mini|hochkant|Flagge Ägyptens Fußball ist die beliebteste Sportart im nordafrikanischen Staat Ägypten. Die Geschichte des Fußballs reicht in diesem Land bis 1882 zurück und führte in den 1910er-Jahren zu ersten offiziellen Wettbewerben, 1921 zur Egyptian Football Association (EFA) und des Egyptian FA Cup sowie 1948 zur Egyptian Premier League.

Geschichte

Beginn (ab 1882)

Die Geschichte von Fußball in Ägypten geht bis 1882, dem Beginn der britischen Herrschaft in Ägypten, zurück. Da das moderne Fußballspiel im Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland den Ursprung hatte, waren die Briten sehr daran interessiert, „ihr“ Spiel weltweit zu verbreiten. Durch die neuen Kolonien und der Ausbreitung von britischen Militärlagern in der arabischen Welt breitete sich auch das Fußballspiel aus.

Innerhalb der Militärlager wurden Spielplätze gebaut und Torpfosten montiert. Dies wurde von Ägyptern sorgfältig hinter den geschützten Zäunen der Lager beobachtet. Als erste Reaktion der Ägypter war, das Spiel als „seltsam“ zu empfinden. Dies änderte sich jedoch schnell, und Fußball begann, sich auf die Straßen zu bewegen, als die Einheimischen die britischen Soldaten nachahmten. Schnell übernahm die Bevölkerung das Spiel und so verbreitete es sich noch schneller in den großen Städten und Dörfern.

Das Interesse an Fußball breitete sich aus und die Begeisterung nahm zu, was zur Steigerung der fußballspielenden Personen führe. Dadurch konnte 1883 ein erstes Team aus Ägyptern zusammengestellt werden. Diese erste Mannschaft aus dem Jahr 1883 bestand überwiegend aus Spielern aus Kairo, die gegen ihre Mentoren und Lehrer spielten – gegen die Mannschaft der britischen Streitkräfte. Laut ägyptischen Sporthistorikern schlugen die Ägypter unter Führung von Kapitän Mohamed Effendi Nashed die Briten stets, laut Kritikern sei dies ihre Art gewesen, ihre Besatzer in symbolischer Form zu besiegen.

Ein erstes tatsächliche Aufblühen erlebte Sport 1892. Damals wurde Sportunterricht als Pflichtaktivität an Schulen eingeführt, was zur Bildung von Schulfußballmannschaften führte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich die Kultur der Nation scheinbar neu definiert: Fußball breitete sich „in jeden Winkel des Landes und in die Köpfe fast aller Menschen aus“.

Beginn des 20. Jahrhunderts

1903 wurde mit Al-Sekka Al-Hadid die erste Fußballmannschaft gegründet, die heute (Stand: 2022) noch existiert. Diese Mannschaft bestand hauptsächlich aus britischen und italienischen Ingenieuren, die in den Wartungswerkstätten der damaligen Eisenbahnbehörde arbeiteten. Mit der anschließenden Gründung al Ahly SC im Jahr 1907 und des Al-Mukhtalat Club (heute al Zamalek SC) im Jahr 1911 brachte das Spiel eine Welle nationaler Begeisterung und breitete sich auf die Region des Suezkanals und Alexandria aus.

1913 wurde der erste inoffizielle Cup ausgetragen und 1914 wurde der erste Schulfußballwettbewerb organisiert, dessen Siegerteam den Hishmat Pasha-Cup gewann. Der Wettbewerb war eine jährliche Veranstaltung bis 1932: Die Jurafakultät gewann den Pokal sieben Mal, die Ingenieurschule sechs Mal, die Polizeischule zweimal und die Landwirtschafts- und Handelsschulen je ein Mal.

Erste offizielle Wettbewerbe

Die Popularität des Fußballsports war spürbar und der Ruf nach einem offiziellen Verband wurde laut. Am 11. September 1916 trafen sich Vertreter der britischen Streitkräfte und 50 Vertreter der ägyptischen Fußballvereine in Kairo, um die Gründung des Ägyptisch-Englischen Fußballverbandes (EEFA) zu planen. 1916 organisierte die neu gegründete EEFA unter der Schirmherrschaft des damaligen Sultans Hussein Kamil den ersten offiziellen Wettbewerb, bei dem ägyptische und ausländische Teams für den Sultani Cup teilnahmen. In den ersten fünf Jahren dominierte das Team der britischen Streitkräfte den Bewerb. Die Präsenz Einheimischer war erst ab 1921/22 zu spüren, als Al-Mukhtalat Club den Titel gewann.

