Und ewig singen die Wälder (Riksmål: Og bakom synger skogene, wörtliche Bedeutung etwa: „Und jenseits singen die Wälder“) ist ein Roman, den der norwegische Schriftsteller Trygve Gulbranssen 1933 im Osloer Aschehoug Verlag veröffentlichte. Das in der Riksmål-Variante des Norwegischen verfasste Werk ist ein Entwicklungs-, Bauern-, Generationen- und Schauerroman. Es bildet den ersten Teil der international sehr erfolgreich gewordenen Björndal-Trilogie (Bjørndaltrilogien), die auch den Roman Das Erbe von Björndal (1934) und die Novelle Heimkehr nach Björndal (1935) umfasst. Die von Ellen de Boor verfasste deutsche Übersetzung erschien erstmals 1935. Im Juni wurde es im Deutschen Reich zum Buch des Monats gewählt. Daneben wurde der Roman in 29 weitere Sprachen übersetzt. 1944 hatte der Roman in Deutschland eine Gesamtauflage von 565 000 Exemplaren erreicht. In den 50er Jahren lag die Gesamtauflage bei 3,1 Millionen Exemplaren.
Und ewig singen die Wälder war im deutschsprachigen Raum bereits vor dem Zweiten Weltkrieg während der Nazizeit der erfolgreichste ausländische Bestseller, auch der beliebteste Bauernroman. 1950 war er der meistverkaufte Roman überhaupt. In der Nachkriegszeit trug die von Regisseur Paul May für die Wiener Mundus-Film inszenierte gleichnamige Filmadaption (1959) zur erneuten Popularisierung bei.
Der Roman erzählt die Geschichte des norwegischen Waldbauern Dag Björndal, der im späten 18. Jahrhundert durch zielstrebige harte Arbeit zu Wohlstand gelangt, dabei aber zu einem hartherzigen Menschen wird. In sein Leben treten verschiedene weitere Menschen – darunter seine starke, karitativ tätige Frau Therese, seine stille, feingeistige Schwägerin Dorthea und sein zurückhaltender, aber weiser Sekretär, Hauptmann Klinge –, unter deren Einfluss er lernt, dass die wahre Unabhängigkeit, die sein Vater ihn gelehrt hat, nicht durch Autarkiestreben und rücksichtslose Besitzmehrung, sondern nur durch menschliche Anteilnahme und christliche Barmherzigkeit zu erlangen ist.
Handlung und Figuren Erstes Buch mini|hochkant|Ein Waldtroll (gemalt von Theodor Kittelsen, 1899). Von anderen großen europäischen Bauernromanen der Zeit unterscheidet Gulbranssens Werk sich durch die enthaltenen Schauerelemente. Ort der Handlung ist das ländliche Norwegen am Übergang zwischen Tiefebene und Hochwald, die Zeit zunächst die 1760er Jahre.
Rund um das im Tiefland gelegene Gut Björkland treibt ein alter Bär sein mörderisches Unwesen. Weil die Bewohner sich nicht zu helfen wissen, bitten sie Torgeir um Hilfe, den Herrn des oben im Wald gelegenen Bauernhofs Björndal. Der Norden mit seinen dichten Wäldern ängstigt die Bewohner des Tieflands; sie glauben, dass es dort spukt und Trolle und Huldren gibt: „Alles Böse kam von Norden – aus den Wäldern.“ (S. 13) Die Menschen, die dort leben, gelten nicht nur als furchtlose Bärenjäger, sondern die Talbauern sagen ihnen auch Zauberei, Zügellosigkeit und wüste Schlägereien nach. Torgeir tötet den Bären, kommt im Kampf mit dem Tier aber ums Leben.
Nach Torgeirs Tod übernehmen die beiden Söhne, Tore und Dag, den Björndalhof, der unter ihrer Führung zu Wohlstand gelangt. Obwohl sie argwöhnen, dass sie von diesen insgeheim verachtet werden, ergeben sich auch Kontakte zu den Talbauern. Tore heiratet die Tochter des Gistad-Bauern. Einen Rückschlag erleidet die Annäherung zwischen Björndal und den Talbauern, als Dag im Tal auf einer Hochzeitsfeier eine Schlägerei anzettelt.
Auch zur Stadt haben die Brüder Geschäftsbeziehungen aufgenommen, besonders zum Handelshaus Holder. Dag schenkt Therese, der Tochter des Handelspartners, eine goldene Schmucknadel. Nur vage ahnt er, dass sie dieses Geschenk als eine Liebeserklärung deuten wird.
