Die 75. Internationalen Filmfestspiele von Cannes fanden vom 17. bis 28. Mai 2022 statt. Das Festival hatte im Vorjahr aufgrund der COVID-19-Pandemie von seinem regulären Mai-Termin in den Juli verschoben werden müssen. Es stand 2022 ein letztes Mal unter der Leitung von Präsident Pierre Lescure, während Thierry Frémaux als Generaldelegierter für die künstlerische Leitung verantwortlich war.

mini|hochkant|Jurypräsident Vincent Lindon hochkant|mini|Thierry Frémaux, künstlerischer Leiter des Filmfestivals hochkant|mini|Ehrenpreisträger Forest Whitaker

Das Amt des Jurypräsidenten für den Internationalen Wettbewerb, in dem unter anderem die Goldene Palme für den besten Film des Festivals an Triangle of Sadness von Ruben Östlund vergeben wurde,Peter Debruge: Cannes Repeat Winner Ruben Östlund Collects His Second Palme d’Or for ‘Triangle of Sadness’. In: variety.com, 28. Mai 2022 (abgerufen am 28. Mai 2022). übernahm der französische Schauspieler Vincent Lindon. In den offiziellen Sektionen wurden ab Mitte April 2022 die Beiträge bekannt gegeben. Eröffnet wurde das Festival mit der französischen Horrorkomödie Final Cut of the Dead von Michel Hazanavicius, die außer Konkurrenz gezeigt wurde.

Als Moderatorin („maîtresse de cérémonie“) der Auftaktzeremonie und der abschließenden Preisgala wurde die Schauspielerin Virginie Efira ausgewählt.Opening and Closing Ceremonies of the 75th Festival de Cannes. In: festival-cannes.com, 17. Mai 2022 (abgerufen am 18. Mai 2022). Bereits als Laureat fest stand der US-amerikanische Schauspieler Forest Whitaker, dem bei der Eröffnungsgala der Ehrenpreis des Festivals (Palme d’or d’honneur) verliehen wurde.Cannes Film Festival Highlights: Zelensky Appeal and ‘Final Cut’ Open Day 1. In: nytimes.com, 17. Mai 2022 (abgerufen am 18. Mai 2022). Per Video zugeschaltet wurde der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der in einer Rede einen Vergleich zu Charlie Chaplins Film Der große Diktator zog, um das Kino dazu aufzurufen, angesichts des russischen Überfalls auf die Ukraine nicht „zu schweigen“. Eröffnet wurde das Festival von der Schauspielerin Julianne Moore.Wolodymyr Selenskyj: Das Kino sollte nicht schweigen. In: welt.de, 17. Mai 2022 (abgerufen am 18. Mai 2022).

Hintergrund Die Festivalleitung verurteilte den russischen Überfall auf die Ukraine. Weder offizielle russische Delegationen noch Personen, die mit der russischen Regierung in Verbindung stehen, wurden eingeladen.Statement from the Festival de Cannes on the situation in Ukraine. In: festival-cannes.com, 1. März 2022 (abgerufen am 11. März 2022). Die Erklärung schließt nicht die Einladung einzelner russischer Filmemacher oder russischer Filmbeiträge aus (als einziger russischer Beitrag wurde der Wettbewerbsfilm Schena Tschaikowskowo (Tchaikovsky’s Wife) von Kirill Serebrennikow eingeladen). Sie wird u. a. auch von den Festival-Nebensektionen Semaine internationale de la critique und Quinzaine des réalisateurs getragen.Melanie Goodfellow: Cannes Critics’ Week, Directors’ Fortnight, ACID will not boycott Russian filmmakers. In: screendaily.com, 3. März 2022 (abgerufen am 12. März 2022). Die Europäische Filmakademie (EFA) hatte am selben Tag bekannt gegeben, russische Filmbeiträge für ihre Preisverleihung Ende 2022 zu boykottieren.Orlando Parfitt: EFA to exclude Russian films from European Film Awards. In: screendaily.com, 1. März 2022 (abgerufen am 12. März 2022). Der ukrainische Filmproduzent Denis Iwanow gab in einem offenen Brief zu bedenken, dass alle russischen Filmproduktionen eine Art staatliche Förderung erhalten oder auch finanziell von russischen Oligarchen unterstützt würden, unabhängig von den politischen Ansichten der Filmemacher. Der ukrainische Regisseur Oleh Senzow rief ebenfalls zu einem Boykott des russischen Kinos auf. Mit den Dokumentarfilmen Mariupolis 2 (Regie: Mantas Kvedaravičius) und The Natural History of Destruction (Regie: Sergei Loznitsa) als Sonderaufführungen sowie den Spielfilmen Batschennja metelyka (Butterfly Vision) von Maksym Nakonetschnyj (Un Certain Regard) und Pamfir von Dmytro Sucholytkyj-Sobtschuk (Quinzaine des réalisateurs) wurden auch Beiträge von ukrainischen Filmemachern bzw. über den russischen Krieg in der Ukraine in Nebensektionen eingeladen.