1920 eskalierte ein Konflikt zwischen der EEFA und der Mixed Association of Sporting Clubs (gegründet 1910 von dem im griechisch-ägyptischen Alexandria ansässigen Anglo Bolanki). Diese Debatte drehte sich um die Frage, wer die ägyptische Mannschaft für die Olympischen Sommerspiele 1920 im belgischen Antwerpen auswählen dürfe. Ägypten verlor im Achtelfinale, der ersten Runde, gegen Italien mit 1:2 und schied dadurch aus dem Bewerb aus. Die Mannschaft wurde von Einheimischen als nicht repräsentativ für Ägypten und den Sport kritisiert. Die Spannungen erreichten ihren Höhepunkt am 3. Dezember 1921 mit der Gründung der Egyptian Football Association (EFA) unter der Leitung von Gaafar Wali Pasha. Dies war ein zeitgemäßes Ereignis angesichts des Starts des ersten offiziellen ägyptischen Wettbewerbs (ägyptischen Fußballpokals, damals Prinz-Farouk-Pokal) zehn Monate zuvor.

Mitglied der FIFA

Die widersprüchlichen Interessen der verschiedenen Fußballverbände bestanden jedoch weiter. 1923 fand eine gemeinsame Sitzung zwischen den Vertretern des Gemischten Verbandes der Sportvereine und der Egyptian Football Association (EFA) statt. Das Ergebnis war die Abgabe aller Pflichten in der Liga durch den gemischten Verband an die EFA. Die Vereinbarung, die am 15. Januar 1923 von der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) anerkannt wurde, wurde am 21. Mai desselben Jahres abgeschlossen und markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des ägyptischen, arabischen und afrikanischen Fußballs. An diesem Tag im Jahr 1923 wurde Ägypten das sowohl erste arabische als auch erste afrikanische Mitglied der FIFA, dem Weltfußballverband.

Im selben Jahr stieg die Zahl der ägyptischen Vereine unter dem Dach der Egyptian Football Association von einer Handvoll auf 25 und erreichte am Ende der 1920er-Jahre die Marke von 55 Vereinen.

Eigene Liga

Es wurde Zeit für eine eigene ägyptische Liga. Daher skizzierte der damalige Generalsekretär der Egyptian Football Association, Mahmoud Badreddin, die Notwendigkeit, eine nationale Fußballliga zu gründen. Diese Idee wurde von Haidar Pascha, Präsident der Egyptian Football Association, übernommen und an König Faruq übermittelt, der selbst ein begeisterter Fußballfan war. 1948 wurde auf königlichen Erlass die erste Fußballliga ins Leben gerufen und das erste Spiel der Saison 1948/49 wurde am 22. Oktober 1948 angepfiffen. Elf Mannschaften nahmen an der Veranstaltung teil: al Ahly SC, Farouq Club (heute al Zamalek SC), Al-Sekka Al-Hadid, Tersana SC, Ismaily SC, al-Masry, Port Fuad, El-Olympi, al-Ittihad Al-Sakndary, Al Teram und Younan Alexandria. Meister der ersten Fußballsaison wurde al Ahly SC und bekam dafür eine 30 Kilogramm schwere Trophäe aus Silber und Holz.

Mit jedem Turnier stieg das Interesse, und die Ägypter entwickelten eine „scheinbar grenzenlose“ Leidenschaft für den Fußballsport. Dieses Interesse führte zur weiteren Ausweitung des Sports sowie wurde zu einer wichtigen Einnahmequelle. Dabei entwickelte sich der Verkauf von Eintrittskarten zur Haupteinnahmequelle für die Vereine. Auch als das Land die Turbulenzen eines sich ändernden Regimes zu spüren bekam, blieb der Sport in der Bevölkerung verwurzelt. Auch der Militärputsch in Ägypten 1952 änderte nur geringfügige Details in der Fußballarena: Der King Farouk Cup wurde in Egypt Cup umbenannt, der Farouk Club wurde zu al Zamalek SC und Abdel-Aziz Abdallah Salem ersetzte Haidar Pasha als Präsident der EFA. Die einzige signifikante Veränderung war die Popularität, die durch die zunehmende Rivalität zwischen al Ahly SC und al Zamalek SC belebt wurde – die Offiziere der Revolution standen im Mittelpunkt dieser Fangemeinde.

Stadion-Ausschreitungen von Port Said

Der Tod von 74 Menschen bei den Stadion-Ausschreitungen von Port Said am 1. Februar 2012 beim Spiel von al Ahly SC gegen al-Masry führte zur Befürchtung, dass die Mitglieder der Ultra-Bewegung bei „künftigen Straßenprotesten noch stärker auftreten werden“. Mitglieder der Ultra-Bewegung, die Al Ahly SC unterstützen, behaupten, die Polizei habe zugesehen und al-Masry-Fans erlaubt, „Jagd auf sie zu machen“.

