Currents ( für „Strömungen“) ist das dritte Studioalbum des australischen Psychedelic-Rock-Projekts Tame Impala. Es erschien am 17. Juli 2015 bei Modular Recordings und Universal Music Australia. International wurde das Album von Caroline International vertrieben. Wie die zwei zuvor erschienenen Alben Innerspeaker (2010) und Lonerism (2012) wurde Currents erneut von Kevin Parker in kompletter Eigenregie produziert und zum ersten Mal auch persönlich abgemischt.
Nach dem Erscheinen seines vorherigen Albums Lonerism im Jahr 2012 begann Parker mit den Arbeiten an Currents in seinem Musikstudio in Fremantle, Australien. Waren seine vorherigen Werke noch von klassischem Psychedelic Rock geprägt, stellt Currents eine Weiterentwicklung in Richtung Synth-Pop und Psychedelic Pop dar, mit mehr Fokus auf Synthesizer und Drum Beats anstelle von verzerrten Gitarren-Sounds.
In den USA wurde das Album mit einer Platin-Schallplatte für 1 Million verkaufte Einheiten ausgezeichnet. Wie auch schon die Vorgängeralben, erhielt Currents großes Lob bei den Kritikern und erschien auf zahlreichen Bestenlisten des Jahres 2015. Beim wichtigsten australischen Musikpreis, den ARIA Music Awards 2015 wurde Currents als bestes Rockalbum und Album des Jahres ausgezeichnet; außerdem erhielt es den J Award für Australiens Album des Jahres. Bei den Grammy Awards 2016 wurde das Album in der Kategorie bestes Alternative Music Album nominiert. Das Musikmagazin Rolling Stone platzierte Currents in ihrer Liste der 500 besten Alben aller Zeiten auf Platz 382, die australische Ausgabe des Magazins listet das Album auf Platz 12 der 200 besten Alben aller Zeiten.Rolling Stone’s 200 Greatest Australian Albums of All Time. Rolling Stone Australia, Rolling Stone Australia, 6. Dezember 2021. Abgerufen am 6. Dezember 2021.
Hintergrund mini|links|Tame Impala (2014) Das Ein-Mann-Musikprojekt Tame Impala tat sich ab den frühen 2010er Jahren schnell als einer der aufstrebendsten Newcomer der besonders in Australien florierenden Psychedelic-Rock Szene auf. Kevin Parker, der nur bei Live-Auftritten von weiteren Musikern unterstützt wird, veröffentlichte mit Innerspeaker (2010) und Lonerism (2012) zwei hochgelobte Alben und die Single Elephant wurde sein bis dahin größter Hit.
Bereits kurz nach dem Erscheinen von Lonerism begann er mit der Arbeit an neuem Songmaterial, und die Idee und Richtung für ein neues Album nahm nach 10–20 neuen Songideen erste Formen an.
Laut Parker liegen die Gründe für die Stiländerung auf dem dritten Studioalbum unter anderem an seinen Erfahrungen und Überlegungen während er den Bee Gees Song “Stayin Alive” unter dem Einfluss von Psylocybin-Pilzen und Kokain hörte und bemerkte, dass Songs außerhalb des Psychedelic Rock durchaus ihre Qualitäten haben, um als Inspirationsquelle für seine eigene Musik zu dienen. Außerdem trennte er sich von seiner damaligen Freundin, der französischen Singer-Songwriterin Melody Prochet, und zog von Paris zurück in seine Heimatstadt Perth. Für die Arbeit an neuen Songs habe er sich die Regel auferlegt, alle vorher selbst auferlegten Regeln wieder abzulegen. So fing er an, mit Sachen zu experimentieren, die vorher für ihn ein Tabu darstellten oder als "kitschig" galten, wie Drum Computer statt einem echten Schlagzeug und verschiedene neue Soundeffekte.
