Kale-i Tavas ist eine alte in Ruinen liegende Festungsstadt 43 km (auf der Straße etwa 70 km) südsüdwestlich von Denizli in der türkischen Provinz Denizli in Südwest-Anatolien. Sie befindet sich auf einem isolierten Felsplateau unmittelbar südlich der Kreisstadt Kale (Denizli) am südlichen Ende der Tavas-Ebene (Tavas Ovası). Die Stadtwüstung mit den geographischen Koordinaten 37° 26′ N, 28° 51′ O breitet sich auf den Resten der antiken Stadt Tabae aus. Der seit der Antike besiedelte Ort wurde aufgrund von schweren Bergrutschen in den 1960er Jahren zu Gunsten einer Neusiedlung von der Bevölkerung verlassen.
Zur Lage der Stadtwüstung Kale-i Tavas links|mini|Die Karte zeigt die Lage der Stadtwüstung Kale-i Tavas zu den wichtigsten Siedlungen der Tavas-Ebene im Süden der Salkbakos Dağları südlich von Denizli. Die Reste der alten Stadt Kale-i Tavas (auch Davaz, Kale Davaz, Kale Tavas; in der Antike Tabae) liegen in der Ägäisregion im Südwesten der Türkei innerhalb des İlçe (Kreis) Kale in der türkischen Provinz Denizli etwa 1 km südlich der Kreisstadt Kale und 500 m westlich der Fernstraße von Denizli nach Muğla am südlichen Ende der 26 km langen und bis zu 15 km breiten Ebene von Tavas, die umgeben ist vom Babadağ im Norden, Bozdağ im Süden und den Kızılhisar Dağları im Osten und sich in nordnordöstlicher Richtung zu den Salbakos Dağları (Akdağ/Babadağı) hinzieht. Die antike und zugleich „moderne“ Stadtwüstung erstreckt sich auf einem 1100–1150 m hohen natürlichen Felsplateau in Nachbarschaft der antiken Stätten Apollonia Salbake (bei Medet), Herakleia Salbake (bei Vakıf-Kızılcabölük) und Sebastopolis (bei Kızılca-Tavas) im Südosten von Aphrodisias (Geyre bei Karacasu).
Namensgebung Bereits in der mittleren bis späten Bronzezeit war der Name des Ortes Tabae/Tabai (Τάβαι). Tabae, das in der Antike und vor allem in der Römerzeit als gut entwickelte Siedlung galt, wird auch in schriftlichen Quellen aus dieser Zeit erwähnt. Von der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. erscheint der Name auf Münzen der Stadt. Einige Autoren argumentieren, dass das Wort „Tabai“ etymologisch „Felsen“ bedeutet, und da die Stadt „Tabae/Tabai“ auf einem felsigen Plateau gegründet wurde, wird in verschiedenen Quellen angegeben, dass sie wegen dieser Lage diesen Namen angenommen habe. In den byzantinischen Quellen des 8. und 12. Jahrhunderts n. Chr. wird der Name der Stadt als „Tabenos“, „Tabenon“ und „Tabea“ erwähnt. Etwa seit 1330 taucht es in den Quellen als „Kale-i Tavas“ u. a. im Zusammenhang mit den Beylik (Fürstentum) Menteşe auf, im 16. Jahrhundert auch als „Nefs-i Tavas“. Von der Bevölkerung wird Kale-i Tavas auch als „Eski Kale“ (Alte Burg) bezeichnet.
Klima und Vegetation mini|Das Klima-Diagramm verdeutlicht die wichtigsten mittleren klimatischen Daten der Klima-Station Tavas in der Provinz Denizli (Türkei). Die aufgegebene Stadt Kale-i Tavas im Gebiet der Inneren Ägäisregion in den nordöstlichen Ausläufern der Doğu Menteşe Dağları (Östliches Menteşe-Bergland) steht klimatisch und vegetationsgeographisch, ebenso wie ihre unmittelbar benachbarte junge Nachfolgesiedlung Kale, in der Übergangszone zum Mittelmeerraum und damit unter dem Einfluss des mediterranen Klimas. Entsprechend sind die Sommer heiß und trocken und die Winter mild und regnerisch. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 653,9 mm. Die vorherrschende Windrichtung kommt fast das ganze Jahr über aus westlichen Richtungen. Der Januar ist der Monat mit den meisten Niederschlägen. Somit bildet die mediterrane Flora die vorherrschende natürliche Vegetation. Dies sind Macchiebestände und Nadelwälder, darunter reine Schwarzkiefern- (Pinus nigra, Karaçam), Rotkiefern- (Kızılçam, Pinus brutia) und vereinzelt Wacholderwälder, die insgesamt eine große Fläche einnehmen. Neben Macchie-Arten findet man einzeln und in kleinen Gruppen verschiedene Eichenarten, Zedern, Terebinthe, wilde Olive, Erle, Platane und Ulme. Außerdem gibt es in den Wäldern einjährige krautige Pflanzenarten wie Süßholz und Thymian. Allerdings wurden im Umfeld der Tavas Ovası zwischen Tavas, Kale und Kızılcabölük und am Bozdağ und Gölgeli Dağ im Südosten die meisten Wälder zerstört, Buschgemeinschaften traten an ihre Stelle, und die Walddecke zeigt ein eher fragmentiertes Erscheinungsbild. Wo sich zersplitterte Strauchgesellschaften und Waldgebiete auf engstem Raum verändern, weisen die Schwarzkiefern von teilweise über 20 Metern Höhe darauf hin, dass die Region früher das Verbreitungsgebiet der Schwarzkiefernwälder war. Unter dem Wacholderwald, der ab etwa 1350 m an den Nordhängen beginnt, dominiert die (zumeist degradierte) Kermeseiche (Quercus coccifera), die in den umliegenden Gebieten dicht vorkommt.