Als Tore mit Frau und Kind bei der Schlittenfahrt über einen zugefrorenen See ins Eis einbricht und ertrinkt, gerät Dag in eine schwere Krise. Er hält den Verlust des Bruders für eine Strafe Gottes und weiß nicht, wie er den Björndalhof ohne ihn weiterführen soll. Der Weg wird ihm dann aber gewiesen durch einen Brief Therese Holders, die verzweifelt einen Ehemann sucht. Dag holt sie als seine Frau nach Björndal, wo auch Thereses Schwester Dorthea ein neues Zuhause findet.
Therese liebt Dag aufrichtig und wächst, was niemand von ihr erwartet hätte, schnell in ihre neue Aufgabe als Bäuerin hinein. Auch bewirken sie und Dorthea in Björndal einige Veränderungen. Die erste besteht darin, Dag, der die Kirche wegen der Feindschaft mit den Talbauern meidet, zum Besuch der Christmette zu bewegen. Freilich fällt Dag dieses Zugeständnis an die Talbauern nicht leicht, und um die Erniedrigung, die er damit vermeintlich auf sich nimmt, wettzumachen, liefert er sich mit den Borgländern – den adligen Herren im Tal und seinen Hauptgegnern – während der Schlittenfahrt zur Kirche ein Wettrennen. mini|Ein traditionelles bäuerliches Kurzbett. Dag zuliebe besteht Therese nicht darauf, ihr aus der Stadt mitgebrachtes bequemes, längeres Bett zu benutzen. Die zweite Veränderung ist der Bau eines neuen Hauses. Therese hat aus der Stadt viele schöne und bequeme Möbel mitgebracht, an denen sie sehr hängt, für die sich auf dem Björndalhof aber keine Verwendung findet. Hauptmann Klinge, ein alter Freund der Holders, schlägt darum einen Neubau vor und führt diesen auch durch. Aus verschiedenen Gründen können Dag und Therese sich am Ende aber gar nicht entschließen, das bisherige Wohnhaus aufzugeben, und so wird der Neubau mit Thereses Möbeln nur für Gäste genutzt. Als Dorthea überraschend stirbt, übersiedelt Hauptmann Klinge ganz nach Björndal. Therese bringt zwei Söhne zur Welt, die – wie Torgeirs Söhne – die Namen Tore und Dag erhalten.
Mehrere Jahre später verletzt Therese sich bei einem Sturz und bleibt danach kränklich und auf den Rollstuhl angewiesen. Die Söhne sind erwachsen. Während eines Festes auf Gut Hovland wird Tore, der ältere der beiden, von Elisabeth von Gall erst ermutigt und dann beleidigt. Er rächt sich, indem er sie zu einem Kuss zwingt. Elisabeths Begleiter, Leutnant Ludwig von Marges, erschlägt ihn deswegen. Bald folgt Therese ihrem Erstgeborenen in den Tod nach.
Zweites Buch Dreißig Jahre nach der Heirat des alten Dag mit Therese. Oberst von Gall hat auf Borgland einen alten Kameraden zu Gast, den Major Barre, der seine Tochter Adelheid mitgebracht hat. Da der Major auch mit Hauptmann Klinge bekannt ist, fahren Vater und Tochter nach Björndal, um den alten Freund dort zu besuchen. Adelheid und der junge Dag verlieben sich ineinander. Weil beide überaus verschlossene Persönlichkeiten sind, ahnt zunächst jedoch keiner von ihnen, dass seine Gefühle erwidert werden.
Zu einem weiteren, längeren Besuch kommen der Major und Adelheid nach Björndal, als Klinge und der alte Dag sie einladen, gemeinsam das Weihnachtsfest zu verbringen. Der alte Dag ist von Adelheids Kultiviertheit so eingenommen, dass er ihr die Goldnadel zum Geschenk macht, die er vor über dreißig Jahren Therese geschenkt hatte. Adelheid und der junge Dag besuchen den Weihnachtsball auf Borgland, wo Dag Adelheid bis fast zum Schluss scheinbar ignoriert, sie dann aber doch zum letzten Tanz bittet.