Aufnahmeprozess und Produktion mini|Kevin Parker (Foto 2015), produziert die Musik von Tame Impala in Eigenregie Currents wurde von Kevin Parker in seinem Heimstudio in Fremantle bei Perth an der australischen Westküste aufgenommen, produziert und abgemischt. Laut Parker baute er hierfür nur das nötigste Equipment auf: „Ein altes Drum Kit, eine Gitarre, die nur noch von Panzertape zusammengehalten wurde, und ein paar in die Jahre gekommene, zerbeulte Synthesizer“ ("a ramshackle drum kit, a guitar covered in duct tape and some battered vintage synths."). Er verglich sein aufgebautes Studio mit dem Cockpit eines Flugzeugs. In einem benachbarten Zimmer begann er damit, die Lichtshow für spätere Konzertshows zu planen. Hierfür stellte er Bühnenlichter auf Ständer und erstellte automatisierte Programme. Er hoffte, sich damit etwas Ablenkung von der eigentlichen Albumproduktion zu verschaffen, da er diese schon beim Vorgängeralbum Lonerism als Tortur empfand. Letztlich fand er sich bei Currents aber in genau derselben Situation wieder.
Die Arbeit am Album wurde bald zu einer Obsession für Parker, da er den ganzen Tag nichts anderes mehr tat. „An einem bestimmten Punkt gerät das Leben außerhalb des Studios in weite Ferne. Dann weiß ich, dass ich voll bei der Sache bin.“ (“At some point, life outside the studio fades into the distance. That's how I know that I'm into it.”) Er begründete seinen manischen Arbeitseifer damit, dass jede andere Herangehensweise dafür sorgen würde, dass die Musik nicht die nötige Energie hätte. Corban Goble, Redakteur des Online-Magazins Pitchfork beschrieb in einem Artikel Parkers tägliche Arbeitsroutine: „Während der Produktionsphase eines Albums steht der 29-Jährige bevorzugt um die Mittagszeit auf und arbeitet dann langsam und nach Methode bis spät in die Nacht hinein, während er dabei trinkt und raucht.“ (“During the making of an album, the 29-year-old generally likes to rise around midday and then work, slowly and methodically, late into the night while drinking and smoking.”) Dies helfe ihm beim Texte schreiben: „[Nach ein paar Drinks] fließt alles leichter – der Flow ist das Wichtigste für mich beim Musik machen.“ (“Things flow easier [after a few drinks] – the flow is the most important thing for me for recording.”) Er machte auch oft Pausen um zu schwimmen, was er als „ultimativen Reiniger“ (“the ultimate purifier”) bezeichnete. Weiter folgte er dem Mantra: „Gib dem Song das, was er verdient“ und damit auch das bewusste Weglassen „jeglicher vernünftiger und logischer Entscheidungen“. Parker sang seine Songs dutzende Male neu ein, laut ihm habe er für einen Song sogar über 1056 Aufnahmeschnipsel angesammelt, um seinem Perfektionsdrang gerecht zu werden. Um Ideen für neue Drum-Parts zu sammeln, mietete er sich für eine Woche extra ein Haus an der Küste, 4 Autostunden südlich von Perth, wo er bereits sein Debütalbum Innerspeaker aufgenommen hatte.
Seine Entscheidung, das komplette Album bis aufs Mastering in Eigenregie zu produzieren komme von seiner Besessenheit, meinte Parker: “Ich denke, dadurch ist das Album noch viel mehr mein Herz und meine Seele, mein Blut, Schweiß und Tränen.” ("I felt like, this way the album is even more my heart and soul, my blood, sweat, and tears."). Er setzte sich aber ein festes Abgabedatum, um das Album abzuschließen, da er dazu neige zu Prokrastinieren: “[Eine Deadline] ist wie Glück im Unglück, da sie dich zwingt, Entscheidungen zu treffen, die aber letztendlich gut für das Endergebnis sind.” ("a blessing in disguise because it forces you to make decisions there and then. Which in the end makes for good art."). Trotzdem verpasste er den gesetzten Abgabetermin mehrere Male und beschäftigte sich mit kleinen Details, da “man das Album nicht genießen könne, bis es wirklich fertig sei”. Kurz vor der Veröffentlichung sagte Parker: “Ich denke immer noch, das Album ist komplett unhörbar.” ("I still think this album is completely unlistenable.").