Geologisch-tektonische Situation von Kale-i Tavas Das jüngere Schicksal der Festungsstadt ist eng verbunden mit der geologisch-tektonischen Struktur ihres Umfeldes. Eine erste und bereits recht deutliche Beschreibung dieser geologischen und geomorphologischen Situation der Bergsiedlung Kale-i Tavas und ihrer Umgebung skizzierte Alfred Philippson 1904: „Von Jerengüme [heute Tavas] erblickt man im Südwesten jenseits der tischgleichen Hochebene [Tavas Ovası] eine Hügelgruppe, die von dem östlichen Randgebirge vorspringt, und in dieser Gruppe eine von Gebäuden gekrönte tafelförmige Höhe; das ist Kale-Davas, der historische Hauptort der Landschaft, das alte Tabai, welches schon im Altertum der Hochebene den Namen gegeben hat. Beim Marktflecken Kirkas (mit Basar), wendet sich der Rand des Kalkgebirges scharf und gradlinig nach SW, und vor ihm liegt ein sanft ansteigendes, von vielen Tälchen und Runsen zerschnittenes Gelände aus graugrünem, flyschartigem Sandstein und gelblichem Mergelschiefer, auch darin eingelagertem Konglomerat. Diese aufgerichteten Schichten sind vielfach diskordant von jungtertiärem Konglomerat und jungem Schutt bedeckt. Zur Linken haben wir das Kalkgebirge (1500 m), zur Rechten einen Tafelberg aus ganz flach nach SO geneigten Jungtertiärschichten, die über dem flyschartigen Sandstein mit steilem Erosionsrand aufragen. Das ist der Tschapas [Çapas Dağı?] (1200 m): vor uns aber, zwischen diesem und dem Kalkgebirge, eine breite Einsattlung in dem flyschartigen Sandstein, aus deren Mitte der kleine, aber steile Tafelberg von Kale-Davas (1103 m) aufragt, indem er die Einsattlung in zwei Paßfurchen zerlegt. So beherrscht er, mit seinen Steilwänden leicht zu verteidigen, diesen Durchgang. Der kleine Tafelberg von Kale-Davas ist von zwei tiefen Schluchten umgeben, die vom östlichen Gebirge herkommen, östlich des Tafelberges nur einen schmalen Rücken von Flysch zwischen sich lassen, dann den Berg auf beiden Seiten umfassen und sich im Südwesten vereinigen. So kann man die Höhe nur durch steile Pfade erklimmen; unser Weg, von Norden her, hat erst die nördliche Schlucht auf einer Brücke zu überschreiten.“
Nach jüngeren geologischen Untersuchungen wurde die Stadt Tabae (Kale-i Tavas) auf einer marinen Kalksteineinheit (Kale-Formation) aus dem unteren Miozän gegründet (oberes Aquitanium - Burdigalium). In dem etwa 1 km² großen Stadtgebiet gibt es nur zwei lithologische Einheiten. Die unteren Schichten (Mortuma- und Yenidere-Formationen), kiesige, sandige und lehmige Einheiten, haben eine Neigung von ungefähr 55°. Oberhalb befindet sich eine geschichtete Kalkstein-Mergel-Einheit (Kale-Formation) mit einer durchschnittlichen Mächtigkeit von 15 m und einer Neigung von etwa 10°. Die Dicke des Kalksteins ist nicht überall gleich und variiert zwischen 7 m und 20 m. Zwischen den beiden geologischen Einheiten besteht eine deutliche Diskordanz.
