mini|Mannheim um 1850 mini|Mannheimer Innenstadt 2006 Als ehemalige Residenzstadt der historischen Kurpfalz bildet Mannheim bis heute das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Metropolregion Rhein-Neckar. Die über 400-jährige Geschichte Mannheims ist äußerst wechselhaft und die Stadt erlebte über die Jahrhunderte hinweg mehrere „goldene Zeitalter“ aber auch tiefe Krisen und Zerstörungen. Mannheim entwickelte sich im 17. und 18. Jahrhundert von einer Festungs- zu einer Residenzstadt und im 19. Jahrhundert von einer Handels- zu einer Industriestadt hin zu einer heute modernen Metropole im Rhein-Neckar-Dreieck.

Die Anfänge In der Spätantike befand sich auf dem Gebiet des heutigen Mannheims ein römisches Kastell.Wilhelm Kreutz; Hermann Wiegand: Kleine Geschichte der Stadt Mannheim. Mannheim 2008, S. 13. Der Neckar mündete zu dieser Zeit bei Neckarau in den Rhein. Der Burgus des römischen Kastells Alta Ripa (Altrip) befand sich auf der Gemarkung des heutigen Neckaraus. Die Befestigungsanlage wurde 369 n. Chr. errichtet, um die römische Herrschaft in diesem Gebiet zu sichern. Es handelte sich dabei um eine das linke und rechte Rheinufer sowie die Neckarmündung schützende Doppelfestung, deren Bau vom römischen Kaiser Valentinian I. persönlich kontrolliert wurde.Wilhelm Kreutz; Hermann Wiegand: Kleine Geschichte der Stadt Mannheim. Mannheim 2008, S. 13. Die Fundamente des rechtsrheinischen Kastells versanken zu Beginn des 17. Jahrhunderts im Rhein, als sich der Flusslauf veränderte. Die Fundamente des Burgus wurden in den 1930er Jahren von Hermann Gropengießer entdeckt und ausgegraben.Wilhelm Kreutz; Hermann Wiegand: Kleine Geschichte der Stadt Mannheim. Mannheim 2008, S. 13–14. Die Besiedlung Mannheims in frühgeschichtlicher Zeit kann ebenfalls durch einen 1929 im Stadtteil Seckenheim ausgegrabenen römischen Ziegelofen belegt werden, der von 74 n. Chr. bis ins frühe 2. Jahrhundert betrieben wurde.Ulrich Brandl, Emmi Federhofer: Ton + Technik. Römische Ziegel (= Schriften des Limesmuseums Aalen. Band 61). Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2403-0. Der heutige Mannheimer Stadtteil Neckarau wurde erstmals 871 n. Chr. als Naucrauia urkundlich erwähnt.

Das Dorf Mannenheim, Heimstatt des MannoWilhelm Kreutz; Hermann Wiegand: Kleine Geschichte der Stadt Mannheim. Mannheim 2008, S. 12., wurde wahrscheinlich im 6./7. Jahrhundert gegründet und am 11. März 766 n. Chr. im Zusammenhang mit einer Schenkung erstmals im Lorscher Codex urkundlich erwähnt. „Manno“ ist vermutlich die Kurzform von Hartmann oder Hermann. Ortsbezeichnungen, die auf -heim bzw. das germanische haima (= Wohnsitz) enden, waren im 6. Jahrhundert häufig zu finden.

Im Früh- und Hochmittelalter war die Herrschaft über das Dorf Mannenheim zwischen dem Hochstift Worms und dem Kloster Lorch aufgeteilt.Wilhelm Kreutz; Hermann Wiegand: Kleine Geschichte der Stadt Mannheim. Mannheim 2008, S. 15.

Im Jahr 766 n. Chr. lebten im Dorf Mannenheim etwa 150 bis 200 Menschen. Das Dorf befand sich auf einer höher gelegenen und somit vor Hochwasser geschützten Sanddüne, auf der später die Friedrichsburg und noch später das Mannheimer Schloss errichtet wurden.Wilhelm Kreutz; Hermann Wiegand: Kleine Geschichte der Stadt Mannheim. Mannheim 2008, S. 12. Die Annahme, Mannenheim sei lange Jahre ein kleines unbedeutendes Fischerdorf gewesen, kann mittlerweile als widerlegt angesehen werden, was anhand der Schenkungen deutlich wird. Durch zahlreiche Schenkungen innerhalb kurzer ZeitOrtsliste zum Lorscher Codex, Mannheim, Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg. erhielt das Kloster Lorsch 160,5 Tagewerke Acker, was der Fläche und dem Heuertrag eines mittelgroßen Königshofs entspricht.Mannheimer Morgen, 19. März 2016, Seite 21, „Doch kein armes Fischerdorf“, online auf www.morgenweb.de, abgerufen am 21. März 2016. 1284 fiel das Dorf Mannheim an den Pfalzgrafen bei Rhein aus dem Hause Wittelsbach.

