Joseph Kriegsmann (* 12. Februar 1796 in Burghaslach; † 10. Oktober 1867 in Wiesbaden)Verspätet. Todes-Anzeige. In: Kölnische Zeitung Nr. 285, 14. Oktober 1867, 2. Blatt (Web-Ressource). war ein deutscher Augen- und Feinoptiker, Feinmechaniker und Kaufmann.

Leben Joseph Kriegsmann war der Sohn von Jehuda Löb Kriegsmann und dessen Ehefrau Perla Kriegsmann. Über seinen Werdegang und seine Ausbildung ist wenig bekannt. Auch sein Bruder Adolph Kriegsmann († 29. Mai 1852 in Magdeburg)Familien-Nachrichten. In: Magdeburgische Zeitung Nr. 127, 3. Juni 1852, 1. Beilage (Web-Ressource). erlernte das Handwerk des Optikers. Ein ebenfalls aus Burghaslach stammender Optiker namens Lehmann Kriegsmann, der mit seinen Erzeugnissen auf Handelsreisen ging,Bekanntmachungen. In: Offenburger Wochenblatt. Nr. 47, 26. November 1825, S. 187 f. (Web-Ressource). war vermutlich ein älterer Bruder oder Cousin, wobei Joseph durch Lehmann Kriegsmann, der noch bis in die 1840er-Jahre aktiv war, in ein Familienunternehmen eingeführt wurde. Lehmann Kriegsmann berief sich auf Empfehlungen bedeutender Wissenschaftler; neben Medizinalräten aus Ansbach nannte er beispielsweise den Bergkommissionsrat Wilhelm August Lampadius in Freiberg und den Professor für Botanik an der Universität Halle, Kurt Sprengel. Allerdings gab es auch Zeitgenossen, die seine Fähigkeiten in Zweifel zogen.(Avertissement optique), gez. „S. Ingerle, Pfarrer“. In: Augsburger Ordinari Postzeitung von Staats-, gelehrten, historisch- u. ökonomischen Neuigkeiten. Nr. 98, 23. April 1828 (Web-Ressource).

Schon 1826 wurden Annoncen auch mit zwei Namen „Kriegsmann und Lehmann“ gezeichnet; hierbei dürfte es sich um Kriegsmanns Schwiegervater handeln.Landshuther Wochenblatt Nr. 35, 27. August 1826, S. 281 (Web-Ressource). Im Winter 1828 erhielt Joseph Kriegsmann die Genehmigung des Magistrats von Ansbach, in der Hauptstadt des Rezatkreises einen Handel mit lackierten Blechwaren, Studierlampen, Lichtscheren und Kosmetika zu eröffnen,Nichtamtliche Artikel. In: Königlich Bayerisches Intelligenzblatt für den Rezat-Kreis. Nr. 102, 20. Dezember 1828, Sp. 1385, Nr. 6 (Web-Ressource). der im Dezember 1831 noch existierte.Privat-Bekanntmachungen. In: Königlich Bayerisches Intelligenzblatt für den Rezat-Kreis. Nr. 100, 17. Dezember 1831, Sp. 1825 f., Nr. 6 (Web-Ressource).

Familienunternehmen Joseph Kriegsmann war verheiratet mit Wilhelmine, genannt Mina, geb. Lehmann (?–nach 1875),Angaben aus der bei FamilySearch ausgewerteten Heiratsurkunde ihres Sohnes (nach Anmeldung entgeltfrei zugänglich). möglicherweise die Tochter eines anderen Optikers aus Burghaslach.Annonce des Optikus A. Lehmann in Augsburger Postzeitung. Ein Blatt statistisch-politischen Inhalts Nr. 97, 8. April 1834 (Web-Ressource). 1826 kam ihr gemeinsamer Sohn Siegmund Kriegsmann (* 26. September 1826 in Ansbach; † nach 1875) zur Welt. 1846 hatte das Paar zwei weitere Söhne, Adolph und Carl.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf. Jahrgang 1846, Beilage zu Nr. 56 („Die Annahme selbstbestimmter erblicher Familiennamen Seitens der Juden“), S. XLII f., Nr. 795: „Kriegsmann, Joseph, Optikus“ (Digitalisat) Während sein mutmaßlicher Cousin Lehmann Kriegsmann, der ebenfalls verheiratet war,Kissinger Kurliste. In: Der Bayerische Landbote. Nr. 168, 17. Juni 1839, S. 710 (Web-Ressource). seine Herkunft stets mit Burghaslach annoncierte, nannte Joseph sich „Kriegsmann aus Ansbach, Königl. Bairischer geprüfter Optikus“.

