Figuren in Tolkiens Welt gibt einen Überblick über die in der von J. R. R. Tolkien (1892–1973) erdachten Legendarium existierenden Personen und Lebewesen. Diese leben überwiegend auf dem Kontinent Mittelerde, dem Handlungsort der Romane Der Hobbit (1937) und Der Herr der Ringe (1954/55), der eine fiktive Vergangenheit Europas darstellt. Tolkien war ein englischer Schriftsteller und Sprachwissenschaftler und schuf in seinen Werken eine komplexe Welt mit detaillierter Geschichte und eigenen Sprachen, Völkern, Mythen und Sagen, die ursprünglich als Mythologie für seine Heimat England konzipiert war. Diese Welt ist von einer Vielzahl von Menschen, Elben, Hobbits und anderen fiktiven Wesen bewohnt. Auch die Figuren der erst nach seinem Tode veröffentlichten Bücher und Schriften, wie Das Silmarillion (1977) und die Nachrichten aus Mittelerde (1980), werden hier teilweise beschrieben.

Tolkien gilt als einer der Begründer der modernen Fantasy-Literatur, die er maßgeblich geprägt hat.

Einige der fiktiven Orte auf Arda – insbesondere auf dem Kontinent Mittelerde – sind so bekannt, dass sie zum Allgemeingut der Populärkultur gehören. In den verschiedenen Sprachen und Schriften in Tolkiens Welt existieren für viele Örtlichkeiten unterschiedliche Namen und Bezeichnungen.

Die folgende Aufzählung bezieht sich ausschließlich auf die Romane und Schriften Tolkiens. Die jeweils dreiteiligen Verfilmungen der Romane Der Hobbit und Der Herr der Ringe (siehe Der Hobbit und Der Herr der Ringe) stellen manche Zusammenhänge anders dar.

Die Schreibweise der Eigennamen und einiger anderer Zusammenhänge richtet sich bei Abweichungen zwischen den beiden deutschen Übersetzungen des Herrn der Ringe nach der älteren von Margaret Carroux, da diese noch in Zusammenarbeit mit Tolkien entstand. Die Unterschiede zur Übersetzung Wolfgang Kreges sind in manchen Fällen mit angegeben. __TOC__ Verkürzte Angaben zu den Zeitaltern: E.Z. = Erstes Zeitalter Z.Z. = Zweites Zeitalter D.Z. = Drittes Zeitalter V.Z. = Viertes Zeitalter A.Z. = Auenland-Zeitrechnung

Wortherkunft Es gibt in Tolkiens Welt mehrere von ihm selbst entwickelte Sprachen, so beispielsweise die zwei Elbensprachen Quenya und Sindarin, die am häufigsten angewendet werden. Auf dieser Seite sind Bezeichnungen aus beiden Sprachen vorhanden. So entstammen alle Namen der Valar und Valiër dem Quenya, der „Hochsprache“, ebenso die der meisten Maiar, die den „Frühen Zeitaltern“ dieser Welt entstammen, die im Silmarillion beschrieben werden. Die übrigen Namen entstammen überwiegend dem Sindarin, der von den Elben im Dritten Zeitalter gesprochenen „Umgangssprache“. Zur Verdeutlichung wird bei Abweichungen stellenweise ein (S.) für Sindarin oder ein (Q.) für Quenya angegeben.

Eru Ilúvatar Eru Ilúvatar, „der Eine, der Allvater“, ist in J. R. R. Tolkiens Mythologie der Name Gottes. Das Silmarillion beschreibt seine Existenz vor der Welt mit folgenden Worten:

In der Ainulindale wird über die Erschaffung der Welt durch Eru berichtet, wobei ihm jedoch die Ainur zur Seite stehen und aktiv eingreifen. Tolkien wählte für seine Schöpfung einen ungewöhnlichen Weg, denn seine Welt entsteht aus dem Gesang oder der Musik der Ainur, denen Eru sein großes Thema vorgibt. Daraus entsteht „Ea, die Welt, die ist“. Eru Ilúvatar bleibt außerhalb von Ea in den Zeitlosen Hallen. Bei ihm befindet sich das Geheime Feuer, die Macht, die Leben schafft.

Eru wird in Mittelerde nicht in Gotteshäusern, Kirchen oder Tempeln verehrt. Lediglich auf der untergegangenen Insel Númenor gab es auf dem höchsten Berg, dem Meneltarma, eine Kultstätte für ihn. Tolkien erklärt dies mit dem Monotheismus der „natürlichen Theologie“ des vorchristlichen Mittelerde.J. R. R. Tolkien an Houghton Mifflin Co.,30. Juni 1955. In: Tolkien, Briefe, Nr. 165, S. 220

Seinen Statthaltern auf Erden, den Valar, die mit ihm Zwiesprache halten können, hat er die Macht übertragen, in seinem Namen Arda zu regieren. Eru greift deshalb nur selten in seine Schöpfung ein, beispielsweise als die Heere Númenors versuchen, in Valinor zu landen, und er den Bau der Welt ändert, was außerhalb der Macht der Ainur liegt. Auch die Vernichtung von Saurons Ring schreibt Tolkien in einem Brief dem Wirken des Einen zu.J. R. R. Tolkien an Amy Ronald, 27. Juli 1956. In: Tolkien, Briefe, Nr. 192.

