Ralstonia ist eine Gattung von Bakterien. Einige Arten können als Krankheitserreger auftreten. Sie ist nach der amerikanischen Bakteriologin Ericka Ralston (geb. 1944 als Ericka Barrett in Saratoga, gest. 2015 in Sebastopol, beides Kalifornien) benannt.
Forschungsgeschichte Während ihres Studiums in den 1970er an der University of California in Berkeley identifizierte Ericka Ralston 20 Pseudomonas-Stämme, die eine phänotypisch homologe Gruppe bildeten, und nannte sie Pseudomonas pickettii, nach M. J. Pickett von der Abteilung für Bakteriologie an der University of California in Los Angeles, von dem sie die Stämme erhalten hatte. Später wurde Pseudomonas pickettii zusammen mit mehreren anderen Arten aus der Gattung Pseudomonas in die neue Gattung Ralstonia überführt. Sie setzte ihre Forschungen zur bakteriellen Pathogenese unter dem Namen Ericka Barrett fort und war von 1977 bis zu ihrer Pensionierung 1996 als Professorin für Mikrobiologie an der University of California in Davis tätig.
Im Jahr 2004 wurde wiederum eine Reihe von Spezies aus der Gattung Ralstonia ausgegliedert und innerhalb der Familie Burkholderiaceae in die Gattungen Cupriavidus (bzw. Wautersia) übergeführt. Auch bei der (mit Stand 3. März 2022 noch nicht gültig beschriebenen) Spezies „R. detusculanense“ könnte es sich um ein Synonym von Cupriavidus metallidurans (vor 2004 als R. metallidurans geführt) handeln.
Vorkommen Ralstonia-Arten wurden in der Milch von Wasserrehen (Hydropotes inermis), Rentieren (Rangifer tarandus) und Ziegen (Capra aegagrus) nachgewiesen. Ralstonia pickettii, R. insidiosa und R. mannitolilytica wurden in vielen verschiedenen Umgebungen gefunden, insbesondere im klinischen Bereich, wo sie als Krankheitserreger auftreten können.
Ralstonia-Arten wurden auch als häufige Verunreinigung von DNA-Extraktionskits oder PCR-Reagenzien identifiziert, was dazu führen kann, dass sie fälschlicherweise in Mikrobiota- oder Metagenom-Datensätzen erscheinen. Ralstonia-Spezies gehören zu den häufigsten Erreger von Infektionen während eines Krankenhausaufenthaltes (nosokomialer Infektionen) bei immungeschwächten Patienten. Bei Patienten, die mechanisch beatmet werden, ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion zwölfmal höher als bei Patienten, die nicht mechanisch beatmet werden.
R. solanacearum ist dagegen ein Krankheitserreger (Pathogen) für viele Pflanzenarten, weitere sind R. pseudosolanacearum und R. syzygii.
Genom Genom-Informationen finden sich auf Genomesonline und beim (DOE's).
Systematik Die Ralstonia zugehörigen Arten (Spezies) wurden lange Zeit der Gattung Pseudomonas zugeordnet, die zu den γ-Proteobakterien gehört. Aktuell (März 2022) zählt Ralstonia zu der Familie der Burkholderiaceae der ß-Proteobakterien
Die hier angegebene Taxonomie basiert mit Stand 1. März 2022 auf den folgenden Quellen: B – , Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) L – (LPSN), Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) N – (NCBI, ) W – (WoRMS)