Seinerseits konnte Joseph Kriegsmann Referenzen der Augenärzte August von Ammon und Karl Gustav Himly, des Militärmediziners Karl von Graefe, des Medizinalrats Vinzenz Adelmann und des Astronomen Franz von Paula Gruithuisen vorweisen.Annonce in: Oeffentliche Anzeigen der Grafschaft Ravensberg. Nebst Beiträgen zur Gelehrung und Unterhaltung Nr. 38, 17. September 1834 (Web-Ressource). In Ansbach hatte er zu dieser Zeit ein der Post gegenüberliegendes Haus am unteren Markt gekauft.Privat-Bekanntmachungen. In: Königlich Bayerisches Intelligenzblatt für den Rezat-Kreis. Nr. 16, 26. Februar 1834, Sp. 349, Nr. 9 (Web-Ressource).

Joseph Kriegsmann spezialisierte sich Mitte der 1830er-Jahre auf die Fertigung von Sehhilfen sowie optischer und physikalischer Instrumente.Privatbekanntmachungen. In: Königlich Bayerisches Intelligenzblatt für den Rezat-Kreis. Nr. 19, 5. März 1836, Sp. 529 f., Nr. 3 (Web-Ressource). Zu seinem Sortiment gehörten neben Brillen auch Lupen, Mikroskope, Fernrohre, Theaterperspektive, Prismen, Laterna magicas, aber auch Barometer und Thermometer, die er im Ladengeschäft und als reisender Händler in Deutschland und in der Schweiz vorführte.Annonce in: Schweizerischer Republikaner Nr. 50, 10. Juni 1831, S. 268 (Web-Ressource). Als erfolgreicher jüdischer Unternehmer war er antisemitischen Angriffen in Hetzschriften ausgesetzt, die in den 1830er-Jahren unter dem Pseudonym Itzig Feitel Stern veröffentlicht wurden und wohl von dem Kirchenlieddichter Heinrich Holzschuher verfasst waren.Rekummedziuhn. In: Die Schabbes Lamp vun pollische Messing, mit ächt koschere Schimen ahngizündt vun Itzig Feitel Stern. F. W. Goedsche, Meissen 1835, S. 134 (linksläufig paginiert) (Web Ressource). 2. Auflage, Bruno Goedsche, Schneeberg 1860, S. 174 (Web-Ressource).

1839 bot Kriegsmann gemeinsam mit einem Bruder, wohl dem 1852 verstorbenen Adolph Kriegsmann,Annonce in: Magdeburgische Zeitung Nr. 138, 16. Juni 1852 (Web-Ressource). sein Sortiment optischer Instrumente in Norddeutschland zum Verkauf an. Mit den gleichen Empfehlungen, die Joseph Kriegsmann in eigenen Annoncen für sich in Anspruch nahm, traten die „Gebrüder Kriegsmann aus Magdeburg“ als „Königl. Baierische geprüfte Optici“ auf, die zugleich auch als Hofoptiker des Großherzogs von Oldenburg und des Herzogs von Braunschweig firmierten.Notificationen 7. Gebrüder Kriegsmann. In: Jeversches Wochenblatt. Nr. 17, 28. April 1839 (Web-Ressource). In Magdeburg wurde offenbar ein Hauptsitz des Familienunternehmens eingerichtet, der 1841 neben Ansbach als Herkunftsort genannt wurde.Karlsruhe. (Anzeige.). In: Karlsruher Zeitung. Nr. 153, 7. Juni 1841, S. 988 (Web-Ressource). 1845 gehörte den „Gebr. Kriegsmann“ das Haus „Zu den drei Rosen“, Breiter Weg 25.Guido Skirlo: Der Breite Weg. Ein verlorenes Stadtbild. Stadtplanungsamt Magdeburg, Magdeburg 2005 (Dokumentation 69/2005), S. 108 (Web-Ressource).