Auch außerhalb des Legendariums nutzte der gläubige Katholik Tolkien den Namen Eru für Gott in Gebetsübersetzungen in die von ihm entwickelte Hochsprache Quenya. In der Übersetzung der Lauretanischen Litanei beispielsweise werden die Aina Neldie Eru Er (Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott) und die Aina Eruontarie (Heilige Mutter Gottes) angerufen. Das Geheime Feuer, als dessen Diener sich unter anderem Gandalf bezeichnet, ist nach Tolkien der Heilige Geist.Clyde Samuel Kilby: Tolkien & the Silmarillion, Kapitel Tolkien as Christian Writer. S. 59

Ainur Die Ainur (Q., Singular Ainu) sind die aus dem Geiste Eru Ilúvatars erschaffenen Heiligen, die von Tolkien mit Engeln identifiziert werden. In den frühesten Versionen der Mythologie schließen sie wie die heidnischen Götter untereinander Ehen und haben Kinder, die wiederum Ainur sind; davon rückte Tolkien aber später zugunsten einer direkten Erschaffung aller Ainur durch Ilúvatar ab. Sie sangen die Große Musik, die der Ursprung Eas, der Welt, die ist, war. Die Geschichte dieses Liedes wird in der Ainulindale erzählt. Den Ainur erlaubt Ilúvatar, diese neu entstandene Welt Ea zu betreten, um sie zu gestalten. Dafür nehmen sie, ebenso wie diese Welt, eine physische Gestalt an, die in der Regel denen der Kinder Ilúvatars nachgebildet ist. In Arda werden die mächtigsten Ainur als Valar bezeichnet, was „Mächte“ bedeutet. Ihnen stehen andere Ainur als Gefolge zur Seite, die man Maiar, die Schönen nennt.

Valar Die Valar (Q., Singular Vala), „die Mächte der Welt“, sind jene Angehörige der Ainur, die auf Arda, die Erde, herabsteigen, um sie auf die Ankunft der „Kinder Ilúvatars“ (Menschen und Elben) vorzubereiten. Sie gründeten Valinor, das „Land der Valar“ im Segensreich Aman im äußersten Westen von Arda, als irdisches Paradies.

In frühen Versionen wurden die Valar als „Götter“ bezeichnet. In Das Buch der Verschollenen Geschichten werden Manweg mit Wōden und Tulkas mit þunor gleichgesetzt. Auch erinnern Ulmo und Aule an die römischen Gottheiten Neptun bzw. Vulcanus. Jedoch rückte Tolkien später von dieser Konzeption ab und benannte sie fortan als „Mächte“ in Übereinstimmung mit seinem Monotheismus. In der veröffentlichten Fassung des Silmarillion wird nurmehr erwähnt, dass die Valar von den Menschen oft „Götter“ genannt werden. Mit der Athrabeth Finrod ah Andreth schrieb Tolkien eine fiktive theologische Diskussion zwischen Finrod Felagund und der Menschenfrau Andreth, in der Finrod erklärt, dass nach der Lehre der Valar selbst diese dem einen Gott Eru nicht näher stünden als Elben und Menschen, sondern gleich ihnen Eru untertan seien.

Aratar Acht der Valar, die Aratar („die Erhabenen“), sind besonders mächtig: Manwe, Varda, Ulmo, Aule, Yavanna, Nienna, Orome und Mandos. Sie erschufen und regieren die Elemente Luft, Licht, Wasser, Erde sowie Natur, Hoffnung und Schicksal. Die Legende über diese mächtigen Geschöpfe jener Welt wird in der Valaquenta erzählt. Sie sind im Allgemeinen nicht wahrnehmbar, außer sie „tragen“ einen sichtbaren Körper, den sie aber nicht benötigen. Sie können auch andere Formen annehmen als die menschliche oder elbische Gestalt.

Die Aufgabe der Valar ist es, Arda ihre endgültige Form zu geben, so wie sie gemäß Ilúvatars Vorgabe und dem heiligen Gesang werden soll. Melkor, der mächtigste unter ihnen, lehnt sich jedoch gegen diese Vorgaben auf und versucht, die Welt nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten und sie sich zu eigen zu machen, unter Missachtung von allem und jedem. Daher wird er schon bald aus dem Kreise der Valar ausgeschlossen, die ebendieses verhindern wollen.