Die vorläufigen Ergebnisse einer Untersuchung der schlimmsten Ausschreitungen in Ägypten durch einen parlamentarischen Ausschuss machten Fans, die Untätigkeit der Polizei und den Fußballverband für die Ausschreitungen verantwortlich, doch die Mitglieder der Ultra-Bewegung von al Ahly SC hatten eine andere Sicht auf die Ereignisse. Sie behaupteten, sie seien von Mitgliedern der Polizei in Port Said für ihre Beteiligung an den Protesten auf dem Tahrir-Platz im Jahr zuvor und den anschließenden Demonstrationen gegen die Regierung bestraft worden. Teilweise wurde von Rachemorden an al-Masry-Fans und der Polizei gesprochen.

Popularität

Die beliebtesten ägyptischen Vereine sind der in Kairo beheimatete al Ahly SC und der Verein al Zamalek SC aus Gizeh. Weitere bekannte Vereine sein Ismaily SC, al-Masry, Al-Ittihad Al-Sakndary und Pyramids FC.

Fußball in Ägypten wird als „so politisch wie in kaum einem Land“ beschrieben. Seit Jahrzehnten werde Fußball von Politikern für ihren Machterhalt genutzt, jedoch auch als „Ort der Mobilisierung“ gefürchtet. Wie der Fußball durch das Militär und den Staat immer wieder instrumentalisiert wurde, und wie sich das Militär sich den Fußball auch immer mehr angeeignet hat, sei dadurch zu erkennen, dass 16 von 22 großen Stadien in Ägypten von militäreigenen Baufirmen gebaut worden sind. Dazu komme, dass gut die Hälfte aller Vereine in Ägypten dem Staat direkt gehören würden. Auch war Staatsoberhaupt Gamal Abdel Nasser Ehrenpräsident von al Ahly SC.

Ultra-Bewegung

Die Ultra-Bewegung tauchte in Ägypten um 2007 auf. In vielerlei Hinsicht sind sie eine Art „Verlängerung“ gleichgesinnter Gruppen in Südeuropa, insbesondere in Italien. In Ägypten bekamen sie Anhänger unter vielen unzufriedenen Jugendlichen, die Kameradschaft und der Missachtung der Autorität, vor allem der Polizei, der am meisten gehassten aller Institutionen der Mubarak-Ära, suchten. Ein Ultra zu sein, gab ihnen auch das Gefühl, zu einer großen Gemeinschaft zu gehören, die außerhalb ihrer eigenen Grenzen von Armut und Entrechtung operierte. Die Ultra-Bewegung würde ihnen eine Welt voller Leidenschaft für das Team ihrer Wahl bieten und singt Texte, die sich auf die Sehnsucht nach Freiheit beziehen.

Die Ultra-Bewegung wird als teilweise als „Gegner der regierenden ägyptischen Generäle“ betrachtet. Besonders konnte dies ein Jahr nach dem Sturz von Staatsoberhaupt Husni Mubarak beobachtet werden. Zehntausende Mitglieder der Ultra-Bewegung, allgemein als Hooligans angesehen, schlossen sich der Revolution in Ägypten 2011 an. Seit damals sind sie fester Bestandteil der Protestbewegung in Ägypten. Ein Jahr darauf hieß es, die Mitglieder der Ultra-Bewegung könnten „die Machtergreifung der Generäle ernsthaft in Frage stellen“ und „ihre Popularität weiter untergraben“. Mitglieder der Ultra-Bewegung wurde zugeschrieben, eine Schlüsselrolle den Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz gespielt zu haben, zuerst gegen die Bereitschaftspolizei und später gegen Mubarak-Loyalisten.

Ihre Feindseligkeit gegenüber der Polizei hatte einen Preis. Unter Mubarak wurden viele Mitglieder der Ultra-Bewegung von der Polizei festgenommen, gefoltert und eingeschüchtert. Zu ihrer „großen Bestürzung“ wurden ihnen an den Toren der Stadien in ganz Ägypten Feuerwerkskörper und Lichtfackeln weggenommen. Sportkommentatoren, von denen viele dem Mubarak-Regime treu ergeben waren, hatten nichts als „Verachtung“ für sie übrig.

Die „Ultras“ würden für „Politisierung der Gesellschaft“ in Ägypten stehen. Regierung betrachte Ultras als Terroristen, ihre Gruppen seien verboten.

Vereinsmannschaften

Egyptian Premier League