie zwischen den Westmächten und der Sowjetunion betraf die Reparationen. Hier traten Briten und Amerikaner nach den schlechten Erfahrungen, die man mit den deutschen Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg gemacht hatte, dafür ein, Deutschland nur mäßige Wiedergutmachungen aufzuerlegen, um es als Partner im Welthandel zu behalten. Die Sowjetunion dagegen beharrte auf den 20 Milliarden Dollar, die Roosevelt in Jalta als Verhandlungsgrundlage genannt hatte; davon stehe der Sowjetunion die Hälfte zu. Nach zähen Verhandlungen einigte sich die Reparationskommission, welche in Moskau tagte, immerhin auf einen Verteilungsschlüssel, bis sie Mitte Juli 1945 ihre Beratungen wegen unüberbrückbarer Differenzen abbrach: Gesamthöhe, Zahlungsdauer und die Art der Leistungen, die man Deutschland abverlangen wollte, blieben somit den Staatschefs der drei Mächte vorbehalten.Hermann Graml: Die Alliierten und die Teilung Deutschlands. Konflikte und Entscheidungen 1941–1948. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1985, S. 82–86.Kaete O’Connell: Harry S. Truman and US Foreign Relations. In: Oxford Research Encyclopedia of American History. Oxford University Press, Oxford 2019, . Die Amerikaner bemühten sich zwar, einen offenen Bruch der Anti-Hitler-Koalition zu vermeiden.Hermann Graml: Die Alliierten und die Teilung Deutschlands. Konflikte und Entscheidungen 1941–1948. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1985, S. 72 f. und 76 ff. Doch auf der Konferenz selbst zeigte keine Seite große Bereitschaft mehr zu tun, als die offenkundigen Meinungsverschiedenheiten zu überspielen.Elspeth O’Riordan: Understanding the Cold War. History, Approaches and Debates. Palgrave Macmillan, Cham 2022, ISBN 978-3-031-06074-8, S. 31.
Teilnehmer mini|Winston Churchill, Harry S. Truman und Josef Stalin, 25. Juli 1945 mini|Am Konferenztisch sitzen u. a. Clement Attlee, Ernest Bevin, Wjatscheslaw Molotow, Josef Stalin, William Daniel Leahy, James F. Byrnes und Harry S. Truman.
Auf der Konferenz sollten die Grenzziehungen in Europa und die Reparationsleistungen, die Verwaltung des besetzten Deutschlands sowie der noch andauernde Pazifikkrieg besprochen werden.Gerhard L. Weinberg: Eine Welt in Waffen. Die globale Geschichte des Zweiten Weltkrieges. DVA, Stuttgart 1995, S. 875.
Die Teilnehmer waren: die USA, vertreten durch Präsident Harry S. Truman und seinen Außenminister James F. Byrnes;