Komposition Musik Currents bietet eine stilistische Spannbreite von Psychedelic Pop, Disco, R&B und Electro-Pop. Besonders die Akkordfolge und Rhythmen sind sehr vom R&B beeinflusst. Kevin Parker hörte schon in den 1990er Jahren R&B, nachdem er sich in seiner Jugend aufgrund von Gruppendruck noch selbst dazu zwang, das Genre zu verschmähen. Er sagte: “Jungs, die damals als Teenager Musik machten, durften kein R&B mögen, weil die Mädchen den Scheiß in ihren Autos hörten.” ("Music guys aren't allowed to be into R&B when they are teenagers because all the teenybopper kids blast that shit in their cars."). Diese Tabus und Vorurteile abzulegen und die Musik mit offenen Armen zu empfangen, war sehr befreiend für ihn. Vor Currents hütete sich Parker noch davor, seine Musik pop-orientierter zu gestalten weil er dachte, dass “die Indie-Musik-Snobs ihre Nase rümpfen würden.” ("indie-music snobs would turn their nose up at it.") und musste feststellen, dass Popmusik zu kreieren sehr herausfordernd ist. Parker schreibt seine Offenheit auf dem Album Currents auch dem bekannten Musikproduzenten Mark Ronson zu, auf dessen Album Uptown Special (2012) er mitwirkte.
Viele der Songs entstanden in jahrelanger Arbeit, sowohl im Studio als auch unterwegs auf Tourneen. Er benutzte dabei oft sein Handy als Sprachrekorder und erstellte viele Songs auf der Drum Machine. Gitarren kommen zwar in jedem Song auf dem Album vor, sollen aber jeweils nur die anderen vorherrschenden Instrumente begleiten. Dies lag unter anderem auch daran, dass er nicht zu jeder Zeit auf sein gesamtes Equipment zugreifen konnte: “Wir beendeten eine Tournee in sagen wir Europa, dann flogen wir für zwei Wochen nach Hause und unser Equipment mit all meinen Gitarren und Pedals war da schon auf dem Weg nach Südamerika.” ("We'd finish one tour in say, Europe, go home for two weeks, and all our gear, including my guitars and pedals, would be on their way to South America."). Zuhause im Studio hatte er aber eine große Sammlung an Synthesizern, was dafür sorgte, dass es das prominenteste Instrument auf dem Album wurde. Er sagte: “Es ist echt das Einzige, was herumliegt, wenn ich an den Song denke.” ("It's really just whatever is sitting around when I think of the song.").
Wie schon auf den Vorgänger-Alben singt Parker in Falsetto-Stimmlage und benutzt diverse Vocoder-Effekte, um die Stimme teilweise zu verwaschen und zu verzerren, wobei der Einsatz von jenen Effekten nicht ganz so ausgereizt wurde, wie bei Innerspeaker und Lonerism, was Parker damit begründete, dass er nun mehr Stolz bei seinen Texten empfinde. “Ich hoffe es wird den Zuhörern leichtfallen, sie zu verstehen.”
Texte Die Songtexte behandeln vorwiegend die zentralen Themen des Älterwerdens und persönlicher Übergänge in neue Lebensphasen und sind dabei komplett autobiografisch. Laut Parker sei das Hauptthema des Albums „ein tiefes Gefühl des Übergangs in deiner Psyche“ (“deep feeling of transition in your psyche.”) oder im weiten Sinne der endgültige Eintritt ins Erwachsenenleben. Er begann während der Albumproduktion, sich mit dem astrologischen Konzept der Saturn Rückkehr (Saturn Return) zu beschäftigen, was seine reflektierenden Gefühle erklären könnte. Er sagte dazu: „Ich war zur Hälfte fertig mit dem Album als ich davon hörte, und es verlieh dem, was ich tat, eine ganze Menge an Bedeutung. Plötzlich ergab alles viel mehr Sinn.“ (“I was halfway through making the album when I heard about it, and it gave what I was doing a lot more meaning; suddenly things made a lot more sense.”) Dementsprechend war seine Reaktion auf dem Album die Akzeptanz der Veränderungen in seinem Leben, was besonders in dem Song „Let it Happen“ zu hören ist. Parker hatte auch das Gefühl, dass der Kauf des Hauses, in dem er Currents aufgenommen hat, „meine Sichtweise darauf, wo ich mich selbst sehe, wirklich verändert hat, wie einen Ort, an den ich gehöre.“ (“really changed my perspective about where I saw myself, like a place that I belonged.”)