771 n. Chr. wurde das Dorf Hermsheim (Herimundesheim), welches sich wahrscheinlich im Gewann Bösfeld östlich des heutigen Neuhermsheim befand, ebenfalls erstmals im Lorscher Codex erwähnt. Archäologische Funde deuten jedoch darauf hin, dass Hermsheim bereits im 4./5. Jahrhundert existierte.Uwe Gross: ‚Botzheim‘, ‚Hermsheim‘, ‚Bergheim‘. Drei Siedlungsplätze mit Hinweisen auf Kontinuität von der Völkerwanderungszeit bis ins Hochmittelalter. In: Roland Prien, Christian Witschel (Hrsg.): Lopodunum VII: Ladenburg und der Lobdengau zwischen ‚Limesfall‘ und den Karolingern (= Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg. Band 17). Dr. Ludwig Reichert, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-95490-481-5, S. 255–269, besonders S. 263. 1212 schenkte Kaiser Friedrich II. Neckarau dem Bischof von Worms.mini|Burg Eichelsheim, Mannheim, um 13501247 fand die Zollstätte Rheinhausen erstmals schriftliche Erwähnung. Die Burg lag am damaligen Zusammenfluss von Rhein und Neckar, wurde jedoch unbrauchbar als sich im 13. Jahrhundert die Flussläufe von Rhein und Neckar änderten.

1270 zerstörten Truppen des Mainzer Erzbischofs die beiden in Mannheim gelegenen Zollburgen Rheinhausen und Eichelsheim, von denen Letztere nach dem Wiederaufbau zur Hauptzollstätte der Region wurde.Der Brockhaus Mannheim. 400 Jahre Quadratestadt – Das Lexikon. Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, Mannheim 2006, S. 371. mini|Johannes XXIII.(Gegenpapst) in der Haft zu Mannheim, Stich, 1697 1294–1365 veränderte der Neckar seinen Lauf erneut und mündet seitdem nördlich von Mannheim in den Rhein.

Die Zollburg Eichelsheim am Rhein, die auf Höhe des heutigen Stadtteils Lindenhof gelegen war, verlangte den Rheinschiffern einen Obolus ab und erlangte regionale Bedeutung. Ende des 15. Jahrhunderts war sie rheinauf und rheinab als „Veste Mannheim“ oder „Schloß mannheym“ bekannt. Zwischen 1353 und 1390 wurde hier der „Mannheimer Pfennig“ geprägt.

1415 wurde in der Zollburg Eichelsheim der zuvor auf dem Konzil von Konstanz abgesetzte Papst Johannes XXIII. gefangen gehalten. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch war der abgesetzte Papst von Kaiser Sigismund dem Pfalzgrafen bei Rhein übergeben worden. Johannes XXIII wurde zunächst in Heidelberg gefangen gehalten und im Juni 1416 nach Mannheim gebracht, wo er bis Anfang 1419 in Haft verblieb.Wilhelm Kreutz; Hermann Wiegand: Kleine Geschichte der Stadt Mannheim. Mannheim 2008, S. 17.

Durch den Sieg in der Schlacht bei Seckenheim 1462 über das feindliche Heer seiner verbündeten Gegner, des Grafen von Württemberg, des Markgrafen von Baden und des Bischofs von Metz, begründete Kurfürst Friedrich von der Pfalz „der Siegreiche“ die pfälzische Vormachtstellung am mittleren Oberrhein. Der Name des 1682 gegründeten Dorfs Friedrichsfeld verdankt der Schlacht bzw. dem Sieger ihren Namen.

1496 kam der heutige Mannheimer Stadtteil Neckarau als Dorf zum Oberamt Heidelberg. 1577 waren dort 101 Haushalte verzeichnet. 1566 zählte auch Mannheim mit 130 steuerzahlenden Haushaltsvorständen (etwa 700 Einwohner) zu den größten Dörfern des Oberamts Heidelberg.

