Rita Ostrovska (; * 1953 in Kiew) ist eine ukrainische Künstlerin. Bekannt geworden ist sie vor allem durch ihre Fotoserien, die jüdisches Leben in der Ukraine zeigen. Sie lebt und arbeitet seit 2001 in Kassel.
Leben und Werk Ostrovska wuchs in Kiew auf. Sie studierte zunächst in der Technologieabteilung an der Hochschule für Kinoingenieure in Leningrad (St. Petersburg) und anschließend Fotojournalismus in Kiew.
In ihren Werken setzt sich Ostrovska mit Erscheinungsformen des Weggehens und neu Anfangens auseinander, die die jüdische Geschichte seit Jahrhunderten prägen. Von 1989 bis 2001 fotografierte sie traditionelle Orte jüdischen Lebens in der Ukraine, die Schtetl. Sie dokumentierte die Veränderungen durch die massenhafte Auswanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion. Seit 1993 fotografierte sie das Leben jüdischer Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion nach ihrer Ankunft in den USA, in Israel und in Deutschland. Auch die Ausreise aus der Ukraine, das Unterwegssein und das Ankommen ihrer eigenen Familie in Kassel hielt sie mit der Kamera fest.
Eines ihrer großen Projekte ist das Jüdische Album, das aus drei Teilen besteht: Familienalbum, Juden in der Ukraine und Emigranten. Das Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon-Dubnow in Leipzig zeigt seit November 2021 ausgewählte Fotografien aus den Serien Juden in der Ukraine und Emigranten. Die Fotoserie Juden in der Ukraine ist in einem Bildband bei Hatje Cantz erschienen.Rita Ostrowskaja: Juden in der Ukraine. Hatje Cantz. Ostfildern 1996, ISBN 978-3-89322-763-1. [Übers. aus dem Russ. Peter Steger] Fotos aus der Serie „Meine Emigration“ aus dem Bestand des Jüdischen Museums Berlin werden im JMB Journal „Ukraine“ (2022) vorgestellt.
Ostrovska arbeitet nicht nur mit dem Medium Fotografie, sondern fertigt auch Keramiken an. 2003 bis 2009 studierte sie an der Kunsthochschule Kassel Visuelle Kommunikation und eröffnete 2010 ihr Atelier für Fotografie, Keramik und Grafik „KunstVision“ in Kassel.
Ostrovskas Arbeiten sind Teil vieler ständiger deutscher und internationaler Sammlungen. Werke befinden sich unter anderem im Jüdischen Museum BerlinUdo Badelt: 70 Jahre Zentralrat der Juden. Wie man aus der Thora liest. In: Der Tagesspiegel, 16. November 2020. Abgerufen am 12. März 2022. Werke im Bestand des Jüdischen Museums Berlin , Folkwang Museum Essen, San Francisco Museum of Modern Art, Kunsthaus Zürich und im Jewish Museum New York. Seit 2025 nimmt das Deutsche Kunstarchiv am Germanischen Nationalmuseum einen Teil des Vorlasses der Künstlerin, teils in analog, teils in digital, in seine Bestände auf. Darunter befinden sich auch Audiokassetten mit Interviews, die Rita Ostrovska Anfang der 1990er-Jahre mit den Schtetl-Bewohnern führte.
Auszeichnungen Beim ersten internationalen Fotofestival in Moskau (1993) wurde Ostrovska als Fotografin des Jahres ausgezeichnet. Im selben Jahr war sie Teilnehmerin des ersten Artslink Fellowship in New York. 1994 erhielt sie ein Stipendium von der Soros-Stiftung und wurde vom Folkwang Museum mit dem Albert Renger-Patzsch-Preis der fotografischen Sammlung ausgezeichnet. Im Jahr 2026 erhielt sie für das Buchprojekt „Fünf jüdische Schtetl in der Ukraine – Fotografische Erkundungen einer untergegangenen Welt“ ein Stipendium von ZURÜCKGEBEN – Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft.
Ausstellungen (Auswahl)
1997–1998: Juden in der Ukraine. Fotografien 1989/1994, Neue Galerie, Kassel 1998: Lebensatem, Brandts Museum of Photographic Art, Odense 2000: Erosionen. Entschwindende Welt der Schtetl, Zürcher Institut für interreligiösen Dialog, Zürich 2005: Anwesenheit, Hessiale 2005, Landeskunstausstellung BBK Hessen, Kassel 2011–2012: Photography Calling, Gruppenausstellung, Sprengel-Museum, Hannover November 2021 – September 2023: Jüdisches Album. Fotografien von Rita Ostrovska, Dubnow-Institut, Leipzig
Literatur
Julia Roos: Fotografien der Künstlerin Rita Ostrovska: Ein Spiegelbild (post-)sowjetisch-jüdischer Erfahrung, in: Postsozialismus. Schwerpunkt des Leibniz-Labs Umbrüche und Transformationen, 2. Januar 2026. Susanna Broge, Julia Roos: Im Verschwinden begriffen. Das Archiv der jüdischen Künstlerin Rita Ostrovska und das fotografische Gedächtnis der Ukraine. In: Fotogeschichte. Bd. 46 (2026), Nr. 181, S. 63–68.
Weblinks Webseite der Künstlerin mit ausgewählten Fotoserien Webseite des Ateliers der Künstlerin Buchvorstellung bei Hatje Cantz Kurzprofil auf der Webseite des Dubnow-Instituts Ausgewählte Werke in der digitalen Sammlung des Jüdischen Museums Berlin Ausgewählte Werke in der digitalen Sammlung des MOKSOP - Museum of Kharkiv School of Photography
Einzelnachweise
Kategorie:Fotograf (Ukraine) Kategorie:Künstler (Kiew) Kategorie:Ukrainer Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Geboren 1953 Kategorie:Frau