Die DIN-Norm DIN 91379 Zeichen und definierte Zeichensequenzen in Unicode für die elektronische Verarbeitung von Namen und den Datenaustausch in Europa, mit CD-ROM (kostenpflichtig) definiert einen Zeichensatz, der aus einer normativen Teilmenge von Unicode-Zeichen sowie aus Sequenzen von Grundzeichen und diakritischen Zeichen besteht („normative Schriftzeichen“). Dieser enthält lateinische Buchstaben sowie Sonderzeichen für die Benutzung in Namen im weiteren Sinne, z. B. Personennamen, Namen von juristischen Personen, Produkten, Straßen, Orten, Titeln usw.; außerdem sind alle zur lateinschriftlichen Transliteration weltweit gängiger Schriftsysteme benötigten Zeichen enthalten.
Weiterhin definiert die Norm eine normative Abbildung aller in diesem Zeichensatz enthaltenen lateinischen Buchstaben auf die Grundbuchstaben A–Z („Suchform“) als Erweiterung der Empfehlungen der ICAO.
Im informativen Teil der Norm wird eine Menge von erweiterten Schriftzeichen definiert, die griechische und kyrillische Buchstaben sowie weitere Sonderzeichen für Namen juristischer Personen und Produktnamen enthält.
Unterstützte Sprachen und Schriftsysteme Die Norm unterstützt alle offiziellen Sprachen der Europäischen Union, von Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz, sowie die deutschen Minderheitssprachen.
Zur Unterstützung anderer Sprachen, die nicht das lateinische Schriftsystem verwenden, sind alle für die Transliteration von Namen in das lateinische Schriftsystem entsprechend der zum Zeitpunkt des Erscheinens relevanten ISO-NormenDie 2023 neu herausgegebene ISO 233-3 änderte für das Persische die Umschrift des arabischen Schriftzeichens ض von ż (Z mit Überpunkt) auf z̤ (Z mit Trema unterhalb). Die dafür notwendigen Zeichenkombinationen <U+005A,U+0324> (Z̤) bzw. <U+007A,U+0324> (z̤) sind in der 2022 erschienenen Fassung der DIN 91379 nicht gelistet. notwendigen Kombinationen von Lateinbuchstaben mit diakritischen Zeichen in den normativen Schriftzeichen gelistet. Die hierzu notwendigen diakritischen Zeichen selbst sind nicht hierin, sondern in einem informativen Anhang separat gelistet.
Diese Unterstützung ist nicht vollständig, an außereuropäischen Sprachen, die Lateinschrift verwenden, wird beispielsweise Vietnamesisch unterstützt, nicht jedoch beispielsweise die togoischen Nationalsprachen Ewe (ɖ, ɛ, ƒ, ɣ, ɔ, ʋ fehlen) und Kabiyé (ɖ, ɛ, ɣ, ɩ, ɔ, ʊ fehlen), die südafrikanische Amtssprache Tshivenda (ḓ, ḽ, ṋ, ṱ fehlen), die namibische Nationalsprache Khoekhoegowab (die Klicklaute ǀ, ǁ, ǃ, ǂ fehlen) oder Tongaisch (das fakauʻa fehlt). Obwohl die in Klammern genannten Zeichen in Personennamen der jeweiligen Länder vorkommen, sind in der Norm dazu weder Umschriftregeln noch Abbildungsregeln auf Namensschreibung in lateinischen Grundbuchstaben genannt.
Zusätzlich zu den normativen Zeichen definiert die Norm Teilmengen als Zeichensatz-Erweiterungen, die moderne griechische Buchstaben für Griechenland und Zypern, kyrillische Buchstaben für Bulgarien und Sonderzeichen für Namen von juristischen Personen und Produkten enthalten.
Systeme, die zu dieser Norm konform sind, können zusätzliche Zeichen unterstützen. Allerdings kann es bei Schnittstellen oder Registern sinnvoll sein, die erlaubten Zeichen auf eine feste Menge von Zeichen und Sequenzen – basierend z. B. auf den normativen Zeichen und Sequenzen dieser Norm oder eines zusätzlich relevanten Standards – zu beschränken.
Anwendung der Norm Die Norm unterstützt die notwendigen Zeichen für Eintragungen im Personenstandsregister, das die Personenstandsbücher abgelöst hat. Dort sind nach dem Gesetz zu dem Übereinkommen vom 13. September 1973 über die Angabe von Familiennamen und Vornamen in den Personenstandsbüchern Angaben, die in lateinischen Schriftzeichen vorliegen, buchstabengetreu mit allen diakritischen Zeichen zu übernehmen und Angaben in anderen Schriftzeichen durch Transliteration wiederzugeben, möglichst nach ISO-Normen.
Der für die Koordination der IT in den Verwaltungen von Bund und Ländern zuständige IT-Planungsrat beschloss im November 2022, dass alle IT-Verfahren, die dem Bund-Länder übergreifenden Datenaustausch oder dem Datenaustausch mit Bürgern und Wirtschaft dienen, spätestens zum 1. November 2024 konform zur DIN 91379 sein müssen.
Die Architekturrichtlinie für die IT des Bundes fordert in ihrer Fassung vom Juli 2022, dass die DIN SPEC 91379 (die seinerzeit noch aktuelle Vorgängerfassung der Norm) sowie die Zeichenkodierung UTF-8 verwendet werden sollen.
Der Umgang mit Fließtext oder historischen Schriftzeichen wird in der Norm nicht geregelt.
Aufbau der Norm Die DIN-Norm besteht aus einem normativen und einem informativen Teil.
Die Anforderungen im normativen Teil sind verbindlich für alle konformen Verfahren. Im normativen Teil werden die Schriftzeichen für die Verarbeitung von Namen mit lateinischen Grundbuchstaben und diakritischen Zeichen festgelegt. Alle konformen Verfahren müssen diese Schriftzeichen unterstützen. Weiterhin wird eine Abbildung der normativen Schriftzeichen auf die lateinischen Grundbuchstaben A–Z definiert.
Ein konformes Verfahren darf zusätzlich zu den normativen Schriftzeichen noch weitere Schriftzeichen unterstützen.
Die Empfehlungen im informativen Teil sind für konforme Verfahren nicht verbindlich. Der informative Teil bestimmt eine Unicode-Teilmenge von erweiterten Schriftzeichen z. B. für juristische Personen, Produktnamen sowie für den Datenaustausch in der EU. Zusätzlich werden im informativen Teil Datentypen festgelegt, die für die Prüfung von Datenfeldern verwendet werden können.
Normativer Teil Konformität Um zu dieser DIN-Norm konform zu sein, muss ein System alle normativen Buchstaben und Sequenzen bei allen Verarbeitungsschritten unterstützen, bei Schnittstellen die Zeichenkodierung UTF-8 verwenden, und die Zeichen entsprechend der Unicode-Normalform C normalisieren (NFC).
Normative Schriftzeichen Jedes konforme Verfahren muss die normativen Schriftzeichen bei allen Namensfeldern verarbeiten können. Dazu gehören die Erfassung, Speicherung, Übermittlung, Anzeige und der korrekte Ausdruck.
Nachfolgend werden die normativen Schriftzeichengruppen angegeben. Die zugehörigen Schriftzeichen findet man zur maschinellen Verarbeitung auch in DIN 91379 Characters and Sequences. Die folgenden Tabellen der Schriftzeichen wurden aus der XML-Datei chars.xml im Anhang der DIN erzeugt.
Lateinische Buchstaben (bll) Diese Schriftzeichen müssen für die Darstellung von Namen unterstützt werden.