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Das Ukrainische Institut für Nationale Erinnerungbpb.de (Christian Hörbelt) ( / Ukrajinskyj instytut nazionalnoji pamjati, wiss. Transliteration / Abk. УІНП / UINP)Oder Ukrainisches Institut des nationalen Gedenkens, Ukrainisches Institut für Nationales Gedächtnis u. a.; engl. Ukrainian Institute of National Memory oder Ukrainian Institute of National Remembrance usw. ist ein ukrainisches Institut, das „maßgeblich“ die „Richtung der nationalstaatlichen Geschichts- und Erinnerungspolitik“ bestimmt.Christian Hörbelt (bpb.de) mini|Lypska-Straße 16, Kiew Einführung Es untersteht dem Ministerkabinett der Ukraine, dem obersten Organ der Exekutive der Ukraine. Es wurde am 31. Mai 2006 gegründet als spezielle Einrichtung für die Wiederherstellung und Bewahrung des nationalen Gedächtnisses des ukrainischen Volkes. Von 2006 bis 2010 war es eine zentrale staatliche Einrichtung mit Sonderstatus, von 2010 bis 2014 eine Forschungseinrichtung. Am 9. Dezember 2010 wurde das Institut durch einen Erlass von Wiktor Janukowytsch aufgelöst, und am selben Tag schuf das Ministerkabinett der Ukraine an seiner Stelle das UINP als Forschungseinrichtung, die dem Ministerkabinett der Ukraine untersteht.

Dem Autor Mikola Dawidjuk / Mikola Iwanowitsch Dawidjuk, wiss. Transliteration zufolge hat das Institut dreißig Mitarbeiter.Mykola Davydiuk: Wie funktioniert Putins Propaganda? 2021, S. 130 („In Polen beispielsweise in einer ähnlichen Einrichtung, im Instytut Pamięci Narodowej, übersteigt diese Zahl zweitausend.“)

Direktoren Ihor Juchnowskyj, seit 22. Mai 2006US-Ukraine Business Council. www.usubc.org Walerij Soldatenkoukrainisch Валерій Федорович Солдатенко / Walerij Fedorowytsch Soldatenko; wiss. Transliteration: Valerij Fedorovyč Soldatenko, seit 19. Juli 2010 Wolodymyr Wjatrowytschukrainisch Володимир Михайлович В'ятрович / Wolodymyr Mychajlowytsch Wjatrowytsch; Transliteration: Volodymyr Mychajlovyč Vʼjatrovyč, seit 25. März 2014Das Ministerkabinett entließ Wjatrowytsch vom Posten des Leiters des Ukrainischen Instituts für Nationales Gedächtnis – 5 Kanal (aus dem Webarchiv). (Der Webseite zufolge hat Wjatrowytsch hatte auch am Harvard Ukrainian Research Institute gearbeitet.) Anton Drobowitschukrainisch Дробович Антон Едуардович / Anton Jeduardowitsch Drobowitsch; Transliteration: Anton Eduardovič Drobovič, seit 4. Dezember 2019"Drobovych appointed as chairman of Ukrainian Institute of National Remembrance". Ukrinform (4. Dezember 2019)Who is Ukraine's new head of Institute of National Remembrance?, 112 Ukraine (5. Dezember 2019)

Dekommunisierung in der Ukraine

Im Mai 2015 unterzeichnete der ukrainische Präsident Petro Poroschenko vier Gesetze zur Dekommunisierung in der Ukraine. Der Direktor des Instituts, Wolodymyr Wjatrowytsch, war an der Ausarbeitung von zwei dieser Gesetze beteiligt.

Das Gesetz über den Zugang zu den Archiven der repressiven Organe des kommunistischen totalitären Regimes der Jahre 1917–1991Верховна Рада України; Закон від 09.04.2015 № 316-VIII Про доступ до архівів репресивних органів комуністичного тоталітарного режиму 1917–1991 років erteilt dem Institut die Zuständigkeit für die staatlichen Archive über die Repressionen während der Sowjetzeit.

Der kanadische Historiker David R. Marples initiierte 2015 einen von zahlreichen mit der Ukraine befassten Historikern unterzeichneten offenen Brief an Petro Poroschenko diese Gesetze nicht gegen zu zeichnen. In Antwort darauf bezeichnete Wolodymyr Wjatrowytsch die von ukrainischen Nationalisten gegangenen Massenmorde an Polen und Juden als bloße "Einzelmeinungen" und warf den Unterzeichnern vor, russische Propaganda zu verbreiten.

Laut Christian Hörbelt wäre eine „staatlich geförderte multiperspektivische und demokratische Erinnerungskultur“, welche die Opfer- und Täterkollektive gleichermaßen aufarbeitet, unabdingbar für eine gesellschaftliche Aussöhnung nach totalitär-autoritären Herrschaftsphasen. Die „objektive Aufarbeitung“ der sowjetischen Verbrechen wird aber zurzeit nur schwer zu realisieren sein. Es müsste dazu auch Russland bereit sein, eine „kritische Aufarbeitung seiner imperialen Sowjetgeschichte“ zuzulassen, was unter der Präsidentschaft von Wladimir Putin als sehr unwahrscheinlich gilt.

Literatur Christian Hörbelt: Analyse: Eine erinnerungskulturelle Zerreißprobe: Wie das Ukrainische Institut für Nationale Erinnerung ein neues nationalukrainisches Narrativ konstruiert, Bundeszentrale für politische Bildung, 18. Dezember 2017 (bpb.de) Christian Hörbelt: Eine erinnerungskulturelle Zerreißprobe: Wie das Ukrainische Institut für Nationale Erinnerung ein neues nationalukrainisches Narrativ konstruiert, Ukraine-Analysen 193 (2017): 11–15 Online Florian Peters: Roter Mohn statt Rotem Stern: „Entkommunisierung“ der Geschichtskultur in der Ukraine. Osteuropa, Vol. 66, No. 3, Fallstudien: Ukraine, Russland, Tschechien (2016), pp. 59–77 (19 pages) in Teilansicht Wilfried Jilge: Nationalukrainischer Befreiungskampf: Die Umwertung des Zweiten Weltkrieges in der Ukraine. Osteuropa. Vol. 58, No. 6, Geschichtspolitik und Gegenerinnerung: Krieg, Gewalt und Trauma im Osten Europas (JUNI 2008), pp. 167–186 (20 pages) in Teilansicht

Rüdiger Ritter, Rezension: Carola Lau: Erinnerungsverwaltung, Vergangenheitspolitik und Erinnerungskultur nach 1989 sehepunkte 21 (2021), Nr. 7/8

Tomasz Stryjek: Opfer und Helden – vergangenheitspolitische Strategien der ukrainischen Eliten, in: Etienne Francois, Kornelia Konczal, Robert Traba: Geschichtspolitik in Europa seit 1989. Deutschland, Frankreich und Polen im internationalen Vergleich. 2013, S. 264 ff.

Weblinks

Ukrainisches Institut für Nationale Erinnerung (ukrainisch) Youtube-Kanal, Ukrainian Institute of National Remembrance

Einzelnachweise

Kategorie:Aufarbeitung der kommunistischen Gewaltherrschaft Kategorie:Kulturelle Organisation (Ukraine) Kategorie:Ukrainische Geschichte Kategorie:Politik (Ukraine)