Gattung: Ralstonia et al. 1996 (L,N) – ohne Autorennennung (W) Spezies: „Ralstonia detusculanense“ et al. 2002 (N), evtl. Synonym von Cupriavidus metallidurans (früher R. metallidurans) Spezies: Ralstonia insidiosa et al. 2003 (L) bzw. et al. 2003 emend. et al. 2004 (N) – ohne Autorennennung (B), inkl. Ralstonia sp. AU2944, Ralstonia sp. CCUG 46389, Ralstonia sp. KO1 (N) Spezies: Ralstonia mannitolilytica corrig. et al. 2001 (L,N) – ohne Autorennennung (B), mit Schreibvariante Ralstonia mannitolytica et al. 2001 (L) und Synonym Pseudomonas thomasii sowie Ralstonia pickettii biovar , inkl. Ralstonia sp. (N) Spezies: Ralstonia pickettii ( et al. 1973) et al. 1996 (L,N) – Typus (L), mit Synonym Pseudomonas pickettii et al. 1973 (L), Burkholderia pickettii ( et al. 1973) et al. 1993 (N), inkl. Ralstonia sp. (N) Spezies: Ralstonia pseudosolanacearum et al. 2014 (L,N) Spezies: Ralstonia solanacearum ( et al. 1996 (L) bzw. ( et al. 1996 emend. et al. 2014 (N), mit Synonymen „Bacillus solanacearum“ (L,N), Pseudomonas solanacearum (N), Burkholderia solanacearum et al. 1993 (N) Spezies: Ralstonia syzygii ( et al. 1990) et al. 2004 (L,N), mit Synonym Pseudomonas syzygii et al. 1990 (L,N), Burkholderia syzygii (N) Subspezies Ralstonia syzygii subsp. celebesensis et al. 2014 (L,N) Subspezies Ralstonia syzygii subsp. indonesiensis et al. 2014 (L,N) Subspezies Ralstonia syzygii subsp. syzygii ( et al. 1990) et al. 2014 (L,N) Dazu kommt eine Reihe möglicher weiterer Spezies mit vorläufigen Bezeichnungen (N).
Verschiebungen zur Gattung Cupriavidus: Ralstonia basilensis et al. 1999 ⇒ C. basilensis ( et al. 1999) 2004 Ralstonia campinensis et al. 2001 ⇒ C. campinensis ( et al. 2001) 2004 Ralstonia gilardii et al. 1999 ⇒ C. gilardii ( et al. 1999) 2004 Ralstonia metallidurans et al. 2001 ⇒ C. metallidurans ( et al. 2001) 2004 Ralstonia oxalatica corrig. (ex et al. 2000 mit Schreibvariante Ralstonia oxalaticus (ex et al. 2000 ⇒ C. oxalaticus ( et al. 2000) 2004 Ralstonia paucula et al. 1999 ⇒ C. pauculus ( et al. 1999) 2004 Ralstonia respiraculi et al. 2003 ⇒ C. respiraculi ( et al. 2003) 2004 Ralstonia taiwanensis et al. 2001 ⇒ C. taiwanensis ( et al. 2001) 2004 zur Gattung Wautersia: Ralstonia eutropha et al. 1996 ⇒ W. eutropha () et al. 2004
Etymologie Der Gattungsname Ralstonia wurde vergeben zu Ehren der amerikanischen Bakteriologin Ericka Ralston, die die Typusart erstmals beschrieb (unter der Bezeichnung Pseudomonas pickettii).
Bedeutung der Art-Epitheta: insidiosa: Es bedeutet , ‚gefährlich‘ (fem.). Dies bezieht sich auf die Tatsache, dass diese Spezies scheinbar harmloser Umweltorganismen beim Menschen isoliert werden kann und möglicherweise auch eine Infektion verursachen kann. mannitolilytica: neulateinisch abgeleitet von und , ‚auflösend‘ von bzw. lytikê, ‚(auf-)lösbar‘; der Namen bedeutet also etwa so viel wie ‚Mannitol spaltend‘. pickettii: Genitiv von neulateinisch , meint also ‚des (Forschers) Pickett‘, benannt zu Ehren von M. J. Pickett. solanacearum: Genitiv Plural (fem.) von Solanaceae (Nachtschattengewächse), meint also „der Nachtschattengewächse“. pseudosolanacearum: Das Präfix kommt von , ‚unwahr‘, ‚falsch‘; die Bezeichnung meint also ein „falsches/unechtes R. solanacearum“. syzygii: Genitiv von Syzygium, dem Gattungsnamen des Nelkenbaums.
Dazu kommt detusculanense: Vermutlich eine Zusammenziehung von lat. APPLICAZIONI delle RALSTONIA DE TUSCULANENSE Termodinamica e bioenergetica ()
Ralstonia mannitolilytica R. mannitolilytica ist eine Spezies gramnegativer Bodenbakterien. Frühere Bezeichnungen sind Pseudomonas thomasii, Ralstonia pickettii biovar , und Ralstonia sp. .
