Gohrisch ist eine sächsische Gemeinde südöstlich von Königstein bei Pirna. Sie gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Königstein/Sächs. Schw.

Geographie Geographische Lage Gohrisch liegt im Elbsandsteingebirge auf einer Hochebene links der Elbe. Der Hauptort Kurort Gohrisch befindet sich 3 km westlich von Bad Schandau. Die isoliert stehenden Tafelberge des Elbsandsteingebirges, der Gohrisch, der Papststein und Kleinhennersdorfer Stein, die Laasensteine, Spitzstein und Katzstein umrahmen die Gemeinde mit ihren Ortsteilen. Die markanten Tafelberge Lilienstein, Pfaffenstein sowie die Festung Königstein befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft.

Ausdehnung des Gemeindegebiets Das Gemeindegebiet ist 34,78 km² groß. Davon entfallen auf Cunnersdorf 16,59 km², auf Kleinhennersdorf 4,59 km², auf Kurort Gohrisch 4,51 km² und auf Papstdorf 8,73 km². Das Gemeindegebiet bildet zwischen dem Cunnersdorfer Bach und dem Krippenbach einen breiten Streifen, der sich von der Elbe bis an die sächsisch-böhmische Grenze erstreckt. Der tiefste Punkt befindet sich im Rietzschengrund auf 135 m ü. NN, der höchste auf 481 m ü. NN.

Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind Königstein (Sächsische Schweiz), Bad Schandau, Reinhardtsdorf-Schöna, Rosenthal-Bielatal und Pfaffendorf.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Gohrisch gehören vier Ortsteile: der Hauptort Kurort Gohrisch, das in einer Talmulde gelegene Dörfchen Cunnersdorf, das 350 m hoch gelegene Papstdorf (mit Koppelsdorf) zu Füßen des Papststeines und das auf einer Hochebene gelegene Kleinhennersdorf.

Geschichte Kurort Gohrisch Das auf einer Hochebene links der Elbe zu Füßen des gleichnamigen Felsens liegende Dorf wurde erstmals 1437 als dorffe Gorusch erwähnt. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war es von der Landwirtschaft geprägt und nahm nur eine vergleichsweise bescheidene Entwicklung. 1548 zählte das Dorf 11 ansässige Bauern, 1815 umfasste Gohrisch 20 Häuser mit 93 Einwohnern. Aufgrund der ruhigen, waldreichen und klimatisch ausgeglichenen Lage empfing der Gutsbesitzer Adelbert Hauffe 1869 die ersten Sommerurlauber auf seinem Gut. Gohrisch ist damit die älteste Sommerfrische in der Sächsischen Schweiz. Die positive Entwicklung des Tourismus führte zu einer sprunghaften Erhöhung der Einwohnerzahlen und löste eine rege Bautätigkeit aus. Seit 1875 konnte sich der Ort als Höhenluftkurort bezeichnen und 1910 wohnten bereits etwa 700 Menschen dort. Am 29. Mai 1935 wurde dem Ort gemeinsam mit Oberwiesenthal das Prädikat Kurort verliehen, der Gemeindeteil Kurort Gohrisch war bis 2015 staatlich anerkannter Kurort.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Änderung der Liste der Sächsischen Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 Sächsisches Kurortegesetz (SächsKurG) vom 25. Oktober 2006 (SächsABl. S. 1012) auf: revosax.sachsen.de2015 kein Kur- oder Erholungsort mehr, siehe Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 des Sächsischen Kurortegesetzs vom 5. Februar 2015 (SächsABl. 2015 S. 256–259) auf: web.archive.org Bis heute zählt der Tourismus zu den wirtschaftlichen Standbeinen von Gohrisch. Zu den berühmtesten Gästen zählte Dmitri Schostakowitsch, der in Gohrisch 1960 sein achtes Streichquartett (c-Moll op. 110) im Gästehaus des Ministerrates der DDR, dem heutigen Hotel Albrechtshof Gohrisch, komponierte. Aber auch Kim Il-sung, Lotte Ulbricht, Horst Sindermann und viele weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens waren zu Gast im Gästehaus des Ministerrates der DDR. Das ehemalige Gästehaus des Ministerrates ist inzwischen ein privat geführtes Hotel, das bei Wanderern und Freunden des Elbsandsteingebirges sehr beliebt ist. Gohrisch zählt heute etwa 800 Einwohner.

