Supersound und flotte Sprüche (Originaltitel Can’t Stop the Music), in Deutschland auch unter dem Titel The Village People – Can’t Stop the Music bekannt, ist eine US-amerikanische Musical-Komödie aus dem Jahr 1980. Der Film handelt von der fiktiven Entstehungsgeschichte der Village People, deren Mitglieder sich in der Produktion selbst verkörperten.
Die Idee zum Film stammt von Allan Carr, der 1977 mit Grease ein an den Kinokassen sehr erfolgreiches Musical produziert hatte. Er lernte die Village People auf einer Party kennen und beschloss nach einem Treffen mit deren Gründern Henri Belolo und Jacques Morali, eine fiktionalisierte Version ihrer Entstehungsgeschichte zu verfilmen, wobei er auch am Drehbuch mitschrieb.
Supersound und flotte Sprüche kam am 19. Juni 1980 in die US-amerikanischen Kinos. Die Produktion wurde von der dortigen Filmkritik verrissen, zudem war der Film auch finanziell ein Misserfolg. Ein Hauptgrund für letzteres war wahrscheinlich die zum Veröffentlichungszeitpunkt stark gesunkene Beliebtheit des Disco-Genres in den Vereinigten Staaten. Supersound und flotte Sprüche war neben Xanadu Inspiration für die Verleihung des Negativpreises Goldene Himbeere.
Handlung Jack Morell würde gerne Singer-Songwriter werden, konnte sich in diesem Beruf aber bislang nicht etablieren und arbeitet deswegen als DJ in der New Yorker Diskothek Saddle Tramps. Sam, die ihn bei sich wohnen lässt, feiert dagegen als Model große Erfolge, will diesen Beruf jedoch bald aufgeben, da sie in der Branche bereits als alt gilt. Eines Tages wird sie Zeugin, wie ein von Jack geschriebenes, ihr gewidmetes Lied positiv aufgenommen wird, weswegen sie sich bereit erklärt, ihm mittels ihrer Verbindungen einen Plattenvertrag zu besorgen.
Dafür wendet sie sich an ihren Ex-Freund Steve Waits, Präsident der Plattenfirma Marrakech Records. Die beiden trennten sich, da ihm die Arbeit letztlich wichtiger war als Sam. Er sagt zu, sich Jacks Demoaufnahme anzuhören, wobei es ihm nicht wirklich um die Musik geht. Er will stattdessen wieder mit Sam zusammenkommen. Weil diese glaubt, dass Jacks Gesangstalent Steve nicht überzeugen wird, rekrutiert sie mehrere junge Männer, die alle bestimmte Berufsgruppen imitierten. Der „Indianer“ Felipe ist ihr Nachbar und arbeitet in der Saddle Tramps als Kellner sowie Go-go-Tänzer. Ihr Kollege David mimt einen Bauarbeiter, während sie den „Cowboy“ Randy im Greenwich Village aufgreift. Sam verspricht, ihnen ein nobles Abendessen zu spendieren, wenn sie im Gegenzug Jacks Lieder für Steve vortragen.
Am Tag der Aufnahme, die in Jacks und Sams Wohnung stattfindet, kommt es zu chaotischen Szenen, als mehrere eigentlich unbeteiligte Personen dorthin kommen. Lulu Brecht soll Sam für deren ehemalige Agentin Sydney Channing vom Ruhestand abhalten. Lulu ist allerdings eher daran interessiert, die anwesenden Männer zu verführen. Der Anwalt Ron White, der im Auftrag von Sams Schwester einen Kuchen bei Jack abliefern will, wird auf dem Weg von einer Seniorin überfallen. Vor der Aufnahme bietet Lulu Jack Drogen an, was ihn beunruhigt, als deren Freundin Alicia einen Polizisten mitbringt. Ray ist allerdings kein echter Beamter, sondern ein weiterer Nachwuchssänger. Schließlich nimmt Jack mit der Gruppe das Lied Magic Night auf, während der von Lulu bedrängte Ron die Flucht ergreift.
Am nächsten Tag trifft Sam auf Ron, der sich für seinen Nervenzusammenbruch vom Vortag entschuldigt. Er begleitet Sam in ihre Wohnung, wo er versehentlich Lasagne auf seiner Kleidung verschüttet. Nachdem sie ihm beim Ausziehen hilft, haben die beiden wenig später miteinander Sex. Tags bietet Ron Jack sein Kanzlei-Büro an der Wall Street als Vorsprechraum für weitere Bandmitglieder an. Dort fällt Jacks Wahl auf den Lederkleidung tragenden Glenn, der ihn mit einer Danny Boy-Darbietung beeindruckt, sowie auf den „G.I.“ Alex. Die zwei bilden nun zusammen mit David, Randy, Felipe und Ray eine Band. Als Rons wohlhabende Mutter Norma dazustößt, gibt diese der Gruppe mit einer beiläufigen Bemerkung ihren Namen Village People als Anspielung auf den Herkunftsort der Mitglieder, dem Greenwich Village. Ron kündigt kurz darauf, weil sein Vorgesetzter Richard Montgomery die Village People nicht als Klienten haben will.
