mini|Nordwestansicht mit Sakristei (li.) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.9|Logo EKBO Kirchenkreis Barnim mini|Dorfkirche Birkholz (bei Bernau) als Modell 1ː100 mit der turmlosen Kirche im Hintergrund. Die evangelische Dorfkirche Birkholz ist eine frühgotische Feldsteinkirche im Ortsteil Birkholz der Stadt Bernau bei Berlin im Landkreis Barnim in Brandenburg. Die Kirche und die Kirchengemeinde gehören seit dem 1. Januar 2026 zur Evangelischen Kirchengemeinde Bernau im Evangelischen Kirchenkreis Barnim im Sprengel Potsdam der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
Architektur und Ausstattung mini|links|hochkant|Kirchenstempel der Gemeinde Birkholz (Bernau bei Berlin) Kreis Niederbarnim nicht mehr gültig! (Darstellung der Kirche vor 1827) mini|Flacher Abschluss des Ostgiebels als typisches Element eines Rechteckchores mini|Gotisches Spitzbogenportal aus dem 16. Jahrhundert mini|Sicherung des Jochbogens 2016 mini|Ehemalige Kirchenansicht vor der Sprengung 1972 mit Kanzel li. (Fragmente vorhanden), Kronleuchter (verloren), Taufbecken (verloren) und Altar mit historischem Altaraufsatz (zerstört) mini|Evangelist Matthäus mit einem geflügelten Kind von 1681, Kanzeltafelfragment der zerstörten Kanzel, wiederentdeckt 2013 mini|Engelskopf Fragment der zerstörten Kanzel der Dorfkirche Birkholz (zurückgegeben 2014) Die Feldsteinkirche stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Eine dendrochronologische Untersuchung von Resten des Dachstuhls datierte die Fällung der Bäume auf das Jahr 1266.Mara Pinardi, Sebastian Stedtfeld, Nicola Lorenz: Erreichtes & Online Museum Birkholz Erhaltungsstrategien für Kirchen. Erforschung und Dokumentation als Erhaltungsstrategie (am Beispiel der Dorfkirche Birkholz/Barnim) (PDF)
Das Gebäude mit eingezogenem Rechteckchor ist 25 m lang. Ursprünglich hatte es einen Westturm aus Feldsteinen, der wie das Kirchenschiff 10 m breit war.
Im Landbuch Karls IV. von 1375 besaß die Kirche 1 Hufe, drei Wiesen. Dem Pfarrer gehörten 4 Hufen und jährlich erhielt er von der Windmühle am südlichen Rande des Dorfes ein Huhn und 6 Scheffel Roggen. Das Pfarramt war vor der Reformation nicht mehr besetzt und wurde von einem Geistlichen aus Bernau verwaltet.
Im 15. Jahrhundert wurde unter dem Dach der Kirche ein Gewölbe eingezogen und die Südvorhalle angebaut. Dabei wurden die ursprünglichen Lanzettfenster zu Spitzbogenfenstern erweitert oder vermauert. An der Nordwand sind noch zwei vermauerte Lanzettfenster und die ebenfalls vermauerte Priesterpforte zu erkennen. Im 16. Jahrhundert erhielt das Gebäude am Nordrand des Chors eine Sakristei.
Nach der Reformation im Jahr 1575 wurde die Kirche von Birkholz als Filialkirche von Schwanebeck geführt.Ernst Fidicin: Geschichte des Kreises Teltow. Geschichte des Niederbarnims. 1857, S. 44 Birkholz. (books.google.de)
Im Jahr 1541 bekam die Kirche von der Gemeinde Tempelhof einen neuen Kelch, nachdem der alte Kelch gestohlen worden war, und 1598 als evangelisches Prinzipalstück ein neues Taufbecken. Ein 1599 begonnenes Kirchenbuch ist noch heute im Besitz der Kirchengemeinde.
Eleonora Freifrau von Pölnitz (* ca. 1620; † März 1700) stiftete 1681, zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes Gerhard Bernhard von Pölnitz, die Kanzel für die Kirche. Ihr Vater war Fürst Moritz von Oranien, Graf von Nassau-Dillenburg (* 13. November 1567 in Dillenburg, gestorben 23. April 1625 in Den Haag).
