Heinz Kraut (auch Heintz Craut oder Heinz Krawt geschrieben; * ? in Esperstedt?; † 26. Januar 1536 in Jena) war ein thüringischer Schneider, täuferischer Sendbote im Nordwesten Thüringens und im Südharz sowie ein Märtyrer der Täuferbewegung.
Leben mini|Gedenkstein für die Bauernschlacht bei Frankenhausen, an der auch Heinz Kraut teilnahm Über Herkunft und Jugend Heinz Krauts schweigen die Quellen. Belegt ist nur, dass er lese- und schreibkundig war sowie seinen Lebensunterhalt mit dem Schneiderhandwerk verdiente. Kraut lebte in Esperstedt (heute ein Ortsteil von Bad Frankenhausen/Kyffhäuser)GAMEO: Kraut, Heinz (d. 1536) und war verheiratet. Seine Ehefrau, deren Namen unbekannt ist, war ebenfalls eine Anhängerin der Täuferbewegung. Man hatte sie wegen ihres Glaubens Anfang November 1535 festgenommen und in das Gefängnis zu Donna bei Gotha (heute: Gräfentonna) verbracht.Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526–1584. Band II der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens. Verlag von Gustav Fischer: Jena 1913. S. 181; 398; siehe dort auch Anmerkung 6) Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Auch die Frage, ob Kinder aus der Ehe hervorgegangen sind, kann nicht beantwortet werden.
Bauernkriegsteilnehmer Heinz Kraut war Teilnehmer des Deutschen Bauernkriegs und kämpfte im Mai 1525 auf Seiten von Thomas Müntzer in der Schlacht bei Frankenhausen. Seinen revolutionären Überzeugungen blieb er bis an sein Lebensende treu.James M. Stayer: Anabaptists and the Sword. Wipf and Stock Publishers: Eugene/Oregon, 2002 (Nachdruck der Ausgabe von 1976). ISBN 1-59244-019-3. S. 189; 200 Nach seinem Anschluss an die Täuferbewegung hat er wohl von der gewaltsamen Durchsetzung seiner Anschauungen Abstand genommen; es heißt von ihm und anderen Täufern, mit denen er unterwegs war: „Als Zeichen trugen sie lediglich einen Stecken in der Hand; alle Wehre, urteilten sie, solle man verschmieden lassen.“Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526–1584. Band II der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens. Verlag von Gustav Fischer: Jena 1913. S. 110f
Täufer mini| Teile der heutigen Kirche standen schon,als der Täufer Alexander dort Messner und Schullehrer war und Heinz Kraut im Ort sein Schneiderhandwerk ausübte. Mit der Täuferbewegung war Heinz Kraut durch den ebenfalls aus Esperstedt stammenden Messner und Schulmeister Alexander (hingerichtet 1533) in Berührung gekommen und um 1529 auch von ihm getauft worden.GAMEO: Kraut, Heinz (d. 1536) Zunächst begleitete Kraut den ehemaligen Messner auf seinen Missionsreisen in Nordthüringen und im Südharz. Mitte 1530 verhaftete man ihn und sechs weitere Täufer, darunter eine Frau namens Katharina Valebs, als „swermer“ in Frankenhausen. In seiner Urgicht gab er zu Protokoll, dass er etwa sechs Wochen lang sich bei der täuferischen „Bruderschaft“ aufgehalten habe; anschließend sei er „widerumb getauft worden von einem propheten“, der zu ihnen gesandt worden sei. Was seine Überzeugungen anging, nahm er nur zum Abendmahl und zur urchristlichen Gütergemeinschaft Stellung: „Er konne nit glauben, das Christus im Brot und im Wein sei.“ In der Täufergemeinde – so Kraut – hätten sie „die ordnung: Wo ein bruder under inen benötigt ist, das ime die andern behulfig sein“.Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526–1584. Band II der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens. Verlag von Gustav Fischer: Jena 1913. S. 321 Während der Haft widerriefen Kraut und die anderen Mitgefangenen jedoch ihre in der Urgicht geäußerten Anschauungen, woraufhin sie freigelassen wurden. Gemeinsam mit dem Futterschneider Peter ReusseZu Reusse siehe Eduard Jacobs: Die Wiedertaufer am Harz. In: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde(1899). S. 423–536; 631–633. GAMEO enthält eine Kurzbiographie Reusses: GAMEO.org: Reusse, Peter (16th century) setzte er dennoch die nordthüringische und Harzer Missionsarbeit des inzwischen gewaltsam zu Tode gekommenen Alexander fort. Größere Täufergemeinschaften entstanden vor allem in Emseloh, Holdenstedt und Riestedt.Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526–1584. Band II der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens. Verlag von Gustav Fischer: Jena 1913. S. 106f