Entstehung einer Stadt mini|hochkant|Friedrich IV. von der Pfalz mini|Rheinschanze und Zitadelle Mannheim im Jahr 1620 Anfang des 17. Jahrhunderts plante Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz eine Festung an der Stelle zu errichten, an der sich das Dorf Mannheim befand. Der Widerstand der Dorfbevölkerung brachte ihn dazu, zusätzlich zur Festung Friedrichsburg eine Stadt zu gründen. 1606 wurde der Grundstein zum Bau der Zitadelle Friedrichsburg gelegt. Die Festung befand sich im Bereich des heutigen Mannheimer Schlosses und im südlichen Bereichs der Innenstadt bis hin zu den Mannheimer Planken. Am 24. Januar 1607 wurden Stadtprivilegien erlassen, die in Deutsch, Französisch, Niederländisch und Latein verfasst wurden,Wilhelm Kreutz; Hermann Wiegand: Kleine Geschichte der Stadt Mannheim. Mannheim 2008, S. 25. denn Friedrich IV. beabsichtigte, gut ausgebildete und wohlhabende protestantische Glaubensbrüder aus ganz Europa nach Mannheim zu locken. Die Stadtprivilegien, die kurfürstlichen „Freyheiten und Begnadigungen“, versprachen den Neu-Mannheimern die Befreiung vom Frondienst, kostenlose Bauplätze und die Nutzung von Steinbrüchen sowie weitgehende Steuerfreiheit und regelmäßige Marktschiffe. Die Schifffahrt spielte bereits in den ersten und zweiten Stadtprivilegien eine große Rolle. Von großer Bedeutung für Mannheim waren dabei die Marktschifffahrt, die Flößerei und die Steinschifffahrt.Hanspeter Rings, Mannheim auf Kurs. Hafen und Schifffahrtsgeschichte der Stadt an Rhein und Neckar, erschienen in: Kleine Schriften des Stadtarchivs Mannheim, hrsg. von Ulrich Nieß, Mannheim 2003., S. 18.

Der holländischen Festungsarchitekt Bartel Janson konnte als Reichsbaumeister gewonnen werden und wurde mit dem Bau der Stadt beauftragt.Der Brockhaus Mannheim. 400 Jahre Quadratestadt – Das Lexikon. Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, Mannheim 2006, S. 9. Eine moderne Doppelsternanlage bestehend aus Festung und Stadt entstand. Das Innere der Doppelsternanlage wurde der „Mode“ der Zeit entsprechend geometrisch geplant und gebaut. Bartel Janson orientierte sich bei der Planung der Stadt an der Renaissance-Idealstadt des italienischen Architekten Pietro Cataneo.Der Brockhaus Mannheim. 400 Jahre Quadratestadt – Das Lexikon. Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, Mannheim 2006, S. 9. Die siebenzackige Festung Friedrichsburg mit ihrem radialen Grundriss für die Kasernen befand sich rheinseitig, die mit acht Bastionen befestigte Stadt schloss sich Richtung Neckar an. Die Planung eines gitterförmigen Straßennetzes für die mit der Festung verbundene Bürgerstadt Mannheim ist bis heute erhalten geblieben. Die ungefähr gleich großen Baublöcke werden Quadrate genannt, worauf die heutige Bezeichnung Quadratestadt zurückzuführen ist.

Die Dorfbevölkerung des ehemaligen Dorfes Mannheim stellte sowohl in der neuen Stadt als auch im Rat der Stadt die Mehrheit. Trotz des Werbens des Kurfürsten um protestantische Glaubensbrüder aus ganz Europa kamen nur wenige protestantische Geflüchtete aus den spanischen Niederlanden nach Mannheim.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde Mannheim von den Truppen der katholischen Liga unter deren Heerführer Tilly zerstört und die Bevölkerung vertrieben. Bis zum Ende des Krieges wurde die Stadt mehrfach besetzt und verwüstet. mini|hochkant|Doppelbildnis des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz und seiner Gemahlin Anna Maria Luisa de’ Medici

Mit dem Westfälischen Frieden endete 1648 der Dreißigjährige Krieg. Der 1649 aus dem niederländischen Exil zurückgekehrte Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz 1652 verlieh dem zerstörten Mannheim neue Stadtprivilegien, um den Wiederaufbau der Stadt zu begünstigen. Die umfangreichen Stadtprivilegien zählten zu den modernsten deutschen Stadtverfassungen des 17. Jahrhunderts und kamen einer Stadtneugründung gleich. Karl Ludwig gestattete Menschen aller Religionen nach Mannheim zu kommen, was in der damaligen von religiösen Konflikten geprägten Zeit äußerst ungewöhnlich war. Die Geschichtsschreibung bezeichnete dies später als Mannheimer Experiment.

Die Einwohnerschaft von Mannheim war reformiert oder lutherisch protestantisch, katholisch, mennonitisch und waldensisch. Leitreligion war allerdings die reformierte Konfession. Der Kurfürst gestattete ab 1660 auch Juden, sich in der Stadt anzusiedeln, und erlaubte ihnen den Bau einer Synagoge und Mikwe.Wilhelm Kreutz; Hermann Wiegand: Kleine Geschichte der Stadt Mannheim. Mannheim 2008, 43.

Karl Ludwig erklärte Mannheim zu einer „zunftfreien“ Stadt, Handwerker und Händler mussten somit keiner Zunft angehören, um ihren jeweiligen Beruf ausüben zu können. Die Neubürger in Mannheim erhielten günstiges Baumaterial und kostenlose Bauplätze, die sie innerhalb von zwei Jahren bebauen mussten. Dies gelang jedoch nicht jedem und die Grundstücke wurden an andere Neubürger weitergegeben.