Die Rickettsien-Pocken oder Rickettsienpocken (auch Pockenfleckfieber,Peter Reuter: Springer Klinisches Wörterbuch 2007/2008. 1. Auflage. Springer-Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34601-2, S. 1610. Rickettsiosis varicelliformis, Rosssche Rickettsiose,Günter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Verlag Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung, München / Berlin / Wien 1973, ISBN 3-541-84005-6, 5. Ordner (Membra – Rz), S. R 119. The Merck Manual. Merck Manual, 20. Auflage. Kenilworth 2018, ISBN 978-0-911910-42-1, S. 1691 f.) sind eine durch Milben übertragene Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Rickettsia akari (Ordnung der Rickettsien) ausgelöst wird.
Übertragung Natürliches Reservoir für das Bakterium Rickettsia akari sind Mäuse und Ratten. Die Infektion des Menschen erfolgt durch den Biss einer Milbe, die Kontakt zu einem Hauptwirt hatte. Die blutsaugende Milbe heißt Liponyssoides sanguineus (früher: Allodermanyssus sanguineus oder Dermanyssus sanguinusRoche Lexikon Medizin. 5. Auflage. Verlag Urban & Fischer, München / Jena 2003, ISBN 3-437-15156-8, S. 1603.) und kommt vornehmlich in den östlichen Küstenregionen der Vereinigten Staaten vor.Maxim Zetkin, Herbert Schaldach: Lexikon der Medizin, 16. Auflage, Ullstein Medical, Wiesbaden 1999, ISBN 978-3-86126-126-1, S. 1745 f. Die durch diese Milben – und nicht wie beispielsweise das Fleckfieber durch Läuse – übertragene Erkrankung zählt nach dem verursachenden Krankheitserreger Rickettsia akari zur Gruppe der Rickettsiosen.Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 268. Auflage. Verlag Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2020, ISBN 978-3-11-068325-7, S. 1529 f.
Geschichte Der erste bekannte Ausbruch der Rickettsien-Pocken fand 1946 in einem Apartmentkomplex im New Yorker Stadtteil Kew Gardens statt. Allgemeinmedizinern fiel auf, dass erstaunlich viele Personen mit Symptomen von Varizellen zu ihnen kamen. Erst einige Monate nach dem ersten Fall wurde den Ärzten klar, dass eine lokale Epidemie ausgebrochen war und es sich um eine andere Krankheit handeln musste. In dem Wohnungsgebäude lebten zu dieser Zeit circa 2000 Menschen, 124 Fälle von Rickettsien-Pocken wurden verzeichnet. Männer und Frauen erkrankten gleichermaßen und sowohl sehr junge (drei Monate) als auch alte Menschen (71 Jahre) waren betroffen. In dem Gebäude befanden sich laut Aussagen von Bewohnern viele Mäuse im Keller. Experten für Seuchenschutz fanden beim Abziehen der Tapeten Wände vor, die komplett mit Milben befallen waren.Morris Greenberg, Ottavio J. Pellitteri, William L. Jellison: Rickettsialpox—A Newly Recognized Rickettsial Disease. In: American Journal of Public Health and the Nations Health. 37, 1947, S. 860, doi:10.2105/AJPH.37.7.860.
Die Krankheit trägt auch das Eponym des englischen Tropenmediziners Sir Ronald Ross,Günter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Verlag Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung, München / Berlin / Wien 1973, ISBN 3-541-84005-6, 5. Ordner (Membra – Rz), S. R 151. der aber schon vor der Erstbeschreibung, nicht jedoch vor dem ersten Auftreten, verstarb.
Vorkommen Die Krankheit kommt vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika, Mexiko, Kroatien, der Türkei und in der Ukraine vor, oft infizieren sich aber auch Touristen mit ihr und bringen die Krankheit mit in ihr Heimatland.B. Dzelalija, V. Punda-Polic, A. Medic, M. Dobec: Rickettsiae and rickettsial diseases in Croatia: Implications for travel medicine. In: Travel medicine and infectious disease. Band 14, Nummer 5, 2016 Sep - Oct, S. 436–443, doi:10.1016/j.tmaid.2016.06.010, PMID 27404664 (Review). Sie ist endemisch in den USA, in Russland, in Korea und in Afrika. „Da die Hausmaus den natürlichen Wirt des Erregers R. akari darstellt, findet man die Rickettsien-Pocken vor allem im Bereich großer Städte.“Hans Jürgen Otte, Henning Brandis: Lehrbuch der Medizinischen Mikrobiologie. 4. Auflage, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart / New York 1978, ISBN 3-437-00258-9, S. 394 f.
