Die Focke-Wulf P 195 war das Projekt eines deutschen Großraum-Transportflugzeugs aus dem Zweiten Weltkrieg.
Geschichte Die Arbeiten zur Entwicklung eines Ganzmetall-Tiefdeckers, der 30–40 t Fracht in einer Höhe von 2000 m bis zu 1500 km weit befördern sollte, begannen 1942. Die Leistungsberechnungen dazu wurden im Frühling und Sommer des Jahres von Janson Voigtsberger in der Abteilung Flugmechanik-L bei Focke-Wulf durchgeführt. Es wurden zwei Entwürfe mit sechs bzw. acht Motoren ausgearbeitet, die die Nummern 246 und 249 erhielten, weshalb sich in der Literatur manchmal auch die (nicht korrekten) Typbezeichnungen Fw 246 und Fw 249 finden lassen. Voigtsberger untersuchte verschiedene Antriebe, um die optimale Kombination aus Zelle und Motor zu ermitteln. In die engere Auswahl kamen die Antriebe BMW 801, BMW 802, DB 603 und Jumo 222. Am Ende kam er zu dem Schluss, dass der Einbau von acht Jumo 222 die besten Leistungen erbringen würde. Mit dieser Konfiguration wäre die P 195 das wahrscheinlich größte Flugzeug des Zweiten Weltkriegs geworden. Der Frachtraum hätte die Beförderung eines Panzer III oder Panzer IV zuzüglich zweier weiterer Fahrzeuge ermöglicht. Beim Einbau eines Zwischendecks wäre die P 195 in der Lage gewesen, bis zu 400 vollausgerüstete Soldaten zu befördern. Eine an der Decke befindliche und über die gesamte Frachtraumlänge von 26 m bewegliche Laufkatze mit 3 t Tragkraft sowie eine Winde mit zweimal 10 t Zugkraft hätten die schnelle Be- und Entladung auch schwerer Lasten über eine im hinteren Teil befindliche, absenkbare Ladeklappe möglich gemacht. Um beim Bau wertvolles Leichtmetall einzusparen, wurde auch die Verwendung von Stahl vorgesehen. Die Untersuchungen ergaben, dass ein Anteil von 20 bis maximal 25 % Stahl an der Gesamtkonstruktion die beste Kombination aus Leistung und Masse wäre.
Im August 1942 reichte Focke-Wulf sowohl den Entwurf mit sechs als auch mit acht Motoren beim Reichsluftfahrtministerium ein. Ein Auftrag zur Verwirklichung wurde für keinen von beiden erteilt und als die Entwicklung des Jumo 222 ein Jahr später eingestellt wurde, beendete man auch das Projekt 195 endgültig.
Technische Daten
Kenngröße Daten (Nummer 249) Besatzung 7–9 Spannweite 58 m (Nr. 246: 56 m) Länge 47 m (Nr. 246: 43 m) Höhe 11,80 m Flügelfläche 460 m² Flügelstreckung 7,3 Rüstmasse 60.000 kg Zuladung 52.000 kg Nutzlast 40.800 kg (Nr. 246: 30.000 kg) max. Startmasse 112.000 kg Antrieb acht flüssigkeitsgekühlte 24-Zylinder-Reihensternmotoren Typ Junkers Jumo 222 Startleistung je bei 2.900/min Höchstgeschwindigkeit 490 km/h in 3.600 m Höhe Marschgeschwindigkeit 400 km/h in 3.600 m Höhe (Nr. 246: 370 km/h) Landegeschwindigkeit 135 km/h max. Steigleistung 4,7 m/s Dienstgipfelhöhe 7.100 m Reichweite norm. ca. 1.500 kmmax. 2.100 km Startrollstrecke 800 m Startstrecke auf 20 m 1.400 m Bewaffnung je ein 15- oder 20-mm-Zwillings-MG 151 in vier Abwehrständen
Literatur Herbert Ringlstetter: Focke-Wulf P 195. Eine neue Dimension. In: Flugzeug Classic Nr. 4/2022, Geramond, München, , S. 56–63. Dieter Herwig, Heinz Rode: Geheimprojekte der Luftwaffe. Band II: Strategische Bomber 1935–1945. Motorbuch, Stuttgart 1998, ISBN 3-613-01788-1, S. 49/50. Reinhold Thiel: Focke-Wulf Flugzeugbau. Hauschild, Bremen 2011, ISBN 978-3-89757-489-2, S. 242. Heinz J. Nowarra: Die deutsche Luftrüstung 1933–1945. Band 2: Erla–Heinkel. Bernard & Graefe, Koblenz 1993, ISBN 3-7637-5466-0, S. 127.
Kategorie:Focke-Wulf Kategorie:Nicht realisiertes Militärflugzeugprojekt (Deutschland) Kategorie:Transportflugzeug Kategorie:Sechsmotoriges Flugzeug mit Kolbenmotoren Kategorie:Achtmotoriges Flugzeug mit Kolbenmotoren Kategorie:Flugzeugtyp des Zweiten Weltkrieges (Deutsches Reich)