Der Mühlenmeister Karl Hindenberg schenkte 1821 der Birkholzer Kirche einen Kronleuchter aus Kristallglas.
Am 8. Oktober 1827 zerstörte ein Feuer den Turm, den Otto Carl Friedrich von Voß hatte erbauen lassen.Erreichtes & Online Museum Birkholz Auszug aus Fischers Pfarrerbuch II 734 s. Namensverzeichnis (Forschung Birkholz) Im Sommer 1829 wurde der klassizistische Turm im Auftrag seiner Söhne, Friedrich Wilhelm Maximilian (* 3. Mai 1782; † 28. Februar 1847) und Karl Otto Friedrich (* 26. September 1786; † 3. Februar 1864) von Voß-Buch, neu errichtet. Den Entwurf und die Bauleitung übernahm der königliche jüdische Regierungsbauinspektor Salomo Sachs, Kollege von Karl Friedrich Schinkel, als verantwortlicher Landbaumeister im vierten Baubezirk des Regierungsbezirks Potsdam. Die Dachdeckung mit Zinkblech übernahm Carl Justus Heckmann und die Vergoldungen, zum Beispiel des Turmkreuzes, führte Carl August Mencke aus Berlin aus.
Im Zweiten Weltkrieg suchten die sowjetischen Truppen nach deutschen Scharfschützen, die sich teils in Kirchtürmen verschanzt hatten und beschossen den Turm. Über die Jahre wurde der Schaden nur notdürftig geflickt und Regenwasser konnte eindringen; den hölzernen Turmhelm befiel in der Folge der Hausschwamm. Dadurch neigte sich die geschwächte Turmstruktur bis 1972 in westlicher Richtung und drohte auf die Dorfstraße zu stürzen, weshalb die Straße von 1966 bis 1972 gesperrt war.
Der damalige Gemeindekirchenrat veranlasste die Sprengung des Turms am 19. Oktober 1972, unter Protesten der Birkholzer Gemeindemitglieder.Sprengungsbericht des Turms der Dorfkirche Birkholz von 1972 (PDF) Erreichtes & Online Museum Birkholz Die Sprenglöcher wurden zu tief gesetzt und Trümmerteile stürzten unterhalb des Kirchendachs ins Kirchenschiff. Der Turm fiel mit den Kirchenglocken in Richtung Westen zur gesperrten Straßenseite.Sascha Topp: Kirche des Monats September: Die Dorfkirche Birkholz im Barnim – ein Ortsteil von Bernau. veröffentlicht in Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, Infobrief September 2025, S. 1 und 2. Dabei entstand großer Schaden an wertvollen historischen Kulturgütern, die nicht vorher beräumt wurden und am eigentlichen Kirchenbau, von dem nur die Chorseite erhalten blieb. Durch den ungesicherten Leerstand stürzte über die Zeit auch das Kirchendach ins Kirchenschiff und die wertvollen Ausstattungsgegenstände waren der Mitnahme und dem Vandalismus ausgesetzt.
Gesichert werden konnten aus den Trümmern die Turmrollen aus der zerstörten Bekrönung des Turms.Übersetzung der Turmrollen, die nach der Sprengung im Turmkreuz gefunden wurden Erreichtes & Online Museum Birkholz Erst nach der Wende wurde 1990 mit der Sicherung und Restaurierung der noch vorhandenen Teile der Kirche begonnen. Der Chorraum konnte weitgehend wiederhergestellt werden. Im Jahr 1993 wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt.Verzeichnis der Denkmale Im Jahr 2001 bedeckte die Kirchengemeinde das offene Kirchenschiff mit einem flachen Glasdach.
Von 2002 bis 2024 kümmerte sich der Förderverein Dorfkirche Birkholz e. V. um Mittel zur Wiederherstellung der Silhouette der Kirche mit Turm von 1829.
Zu den Festlichkeiten 750 Jahre Dorfkirche Birkholz im Jahr 2016 konnte die Kirchengemeinde den einsturzgefährdeten Jochbogen durch eine Holzkonstruktion sichern.
