Die Schlacht um Kiew im Rahmen des russischen Überfalls auf die Ukraine begann ab dem 24. Februar 2022 mit dem Vormarsch russischer Truppen auf Kiew, der Hauptstadt der Ukraine. Die Gefechte zwischen ukrainischen und russischen Streitkräften mit mehrwöchigen schweren Kämpfen und erheblichem Widerstand durch reguläre ukrainische Truppen und in der Eile einberufenen Bürgerwehren dauerten bis zum Abzug russischer Truppen am 2. April 2022.

Hintergrund Die US-amerikanische Regierung ging ebenso wie viele westliche Beobachter davon aus, dass der russische Präsident Wladimir Putin die ukrainische Hauptstadt zügig einnehmen und die Regierung stürzen wollte, um den organisierten Widerstand der Ukraine zu brechen und eine prorussische Marionettenregierung einzusetzen.Biden fürchtet, dass Russland die ukrainische Regierung stürzen will. In: tagesspiegel.de. 25. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022. Laut Aussagen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sei er selbst das „Ziel Nr. 1“ und seine Familie das „Ziel Nr. 2“ der russischen Angriffe gewesen.Selenskyj ordnet allgemeine Mobilmachung an: "Der Feind hat mich als Ziel Nr. 1 markiert" In: t-online.de. 25. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022. Bereits im Januar 2022 drangen laut einem Bericht der englischen Zeitung The Times etwa 400 Söldner der russischen Gruppe Wagner von Belarus aus in die Ukraine ein. Ihr Ziel soll es gewesen sein, Selenskyj sowie weitere hochrangige Mitglieder der ukrainischen Regierung gleich zu Beginn der Invasion zu ermorden und so die zügige Machtübernahme durch Russland zu ermöglichen.Maveen Rana: Volodymyr Zelensky: Russian mercenaries ordered to kill Ukraine’s president. In: The Times. 28. Februar 2022, abgerufen am 28. Februar 2022 (englisch).400 Söldner in Kiew auf Selenskyj angesetzt. In: n-tv.de. 28. Februar 2022, abgerufen am 28. Februar 2022.

Ein kritischer Teil der russischen Strategie war es, den Flughafen Kiew-Hostomel (auch Antonow-Flughafen genannt) einzunehmen, der mit einer Landebahn von 3,5 km den Russen erlaubt hätte, mit großen Militärtransportern zu landen und somit im großen Maßstab Soldaten und Kriegsmaterial einzufliegen. Die Russen hatten diese Strategie schon erfolgreich in Afghanistan 1979 am Flughafen von Kabul angewandt. Die CIA hatte die Ukrainer vergeblich vor dieser Strategie gewarnt, die somit weitgehend unvorbereitet waren.

Als sich russische Truppen in belarussischen Grenzgebiet zur Ukraine ansammelten, befahl Oleksandr Syrskyj Flugzeuge und Hubschrauber von ukrainischen Luftbasen zu räumen und zog zwei Verteidigungsringe um die Stadt.

Verlauf Bereits in den ersten Stunden der Invasion am 24. Februar führten russische Truppen am Flughafen Kiew-Hostomel, etwa 30 Kilometer nordwestlich des Kiewer Stadtzentrums, eine Luftlandeoperation mit Hubschraubern der Typen Mi-17 (Transport) und Ka-52 (Kampfhubschrauber) durch. Den russischen Luftlandetruppen gelang es den Flughafen in der Schlacht um den Flughafen Kiew-Hostomel unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Flughafen galt als strategisch wichtig, da Russland über das Flugfeld schnell notwendige Truppen und Ausrüstung für den Angriff auf das Stadtzentrum von Kiew hätte einfliegen können.Kampf um Flughafen Hostomel: Warum der Landeplatz für die russische Armee so wichtig ist. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 25. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022. Aufgrund von ukrainischen Artillerieangriffen auf das Flugfeld, bei denen auch das dort stehende Transportflugzeug Antonov An-225 schwer beschädigt wurde, war es für die sich bereits in der Luft befindlichen russischen Militärtransporter vom Typ IL-76 nicht möglich, einen sicheren Landeanflug auf das Flugfeld durchzuführen. Die Rückkehr der Transportmaschinen wurde angeordnet. Der weitere Verlauf der Kämpfe wurde für die russischen Truppen durch das Wegfallen dieser strategisch wichtigen Logistik erschwert.