Spätere Verhörprotokolle, in denen die zum Teil peinlichen Befragungen nordthüringischer Täufer aufgezeichnet wurden, vermitteln ein Bild vom Leben der von Heinz Kraut betreuten Täufergemeinschaften. Danach lautete ihre konfessionelle Selbstbezeichnung „Geliebte Gottes“. Sie lebten zwar nicht in Gütergemeinschaft wie zum Beispiel die hutterischen Täufer, verwalteten aber ihr persönliches Hab und Gut, als sei es Eigentum der Gemeinde. Wenn sie einander begrüßten, sagten sie: „Der Herr beschirme dich mit seinem ewigen Frieden und sei mit dir!“ Darauf wurde meist „Amen“ geantwortet. Beim Abschied segneten sie einander mit den Worten: „Der Herr verleihe uns Stärke und Kraft!“ Ein weiteres Kennzeichen der Täufer war eine einfache, unauffällige Kleidung. Kraut selbst trug einen sogenannten Finsterwalder Mantel.Eduard Jacobs: Die Wiedertäufer am Harz. In: Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde. Nr. 32 (1899). S. 483 Bei einer Abendmahlsfeier, die im Juli 1535 in „Knoblauchs Behausung“ nahe beim Dom zu Halberstadt abgehalten wurde, waren achtzehn Personen anwesend. Unter ihnen war auch Heinz Kraut. Zu Anfang ließen sich die Versammelten von Peter Reuße die Füße waschen. Danach schnitt er Brot und legte es in ein Gefäß mit Wein. Die Abendmahlsteilnehmer nahmen sich reihum jeweils ein Stück Brot, brachen es und aßen es „auf den Tod Christi“.Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526–1584. Band II der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens. Verlag von Gustav Fischer: Jena 1913. S. 128
Auch Krauts Taufliturgie ist in den Verhörprotokollen überliefert. Die Täuflinge knieten vor ihrer Taufe nieder und wandten sich mit folgender Bitte an den Täufer: „Lieber Bruder, ich begehre einen Bund eines guten Gewissens mit GottDer Ausdruck bezieht sich auf die Bibelstelle 1.Petrus 3,21. aufzurichten und bitte um die Taufe.“ Daraufhin fragte Heinz Kraut nach dem Glauben des Täuflings: „Gelobst du auch, dass Christus der einige Gottessohn und ewig ist? Und willst du dich gänzlich ihm allein untergeben, ihm als einem Gott und Herrn gehorsam sein, und zwar so, dass du um seinentwillen, wenn es dazu käme, sterben wollest?“ Nachdem der Täufling mit „Ja“ geantwortet hatte, las Heinz Kraut die neutestamentlichen Erzählungen von der Johannestaufe vor und tauchte danach einen Finger dreimal ins Wasser und zeichnete damit drei Kreuze auf die Stirn oder das Haupt des Täuflings. Dabei sprach er in Anlehnung an den sogenannten Taufbefehl Jesu: „Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Der Taufhandlung folgten gemeinsame Psalmgesänge, die die Anwesenden anstimmten, sowie die Mahnung an den Täufling, seinem Taufbund Folge zu leisten, die Sünde zu meiden und sich doch „allewege Gott gegenüber für einen Sünder zu halten.“Zum Leben der nordthüringischen Täufergemeinden und zum Dienst Heinz Krauts siehe ausführlich Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526–1584. Band II der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens. Verlag von Gustav Fischer: Jena 1913. S. 110–117
Liste der von Kraut Getauften Die folgende alphabetisch sortierte Liste führt namentlich bekannte Anhänger der Täuferbewegung, die von Heinz Kraut zwischen 1533 und 1535 getauft worden sind.