Auf späteren Reisen zu Messen und in Kurbäder wurde Joseph Kriegsmann von einem seiner Söhne begleitet. Der Schriftsteller Karl August Varnhagen von Ense, der schon wegen der von ihm angefertigten winzigen Scherenschnitte seit seiner Jugend auf Sehhilfen angewiesen war, begegnete mit seiner Nichte Ludmilla Assing dem Optiker Mitte August 1853 in Wiesbaden und notierte: „An seinen Brillen rühmt er besonders, daß die Einfassung reines Silber sei. Er heißt Kriegsmann, und hat wirklich gute optische Sachen.“Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. Hrsg. v. Ludmilla Assing. Hoffmann und Campe, Hamburg 1868, Band 10, S. 223 (Web-Ressource). Auch ein Verkaufsgespräch schildert Varnhagen:

Gründung von Manufakturen im Rheinland mini|hochkant|Annonce in der Bonner Zeitung, 20. Mai 1860 1842 ließ sich Joseph Kriegsmann in Düsseldorf nieder und gründete eine Manufaktur. In dieser Zeit hatte er adlige Kundschaft und durfte sich als „Hof-Opticus Sr. Königl. Hoh. des Prinzen Friedrich von Preußen“ – in dieser Funktion löste er den am 2. August 1846 verstorbenen Leopold Gedeon abCivilstand. Sterbefälle. In: Düsseldorfer Kreisblatt und Täglicher Anzeiger. Nr. 299, 24. August 1846 (Web-Ressource). – und „Sr. Durchlaucht des regierenden Herzogs von Braunschweig“ bezeichnen.Annonce in: Düsseldorfer Zeitung Nr. 33, 29. November 1842 (Web-Ressource). 1854 war er zudem noch der Hof-Optikus des (seit seiner Jugend zunehmend erblindeten) Königs von Hannover, Georg V., und des Herzogs Adolf von Nassau geworden.Kreisblatt und Allgemeiner Anzeiger. In: Rhein- und Ruhr-Zeitung Nr. 134, 9. Juni 1854 (Web-Ressource).

Joseph Kriegsmann beschäftigte mehrere Facharbeiter. Am 1. Dezember 1845 wurden zwei von ihnen, der Glasschleifer Carl Deyhle aus Stuttgart, der seit zwei Jahren bei ihm in Stellung war, und der erst seit kurzem angestellte Mechanicus Carl Julius Hitz aus Lentzen wegen Diebstahls von Fernrohren, Brillengläsern und einer Violine verurteilt.Assisen-Verhandlungen pro IV. Quartal. In: Düsseldorfer Kreisblatt und Täglicher Anzeiger. Jg. 7, Nr. 333, 5. Dezember 1845 (Web-Ressource). 1851 hatte Kriegsmann seinen Geschäftssitz nach Köln, Obenmarspforten 14 verlagert,Klaus Schulte: Bonner Juden und ihre Nachkommen bis um 1930. Eine familien- und sozialgeschichtliche Dokumentation. Röhrscheid, Bonn 1976 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn, Band 16), S. 328; Annonce in der Kölnischen Zeitung Nr. 130, 31. Mai 1851 (Webressource). wo das Geschäft bis an sein Lebensende bestand.Annonce für Nebelbilder-Apparate (Dissolving Views). In: Kölnische Zeitung Nr. 329, 27. November 1867, 2. Blatt (Web-Ressource). Auch hier beschäftigte Joseph Kriegsmann Mitarbeiter.Stellenanzeige in: Kölnische Zeitung Nr. 174, 25. Juni 1853, 2. Beilage (Web-Ressource).

