Die historische Hohlebacher Mühle in Homberg (Efze) gehört mit zu den ältesten Mühlen in Deutschland. Heute kann sie im Museum besichtigt werden, welches funktionstüchtig und uralte Technik vorzuweisen hat.
Ursprung des Namens „Hohlebach Mühle“ Der Name der Hohlebach Mühle ist von jenem Bächlein hergeleitet, das durch den Hohlen Graben in die Efze mündet. Hohlebach war eine Siedlung, die bereits in frühen Fuldaer Urkunden im Zusammenhang mit Mardorf (Homberg) und Holzhausen (Dautphetal) genannt wird; es ist sehr wahrscheinlich, dass die Bezeichnung „Hohlebachsmühle“ auf diese Wüstung hinweisen. Von den Hohlebachsmüllern ist allerdings erst im 17. Jahrhundert die Rede. Vorher ist die Mühle anders benannt worden. Fest steht, dass die Hohlebach Mühle die einzige landgräfliche Mühle im Stadtgebiet vom Homberg war und mit zu den ältesten Mühlen in Deutschland gehört. In einer Ausgabequittung von 1415 hieß es: „2 Pfund dem molnere vor Ysenn zu unsers gnädigen Herren molen“ – dies ist die erste urkundliche Erwähnung der Mühle. Ab dem Jahr 1587 ist von der Mühle in vielen Urkunden und Texten die Rede.Texte von Oskar Breiding aus Homberg (Efze), 1995
Die Geschichte der Mühlen Von Beginn bis 1850 nutzte man Mahlsteine. Danach entwickelten sich Eisengießereien in Europa mit großen technischen Vorzügen. Diese nannte man „Walzenstühle“. Sie machen das mahlen leichter und waren deutlich leiser als die Mahlsteine. Ein weiterer Vorteil war, dass man mehr Säcke füllen könnte. Hieraus folgte, dass alle kleinen Mühlen, die sich einen Umbau nicht leisten konnten und nicht mehr lohnend mahlen konnten, schließen mussten. Dies ist in der Hohlebacher Mühle nicht passiert.
Die Geschichte der Mühlen im nordhessischen Raum ist noch weitgehend unerforscht, doch bereits im frühen Mittelalter zählten Mühlen zu den festen Bestandteilen der Wirtschaft, denn bis in die jüngste Vergangenheit waren die Erzeugnisse aus Mühlen die Nahrungsmittel, die an erster Stelle standen. Daher genossen die Mühlen eine besondere Stellung. Dies geht daraus hervor, dass diese Zufluchtsstätten für vogelfreie Leute waren und denn Schutz von Landesherrn genossen. Dies geht zum Beispiel aus der Landknechtsverordnung von 1599 aus.
1500 waren ca. 15 Mühlen in Betrieb, 1706 waren hingegen nur noch acht von ihnen in der Homberger Grenzkarte verzeichnet und heute, nach der Zeit des großen Mühlensterbens im Zeitraum von 1925 bis 1960, sind nur noch zwei von ihnen übriggeblieben. Eine davon ist die Hohlebacher Mühle. Diese ist zudem die einzige Mühle, welche sehr alte funktionstüchtige Technik besitzt, welche nicht durch modernere Technik ersetzt wurde.Erich Kaiser, Die Geschichte der Stadt Homberg (1648–1920), Homberg (Efze) 1982
Die Geschichte der Hohlebach Mühle mini|Hohlebach Mühle Die Hohlebach Mühle wurde 1415 erstmals urkundlich erwähnt. Es folgenden mindestens 12 Eigentümer bis 1901, wobei es durch die Familie Rieder 1901 den ersten Beleg für ein neues Mühlrad gibt.
Der letzte Müller der Hohlebach Mühle, Karl Neider, wurde 1903 in Hombressen bei Hofgeismar geboren. Am 1. Oktober 1904 haben seine Eltern dann die Hohlebach Mühle für 21000 Mark gekauft. Davor stand die Mühle ein Jahr leer, weshalb die Familie am Anfang keine Kundschaft hatte. Sein Vater baute die Mühle zweimal um und kaufte auch bessere Maschinen (z. B. 1912 ein Benzolmotor). Der erste Umbau fand 1910 und der zweite 1926 statt.
Von klein auf kannte es der letzte Müller der Hohlebach Mühle nicht anders. Als Karl drei Jahre alt war, wurde er bereits zwischen die Säcke gesetzt und seine Eltern nahmen seine Hilfe bereits früh in Anspruch. Nach seinem Abschluss der Volksschule lernte er den Beruf des Müllers. Dieses dauerte damals drei Jahre und er war 1920 fertig mit der Lehre. 1936 war er bereits Müllermeister. 1942 übernahm er die Hohlebach Mühle, wurde aber aufgrund des Zweiten Weltkriegs eingezogen. Seine Mutter führte in dieser Zeit die Landwirtschaft weiter. 1949 heiratete Karl Neider und 1951 wurde seine Tochter geboren. Diese erlernte später auch die Müllerei. mini|Hotelzufahrt Karl Neider reparierte einiges an der Hohlebach Mühle und führte sie noch bis 1984. Durch die Zeit der Großmühlbetriebe musste er und seine Tochter schließlich den Betrieb der Mühle aufgeben.Aus den Texten über die Hohlebach Mühle von Martin Dickhaut
Zwischen 1987 und 1998 wurde die Mühle restauriert und konnte auch als Museum besichtigt werden. 1989 kam noch Gastronomie hinzu. Von 2018 bis 2021 wurde restauriert und es erfolgte der Einbau der modernen Technik. Im Frühjahr 2022 wurde die Mühle als Museum, Gastronomie, Hotel sowie Standesamt eröffnet.
