mini|Hans-Albers-Anwesen, März 2022 Die Hans-Albers-Villa am Starnberger See in Feldafing, Ortsteil Garatshausen, Hans-Albers-Weg 6, ist ein Ensemble aus mehreren zusammenhängenden Gebäuden mitsamt Bootshaus. Das Hauptgebäude wurde 1865 errichtet. Es steht auf dem sogenannten „Garatshauser Mühlbergl“, dem einstigen Kalvarienberg, auf dem vom 16. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine kleine Feldkapelle stand. Der Schauspieler Hans Albers erwarb die Villa mit Park- und Gartenflächen im Jahr 1935 und hatte dort seinen Hauptwohnsitz, an dem er bis zu seinem Tod im Jahr 1960 ständig wohnte. Seine Lebensgefährtin und Erbin Hansi Burg verkaufte das Anwesen 1971 an den Freistaat Bayern. Die Villa, das dazugehörende Boots- und Badehaus und der umgebende Park stehen seit 2020 unter Denkmalschutz.

Chronik des Anwesens 15. Jahrhundert Der Hügel, auf dem die Hans-Albers-Villa steht, war im 15. Jahrhundert im Besitz des bayerischen Herzog Albrecht IV. (1447–1508). Er gehörte zu dem landwirtschaftlichen Gutsbetrieb, den Herzog Albrecht 1494 an den wohlhabenden Patrizier Hans Weiler veräußerte. Dessen Sohn, Kaspar Weiler, erbaute 1550 südlich der als „Mühlbergl“ bezeichneten Kuppe das Schloss Garatshausen. Auf der Anhöhe entstand zur selben Zeit mit dem Kalvarienberg eine Andachtsstätte zum Leidensweg Christi. 1760 erwarb Johann Kaspar Basselet von La Rosée (1710–1795) die Hofmark Garatshausen mitsamt dem Kalvarienberg, dazu später die Roseninsel und 1779 die Hofmark Possenhofen.

Bau der Villa und Vorbesitzer Im Jahr 1857 kaufte Oberstabsarzt Ludwig Loé das etwa zwei Hektar umfassende „Mühlbergl“ und baute 1865 auf dem Hügel ein Landhaus. 1868 erwarb Loé zur Arrondierung seines Besitzes kleinere Flächen „Gras- und Baumgarten“ hinzu. Die Kapelle am Kalvarienberg musste dem Neubau weichen, die Christusfigur kaufte der Landwirt Urban Greinwald für seinen Hof. Sein Enkel und Hoferbe Konrad Knittl, ein Bruder des Baumeisters Xaver Knittl, schenkte die Christusfigur der neuen Pfarrkirche St. Joseph in Tutzing. Die Pfarrei tauschte die Christusfigur bei der Evangelischen Akademie gegen eine Madonna ein. Heute ziert die Christusfigur die Kapelle der Evangelischen Akademie im Schloss Tutzing. 1884 kaufte Marie in Bayern, Ehefrau des Königs Franz von Neapel das Anwesen. 1888 erwarb Helene von Thurn und Taxis (1834–1890) das Schloss Garatshausen mitsamt der Loé-Villa und den umgebenden Garten- und Parkflächen; bis 1934 wohnten in der Villa die jeweiligen Verwalter von Schloss Garatshausen. mini|Chronik des Anwesens

Hans Albers und Hansi Burg Hans Albers erwarb die Loé-Villa im Jahr 1935, beurkundet im Kataster Nr. 20606 des Landgerichts Starnberg: „Vorstehenden Besitz erwirkt Hans Albers, Filmschauspieler in Berlin, Lennéstraße 7, Alleineigentümer“. Der Kaufpreis betrug 60.000 Reichsmark. Auf Drängen der Nationalsozialisten hatte sich Albers zuvor offiziell von seiner jüdischen Lebensgefährtin getrennt, der Schauspielerin Hansi Burg, Tochter seines jüdischen Mentors Eugen Burg. 1939 emigrierte Burg über die Schweiz nach Großbritannien.

Nach Kriegsende kehrte Hansi Burg zurück und lebte noch 15 Jahre mit Hans Albers in dem Anwesen in Garatshausen. Nach Albers Tod im Jahr 1960 wohnte Hansi Burg als seine Alleinerbin noch 15 Jahre in der Villa. 1971, vier Jahre vor ihrem Tod, verkaufte sie das Anwesen an den Freistaat Bayern mit der Auflage, dass der Besitz nach ihrem Tod für „öffentliche Erholungszwecke“ zur Verfügung stehen solle. Ihr restliches Vermögen vermachte sie der Lebenshilfe Starnberg e. V.