Kleinhennersdorf mini|Blick auf Kleinhennersdorf Kleinhennersdorf wurde erstmals 1439 als das Wyndische Heynersdorff erwähnt, wobei windisch so viel wie klein bedeutet. Lebensgrundlage der Einwohner des von fränkischen Siedlern angelegten Waldhufendorfes waren bis ins 19. Jahrhundert Landwirtschaft, Viehzucht und Forstwirtschaft. Seit dem 17. Jahrhundert wurde in mehreren Steinbrüchen auch Sandstein abgebaut. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Ort zu einer der Sommerfrischen in der Sächsischen Schweiz. Dabei verlief die örtliche Entwicklung aber bescheiden. 1501 zählte das Dorf erst 6 ansässige Bauern, 1840 waren es etwa 300 Einwohner, 1919 etwa 500 Einwohner. Heute sind es etwa 250 Einwohner. Kleinhennersdorf wurde 1974 nach Papstdorf eingemeindet, erhielt aber 1990 seine Selbständigkeit zurück.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt Vier Jahre später erfolgte der Zusammenschluss der vier Orte zur Gemeinde Gohrisch. Zum Ort gehört die 1572 angelegte Liethenmühle. Touristische Anziehungspunkte sind darüber hinaus die Sandsteinhöhlen am Kleinhennersdorfer Stein.

Cunnersdorf bei Königstein mini|Cunnersdorf: Das 1607 errichtete Herrenhaus des Forsthofes (Sitz der kurfürstlichen Forstverwaltung für die Sächsische Schweiz) Im Gemeindeteil Cunnersdorf (1379 als zu Böhmen gehörig erwähnt, 1454 sächsisch), bis 1627 Kunradsdorf genannt, entstand im 16. Jahrhundert unter Kurfürst August ein kurfürstlicher Forsthof (wurde 1556 oder 1606 dazu erhoben und gelangte 1872 in den Besitz der Freiherren von Friesen). Das Dorf liegt inmitten ausgedehnter Wälder zwischen 270 und in einer Talmulde des Cunnersdorfer Baches. Noch heute sind einige Dreiseitbauernhöfe mit Sandsteinunterbau und Fachwerkgeschossen zu sehen, zu denen auch der südlich gelegene Forsthof mit Herrenhaus, Wirtschaftsgebäuden und einem Torhaus zählt. Die neoromanische Kirche von 1854/55 besticht durch ihr Altarbild.

Im Ortsteil Viebig, rechtsseitig des Cunnersdorfer Baches, befindet sich die ehemalige Obermühle. Die Mahl- und Brettmühle ist seit 1561 urkundlich belegt. Die Brettmühle war das letzte Mal 1955 in Betrieb. Von den ortsansässigen Naturfreunden wurde der Cunnersdorfer Naturlehrpfad angelegt. Er führt nach Süden über das Katzsteinplateau zum hohen Katzfels, wo 1809 die letzte Wildkatze erlegt worden sein soll. Dicht darunter befindet sich der Katzstein (). Des Weiteren verfügt der Ortsteil über ein Waldbad mit Breitrutsche, Wasserpilz und Kinderspielplatz. Cunnersdorf zählte 1445 sechs Ansässige, 1609 waren es bereits 33 Ansässige. 1840 wohnten etwa 600 Einwohner im Ort. Heute sind es etwa noch 420 Menschen, die hier leben.

Papstdorf mini|Die Kirche von Papstdorf Papstdorf wurde erstmals 1371 als Bogansdorff erwähnt. Der heutige Name erschien erstmals 1555 in Form von Babstdorff. Papstdorf war über viele Jahrhunderte ebenso wie Gohrisch, Cunnersdorf und Kleinhennersdorf eine reine Bauerngemeinde. Die Einwohner gingen der Land- und Forstwirtschaft nach. 1501 zählte das Dorf 14 Ansässige, 1601 waren es 22 Ansässige und um 1840 lebten etwa 260 Einwohner hier. Mitte des 19. Jahrhunderts setzte auch in Papstdorf die touristische Erschließung ein. Auf dem Plateau des Papststeines wurde 1862 eine Gaststätte errichtet, die später um einen hölzernen Aussichtsturm erweitert wurde. 1919 zählte das Dorf bereits über 600 Einwohner. Zu DDR-Zeiten befand sich das Zentrale Pionierlager „Klement Gottwald“ im Ort, das vom VEB Verkehrsbetriebe Dresden betrieben wurde.Facebook-Eintrag

Eingemeindungen 1974: Kleinhennersdorf (Eingemeindung 1990 aufgehoben) 1994: Cunnersdorf, Kleinhennersdorf, Papstdorf

Entwicklung der Einwohnerzahl Jahr Einwohner 1834 111 1871 207 1890 461 1910 675 1925 803 1939 856 1946 1219 1950 1128 1964 994 Jahr Einwohner 1990 816 1995 2191 2000 2254 2005 2203 2010 2107 2015 1985 2020 1792