Die historische Technik Die Hohlebach Mühle wurde am Ende der 1980er Jahre komplett restauriert und die historische Technik kann heute im Museum besichtigt werden. Sie verläuft über vier Etagen. mini|Wasserrad der Hohlebach Mühle Das heutige Mühlrad der Hohlebach Mühle ist nach Zuppinger Bauart erstellt worden. Es hat eine Welle aus Eichenholz und ist auf Holz gelagert. Dieses wird eng an die Mauer angebracht, sodass der Energiegewinn groß und der Wasserverlust möglichst gering ist. Ein früheres Mühlrad war ein Schaufelrad. Die Steuerung der Wassermenge läuft über eine Schütze. Dies ist eine Abtrennung im Mühlengraben. Wird diese geschlossen, fließt viel Wasser auf das Mühlenrad und es dreht sich schneller. Ist es hingegen geöffnet, fließt weniger Wasser auf das Mühlrad und es verlangsamt sich. Das Mühlrad trieb aber nicht nur die Mühle selbst an, sondern auch Teile der Landwirtschaft.
Im Getriebekeller der Hohlebach Mühle befindet sich ein Kammrad. Dieses besitzt die gleiche Größe, wie das Mühlrad selbst und es leitet die erzeugte Kraft durch kleinere Zahnräder weiter. Diese können auch schräg gestellt werden, damit eine andere Richtung erreicht werden kann. Geschwindigkeitsveränderungen werden durch Nutzung von kleineren und größeren Rädern vorgenommen. Vom Getriebekeller wurde die Kraft durch Lederriemen im gesamten Haus verteilt.
Der Mahlboden der Hohlebach Mühle hat einen Schrotgang und einen Mahlgang. Diese sind mehrere hundert Jahre alt. Außerdem ist dort ein Doppel-Walzenstuhl aus dem Jahre 1908. Dessen Walzen gingen automatisch auseinander, wenn keine Frucht mehr hindurchlief.
Schrot- und Mahlgang bestehen aus zwei Steinen. Diese werden „Bodenstein“ und „Läuferstein“ genannt. Beide Steine mussten regelmäßig geschärft werden, denn sie nutzten sich sehr schnell ab. Die Steine müssen genau aufeinander liegen, sonst verhakt sich der Ablauf. Das muss der Müller hören. Um die Steine richtig aufeinander einzustellen, gibt es drei Schrauben. Die Steine dürfen nicht dicht auf dicht laufen, wenn keine Körner dazwischen sind. Dann gibt es auch weniger Abnutzung an den Steinen.
Der Mischer mit Schnecke mischte die verschiedenen Ausmahlungen, sodass man ein möglichst gleichmäßiges Mehl bekam. Die Schnecke transportierte das Mehl immer wieder nach oben und in einem ständigen Kreislauf fiel das Mahlgut seitlich wieder nach unten.
In der Kleie-Kammer der Hohlebach Mühle wurden die Schalenreste, die Kleie genannt wurden, gelagert. Der Mehlboden war daneben. Dort wurde das Mehl in Mehlsäcke gefüllt. Darüber befindet sich der Sichterboden.
Auf dem Sichterboden gibt es zwei Sichter. Einen alten Sechskant-Sichter mit einer Bespannung aus Maschendraht und zweitens eine Zentrifugalmaschine mit einem runden Sichtzylinder mit einer Bespannung von echter Seidengaze. Außerdem befindet sich dort eine Reinigungsmaschine. In dieser wurde das Mahlgut gereinigt. Auf dem Sichterboden wurde das Getreide auch von Keimen befreit und es gibt eine Aspiration, die den entstehenden Staub absaugt.
Zuletzt hatte die Hohlebach Mühle zwei Mahlgänge, einen Schrotwalzenstuhl und einen Grießwalzenstuhl. Heute wird nur noch mit Walzen gemahlen, denn Steinmüllerei war gefährlich. Klemmte etwas, musste der Müller dies hören, denn die Kraft war nicht weg. Blieb der Mahlgang stehen, konnte die ganze Mühle abbrennen.
Müller bzw. Eigentümer der Hohlebach Mühle +1537Henne Roder1574Hannes von Frielendorf, genannt Wicke1582Wickeshöhn1593Jörg Weißenstein1608Fürst Möle im Catzenstein1615Johannes Baur1652Hermann Dippel1663Johannes Horstmann1674Hans Curt Roß1725Hermann Roß1833Heinrich Schmidt1900Familie Rieder1904Karl Neidel Senior1942Karl Neidel Junior1986Martin Dickhaut2021Leonhard Paul
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Einzelnachweise
Kategorie:Bauwerk in Homberg (Efze)