Russische Bodentruppen rückten am 24. Februar 2022 vor allem von Norden und Nordosten in Richtung Kiew vor. In Belarus stationierte russische Streitkräfte überquerten die belarussisch-ukrainische Grenze bei der Sperrzone von Tschernobyl um den 1986 havarierten Atomreaktor des Kernkraftwerks Tschernobyl und konnten das nur knapp 70 Kilometer von Kiew entfernte Gebiet nach heftigen Gefechten binnen 24 Stunden nach Beginn der Invasion erobern.Russisches Militär übernimmt Kontrolle über Tschernobyl. In: tagesspiegel.de. 25. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022. Bei Kriegsbeginn war etwa die Hälfte der ukrainischen Armee an der 2015 festgelegten Kontaktlinie im Osten des Landes stationiert. Viele ukrainische Einheiten hatten erst sieben Stunden vor dem Überfall den Befehl erhalten, ihre zugewiesenen Verteidigungsgebiete im Norden der Ukraine zu erreichen. Eine Analyse des RUSI im November 2022 kam zum Schluss, dass die russischen Streitkräfte zum Kriegsbeginn bei ihrem Vormarsch nördlich von Kiew über eine Übermacht von 12:1 verfügten.Mykhaylo Zabrodskyi, Dr Jack Watling, Oleksandr V Danylyuk and Nick Reynolds: Preliminary Lessons in Conventional Warfighting from Russia’s Invasion of Ukraine: February–July 2022, RUSI, 30. November 2022 - relevantere Stellen bestimmt aufgrund Британский институт RUSI вместе с ВСУ выпустил доклад о первых месяцах войны, Meduza, 1. Dezember 2022 Allerdings hatten die Angreifer von Anfang an mit logistischen Problemen zu kämpfen und wurden zudem offenbar vom Ausmaß des Widerstands überrascht. Die russische Offensive aus dem Nordosten konnte zudem gestoppt werden, als ukrainische Truppen die russischen Streitkräfte bei Tschernihiw aufhielten und zurückdrängten.

Entgegen der Erwartung vieler westlicher Beobachter gelang es den Russen überdies nicht, die Lufthoheit zu erringen. Am Morgen des 25. Februar 2022 sprengten ukrainische Streitkräfte zudem etwa 30 Kilometer nördlich von Kiew eine wichtige Brücke über den Fluss Teteriw, um den Vormarsch weiterer russischer Truppen aufzuhalten.Kyiv residents calm and resolved as Russian forces converge on Ukraine’s capital. In: CNN. 25. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022 (englisch). Am Nachmittag des 24. Februar 2022 wurde in Kiew Luftalarm ausgelöst, daraufhin wurde die Bevölkerung aufgefordert, in Luftschutzbunkern Schutz zu suchen. Viele Menschen fanden dabei in der Metro Kiew Zuflucht, vier U-Bahn-Stationen wurden von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko als Luftschutzbunker ausgewiesen.Zum Schutz vor Bomben: Ukrainerinnen und Ukrainer verbringen Nacht in U-Bahn-Stationen. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 24. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022. Zahlreiche Menschen flohen aus der Hauptstadt, vor allem in Richtung Westen, es kam zu langen Verkehrsstaus.Markus Balser, Constanze von Bullion: Krieg in der Ukraine: Auf der Flucht. In: Süddeutsche Zeitung. 25. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022.

Hatte das ukrainische Militär den ukrainischen Präsidenten am Morgen des 24. Februar noch darüber informiert, dass russische Einsatzkommandos per Fallschirm über Kiew abgesprungen waren, um ihn und seine Familie zu töten oder gefangen zu nehmen, brachen bei Anbruch der Nacht rund um das Regierungsviertel Gefechte aus, in deren Verlauf die russischen Angreifer getötet oder gefangen genommen wurden. Das Angebot der USA, ihn und seine Familie außer Landes in Sicherheit zu bringen, lehnte der Präsident mit den Worten ab: „Mein Kampf ist hier. Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“. Die ukrainische Regierung blieb damit handlungsfähig und konnte den Widerstand organisieren.

Bei Raketenangriffen, die um 4 Uhr Ortszeit am 25. Februar 2022 begannen, wurde unter anderem ein mehrstöckiges Wohnhaus getroffen, wobei drei Menschen verletzt wurden. Zudem wurde ukrainischen Angaben zufolge ein russisches Militärflugzeug über Kiew abgeschossen, was von Russland dementiert wurde. Am 25. Februar drangen zudem laut Informationen des ukrainischen Verteidigungsministeriums erstmals russische Einheiten auf das Stadtgebiet vor und erreichten den Rajon Obolon, einen Stadtbezirk im Nordwesten Kiews. Angaben des ukrainischen Militärs zufolge hatten russische Streitkräfte ukrainische Militärfahrzeuge gekapert, um sich als ukrainische Truppen auszugeben und nach Kiew einzurücken. Die ukrainische Regierung forderte die Bevölkerung dazu auf, sich mit Molotowcocktails auf einen Angriff vorzubereiten und Informationen über Sichtungen russischer Truppen weiterzugeben; gleichzeitig wurde dazu geraten, in den Wohnungen zu bleiben.Angriff auf die Ukraine: Erste russische Einheiten in Kiew. In: tagesschau.de. 25. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022.. In: welt.de, 25. Februar 2022. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge fanden seit dem Mittag des 25. Februar heftige Kämpfe im Stadtgebiet von Kiew statt, wenngleich nicht im Zentrum.Krieg in der Ukraine: Tote und Verletzte – Schwere Kämpfe um Kiew. In: Frankfurter Rundschau. 25. Februar 2022, abgerufen am 25. Februar 2022.