Seaxburg (auch Seaxburh, Sexburga; † 674?) war von 672 bis 674 als Nachfolgerin ihres Mannes Cenwalh Königin der Gewissæ, einer Volksgruppe, die im späten 7. Jahrhundert als „Westsachsen“ das angelsächsische Königreich Wessex bildete.Simon Keynes: Kings of the West Saxons. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-631-22492-0, S. 511–514. Die Quellenlage zu Seaxburg ist sehr spärlich und teilweise widersprüchlich. Entsprechend unterschiedlich sind daher die Auslegungen der Historiker.

Leben

Familie Seaxburgs Herkunft ist unbekannt. Ihr Name deutet auf eine Abstammung aus der ostanglischen Dynastie der Wuffinger hin, bei deren Angehörigen das Namenselement „Seax-“ auch zu finden ist. Eine Abstammung aus dem Haus Wessex ist zwar nicht auszuschließen, doch waren dort „Seax-“Namen ungebräuchlich. König Cenwalh war zweimal verheiratet; in erster Ehe mit einer Schwester von König Penda von Mercia,Beda: HE 3,7 die er um 645 verstieß; in zweiter Ehe mit Seaxburg.Angelsächsische Chronik zum Jahr 495 Nachkommen Seaxburgs sind nicht bekannt.E. B. Fryde et al. (Hrsg.): Handbook of British Chronology. 3. edition, reprinted with corrections. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1996, ISBN 0-521-56350-X, S. 22 (= Royal Historical. Society Guides and Handbooks 2).

Nach anderer Auffassung handelt es sich bei Seaxburg um eine Tochter Pybbas und Pendas Schwester. Als Cenwalh sie verstieß wurde er von Penda vertrieben und Seaxburg nach Cenwalhs Tod von ihrem Bruder als Königin eingesetzt.Guida M. Jackson: Women Rulers Throughout the Ages: An Illustrated Guide. ABC-Clio, 1999, ISBN 1-57607-091-3, S. 357.

Herrschaft Cenwalh folgte seinem Vater Cynegils im Jahr 642Angelsächsische Chronik zum Jahr 643 auf den Thron. 645Angelsächsische Chronik zum Jahr 645 überfiel Penda von Mercia die Gewissæ, weil, so Beda Venerabilis, Cenwalh seine erste Frau, eine Schwester Pendas, verstoßen und „eine andere Frau“ (Seaxburg) geheiratet hatte. Cenwalh floh an den Hof König Annas von East Anglia, der ebenfalls mit Penda verfeindet war. Wer während seines Exils die Herrschaft über sein Königreich ausübte, ist unbekannt. Möglicherweise regierte Cenberht, der Vater des späteren Königs Caedwalla, in dieser Zeit. 648 gelangte Cenwalh unter unbekannten Umständen wieder an die Macht.

Nach der Angelsächsischen Chronik starb Cenwalh 672 und seine Witwe Seaxburg übernahm für ein Jahr die Herrschaft.Angelsächsische Chronik zum Jahr 672 Diese Darstellung scheint jedoch stark vereinfachend zu sein. Beda hingegen berichtete, dass das Reich zwischen den Unterkönigen aufgeteilt wurde.Beda: HE4,12 Es erscheint wahrscheinlich, dass nach Cenwalhs Tod die „starke Hand“ eines dominanten Königs fehlte und das Reich in dieser 10-jährigen Schwächephase in Unterreiche zerfiel,Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London / New York 2002, ISBN 0-415-16639-X, S. 144–147. wenngleich Seaxburg zumindest der Anspruch auf eine Vormachtstellung zuerkannt wurde.Barbara Yorke: Wessex in the early Middle Ages. Continuum, 1995, ISBN 0-7185-1856-X, S. 82 (Studies in the Early History of Britain).

Sie scheint, was einzigartig in der angelsächsischen Geschichte ist, nicht als Regentin für ihre Kinder, sondern aus eigenem Recht geherrscht zu haben. Sie ist die einzige Königin, die in den angelsächsischen Königslisten genannt wird. Vermutlich herrschte sie etwas länger als ein Jahr, da Æscwine, der nächste König, sein Amt erst 674 angetreten haben soll. 674 wird als ihr vermutliches Todesjahr angenommen.

Quellen Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum (englisch); fordham.edu Medieval Sourcebook. anonym: Angelsächsische Chronik, Online im Project Gutenberg (englisch) Æthelweard: Chronica. Charta S250

Literatur D. N. Dumville: The West Saxon genealogical regnal list and the chronology of early Wessex. In: Peritia, 4/1985, S. 21–66. D. P. Kirby, Alfred Smyth, Ann Williams (Hrsg.): A Biographical Dictionary of Dark Age Britain. Routledge, London / New York 1991, ISBN 1-85264-047-2. Barbara Yorke: Wessex in the early Middle Ages. Continuum, 1995, ISBN 0-7185-1856-X (Studies in the Early History of Britain). D. P. Kirby: The Earliest English Kings. Routledge, London / New York 2000, ISBN 0-415-24211-8. Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London / New York 2002, ISBN 0-415-16639-X; cultorweb.com (PDF; 6,2 MB). John Cannon, Anne Hargreaves: The Kings and Queens of Britain. 2. überarb. Auflage. Oxford University Press, 2009, ISBN 978-0-19-955922-0.

Anne Foerster: Female Rulership: The Case of Seaxburh, Queen of Wessex, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte 1 (2018), S. 164–168, http://mittelalter.hypotheses.org/12691

Weblinks Seaxburg 2. Prosopography of Anglo-Saxon England .(PASE) Seaxburg. Foundation for Medieval Genealogy.

Anmerkungen

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