200px|miniatur|rechts|Symbol der Betriebsart Trip im Driver Machine Interface (DMI) Trip (Abkürzung TRETCS-Spezifikation, Subset 023, Version 3.3.0 (PDF)) wird im europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS eine Betriebsart bezeichnet, in der eine unmittelbare ZwangsbremsungDie ETCS-Spezifikation spricht von „emergency brake“, wörtlich übersetzt „Notbremse“ oder „Notbremsung“. Gemeint ist eine durch das Zugbeeinflussungssystem ausgelöste Zwangsbremsung. Eine Notbremsung würde hingegen nicht durch das Zugbeeinflussungssystem, sondern in der Regel durch Fahrgäste im Fahrgastraum (Wagen) ausgelöst. ausgelöst wird bzw. läuft, die erst im Stand wieder aufgelöst werden kann.
Laut ETCS-Spezifikation ist Trip eine Betriebsart der ETCS-Fahrzeugausrüstung, in die beispielsweise nach Vorbeifahrt am Ende der Fahrterlaubnis (EOA) gewechselt wird und die zu einer Zwangsbremsung führt, die nur im Stand und mit zusätzlichen Vorsichtsmaßnahmen aufgehoben werden kann („ERTMS/ETCS on-board equipment mode (e.g. entered when passing an EOA), resulting in an application of the emergency brake that can only be revoked at standstill and with additional precautions“). Ein Train Trip wird gemäß ETCS-Spezifikation ausgelöst, wenn ein Zug ein EOA oder ein LOA überfährt (soweit keine Verfahren zur Überbrückung genutzt wird) und führt zur unmittelbaren Auslösung einer Zwangsbremsung.
TR ist einer von 17 Modes der aktuellen ETCS-Spezifikation.ETCS-Spezifikation, Subset 026, Version 3.6.0, Abschnitt 4.3.2. Er steht in den Leveln 0, NTC, 1, 2 und 3 zur Verfügung.
Die Bezeichnung ist vom englischen Verb to trip abgeleitet, „ein Bein stellen“. Bei der Deutschen Bahn wurde die Betriebsart um 2010 als ETCS-Zwangsbremsung bezeichnet.
miniatur|DMI während einer Zwangsbremsung (rotes Symbol links unten) in Folge einer Geschwindigkeitsüberschreitung aus momentan 174 auf zulässige 160 km/h in Vollüberwachung, ohne Wechsel in die Betriebsart Trip Eine Zwangsbremsung ist in ETCS nicht mit einem Trip gleichzusetzen. Beispielsweise führt eine bloße Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit (Permitted Speed) zu einer Zwangsbremsung, die jedoch kein Trip ist, so lange nicht am EOA/LOA vorbeigefahren wird.ETCS-Spezifikation, Subset 026, Version 3.6.0, Abschnitt 4.4.13.
Gründe Eine Reihe von Gründen können zu einem Wechsel in die Betriebsart Trip führen. Dazu zählen: die Überschreitung von EOA oder LOA mit der minimalen sicheren Zugspitze (in ETCS Level 2 oder 3)ETCS-Spezifikation, Subset 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.13.10.2.6 die Überschreitung von EOA oder LOA mit der minimalen sicheren Antennenposition (in ETCS Level 1)ETCS-Spezifikation, Subset 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.13.10.2.7 ein unbedingter NothaltauftragETCS-Spezifikation, Subset 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.10.2.3 in ETCS Level 1 eine Geschwindigkeitsbeschränkung am Signal („Signalling related speed restriction“) auf 0ETCS-Spezifikation, Subset 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.11.6.4 bei verketteten Balisengruppen, wenn diese entgegen der erwarteten Richtung befahren werdenETCS-Spezifikation, Subset 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.16.2.3.2 bei verketteten Balisengruppen, wenn eine erwartete Balisengruppe nicht im Suchfenster gefunden wird und als Reaktion „Trip“ projektiert ist.ETCS-Spezifikation, Subset 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.16.2.6.1 mit Abschnitt 3.4.4.2 Beispielsweise sollten in Deutschland „Haltbalisen“ beim Verfahren „Durchfahren eines Bereiches mit gestörter Funkversorgung“ projektiert und damit sichergestellt werden, dass ein etwaiger Haltbefehl sicher ausgewertet wird. bei einem Funkabriss, der über eine definierte Zeitspanne (Nationaler Wert T_NVCONTACT) hinausgeht und „Train trip“ als Reaktion (per Nationalem Wert) vorgegeben istETCS-Spezifikation, Subset 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.16.3.4 wenn in einer Balise eine größere Systemversion gelesen wird, die über die unterstützten Systemversionen des Fahrzeuggeräts hinausgehtETCS-Spezifikation, Subset 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.17.3.5, d) die Einfahrt in einen für den Zug im Hinblick auf Lademaß, Antrieb oder Achslast nicht geeigneten GleisabschnittETCS-Spezifikation, Subset 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.12.2, insbesondere 3.12.2.8 unzulässige manuelle Levelwechsel
Auf den Neubaustrecken des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8 wurden in den Jahren 2020 und 2021 monatlich zwischen 1 und 21 Wechsel in den Trip-Modus beobachtet.
Ablauf Die ETCS-Fahrzeugausrüstung ist in der Betriebsart Trip dafür verantwortlich, den Zug zu stoppen und weitere Bewegungen zu verhindern. Der Triebfahrzeugführer trägt keine Verantwortung für die Bewegung des Zuges. Die Bremsen können in TR nicht gelöst werden.
Die ETCS-Fahrzeugausrüstung fordert den Triebfahrzeugführer zur Bestätigung des Trips auf, sobald der ZugDie ETCS-Spezifikation spricht von „train“, also Zug oder Zugfahrt. Ein Trip kann gleichwohl auch bei einer Rangierfahrt, die in Deutschland von einer Zugfahrt abgegrenzt wird, ausgelöst werden. zum Halt gekommen ist. Eine derartige Bestätigung ist zwingend erforderlich, um die Betriebsart Trip zu verlassen. Zur Bestätigung erscheint ein gelbes, blinkend eingerahmtes Ampelsymbol mittig unterhalb der Tachoscheibe.ETCS Driver Machine Interface, Version 3.6.0 (ERA-Dokument ERA_ERTMS_015560) in ETCS-Spezifikation, Abschnitt 8.2.3.1 und 13.3.1.1. Ein Fahrzeug in Trip wechselt, wenn es zum Halt gekommen ist und der Triebfahrzeugführer den Trip bestätigt hat, in die Betriebsart Post Trip (PT). Die Bremsung wird dabei gelöst.ETCS-Spezifikation, Subset 026, Version 3.6.0, Abschnitt 3.14.1.3
Die ETCS-Fahrzeugausrüstung soll den Triebfahrzeugführer über den Grund des Trips informieren.
Siehe auch System Failure, eine ETCS-Betriebsart, in der ein Fahrzeuggerät aufgrund einer erkannten Fehlfunktion eine Zwangsbremsung auslöst und überwacht
Weblinks ETCS-Spezifikation auf der Homepage der Europäischen Eisenbahnagentur (ERA) Drivers/signallers: How to deal with a train trip in ETCS Level 2. Englischsprachiges Lehrvideo, das die Abläufe bei und nach einem Trip beschreibt
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:European Train Control System