Politik

Gemeinderat Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 12 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: Freie Wählergemeinschaft Gohrisch (FW G): 4 Sitze CDU: 1 Sitz AfD: 1 Sitz Linke: 1 Sitz Einzelvorschläge: 5 Sitze (stark überrepräsentiert, da nicht genügend Kandidaten aufgestellt wurden, und der Gemeinderat in diesem Fall mit händisch notierten Einzelvorschlägen „aufgefüllt“ wird) +letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Freie Wählergemeinschaft Gohrisch455,1429,1537,2AfD117,9222,6––CDU112,6216,2327,9Linke18,018,1114,1Einzelvorschläge56,3nicht zulässigZG––112,1––Grüne––18,518,0NPD–––3,3112,7Wahlbeteiligung76,3 %75,9 %64,8 %

Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2025 Kay Eisert. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2025Kay EisertFreie Wählergemeinschaft Gohrisch90,72020Christian NaumannNaumann58,32019Maik GüntherFWG/Linke57,62012Heiko EggertEggert82,12008Tom VollmannFDP57,32001Katharina GriemeGrieme76,8199468,9

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Gohrisch Denkmal Hotel Albrechtshof Gohrisch: Die denkmalgeschützte Gebäudegruppe des 1956/1968 errichteten „Gästehaus des DDR-Ministerrates“ hatte viele in- und ausländische Besucher der DDR-Staatsregierung zu verzeichnen. Lotte Ulbricht, Kim il Sung, Lev Kerbel, Sindermann und auch der russische Komponist Dmitri Schostakowitsch. Letzterer komponierte hier auf einer Parkbank unter der Trauerbuche im Jahre 1960 sein 8. Streichquartett, die einzige Komposition, die er im Ausland erschuf. Heute ist das Gebäudeensemble das 3-Sterne-Hotel Albrechtshof Gohrisch ein beliebtes Quartier für Wanderer und Urlauber.

Denkmal Schostakowitsch-Büste: An der Kreuzung Schandauer Straße / Papstdorfer Straße hat der in 2009 gegründete Verein Schostakowitsch-Tage in Gohrisch in Erinnerung an die beiden Aufenthalte von Dmitri Schostakowitsch eine Bronze-Büste aufgestellt. Sie erinnert insbesondere an das 1960 hier komponierte 8. Streichquartett, das von Rudolf Barschai interpretiert wurde.

Cunnersdorf Forsthof: Die denkmalgeschützte Gebäudegruppe des um 1600 errichteten Hofes war Sitz der kurfürstlichen Forstverwaltung für die Reviere der Sächsischen Schweiz. Kirche: Die Cunnersdorfer Kirche stammt aus den Jahren 1854/55. Die Ausstattung wurde aus dem Vorgängerbau übernommen und beinhaltet u. a. ein Altarbild von 1666.

Papstdorf mini|hochkant|Papstdorf, Wilhelm-Leberecht-Herbrig-Orgel Kirche: Die Kirche wurde 1787 im Stil des Spätbarock errichtet. Sie besitzt eine kulturhistorisch wertvolle zweimanualige mechanische Schleifladenorgel von 1845. Der Erbauer ist Wilhelm Leberecht Herbrig.Website Kulturwerkstatt Stolpen e. V. Ort und Kirche sind eine Station an der Herbrig-Orgelstraße.Die Herbrig-Orgelstraße

Siehe auch Liste der Kulturdenkmale in Gohrisch

Naturschutz

Internationale Schostakowitsch-Tage Seit dem Jahr 2010 werden in Gohrisch die „Internationalen Schostakowitsch-Tage“ veranstaltet, da sich Schostakowitsch im Jahr 1960 und im Jahr 1972 im damaligen Gästehaus des DDR-Ministerrats in Gohrisch zur Kur aufhielt und 1960 am kleinen Teich sein 8. Streichquartett komponierte.

Im Jahr 2011 erhielt der Dirigent Kurt Sanderling den nicht dotierten Internationalen Schostakowitsch-Preis Gohrisch.

Entstehungsort der Sächsischen Landesverfassung In der Abgeschiedenheit des ländlichen Kurortes Gohrisch wurde nach der politischen Wende die Sächsische Landesverfassung erarbeitet. Eine Gedenktafel am Gemeindeamt erinnert heute an dieses Geschehen. Der Landtagspräsident Matthias Rößler erinnerte in einer Rede zum 20. Jahrestag der Sächsischen Verfassung am 5. Juni 2012 wie folgt daran: „Es entstand der nach dem Tagungsort Gohrisch in der Sächsischen Schweiz benannte ‚Gohrischer Entwurf‘ als Grundlage unserer Verfassung. Der „Gohrischer Entwurf“ war keine Kopfgeburt einiger Verfassungsrechtler, sondern die Verbindung des höchsten juristischen Sachverstandes, der damals in Deutschland zu haben war, und des Willens des sächsischen Volkes.“

Wirtschaft und Infrastruktur