R. mannitolilytica ist nachgewiesenermaßen ein opportunistischer Erreger bei Krankenhausinfektionen. Beispiele sind ein Ausbruch im Vereinigten Königreich im Jahr 1976, der auf eine verunreinigte (kontaminierte) Versorgung mit destilliertem Wasser zurückzuführen war, ein Ausbruch in Taiwan im Jahr 1989, der durch eine verunreinigte 0,9 %ige Natriumchloridlösung verursacht wurde, und ein Ausbruch bei Kindern in den Vereinigten Staaten im Jahr 2005, der mit verunreinigten Atemgasbefeuchtungsgeräten in Verbindung gebracht wurde.
Im Jahr 2023 trat ein weiterer Ausbruch von R. mannitolilytica-Infektionen im Blutkreislauf in Nordostitalien auf (20 Patienten, Angriffsrate 34 %). Der Ausbruch betraf 4 Krankenhäuser und stellte sich als Ergebnis von aus Indien importierten Urokinase-Ampullen heraus, die mit R. mannitolilytica kontaminiert waren.
Ralstonia syzygii R. syzygii ist eine Spezies von Proteobakterien, die als Pflanzenpathogen für die Sumatra-Krankheit verantwortlich ist, die in Indonesien Pflanzen der Gattung Syzygium (zu denen der Gewürznelkenbaum gehört) befällt. Dieser Krankheitserreger wird von Schnabelkerfen aus der Überfamilie Cercopoidea () als Vektoren übertragen.
Diese Art wird dem Artenkomplex Ralstonia solanacearum zugeordnet, zu dem auch bestimmte asiatische Stämme des Bodenbakteriums R. solanacearum, das viele Pflanzenarten infiziert, und die Erreger der Blutkrankheit der Banane (en. , BDB) gehören. Diese drei Erreger von Pflanzenkrankheiten sind trotz erheblicher biologischer Unterschiede sehr eng miteinander verwandt und werden in der Untergruppe Phylotyp IV des Artenkomplexes Ralstonia solanacearum zusammengefasst.
Im Jahr 2014 wurde die Spezies durch Irda Safni et al. in drei Subspezies (Unterarten) unterteilt.
Einzelnachweise BacDive: Ralstonia – Bacterial Diversity Metadatabase, Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) LPSN: Ralstonia Yabuuchi et al. 1996. Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) NCBI: Ralstonia, Details: Ralstonia Yabuuchi et al. 1996 (genus); graphisch: Ralstonia; Lifemap NCBI Version. NCBI: unclassified Ralstonia OneZoom: Ralsonia WoRMS: Ralstonia (Genus). Schalter „marine only“ und ggf. „extant only“ auf „off“. (at DOE's Integrated Microbial Genomes System (IMG System)) Ralstonia Genome Projects (from Genomes OnLine Database) Leonid Schneider, Smut Clyde: Fusion is a dish best served cold. Auf: For Better Science, Update vom 11. Dezember 2020. Zitat: „“
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Irda Safni, Ilse Cleenwerck, Paul De Vos, Mark Fegan, Lindsay Sly, Ulrike Kappler: Polyphasic taxonomic revision of the Ralstonia solanacearum species complex: proposal to emend the descriptions of Ralstonia solanacearum and Ralstonia syzygii and reclassify current R. syzygii strains as Ralstonia syzygii subsp. syzygii subsp. nov., R. solanacearum phylotype IV strains as Ralstonia syzygii subsp. indonesiensis subsp. nov., banana blood disease bacterium strains as Ralstonia syzygii subsp. celebesensis subsp. nov. and R. solanacearum phylotype I and III strains as Ralstonia pseudosolanacearum sp. nov. In: International Journal of Systematic and Evolutionary, Band 64, Nr. 9, S. 3087–3103, 1. September 2014; doi:10.1099/ijs.0.066712-0. PMID 24944341, . Susannah J. Salter, Michael J. Cox, Elena M. Turek, Szymon T. Calus, William O. Cookson, Miriam F. Moffatt, Paul Turner, Julian Parkhill, Nicholas J. Loman, Alan W. Walker: Reagent and laboratory contamination can critically impact sequence-based microbiome analyses. In: B. M. C. Biology, Band 12, Nr. 87, 12. November 2014; doi:10.1186/s12915-014-0087-z.
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