Lausen-Grünau ist gemäß der kommunalen Stadtgliederung von 1992 ein Ortsteil von Leipzig und gehört zum Stadtbezirk West. Es umfasst den ab 1983 gebauten Wohnkomplex 8 der Großsiedlung Grünau sowie das 1995 nach Leipzig eingemeindete Dorf Lausen.

Lage Lausen-Grünau liegt 9 Kilometer westsüdwestlich der Leipziger Innenstadt. Neben der Verkehrs- und Siedlungsfläche (216 Hektar) hat die Wasserfläche mit 112 Hektar einen großen Anteil an der Fläche des Ortsteils. Die Wasserfläche gehört zum Kulkwitzer See, einem gefluteten, ehemaligen Braunkohlentagebau. Die Ortsteilgrenze im Westen verläuft durch den Kulkwitzer See und ist zugleich Leipziger Stadtgrenze zur Nachbarstadt Markranstädt. Der Ortsteil grenzt, vom Nordwesten angefangen im Uhrzeigersinn, an die Ortsteile Miltitz, Grünau-Nord, Grünau-Siedlung und Großzschocher.

Naturräumliche Lage Die Großsiedlung Grünau liegt auf einer flachen pleistozänen Platte in einer Höhenlage von etwas über 120 Metern über Null. An ihrem westlichen Rand liegt eine Bachaue, die von einem Bach namens Zschampert nach Norden entwässert wird. Diese bestand schon vor der Anlage des unmittelbar anschließenden Kulkwitzer Sees in einem Restloch des Braunkohlenbergbaus. Die Oberfläche des Kulkwitzer Sees befindet sich 114,5 Meter über Null. Die höchste (künstliche) Erhebung bildet der sogenannte Rodelberg am westlichen Ende der Alten Salzstraße. Nach Süden schließt sich an den Ortsteil das landwirtschaftlich genutzte Gebiet der Mark Flickert an.

Geschichte mini|hochkant|Dorfplatz Lausen (2012)

Das Dorf Lausen wurde 1234 erstmals urkundlich erwähnt. 1979 wurden von der Lausener Flur 70,8 Hektar für den Bau der Großsiedlung Grünau nach Leipzig eingemeindet. Diese Flächen machen heute den südöstlichen Teil des Ortsteils aus und sind mit dem Südteil des Wohnkomplexes 8 bebaut. Dieser Wohnkomplex wurde als letzter der Großsiedlung in den Jahren 1983 bis 1988 errichtet. Er erstreckt sich über die alte Gemarkungsgrenze zwischen Militz und Lausen hinweg, die auf der heute noch bestehenden Alten Salzstraße verlief, weiter nach Norden bis an die Lützner Straße. Nördlich der Lützner Straße liegt der Wohnkomplex 7 (heute Ortsteil Grünau-Nord).

mini|hochkant|Lipsia-Turm (2020)

Der Aufbauphase folgte in den 1990er Jahren eine Phase der Nachverdichtung, in der der Wohnkomplex mit sozialen Einrichtungen und einem kleinen Park im Südosten versehen wurde. Mit der Eingemeindung von Lausen und der Errichtung eines Neubaugebietes südlich der bis 1998 bestehenden Bahnstrecke Leipzig-Plagwitz-Pörsten hatte der Ortsteil noch Einwohnerzuwächse, während die Einwohnerzahl der Großsiedlung stark schrumpfte. Als Reaktion auf die Schrumpfung entwickelte die Stadt Leipzig für Grünau ein Stadtumbaukonzept. Lausen-Grünau mit seiner Lage am Rande der Großsiedlung gehörte in diesem Konzept zum Stadtumbaugürtel, war also in besonderem Maße vom Rückbau betroffen. Die verbleibenden Bestände wurden saniert und aufgewertet. In Lausen-Grünau ist es auch, wo mit dem Lipsia-Turm das erste Wohnhochhaus in Grünau im 21. Jahrhundert errichtet wurde. Es befindet sich nahe der Endstelle der S-Bahn Miltitzer Allee.

Ortstypik Im Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept Grünau 2030https://static.leipzig.de/fileadmin/mediendatenbank/leipzig-de/Stadt/02.6_Dez6_Stadtentwicklung_Bau/64_Amt_fuer_Stadterneuerung_und_Wohnungsbaufoerderung/Gruenau/Grunau_Integriertes_Stadtteilentwicklungskonzept_STEK_2030.pdf S. 52 werden die Stärken und Schwächen des Ortsteils wie folgt beschrieben:

Der Ortsteil verfügt trotz der verdichteten Bauweise einer Großsiedlung über große Anteile an Grünflächen. Diese befinden sich nicht nur am Kulkwitzer See, sondern auch in der Großsiedlung. Zu nennen ist ein kleiner Stadtteilpark im Südosten. Im Süden befinden sich ausgedehnte Landwirtschaftsflächen (siehe auch: Mark Flickert).