Für seinen Sohn Siegmund annoncierte Kriegsmann 1858 die Eröffnung eines eigenen Geschäfts in Bonn, des Optischen Instituts von S. Kriegsmann am Römerplatz 35 a.Geschäfts-Eröffnung. Optisches Institut. In: Bonner Zeitung. Jg. 50, Nr. 27 v. 4. Februar 1858 (Web-Ressource). Zwei Jahre später verlegte es der Inhaber in die Neugasse 995;Annonce in: Bonner Zeitung Nr. 116, 20. Mai 1860, Beilage (Web-Ressource) 1863 hatte Siegmund Kriegsmann ein Verkaufslokal Belderberg No. 67.Annonce in: Bonner Zeitung Nr. 69, 27. März 1863 (Web-Ressource). Nach dem Tod seines Bruders Adolph firmierte Joseph Kriegsmann 1853 wieder als „Hof-Opticus aus Magdeburg und Köln“.Annonce in: Jeversches Wochenblatt Nr. 99, 11. Dezember 1853 (Web-Ressource). Carl, wohl sein zweitältester Sohn, wurde möglicherweise im Magdeburger Geschäft ausgebildet.„Carl Kriegsmann, Köln“ hat am 6. Juni 1860 Sophie Philippson aus Hoya geheiratet; Annonce in Kölnische Zeitung Nr. 156, 6. Juni 1860 (Web-Ressource). Das Lager mit optischen und mechanischen Instrumenten wurde 1857 an den Optiker Adam Walter verkauft, der noch lange an dem eingeführten Namen festhielt und „vormals Gebr. Kriegsmann“ hinter den eigenen Namen setzte.Christoph Sandler: Handbuch der Leistungsfähigkeit der gesammten Industrie Deutschlands, Oesterreichs Elsass-Lothringens und der Schweiz. Herm. Wölferts Buchhandlung, Leipzig 1875, 4. und 5. Serie, S. 33 (Web-Ressource). Joseph Kriegsmanns Sohn Siegmund und die Witwe Marianne Kriegsmann, geb. Schwabe († September 1879),Sterbefälle. In: Berliner Tageblatt. Morgen-Ausgabe Nr. 447, 25. September 1879, S. 6 (Web-Ressource). annoncierten die Übernahme von Activa und Passiva der Firma „Gebr. Kriegsmann“ durch Siegmund Kriegsmann.Magdeburgische Zeitung Nr. 81, 5. April 1857, 2. Beilage (Web-Ressource).

Ende der 1860er-Jahre übersiedelte Siegmund Kriegsmann in seine Geburtsstadt Wiesbaden (Walramstr 35 b), wo er weiterhin als Optiker tätig war, neben seinem Bruder Carl Kriegsmann, der seit 1867 An den Colonaden als „Hof-Optikus“ firmierte und die Familientradition weiterführte.Wilhelm Joost (Hrsg.): Adreßbuch der Stadt Wiesbaden Jg. 9 (1868/69), Selbstverlag, Wiesbaden 1868, S. 107 (Web-Ressource). In Wiesbaden verstarb auch Joseph Kriegsmann am 10. Oktober 1867 und wurde auf dem Alten Jüdischen Friedhof beigesetzt. Seine Witwe Mina Kriegsmann wohnte noch 1875 bei ihrem Sohn Carl.Wilhelm Joost (Hrsg.): Adreßbuch der Stadt Wiesbaden Jg. 16 (1875/76), Selbstverlag, Wiesbaden 1875, S. 140 (Web-Ressource).

Nachkommen