Die Republican National Convention 1920 war ein Parteitag der Republikanischen Partei, um ihre Kandidaten für die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1920 zu bestimmen. Der fand zwischen dem 8. Juni und dem 12. Juni in Chicago statt. Die Delegierten nominierten den Senator für Ohio Warren G. Harding, als Kandidat für die Präsidentschaft und den Gouverneur von Massachusetts Calvin Coolidge, als Kandidat für die Vizepräsidentschaft.

Organisation

Verteilung der Delegierten Auf dem Parteitag waren regulär 760 gewöhnliche Delegierte und 224 sogenannte Delegates at Large vertreten. Die meisten Bundesstaaten sandten 4 Delegates at Large, die den Bundesstaat insgesamt vertraten. Arizona, Delaware, Nevada, New Mexico und Wyoming sandten 6 Delegates at Large, da sie keine Kongresswahlbezirke hatten (ihr Abgeordneter wurde im ganzen Bundesstaat gewählt) und so keine gewöhnlichen Delegierten stellten. Außerdem stellte Illinois 8 und Pennsylvania 12 Delegates at Large. Jeder der Kongresswahlbezirke sandte einen gewöhnlichen Delegierten. Zusätzlich durften die Kongresswahlbezirke, in denen bei der Präsidentschaftswahl oder bei der Wahl zum Repräsentantenhaus 1916 die Republikaner mehr als 7.500 Stimmen erhielten, noch einen weiteren Delegierten entsenden, was auf 330 der insgesamt 430 Wahlbezirke zutraf. Das Alaska-Territorium, der District of Columbia, das Hawaii-Territorium, die Philippinen und Puerto Rico stellten als bundesunmittelbare Gebiete nur 2 Delegates at Large und keine gewöhnlichen Delegierten. Die Delegierten wurden je nach Rechtslage in den einzelnen Bundesstaaten direkt in Vorwahlen gewählt oder durch Parteitage in den Bundesstaaten bzw. Wahlbezirken bestimmt. Am meisten Delegierten hatten insgesamt die Bundesstaaten New York (88), Pennsylvania (76) und Illinois (58).

In einigen Fällen wurde eine reguläre Delegiertenstimme auf mehrere Delegierte verteilt. So schickten einige Bundesstaaten die doppelte Anzahl an den ihnen zustehenden Delegates at Large, die dann jeweils eine halbe Stimme hatten. Illinois schickte 10 statt 8 Delegates at Large, deren Stimme dann jeweils vier Fünftel zählte und Virginia schickte für ihren 9. Kongresswahlbezirk statt einem Delegierten 4 Delegierte mit einer Stimmgewichtung von einem Viertel. Somit waren 763 gewöhnliche Delegierte und 261 Delegates at Large. Für die meisten Delegierten war außerdem noch ein Ersatz-Delegierter anwesend, insgesamt 998.

Ausschüsse Für die Convention wurden vier Ausschüsse gebildet: der Wahlprüfungsausschuss (Committee on Credentials), der Organisationsausschuss (Committee on Organisation) der Geschäftsordnungsausschuss (Committee on Rules and Order of Business) und der Beschlussausschuss (Committee on Resolutions). Jeder Bundesstaat und jedes vertretene bundesunmittelbare Gebiet schickte je einen Delegierten in jeden Ausschuss. Nominiert wurden die Ausschussmitglieder von den Delegationen der einzelnen Bundesstaaten und vom gesamten Parteitag bestätigt.

Ämter

Vorsitzender – Henry Cabot Lodge Sekretär – Lafayette B. Gleason Erster stellvertretender Sekretär – Fred H. Wilson Stellvertretende Sekretäre – Rochard J. Beamish, Jeanette A. Hyde, William Y. Morgan, Guy P. Ganette, Harry Govanoli Sergeant-at-Arms – Edward P. Thayer Erster stellvertretender Sergeant-at-Arms – Guy V. Howard Zweiter stellvertretender Sergeant-at-Arms – McGinnis Hatfield Beauftragte zur Einhaltung der Geschäftsordnung (Parlamentarians) – Lehr Fess, Herman A. Philipps Offizieller Berichterstatter – George L. Hart Stellvertretende Berichterstatter – Thad E. Ragsdale, J. B. Corbett, Fred A. Carlson, Osso W. Stanley, Harry E. Folk, F. H. Gurtier Geistliche (für die morgendlichen Gebete) – Kardinal James Gibbons (Katholische Kirche), Bischof Thomas Nicholson (Bischöfliche Methodistenkirche) Bischof Charles E. Woodcock (Episkopalkirche der Vereinigten Staaten), Pfarrer John Timothy Stone (Presbyterianische Kirche), Pastor Jonston Myers (Immanuel Baptist Church Chicago), Rabbiner Emil Gustav Hirsch (Judentum), Pfarrer Gardiner Alpheus McWorther (St Chrysotom‘s Protestant Episcopal Church Chicago) Schriftführer – Dennis E. Alward, H. H. Bancroft, Fred Davis, James E. Dooley, T. Williamson, Ellis A. Yost, John T. Cushing, Ed. Martin Hallensprecher – Will A. Waite, W. Townsend, Carroll B. Merritt