Villa, Nebengebäude, Bootshaus, Park mini|Villa mit Bodeneckerker mini|Garage mit Chauffeurwohnung mini|Boots- und Badehaus mini|Obstgarten der Albers-Villa Beim Erwerb 1934 durch Hans Albers bestand das Anwesen aus dem 180 m² großen Landhaus mit zwei giebelständig nach Westen anschließenden Nebengebäuden. Die Villa ist ein unterkellerter zweigeschossiger Mauerwerksbau. Albers ließ sie im zeittypischen Heimatstil der 1930er Jahre umbauen, versah die Fassade mit hölzernen Verschalungen, mit Fensterläden und Balkonbrüstungen, ergänzte das Gebäude zum See hin mit einem runden Eckbodenerker und zum Osten hin mit einem Balkon. Das Eingangsportal ziert eine schmiedeeiserne Ornamentik mit Fischmotiven. Zur Unterbringung der Automobile ließ Albers eine Garage mit darüber liegender Chauffeurwohnung bauen.

1936 ließ Albers am Seeufer ein reetgedecktes Bootshaus mit Fledermausgaube nach einem Entwurf des Münchner Architekten Georg Hellmuth Winkler von Handwerkern aus Ostfriesland errichten – eine Reminiszenz an seine norddeutsche Herkunft. Eine Hängewerkkonstruktion trägt die Decke des weitgehend stützenfreien Bootshauses. Der in Blockbauweise errichtete Holzbau ist nach Osten und Süden hin von einer Holzterrasse umgeben.

Der Garten der Albers-Villa gilt als einer der letzten aus dem 19. Jahrhundert stammenden bürgerlichen Villengärten des Fünfseenlands. Der parkähnliche Garten weist typische Merkmale der landschaftlichen Umgestaltung im „gemischten Stil“ auf, wie er um 1850 durch Landschaftsarchitekten wie Peter Joseph Lenné und Carl von Effner in Mode kam. Damals entstand ein terrassierter Garten mit Sichtachsen zum See und zur Alpenkette sowie zum gegenüberliegenden Seeufer, der mit Elementen des Landschaftsgartens wie Wiesen und malerischen Baumgruppen und kombiniert war. Er besteht aus einem gärtnerisch genutzten Bereich, aus Obstgarten, einigen landschaftsgärtnerisch gestalteten Elementen wie Terrassen, Freitreppen und Wegen, aus Wiesenvegetation, und zum größten Teil aus einem Park in Fortführung des in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Parks von Schloss Garatshausen, der ab 1872 durch den königlichen Hofgärtner Ludwig Beissner überarbeitet wurde. Ursprünglich umfasste das Freigelände 17.000 m². Hans Albers kaufte einen Hektar Wiesenflächen für 24.900 Reichsmark hinzu und verdoppelte damit annähernd die zur Villa gehörende Fläche auf 27.000 m².

Denkmalschutz Um über die weitere Nutzung („Abriss oder Denkmalschutz“) der Hans-Albers-Villa zu diskutieren, initiierte der Kulturverein Garatshausen e. V. im November 2019 eine Veranstaltung im Spiegelsaal des Garatshauser Schlosses, bei dem drei Mitglieder des Denkmalnetzes Bayern ihre Studienergebnisse präsentierten. Diese Recherchen waren die Grundlage zum Nachweis des Denkmalwerts und somit für die spätere Unterschutzstellung. Im Januar 2020 stellte aufgrund dieser Studienergebnisse und auf Vorschlag der Vorsitzenden des deutsch-jüdischen Vereins Respect & Remember e. V. Europe, Gabriella Meros, die beim Vortrag anwesend war, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege das Albers-Anwesen unter Denkmalschutz. Der Denkmalatlas Bayern weist als Baudenkmal die Villa mit „zweigeschossigem Flachsatteldachbau mit Kniestock, Flugpfetten, Bodeneckerker, Lauben, Toreingängen und Teilen der Terrassenummauerung, im Kern von 1864/65“ aus. Des Weiteren stehen die „Doppelgarage mit Chauffeurwohnung als erdgeschossiger Flachsatteldachbau mit Bundwerkgiebeln und Laube, im Kern von 1864/65, umgebaut 1948 von Heinrich Goebel“ sowie das „Boots- und Badehaus, Blockbau mit riedgedecktem Zeltdach, dreiseitig umlaufendem, terrassenartigem Steg und Landsteg nach Entwurf von Georg Hellmuth Winkler“ unter Schutz, außerdem die „Parkanlage, im Kern von 1864/65, Umgestaltung 1935/36 und später sowie die Toreinfahrt mit Kunststeinpfeiler mit Doppelflügeltor von 1935/36“.