Manwe Manwe Súlimo wird der Herr des Westens genannt. Er ist der edelste und höchste der Valar. Weil er die Vorhaben Ilúvatars am besten versteht, wird er dessen oberster Verwalter. Er ist der Fürst der Valar, mächtigster Gegenspieler seines Bruders Melkor. Sein Beiname Súlimo bedeutet so viel wie „Herr der Winde“ oder „Windbringer“.

Manwe regiert in seinen Hallen Ilmarin auf dem Taniquetil („Hoher weißer Gipfel“), dem höchsten aller Berge, als „Ältester König“ zusammen mit seiner Königin Varda im Namen von Eru über die Welt.

Manwe ist der Herr über die Luftschichten und die Winde. Seine Gemahlin ist Varda, die von den Elben Mittelerdes auch Elbereth („die Sternenkönigin“) genannt wird. Zu Manwes Untergebenen zählen die großen Adler, die er als Boten benutzt, um Kundschaft aus dem weit entfernten Mittelerde zu beziehen.

Varda Varda Elentári ist die mächtigste der weiblichen Valar, die Valiër genannt werden. Sie wird als überirdische Schönheit beschrieben, in deren Antlitz noch das Licht Ilúvatars lebt. Licht ist zugleich ihr Machtmittel.

Varda ist diejenige, die von den Elben am meisten verehrt und geliebt wird, denn sie entfachte die Sterne, in deren Schein die Elben am See Cuiviénen erwachten. Ihr elbischer Ehrenname Elbereth bedeutet „Sternenkönigin“. Ein weiterer Name ist Tintalle, „die Entfacherin“. Von allen Valar fürchtet Melkor sie am meisten, denn sie erkannte ihn einst durch alle Masken hindurch als das, was er war. Deswegen kann allein das Aussprechen des Namens Elbereth die Diener des Melkor verletzen, wie sich im Kampf der Hobbits mit den Nazgûl an der Wetterspitze erweist.

Ulmo Ulmo ist der Herr der Gewässer, Seen und Meere. Wie das Wasser „fließt sein Geist durch alle Adern der Welt“. Ulmo ist ein Freund der Elben und Menschen. Im Rat der Valar nimmt er einige Male Partei für sie und tritt so als Gegenspieler von Mandos auf. Aus Liebe zu den „Kindern Ilúvatars“ ist er der einzige Vala, der während der Ereignisse des Silmarillions direkten Kontakt mit den Menschen und den Elben in Mittelerde hat. Er ist in der Lage, Inseln aus dem Meer zu erheben sowie über das Meer fahren zu lassen, um zwei Völker zu vereinen. Er wohnt in den tiefsten Orten des großen Außenmeers.

Seine wichtigsten Helfer sind die Maiar Osse und Uinen, von denen der eine ein aufbrausendes, stürmisches Wesen und die andere sanft und ruhig ist. Die Aktivitäten beider erklären den ambivalenten Charakter des Meeres.

Ulmo tritt im Silmarillion relativ häufig auf. Eine besondere Rolle spielt er in der Geschichte von der Ankunft Tuors in Gondolin.

Aule Aule ist der Meister der Materie, der Künste und des Wissens. Seine größten Werke sind die Zwei Leuchten der Valar (Ormal: „Goldlicht“, die Leuchte des Südens und Illuin: „Silberlicht“, die Leuchte des Nordens), die Gefäße für Sonne und Mond. Ebenfalls sein Werk sind die Sieben Väter der Zwerge, die von ihm heimlich erschaffen werden. Das kann er jedoch nicht vor Eru Ilúvatar verbergen, denn auch das geschieht nach seinen Vorgaben. Da nach Erus Plan aber zuerst seine eigenen Geschöpfe, die Erstgeborenen Elben auf die Erde kommen sollen, legt er die Zwerge zum Schlafen unter die Erde, bis die Zeit reif ist, sie zum Leben zu erwecken.

Seine Arbeit geht über das Herstellen von Waffen und Gegenständen hinaus. Er schmiedet die Gestalt der Erde selbst sowie die ihrer Berge und Länder, zudem erfindet er neue Dinge. Er ist Patron und Meister aller Handwerker und Gestalter. Sowohl Sauron als auch Saruman und Feanor gehörten einst zu seinen Lehrlingen.

Trotz seiner Kunstfertigkeit ist Aule bescheiden, Besitz oder Herrschaft kümmern ihn nicht. Seine Gemahlin ist Yavanna, die Herrin der Erde, Erschafferin der Tiere, Pflanzen und Ents, zudem Beschützerin von allem Lebendigen, das die Erde bevölkert. Mit ihr bewohnt er das Zentrum von Valinor.

Yavanna