Verlauf Am ersten Tag verlas Clarence B. Miller, amtierender Sekretär des Republican National Committee, den formellen Call for the Convention. Anschließend wurden der Vorstand des Parteitags einstimmig auf Vorschlag des Republican Nation Committee gewählt. Henry Cabot Lodge, Mehrheitsführer im Senat, einstimmig zum Vorsitzenden des Parteitags gewählt, der eine offizielle Eröffnungsrede hielt. Außerdem wurden die vier Ausschüsse gebildet, die sich allesamt am gleichen Tag noch trafen.

Am zweiten Tag verkündeten die ersten Ausschüsse ihre Abschlussberichte. Der Wahlprüfungsausschuss unter Vorsitz von Edward Duffield, einem Kurator der Princeton University, empfahl, wer als rechtmäßiger Delegierter der drei Kongressbezirken mit strittigen Wahlergebnissen in den Südstaaten (namentlich 4. Georgia, 5. Missouri und 10. Tennessee) anzusehen ist. Der Organisationsausschuss unter Vorsitz von Edwin P. Morrow, dem Gouverneur von Kentucky, empfahl, dass der temporär gewählte Vorstand des Parteitages dauerhaft fungieren solle. Der Geschäftsordnungsausschuss unter Vorsitz von Paul Howland empfahl die Übernahme der Geschäftsordnung des vorangegangenen Parteitages. Die Empfehlungen wurden einstimmig umgesetzt. Der Beschlussausschuss war noch nicht in der Lage seinen Abschlussbericht zu präsentieren, sodass stattdessen zuerst der ehemalige US-Senator Chauncey Depew, und die Schriftstellerin Margaret Hill McCarter sprachen. Nach einer Stunde und 15 Minuten vertagte sich die National Convention für den nächsten Morgen.

Republican National Committee Am dritten Tag wurde das Republican National Committee für die nächsten vier Jahre bis zur Republican National Convention gewählt. Jeder der 48 Bundesstaaten sowie das Alaska-Territorium, Washington D. C., das Hawaii-Territorium, die Philippinen und Puerto Rico entsandten je einen Repräsentanten in das Gremium. Nominiert wurden die Repräsentanten von den Delegationen der jeweiligen Bundesstaaten und vom ganzen Parteitag bestätigt. Die einzige Kampfkandidatur wurde um den Posten des Repräsentanten für Georgia ausgetragen. Henry Lincoln Johnson, ein Black Republican, setzte sich mit 12-3 gegen seinen weißen Konkurrenten Roscoe Pickett durch. BundesstaatVertreterAlabamaOliver D. StreetArizonaAllen B. JaynesArkansasH. L. RemmelCaliforniaWilliam H. CrockerColoradoJohn F. VivianConnecticutJ. Henry RorabackDelawareT. Coleman du PontFloridaGeorge W. BeanGeorgiaHenry Lincoln JohnsonIdahoJohn W. HartIllinoisLawrence Y. ShermanIndianaJoseph B. KealingIowaJohn T. AdamsKansasD. W. MulvaneKentuckyA. T. HertLouisiana Emile KuntzMaineGuy P. GannettMarylandWilliam P. JacksonMassachusettsJohn W. WeeksMichiganFred M. WarnerMinnesotaI. A. CaswellMississippiM. J. MulvihillMissouriJacob L. BablerMontanaD. H. P. ShelleyNebraskaR. P. HowellNevadaGeorge WingfieldNew HampshireFred W. EstabrookNew JerseyHamilton F. KeanNew MexicoH. O. BursumNew YorkCharles D. HillesNorth CarolinaJohn M. MoreheadNorth DakotaGunder OlsonOhioRudolph K. HynicksOklahomaJake E. HamonOregonRalph E. WilliamsPennsylvaniaBoies PenroseRhode IslandFred S. PeckSouth CarolinaJ. W. TolbertSouth DakotaWillis C. CookTennesseeJohn W. OverallTexas H. F. MacGregorUtahE. BamburgerVermontEarle S. KinsleyVirginiaC. Bascomp SlempWashingtonGuy E. KellyWest VirginiaV. L. HighlandWisconsinAlfred T. RogersWyomingPatrick Sullivan