Als neue Werbepartner für die 75. Auflage wurden die Medienunternehmen Brut und France Télévisions sowie BMW und Campari gewonnen. Der deutsche Automobilhersteller sollte im Rahmen der 2019 verabschiedeten Umweltpolitik des Festivals eine Flotte von exklusiven Elektroautos und Hybridwagen zur Verfügung stellen.After France Télévisions & Brut., the Festival de Cannes welcomes BMW and Campari on the Croisette. In: festival-cannes.com, 17. Februar 2022 (abgerufen am 11. März 2022).

Offizielle Auswahl Internationaler Wettbewerb Das vollständige Programm wurde auf einer Pressekonferenz am 14. April 2022 in Paris vorgestellt.The films of the Official Selection 2022. In: festival-cannes.com, 14. April 2022 (abgerufen am 14. April 2022). 17 Beiträge wurden am 21. April 2022 nachgemeldet.. In: festival-cannes.com, 21. April 2022 (abgerufen am 22. April 2022). Die Einreichung von Spielfilmen konnte bis 11. März, von Kurzfilmen bis 2. März 2022 erfolgen.The 75th edition will take place from May 17 to 28, 2022. Registration of films is open!. In: festival-cannes.com, 30. November 2021 (abgerufen am 11. März 2022).

2022 zum wiederholten Mal in den Wettbewerb um die Goldene Palme eingeladen (* = ehemalige Gewinner der Goldenen Palme) Regisseur/-in Einladungen Dardenne-Brüder* 9 Desplechin 7 Cronenberg, Koreeda*, Skolimowski 6 Gray 5 Mungiu*, Park 4 Serebrennikow 3 Bruni Tedeschi, Denis, Martone, Östlund* 2 Wettbewerbsjury Als Nachfolger von Spike Lee, dem Jurypräsident des Vorjahres, wurde Ende April 2022 für die 75. Auflage Vincent Lindon bekannt gegeben. Der französische Schauspieler war seit 1987 mit neun Spielfilmen in Cannes vertreten. Im Jahr 2015 gewann er den Darstellerpreis für Der Wert des Menschen. Zuletzt hatte er 2021 in dem mit der Goldenen Palme preisgekrönten Spielfilm Titane von Julia Ducournau die männliche Hauptrolle bekleidet.The Jury of the 75th Festival de Cannes and its President unveiled. In: festival-cannes.com, 26. April 2022 (abgerufen am 26. April 2022).

Jurypräsident Vincent Lindon standen bei der Vergabe der Festivalpreise acht Jurymitglieder zur Seite, die am selben Tag benannt wurden: Rebecca Hall, britisch-US-amerikanische Schauspielerin und Filmemacherin Deepika Padukone, indische Schauspielerin Noomi Rapace, schwedische Schauspielerin Jasmine Trinca, italienische Schauspielerin und Filmregisseurin Asghar Farhadi, iranischer Filmemacher (viermaliger Teilnehmer am Wettbewerb, Großer Preis der Jury 2021) Ladj Ly, französischer Filmemacher und Schauspieler (Teilnehmer am Wettbewerb 2019) Jeff Nichols, US-amerikanischer Filmemacher (zweimaliger Teilnehmer am Wettbewerb) Joachim Trier, norwegischer Filmemacher (zweimaliger Teilnehmer am Wettbewerb)

Spielfilme Insgesamt wurden 21 Filmproduktionen in den Wettbewerb eingeladen, darunter vier Projekte von vorherigen Wettbewerbssiegern und die im Vergleich außergewöhnlich hohe Anzahl von fünf Filmemacherinnen. Die bisherige Bestmarke hatte 2011, 2019 und 2021 bei vier Regisseurinnen gelegen.Steve Pond: Cannes Adds 17 Films, Sets Record for Female Directors in Competition. In: thewrap.com, 21. April 2022 (abgerufen am 18. Mai 2022). Neun Filmemacher konkurrierten zum ersten Mal um den Hauptpreis.