Diskussion um Nutzung des Anwesens Der Kalvarienberg mit der 1865 erbauten Villa war jahrhundertelang ein prägendes Element am Westufer des Starnberger Sees zwischen Niederpöcking und Bernried, eingeschlossen die Roseninsel, die 2011 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde.Leben auf Pfählen in Süddeutsche Zeitung vom 20. Juni 2012. Entsprechend sensibel reagierten die Bewohner und politisch Verantwortlichen in Feldafing und den umliegenden Orten, als der Freistaat Bayern drei Jahre nach dem Tod von Hansi Burg das Anwesen einer neuen Verwendung zuführte.

Vertragliche Bestimmung mini|Villa hinter dem Zaun mini|Landesanstalt für Fischerei Als Richtschnur für die Nutzung des Hans-Albers-Anwesens gelten die Beschlüsse im Landtag, die dem Erwerb des Anwesens durch die Bayerische Schlösserverwaltung zugrunde liegen. Zudem gilt die notarielle Urkunde Nr. 11 99 vom 20. April 1971, in der sich der Freistaat verpflichtet, das Anwesen „für öffentliche Erholungszwecke“ zu nutzen, dementsprechend fiel auch keine Grunderwerbssteuer an. Villa und Bootshaus wurden entgegen dieser Verpflichtung von 1978 bis 2009 durch die Bayerische Landesanstalt für Fischerei als Versuchs- und Ausbildungsstation für die Seenfischerei genutzt. In der Folge gab es etliche Ideen und Vorschläge zur Nutzung des Anwesens.

Verkaufen, abreißen, erhalten 2009 versuchte der Freistaat Bayern, einen Käufer für das Anwesen zu finden. Der Kulturverein Garatshausen plädierte gegen einen Verkauf und setzte sich dafür ein, das Seegrundstück öffentlich zu machen. Die Albers-Villa wurde schließlich nicht verkauft. Als Nächstes kam die Idee auf, die Villa abzureißen und auf dem Grundstück ein Edelrestaurant plus Hotel mit Spa auf Erbpachtbasis anzusiedeln. Voraussetzung wäre der Abriss der Albers-Villa gewesen. Im damaligen Bebauungsplan der Gemeinde Feldafing war diese Möglichkeit festgeschrieben.

Petition für öffentliche Nutzung mini|Stefanie Knittl und Lucie Vorlíčková Wiederholt setzten sich seit 2010 sowohl der Kulturverein Garatshausen als auch der Verein Respect & Remember e. V. Europe (R&R) mit Petitionen und Unterschriftensammlungen für die öffentliche Zugänglichkeit des Albers-Anwesens ein. Zwei engagierte Frauen, Lucie Vorlíčková, ehemalige Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin, und Stefanie Knittl, Referentin für Denkmal und Sanierung im Tutzinger Gemeinderat, riefen im Herbst 2021 die Bürgerinitiative „Albers für alle“ ins Leben und reichten im Dezember 2021 eine zehnseitige Petition im Landtag ein, mit dem Ziel, die Nutzung des Anwesens für „öffentliche Erholungszwecke“ gemäß der notariell verbrieften Willensbekundung zu gewährleisten.

Am 27. April 2022 wurde im Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags die Petition in nicht-öffentlicher Sitzung abgelehnt. Mitte Juni 2022 gab es zum Thema humoristische Filmaufnahmen für die Sendung im BR „Stofferl Wells Bayern“. Christoph Well kam mit seinem alten Motorrad am Anwesen vorbei und parodierte die Streitigkeiten um die künftige Nutzung mit La Paloma, dem Lied, das Hans Albers weit über Deutschland hinaus bekannt gemacht hatte.

Überlassung an die Technische Universität München In einer vom Bayerischen Landtag veranlassten Prüfung von „Staatsbedarf“ für das Albers-Anwesen meldete die Technische Universität München (TUM) Bedarf für ihre „Junge Akademie“ an, einer „Initiative zur Förderung herausragender Nachwuchstalente“. Im Juli 2020 stimmte der Finanz- und Haushaltsausschuss im Landtag dem Antrag von Bündnis 90/Die Grünen zugunsten der TUM zu und sprach sich gegen das Konzept von Respect & Remember e. V. Europe aus, das einen deutsch-jüdischen Erinnerungsort für die Öffentlichkeit verwirklichen wollte. Dagegen regte sich heftiger Widerstand in Feldafing und Tutzing, vor allem gegen die Absicht, die Bevölkerung weitgehend auszusperren (siehe Petitionen zur öffentlichen Nutzung).