Die Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Birkholz mini|1831-05-23 Geburtsurkunde mit Siegel Kirchengemeinde Schwanebeck-Birkholz Da die evangelische Kirchengemeinde kein eigenes Pfarramt besaß, wurde sie deshalb bis 1970 vom Pfarramt in Schwanebeck mit betreut.
(Quelle: Olaf Kaden, „Birkholz, Ortschronik des Dorfes, anno 2002. S. 25“)
Nach 1970 Betreuung für Schwanebeck und Birkholz durch Lindenberger Pfarrer Februar 1971–Dezember 1979 Leisterer August 1980–Juni 1993 Mietz November 1994–Juli 1997 Well (als Vakanzverwalter) September 1997–Dezember 2025 Ralf Wenzel (Quelle: Der Kirchenbote September – November 2010)Erreichtes & Online Museum Birkholz; Pfarrer der Dorfkirche Birkholz und eine kleine Chronik von Schwanebeck
Ab 2026 Betreuung für Birkholz durch Bernauer Pfarrer 1. Januar 2026 Pfarrerin Konstanze Werstat
Neubau der südlichen Friedhofsmauer 2017 bis 2018 mini|Apfelbaum vor der neuen Kirchenmauer und der Dorfkirche Birkholz (Bernau) Als Geschenk der Stadt Bernau an die Kirchengemeinde Birkholz, wurde die südliche Friedhofsmauer, nach Fertigstellung des Dorfgemeinschaftshauses 2016, am 5. Mai 2018 feierlich eingeweiht und als Symbol vom ehemaligen Förderverein Dorfkirche Birkholz e.V. ein Apfelbäumchen gepflanzt. Der Wortlaut der Gedenktafel am Baum: Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Reformator Martin Luther Dieses Bäumchen soll uns als Orientierung für die Erhaltung einer friedlichen, menschlichen und umweltfreundlichen Welt dienen. Gedanken der Reformation Gepflanzt am 4. Mai 2018
Malus „Edelborsdorfer“ Älteste Apfelsorte Deutschlands - Mutter des ‚Martin Luther‘ -
Festliche Einweihung des neuen Altarbildes am 4. April 2026 mini|Ehemaliges Altarbild der Dorfkirche Birkholz (Bernau) (mögliche Zuschreibung Karl Christian Andreae) mini|Altarbild „Auferstehung“ der Künstlerin Isabel Lorenz in der Dorfkirche Birkholz (2026), Öl auf Leinwand (220 × 125 cm) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.4|Künstlersignatur der Schleswig-Holsteinischen Malerin Isabel Lorenz mini|Altaransicht mit dem neuen Bild „Auferstehung“ der Künstlerin Isabel Lorenz Durch die Sprengung der Kirche im Jahr 1972 und den nachfolgenden ungeschützten Leerstand, wurde auch das Altarbild zerstört. Die junge aus Schleswig-Holstein stammende Künstlerin Isabel Lorenz (* 2004 in Ratzeburg) schuf auf Initiative von Gemeindemitgliedern ein stilvolles Gemälde in der Kunst der alten Meister mit dem Titel Auferstehung. Sie malte das Werk in Anlehnung an das Bild im verloren gegangenen Altaraufsatz; in einem feierlichen Gottesdienst am 4. April 2026 wurde das Gemälde in Gegenwart der Malerin enthüllt. Es ist mit einer Größe von 2,20 mal 1,25 Metern das bisher größte von ihr geschaffene Bild.
Dorfkirche des Monats 2025 September Dorfkirche des Monats Erfolgreiches Scheitern aus den Trümmern einer ruinierten Kirche, Sascha Topp vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg 2007 Juli Dorfkirche des Monats vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg
Literatur Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 88.
Siehe auch Liste von Kirchengebäuden im Landkreis Barnim Liste der Baudenkmale in Bernau bei Berlin Liste von Dorfkirchen in Brandenburg Offene Kirchen eine Initiative des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.
Weblinks
Offizielle Webseite der Gemeinde Offizielle Webseite Kirche Barnim Region Bernau Bilderserie vom neuen Altarbild (4. April 2026) auf instagram.com/
Einzelnachweise
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