Film Regie Land Darsteller (Auswahl) Armageddon Time USA Anne Hathaway, Anthony Hopkins, Jeremy Strong, Domenick Lombardozzi, Tovah Feldshuh Broker(브로커) Südkorea Song Kang-ho, Bae Doona, Gang Dong-won, Lee Ji-eun Bruder und Schwester(Frère et sœur) Frankreich Marion Cotillard, Melvil Poupaud Close Belgien, Frankreich, Niederlande Léa Drucker, Émilie Dequenne Crimes of the Future Kanada, Griechenland Kristen Stewart, Léa Seydoux, Viggo Mortensen, Scott Speedman EO Polen, Italien Sandra Drzymalska, Mateusz Kościukiewicz, Isabelle Huppert Forever Young(Les Amandiers) Frankreich Louis Garrel, Micha Lescot, Mehdi Dehbi Die Frau im Nebel(Decision to Leave / 헤어질 결심 / Heeojil gyeolsim) Park Chan-wook Südkorea Tang Wei, Go Kyung-pyo, Park Hae-il Holy Spider Dänemark, Deutschland, Schweden, Frankreich Zahra Amir Ebrahimi, Mehdi Bajestani Die Kairo Verschwörung(Boy from Heaven) Schweden, Frankreich, Finnland, Dänemark Tawfeek Barhom, Fares Fares Leila’s Brothers(برادران لیلا) Iran Taraneh Alidoosti, Saeed Poursamimi, Navid Mohammadzadeh, Payman Maadi, Farhad Aslani Nostalgia Italien, Frankreich Pierfrancesco Favino, Sofia Essaïdi, Tommaso Ragno Le otto montagne(The Eight Mountains) ,Charlotte Vandermeersch Italien, Belgien, Frankreich Alessandro Borghi, Luca Marinelli, Elena Lietti Pacifiction – Tourment sur les îles Frankreich, Spanien, Deutschland, Portugal Benoît Magimel, Sergi López, Laura Poulvet Un petit frère(Mother and Son) Frankreich Annabelle Lengronne, Ahmed Sylla, Stéphane Bak R.M.N. Rumänien Marin Grigore, Judith State Showing Up USA Michelle Williams, Amanda Plummer, John Magaro, James Le Gros, Judd Hirsch, Hong Chau Stars at Noon Frankreich Margaret Qualley, Joe Alwyn Tori et Lokita(Tori and Lokita) , Luc Dardenne Belgien, Frankreich Pablo Schils, Joely Mbundu, Claire Bodson, Baptiste Sornin Triangle of Sadness Schweden Woody Harrelson, Harris Dickinson, Charlbi Dean Zhena Chaikovskogo(Жена Чайковского / Tchaikovsky’s Wife) Russland, Frankreich, Schweiz Aljona Michailowa, Odin Biron, Miron Fjodorow

Außer Konkurrenz Final Cut of the Dead (Coupez!), Eröffnungsfilm – Regie: Michel Hazanavicius (Frankreich) – mit Matilda Lutz, Bérénice Bejo, Romain Duris, Luàna Bajrami, Finnegan Oldfield, Grégory Gadebois Elvis – Regie: Baz Luhrmann (Australien) – mit Austin Butler, Tom Hanks, Olivia DeJonge Mascarade – Regie: Nicolas Bedos (Frankreich) – mit Pierre Niney, Isabelle Adjani, François Cluzet November – Regie: Cédric Jimenez (Frankreich) – mit Jean Dujardin, Anaïs Demoustier, Sandrine Kiberlain, Jérémie Renier Three Thousand Years of Longing – Regie: George Miller (Australien) – mit Idris Elba, Tilda Swinton Top Gun: Maverick – Regie: Joseph Kosinski (USA) – mit Tom Cruise, Val Kilmer, Miles Teller, Glen Powell, Ed Harris, Jon Hamm Verkehrte Welt – Regie: Louis Garrel (Frankreich) – mit Louis Garrel, Anouk Grinberg, Noémie Merlant

Cannes Premières

Diese Reihe wurde erstmals bei der Auflage 2021 für Filme eingeführt, für die kein Platz im Wettbewerb war.

As bestas (The Beasts) – Regie: Rodrigo Sorogoyen (Spanien, Frankreich) – mit Denis Ménochet, Marina Foïs, Luis Zahera Tagebuch einer Pariser Affäre (Chronique d’une liaison passagère) – Regie: Emmanuel Mouret (Frankreich) – mit Sandrine Kiberlain, Vincent Macaigne Dodo – Regie: Panos H. Koutras (Griechenland, Belgien, Frankreich) – mit Akis Sakellariou, Smaragda Karydi, Marisha Triantafyllidou Don Juan – Regie: Serge Bozon (Frankreich, Belgien) – mit Tahar Rahim, Virginie Efira, Alain Chamfort Esterno notte (Nightfall) – Regie: Marco Bellocchio (Italien / Fernsehserie) – mit Fabrizio Gifuni, Margherita Buy, Toni Servillo Irma Vep – Regie: Olivier Assayas (Frankreich, USA / Fernsehserie) – mit Alicia Vikander, Lars Eidinger, Vincent Lacoste, Jeanne Balibar, Hippolyte Girardot, Vincent Macaigne Nos frangins – Regie: Rachid Bouchareb (Frankreich) – mit Reda Kateb, Lyna Khoudri, Raphaël Personnaz, Samir Guesmi In der Nacht des 12. (La nuit du 12) – Regie: Dominik Moll (Frankreich, Belgien) – mit Bastien Bouillon, Bouli Lanners, Anouk Grinberg

Mitternachtsaufführungen (Séances de minuit) Fumer fait tousser (Smoker’s Cough) – Regie: Quentin Dupieux (Frankreich) – mit Gilles Lellouche, Vincent Lacoste, Anaïs Demoustier, Jean-Pascal Zadi, Oulaya Amamra Hunt (헌트) – Regie: Lee Jung-jae (Südkorea) – mit Lee Jung-jae, Jung Woo-sung, Jeon Hye-jin, Heo Sung-tae Moonage Daydream – Regie: Brett Morgen (USA) – Dokumentarfilm über David Bowie