Nachdem die Band in der Young Men’s Christian Association während einer Gruppennummer zusammen mit anderen Männern Sport macht und duscht, nimmt sie die Demo Liberation auf. Danach werden Jack und Sam bei Steve vorstellig. Weil dieser den Village People keine großen Erfolgschancen gibt, erhält Jack von ihm nur einen Plattenvertrag in niedriger Höhe, den Sam ablehnt. Sie und Jack beschließen, die Gruppe selbst zu finanzieren. Sie wollen deswegen eine Party veranstalten, auf die es nur gegen Bezahlung Zutritt gibt. Um hierfür aufzukommen, willigt Sam ein, wieder für ihre alte Agentur zu arbeiten und einen Milch-Werbespot zu drehen, allerdings nur zusammen mit der Band. Die Werbetreibenden sind vom Spot, in dem mehrere Jungen durch das Trinken von Milch zu den Village People heranwachsen, entrüstet und lehnen ihn ab. Die Gruppe wird schließlich von Norma eingeladen, auf einer von ihr organisierten Benefiz-Veranstaltung in San Francisco erstmals vor Publikum aufzutreten.
Sam überzeugt Steve, mit nach San Francisco zu kommen, indem sie ihm als Gegenleistung ein romantisches Wochenende verspricht. Als Ron dies mitbekommt, ist er extrem aufgebracht, weswegen sich Sam von ihm trennt. In seinem Privatjet trifft Steve statt Sam Jack und dessen Mutter Helen. Steve weigert sich zunächst, ihren Forderungen nach einem besseren Plattenvertrag nachzukommen, bis Helen ihn dank ihrer Kreplach umstimmt und er sich bereit erklärt, Band-T-Shirts als Merchandise in Japan zu verkaufen. In der Umkleide vor dem ersten Auftritt der Gruppe entschuldigt sich Ron bei Sam für seine hysterische Reaktion und hält um ihre Hand an. Kurz darauf erscheint Montgomery und bietet Ron nicht nur an, als Juniorchef für die Kanzlei zu arbeiten, sondern auch, die Band als Klienten aufzunehmen. Schließlich treten die Village People auf und werden für ihr Debüt Can’t Stop the Music gefeiert.
Produktion
Entstehung Der Filmproduzent Allan Carr wohnte 1979 bei einer von Jacqueline Bisset veranstalteten Party einem Auftritt der Village People bei. Carr, der im Jahr davor mit Grease ein an den Kinokassen sehr erfolgreiches Musical finanziert hatte, fand Gefallen an der Band. Sie war vor allem in der LGBT-Gemeinschaft beliebt, da sie nach Ansicht deren Mitglieder typische Elemente der Macho-Kultur mit ihren Auftritten und Kostümen auf den Kopf stellte. Carr, der selbst homosexuell war, kam noch auf der Feier die Idee, ein Filmmusical über die Band zu produzieren. Er traf sich kurz darauf mit Henri Belolo und Jacques Morali, den Gründern der Village People. Nachdem sie Carr deren Entstehungsgeschichte geschildert hatten, beschloss er, ebendiese in seinem Film zu behandeln, wenn auch größtenteils fiktionalisiert. Er beauftragte den Komiker Bruce Vilanch und Bronte Woodard, seinen Grease-Co-Autor, mit dem Verfassen eines ersten Drehbuch-Entwurfs, wobei das fertige Skript von Carr und Woodard stammte. Trotz der fiktiven Entstehung der Village People im Film fanden sich im Drehbuch einige Anspielungen auf reale Aspekte der Gruppe. Die Handlung um Jack Morell ist lose an Moralis Karriereweg angelehnt. Marrakech Records bezieht sich auf Casablanca Records, das damalige Label der Band.