Bevölkerung Jahr Einwohner 2000 16.372 2005 13.266 2010 11.512 2015 12.309 2020 13.296 2024 14.536

Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres

Die Bevölkerungsanzahl ging vor allem durch die Entwicklung der Großsiedlung von 1991 bis 2009 um fast die Hälfte zurück und steigt seit diesem Zeitpunkt allmählich wieder an. Der größte Teil der Bevölkerung lebt in der Großsiedlung. Die Bevölkerung des eingemeindeten Dorfes Lausen hätte Platz in einem einzigen Wohnblock von Grünau finden können. Das Durchschnittsalter im Ortsteil lag 2016 um 4,9 Jahre über dem Leipziger Durchschnitt. Auffällig waren 2016 der vergleichsweise geringe Studierendenanteil (10,5 Prozentpunkte unter dem Leipziger Schnitt) und der erhöhte Anteil von Leistungsempfängern (7,5 Prozentpunkte über dem Leipziger Schnitt). Der Migrantenanteil lag 2020 mit 16,3 % in Lausen-Grünau an dritter Stelle von den Grünauer Ortsteilen (nach Grünau-Mitte mit 28,5 % und Grünau-Nord mit 19,5 %).

Politik Bei den Wahlen zum Sächsischen Landtag gehört Lausen-Grünau zum Wahlkreis Leipzig 5, bei Bundestagswahlen zum Bundestagswahlkreis Leipzig II (Wahlkreis 153).

Die Bundestagswahl 2025 führte bei einer Wahlbeteiligung von 74,6 % zu folgendem Zweitstimmenergebnis:

Partei Lausen-Grünau2021 Lausen-Grünau2025 Stadt Leipzig2025 AfD 22,8 % 35,3 % 21,9 % CDU 17,6 % 18,8 % 16,6 % Die Linke 11,4 % 14,9 % 22,5 % SPD 24,1 % 10,7 % 10,7 % BSW – 9,2 % 7,4 % Bündnis 90/Die Grünen 6,1 % 4,4 % 13,6 % FDP 8,6 % 2,4 % 3,2 % Sonstige 9,5 % 4,4 % 4,1 %

Kunst im öffentlichen Raum

Im Wohnkomplex 8 ist weniger Kunst im öffentlichen Raum zu finden als in den anderen Teilen der Großsiedlung (nur Lichtplatzzeichen von Jürgen Strege, 1999), dafür einiges auf dem Rodelberg.

Verkehr Straßen Im westlichen Teil des Ortsteils verläuft in Nord-Süd-Richtung die Straße am See als Randstraße der Großsiedlung Grünau. Sie berührt die alte Dorflage von Lausen und führt weiter nach Süden in Richtung Albersdorf (Ortsteil von Markranstädt) bis zur B 186. Am östlichen Rand des Ortsteils hat die Krakauer Straße nur eine innerörtliche Bedeutung.

Am nördlichen Rand verläuft in Ost-West-Richtung die Lützner Straße, die die Funktion der B 87 erfüllt, und weiter südlich parallel zu ihr die Ratzelstraße.

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)

In Lausen-Grünau befindet sich die am 19. Dezember 1983 eröffnete Endstelle Militzer Allee der S-Bahn-Linie 1 des mitteldeutschen S-Bahn-Netzes. Laut Nahverkehrsplan der Stadt Leipzig besteht eine Verlängerungsoption nach Markranstädt. Die Eisenbahnlinie Plagwitz-Pörsten ist hingegen 1998 stillgelegt worden, so auch der Bahnhof Lausen. Vom Bahnhof Lausen zweigte bis 1946 eine Verbindungsbahn nach Markranstädt ab.

Entlang der Ratzelstraße verläuft eine Straßenbahntrasse mit den Haltestellen Krakauer Straße, Zschampertaue und der am 30. November 1985 eröffneten Endstelle Lausen, auf der aktuell die Linie 1 verkehrt (siehe auch: Straßenbahn Leipzig). Komplettiert wird der ÖPNV durch die Buslinien 61, 62, 65, 66, 161, 162 (siehe auch: Busverkehr in Leipzig).

Rad- und Fußverkehr Es gibt ein Fuß- und Radwegenetz sowohl innerhalb der Großsiedlung als auch im Naherholungsgebiet am Kulkwitzer See. Besonders zu nennen ist die Alte Salzstraße. In Lausen beginnt auf der ehemaligen Bahntrasse der Pörstener Eisenbahn der Elster-Saale-Radweg. Die Entfernung nach Lützen beträgt auf diesem Radweg etwa 11 Kilometer. Richtung Osten – also Richtung Leipzig-Stadt – kann man entlang der ehemaligen Eisenbahn auf dem Lausener Weg weiterradeln.

Schulen

Im Ortsteil befinden sich die folgenden Schulen:leipzig.de 100. Schule (Grundschule) – Miltitzer Allee 78. Schule (Grundschule) – An der Kotsche Martin-Schule, Förderzentrum – An der Kotsche Arwed-Rossbach Schule, Berufsbildungszentrum, Bautechnik

Sonstiges Die Leipziger Stadtwerke bauen seit Anfang 2024 eine Solarthermieanlage am Südrand des Ortsteils. Dabei werden Kollektorfelder aufgebaut, die Sonnenenergie in Wärme verwandeln und ins Leipziger Fernwärmenetz einspeisen.

Weblinks

Literatur Wolfgang Grundmann, Historisches rund um Grünau, Leipzig 1988

Stadt Leipzig, Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Leipzig-Grünau 2030, (Digitalisat)

Einzelnachweise

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