Die Mortuma-Formation steht im Allgemeinen in Kontakt mit den Grundgebirge. Ihr unterer Teil besteht aus gelblich-braunen, kreuz- und parallel geschichteten Konglomerat- und Sandsteinlagen; der obere Teil besteht aus gelblich, braun, grau und grün gefärbtem Konglomerat, zumeist mit quer und parallel gelagerten Sandstein- und dünnen Braunkohleschichten, Schluff- und Tonstein im Wechsel, beginnend mit gelblichem, braunem, grauem und grünem Konglomerat. Die darauf innerhalb der Motuma-Formation folgende Yenidere-Schicht ist weitgehend gelblich-braun und grau gefärbt, schlecht sortiert, oft dünn, aber auch dick bis sehr dick gebettet. Es sind Konglomerate, laminierter, kreuz- oder parallel gelagerter, halbeckiger, kiesiger, schlecht sortierter, blockartiger Tonstein, toniger Kalkstein mit dazwischen gelagertem Schluffstein, Tonstein und grobem Sandstein sowie sehr locker verankerten schluffigen Sandsteinschichten.
Die Kale-Formation überlagert diskordant die Mortuma-Yenidere-Formationen. Ihre Schichten weisen darauf hin, dass sie zusammen mit alluvialen Fächern in einer flachen Kalksteinplattform (Schorre, Abrasionsplattform) abgelagert wurde. Sie hat im Allgemeinen eine gelblich-weiße Farbe, beginnt mit Konglomerat und Sandstein im Wechsel und enthält von Ort zu Ort Tonstein-Einlagerungen. Danach geht sie in Kalksteine über mit blockigen Sandsteinen, Kieseln und Makrofossilien an deren Basis. Nach dünnen, tonigen Kalksteinen, bioklastischen fossilienreichen Kalken der Künar-Formation (zumeist Packsteine und lokal Kornsteine) folgen dicke bis sehr dicke, parallel geschichtete Riffkalke (sogenannte Fleckenriffe). Diese Kalkschichten liegen dort leicht geneigt weitgehend horizontal und zeigen bei 50° NW/10°NO deutliche tektonische Störungen. Ihre Dicke variiert zwischen 7 und 20 m. Sie bilden Steilwände an den Siedlungsrändern, wo Massenbewegungen, wie Steinschlag, Erdrutsche etc., hin und wieder auftraten und noch auftreten. In Studien wurden in diesen Schichten Fossilien, wie Miogypsina sp., Miolepidocyclina sp., Amphistegina sp. und Borelis sp., Turritella, Ostrea (Auster, z. B. Hyotissa hyotis), Rotalgen und Korallen (Porites, Tarbellastraea) sowie benthische Foraminiferen gefunden, die in einem flachen und tropischen Meer lebten und auf einen Wechsel zwischen Festland- und Meeresablagerungen hinweisen. Sie sind beim Rundgang durch das Gelände mit bloßem Auge zu erkennen. Anhand von Dünnschliffen des Kalksteins ließ sich zudem eine große Menge an Mikrofossilien nachweisen.
Diese Kalksteine aus dem unteren Miozän treten auch um den Kepez Tepesi (auch Bayrak Tepesi) im Nordwesten der Stadt zutage. Sie eignen sich sehr gut zum Schneiden, Aushöhlen, Ausschachten, Bearbeiten und Formen als Bausteine und wurden in Tabae für verschiedenste Zwecke verwendet, u. a. auch in unterirdischen Strukturen. In diesem Zusammenhang ist das lokale städtische Wassersystem in Tabae bzw. Kale-i Tavas in seiner Vernetzung und aufgrund der Art und Weise, wie es eingesetzt wurde, einzigartig. In den Mergel- und Kalksteinformationen von Tabae wurden die Felsen je nach Feuchtigkeitsgehalt und Bearbeitbarkeit leicht ausgeräumt und große unterirdische Wasserspeicher und „Wasserleitungssysteme“ geschaffen, indem man natürlichen Rissen und Klüften im Gestein und auch Verwerfungen folgte oder bestehende Hohlräume (Karsthöhlen) erweiterte, um große Mengen Niederschlagswassers für eine sofortige, schnelle und bedarfsdeckende Versorgung von Wohnungen und Werkstätten aufzunehmen und bereitzustellen, wo es jederzeit, vor allem auch in regenarmen Jahreszeiten, verfügbar war. So gibt es unter dem Stadtgebiet zahlreiche wasserspeichernde Strukturen. Nur ein Teil solcher unterirdischen Hohlräume konnte bisher lokalisiert werden. Nachgewiesen sind allein 366 Belüftungs- oder Beleuchtungsschächte, zudem künstliche Zisternen, ausgeschachtete Brunnen, unterirdische Galerien, Stauräume usw. Gegenwärtig sind die meisten dieser Wassersysteme mit eingespültem Schutt verfüllt und warten auf die Freilegung. In Zeiten ihrer Nutzung waren ihre Öffnungen mit einer beträchtlichen Menge Schutt kaschiert worden, um ihren Standort zu verbergen und vor menschlichen Eingriffen zu schützen und auch um das Austreten von Wasser zu verhindern.