Adelheid und ihr Vater reisen zurück in die Stadt. Oberst Gall ist in großen Schwierigkeiten. Er hatte Ulrich von Wendt einen Pfandbrief ausgestellt, der nun fällig ist, doch fehlt dem Oberst das Geld. Da die Björndaler die reichsten Menschen weit und breit sind, überwindet er seinen Stolz und bittet den alten Dag um ein Darlehen. Erschrocken erfährt er, dass Dag selbst sich inzwischen im Besitz des Pfandbriefs befindet. Dag hatte den Schuldbrief gekauft, um den Oberst, seinen Erzfeind, vernichtend schlagen zu können. Im ersten Triumph ist Dag entschlossen, dem Oberst das Papier erst zurückzugeben, wenn Elisabeth – der Dag die Schuld an Tores Tod gibt – nicht mehr lebt. Dann erinnert er sich jedoch an Dortheas Mahnung zur Barmherzigkeit und das Bibelwort „Die Rache gehört dem Herrn“ . Er beschließt, Böses mit Gutem zu vergelten. Einen weiteren Anstoß, ein besserer, humanerer Mensch zu werden, empfängt er wenig später aus einem Zwiegespräch mit Hauptmann Klinge.
Gut ein halbes Jahr später. Adelheid wird in der Stadt auf herablassende Weise vom wohlhabenden Apotheker umworben, der sich ihrer sicher zu sein glaubt. Da erreicht sie und ihren Vater die Nachricht, dass auf Björndal Hauptmann Klinge im Sterben liegt. Sie reisen an, gerade noch rechtzeitig, um von Klinge Abschied nehmen zu können. Der alte Dag, dessen Persönlichkeit sich verändert hat und der andere Menschen jetzt mit offenen Augen sieht, erkennt, dass Adelheid ein Herzeleid trägt und dass es sein Sohn Dag ist, den sie liebt. Er arrangiert ein kleines Fest und spricht offen aus, was keiner sonst hat wahrhaben wollen – dass Adelheid und Dag einander lieb haben –, und ebnet dem jungen Paar damit den Weg zur Verlobung.
Figuren Torgeir Björndal Der Vater des alten Dag. Sowohl sein Vater als auch sein Großvater haben im Laufe ihres Lebens jeweils 17 Bären getötet und sind beide beim Kampf mit dem jeweils letzten ums Leben gekommen. Auch Torgeirs Bruder und einer seiner drei Söhne sind im Kampf mit Bären gestorben. Als die Talbauern ihn zur Hilfe rufen, hat Torgeir selbst bereits 16 Bären erlegt. Er weiß, dass der nächste ihn umbringen wird. Da er alt ist und sein Schicksal akzeptiert, geht er sehenden Auges in seinen Tod.
Die Björndaler sind Gegenstand von allerhand Sagen und dunklem Munkeln. So wird geraunt, dass sie die Nachfahren eines vertriebenen Königs seien. Sie können, was für Zeit und Region ungewöhnlich ist, lesen und schreiben. Auch sind sie tiefgläubige Christen, was nur scheinbar im Gegensatz zur Tatsache steht, dass sie niemals zur Kirche gehen. Tatsächlich meiden sie die Kirche, weil sie zum Tal gehört, wo man die Björndaler von Alters her mit Mord, Totschlag und wildem Leben in Verbindung bringt. Diese Verachtung, die die Talbauern ihnen – eingebildet oder tatsächlich – entgegenbringen, sitzt den Björndalern wie ein Stachel im Fleisch und macht sie aufbrausend und rachsüchtig.
Alle Björndaler sind raue Kerle, die sich am wohlsten und nur dann ganz in ihrem Element fühlen, wenn sie in den Wäldern herumstromern können. Sie sind starrsinnig und entziehen sich jeder Veränderung. Immer haben sie ihre Söhne gelehrt, dass das höchste Ziel eines Björndalers darin besteht, seine Unabhängigkeit zu bewahren. Worin genau diese „Unabhängigkeit“ bestehen soll, versäumt Torgeir jedoch seinen Söhnen mitzuteilen.
Der alte Dag Dag ist der jüngere der beiden Söhne Torgeirs. Als sein Bruder Tore ertrinkt, wird er alleiniger Herr von Björndal. Wie alle Björndaler ist Dag ein Raubein; schon mit 16 hat er zum ersten Mal einen Bären erlegt. Ausgangspunkt der Schlägerei, die er auf der Hochzeit in Bohle anzettelt, ist sein Familienstolz, den die Talbauern seiner Meinung nach verletzt haben. Einen seiner beiden Gegner prügelt Dag fast zu Tode, behält davon allerdings eine auffällige Gesichtsnarbe zurück. Einer Verhaftung entgeht er anschließend, indem er auch die Lehnsmänner, die ihn verhaften wollen, verprügelt.