Supersound und flotte Sprüche war Teil einer Vereinbarung von Carr mit EMI Films, einer Tochtergesellschaft der britischen Plattenfirma EMI.Sean Griffin: Free and Easy?: A Defining History of the American Film Musical Genre. Wiley, New York 2017, ISBN 978-1-4051-9495-2, S. 282. Einige deren Angestellter finanzierten seit 1969 als Co-Produzenten etliche Filme mit.Bryan Forbes: A Divided Life. Person Education, London 1992, ISBN 0-434-26828-3, S. 62. Für Supersound und flotte Sprüche zeichnete der EMI-Films-Mitarbeiter Barry Spikings verantwortlich.Duncan J. Petrie, Ignazio Cabras: Creativity And Constraint In The British Film Industry. Palgrave Macmillan, London 1991, ISBN 1-349-21473-6, S. 58. Carr sollte für EMI Films neben Supersound und flotte Sprüche eine Chicago-Verfilmung mit Liza Minnelli und Goldie Hawn sowie ein Josephine-Baker-Biopic mit Diana Ross in der Hauptrolle produzieren. Neben Carr waren Belolo und Morali die weiteren Produzenten von Supersound und flotte Sprüche.
Obwohl die Charaktere der Village People stereotype Schwärme homosexueller Männer abbildeten, der Songwriter Morali in mehreren Liedern versteckte Anspielungen auf Homosexualität platzierte und die Mitglieder Randy Jones sowie Felipe Rose selbst offen schwul sind, wurden alle Village People im Film als heterosexuelle Frauenschwärme dargestellt.Paul Senftenberg: Gay Movie Moments: Schwule Gänsehautmomente in Filmen und Serien. Homo Littera, Gratkorn 2020, ISBN 978-3-903238-04-6, S. 179. Diese Entscheidung diente vermutlich dazu, ein Mainstream-Publikum anzusprechen, zumal Carr von jedem Bandmitglied verlangt haben soll, während der gesamten Produktionsphase „nicht homosexuell“ zu sein. Seine Motivation hierfür könnten Vorankündigen in Filmzeitschriften gewesen sein, die die Produktion als „thematisch schwul“ bezeichneten, worauf Carr Richtigstellungen forderte. Weil jedoch auch queere Männer eine wichtige Zielgruppe für den Film waren, fanden die Autoren eine Art Kompromiss. So gibt es in der Handlung neben einer heterosexuellen Beziehung auch Szenen, in denen die Village People mit leicht bekleideten Männern Sport machen und zusammen duschen.Griffin Benshoff: Queer Images: A History of Gay and Lesbian Film in America. Rowman & Littlefield, Lanham 2005, ISBN 0-7425-6857-1, S. 178.
Besetzung Carr wollte die Hauptrolle Sam mit Bisset besetzen, die aber ablehnte. Eine Verpflichtung von Olivia Newton-John, der Hauptdarstellerin aus Grease, scheiterte, weil sie Änderungen am Drehbuch und John Farrar, einen Musikproduzenten, mit dem sie damals häufig zusammenarbeitete, statt Morali als Liedtexter verlangte. Newton-John übernahm stattdessen die Hauptrolle im zur selben Zeit gedrehten Disco-Filmmusical Xanadu. Weil Carrs dritte Wahl Cher ebenfalls absagte, sollte Raquel Welch die weibliche Hauptrolle verkörpern. Die Village People lehnten sie ab, da der „Bauarbeiter“ David Hodo während seiner Zeit als Musicaldarsteller „Horrorgeschichten“ einiger Kollegen über ihr angebliches schwieriges Verhalten zu hören bekam. Deshalb wurde schließlich Valerie Perrine verpflichtet.
Erste Presseankündigungen erwähnten neben Perrine unter anderem Chita Rivera und Pat Ast als Ensemblemitglieder. Die zwei verließen die Produktion allerdings vor Beginn der Dreharbeiten, während die Hauptrolle Jack mit dem jungen Steve Guttenberg besetzt wurde. Für Ron, die zweite männliche Hauptrolle, wählten die Produzenten Caitlyn Jenner. Jenner, die mehr als vierzig Jahre vor dem Coming-out als trans Frau unter anderem die olympische Goldmedaille im Zehnkampf gewonnen und in der Disziplin mehrere Rekorde aufgestellt hatte, besaß keinerlei Schauspielerfahrung, war jedoch aufgrund der sportlichen Erfolge in den Medien häufig präsent. Auf die Frage eines Reporters nach dem Grund für das Schauspiel-Debüt antwortete Jenner, dass Wheaties (in den USA bekannte, oft von Sportlern beworbene Frühstücksflocken) allein nicht zum Leben reichten. Carr bezeichnete Jenner in der New York Times als „Robert Redford der 1980er Jahre“, zudem werde Supersound und flotte Sprüche für Perrine denselben Effekt haben wie Die Kunst zu lieben für Ann-Margret (diese erhielt für ihre Leistung Kritikerlob sowie eine Oscar-Nominierung).