Präsidentschaftskandidatur

Vor der Nominierung Der Literary Digest veröffentlichte vor dem Parteitag eine Umfrage über den von ihnen favorisierten Präsidentschaftskandidaten. Leonard Wood erhielt unter den Republikanern die meisten Stimmen mit 277.486, darauf folgten Hiram Johnson mit 263.087, Herbert Hoover mit 240.468, Frank O. Lowden mit 120.391 und Charles Evan Hughes mit 59.719 Stimmen. Jedoch erklärte Hughes aufgrund des Todes seiner Tochter nicht für eine erneute Nominierung zur Verfügung zu stehen. Wood, dem von Anfang die größten Chancen auf eine Nominierung zugerechnet wurden, erhielt massive finanzielle Unterstützung aus der industriellen Elite. Zu seinen Prominenten Unterstützern zählten George F. Baker, Vincent Astor, T. Coleman du Pont, Horace Havemeyer, John D. Rockefeller Jr., Marshall Field, Andrew Mellon und William Boyce Thompson. Offiziell wurde für seinen Wahlkampf so 1,7 Millionen US-Dollar (inflationsbereinigt 25,3 Millionen US-Dollar) aufgewendet, wobei die inoffiziellen Ausgaben wesentlich höher gewesen sein dürften. Lowden hatte rund 415.000 US-Dollar (inflationsbereinigt 6,2 Millionen) zur Verfügung. Der Großteil des Geldes stammte dabei aus dem Vermögen seiner Ehefrau Florence Lowden, der Tochter des Millionärs George Mortimer Pullman. Kleinere Kandidaten wie zum Beispiel Warren G. Harding sammelten Spenden in Höhe von 100.000 US-Dollar (inflationsbereinigt 1,5 Millionen US-Dollar; die Bestechungsgelder Hamons nicht einberechnet). Leonard Wood, ein Kriegsheld ohne jegliche politische Erfahrung, war zwar der stärkste Kandidat im weiten Kandidatenfeld, aber es regte sich schon Kritik an ihm. Seine ständige Forderung nach dauerhafter militärischer Aufrüstung wirkte unpassend angesichts der kriegsmüden Wählerschaft und der als „Old Guard“ bezeichnete konservativ-wirtschaftsliberale Parteiflügel unter Führung von Henry Cabot Lodge sah Wood als zu unabhängig vom Parteiestablishment an, zumal Wood darauf bestand, die Ämtervergabe erst nach der Nominierung zu regeln und er deshalb keine Versprechungen machte. Als Gegenkandidat der „Old Guard“ trat Frank O. Lowden an. Lowden hatte sich als Gouverneur von Illinois vor allem durch seine Steuersenkungen und den Umgang mit dem sogenannten Chicago Race Riot einen Namen gemacht. Hiram Johnson galt als durchsetzungsstarker progressiver Reformer. In den Vorwahlen konnte er in den westlichen Bundesstaaten beeindruckend viele Stimmen für sich gewinnen, aber nach dem Ersten Weltkrieg wünschte sich die Bevölkerung eher eine Rückkehr zur Normalität der Vorkriegszeit als eine weitere progressive Agenda. Dazu kamen noch einige sogenannte Favorite Sons, Kandidaten, die weniger national Bekanntheit besaßen und vor allem von ihren jeweiligen Heimatbundesstaaten unterstützt wurden. Die Verteilung der Delegierten auf insgesamt drei aussichtsreiche Kandidaten machte von vornherein eine sogenannte Brokered Convention wahrscheinlich, also einen Parteitag, bei dem keiner der Kandidaten eine Mehrheit der Delegierten hinter sich vereinen kann und so ein Kompromisskandidat gefunden werden muss.

Vorwahlen +Verteilung der DelegiertenDatumBundesstaatWoodJohnsonLowdenHardingPritchardSutherlandPoindexter9. März 1920New Hampshire16. März 1920North Dakota23. März 1920South Dakota5. April 1920Michigan13. April 1920Illinois20. April 1920Nebraska23. April 1920Montana27. April 1920Ohio27. April 1920New Jersey3. Mai 1920Maryland4. Mai 1920Kalifornien18. Mai 1920Vermont21. Mai 1920Oregon25. Mai 1920West Virginia5. Juni 1920North CarolinaKeine Vorwahl; bestimmt über CaucusWashingtonGesamt