Klinisches Bild An der Stelle des Bisses (Übertragungsstelle) durch die Milbe entsteht wenige Tage nach der Infektion eine Papel (Papulovesikel). Die Inkubationszeit beträgt 10 bis 17 Tage. Die Papel entsteht am dritten bis fünften Fiebertag und wird als makulopapulöses und vesikulöses oder varizelliformes Exanthem beschrieben. Die Krankheit beginnt mit Kopfschmerzen (89 % der Patienten), Myalgien (39 %) sowie mit hohem Fieber (100 %) zwischen 38 °C und 40 °C. Außerdem entsteht eine regionale Lymphadenopathie.Peter Altmeyer: Therapielexikon Dermatologie und Allergologie. 2. Auflage, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 2005, ISBN 3-540-23781-X, S. 795. Danach zeigen sich weitere Symptome, wie zum Beispiel Abgeschlagenheit, weiteres Fieber, Schüttelfrost, fortdauernde Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Arthralgien, Husten und eine Photophobie.
Die Papel verschwindet nach weiteren zwei bis sechs Tagen.
Oft tritt das Exanthem nicht einzeln auf, weshalb die Krankheit oft mit Windpocken (Varizellen) oder früher auch mit den Pocken (Variola) verwechselt wurde. Im Gegensatz zu den Windpocken zeigen sich bei Rickettsien-Pocken keine Exantheme auf den Handinnenflächen und an den Fußsohlen. Die Rickettsien-Pocken können jedoch auch die Mundhöhle befallen.Walter Siegenthaler, Werner Kaufmann, Hans Hornbostel, Hans Dierck Waller (Hrsg.): Lehrbuch der inneren Medizin. 3. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York 1992, ISBN 3-13-624303-X, S. 900 f.
Das abheilende verschorfte Exanthem ist ein EscharTinsley Randolph Harrison: Harrisons Innere Medizin. 20. Auflage, Band 2, Georg Thieme Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-13-243524-7, S. 1629. (von : eschara = Schorf, Wundschorf, Brandschorf,Markwart Michler, Jost Benedum: Einführung in die medizinische Fachsprache, 2. Auflage, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 1981, ISBN 3-540-10667-7, S. 104. gesprochen es-chára,Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon. 3. Auflage. Verlag der Deuerlich- und Dieterichschen Buchhandlung, Göttingen 1844, S. 382. „Bei schmutzigen Schriftstellern auch: die weibliche Schaam.“ . auch Eschara, beide Formen (laut Medizin-Duden) ohne SilbentrennungDuden: Wörterbuch medizinischer Fachbegriffe. 10. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-411-04837-3, S. 283.).
Therapie Die Symptome verschwinden unbehandelt in der Regel spätestens zwei Wochen nach ihrem Auftreten. Eine Behandlung mit Antibiotika, meist Doxycyclin, ist aber ratsam, vor allem wenn Fieber als Symptom auftritt.
Komplikationen Gelegentlich kommt es bei ulzerierenden Effloreszenzen zur Narbenbildung.
Rickettsien-Pocken in der Kunst Dr. House, Fernsehserie, Staffel 7, Folge 7 („Gefahr von Gestern?“) – Eine Patientin infiziert sich mit Rickettsien-Pocken, nachdem sie beim Tauchen ein Einmachglas zerstört hat.
Siehe auch Boutonneuse-Fieber Afrikanisches Zeckenbissfieber Flohfleckfieber
Weblinks Rickettsienpocken. MSD Manual – Wissenschaftlicher Artikel zur Erkrankung.
Einzelnachweise
Kategorie:Bakterielle Infektionskrankheit