Wiener Neustadt (ursprünglich Neustadt, auch Neustadt im Steinfeld, , kroatisch Bečko Novo Mjesto oder Bečki Novigrad) ist mit Einwohnern (Stand: ) nach der Landeshauptstadt St. Pölten die zweitgrößte Stadt Niederösterreichs und liegt etwa 50 km südlich von Wien im Industrieviertel. Sie ist Statutarstadt und Verwaltungssitz des Bezirkes Wiener Neustadt und eine Schul-, Einkaufs- und Garnisonsstadt. Wiener Neustadt ist die elftgrößte Stadt Österreichs.

Geografie Wiener Neustadt liegt im Steinfeld, dem südlichsten Teil des Wiener Beckens, das geografisch zum Nordöstlichen Flach- und Hügelland gehört. Das Stadtgebiet wird von der Warmen Fischa und dem Kehrbach durchflossen, die sich am nordöstlichen Stadtrand vereinigen. Im Osten der Stadt bildet die Leitha die Grenze zum Burgenland. Das Stadtgebiet erstreckt sich von Norden nach Süden rund 14 km, von Westen nach Osten rund 6,5 km.

Stadtgliederung hochkant|mini|links|Die Viertel von Wiener Neustadt seit 2007 Durch das Wachstum beschloss der Stadtsenat 1960 die Einteilung der Stadt in sechs Stadtbezirke, welche 2007 auf nunmehr acht Stadtbezirke erweitert wurden. Es sind dies In: wiener-neustadt.gv.at, 23. November 2007. (mit Einwohnerzahlen vom ): Innere Stadt, Ungarviertel, Gymelsdorfer Vorstadt, Zehnerviertel, Flugfeld, Josefstadt, Civitas Nova und die Heideansiedlung.

Zu der Zeit, in der das Stadtgebiet sich auf das heutige Zentrum beschränkte, wurde dieses in die vier Viertel „Liebfrauenviertel“, „Dreifaltigkeitsviertel“, „Deutschherrenviertel“ und „Minoritenviertel“ eingeteilt.

Eine Unterteilung in Katastralgemeinden besteht derweil nicht; die Stadt umfasst trotz ihrer Größe nur eine einzige Katastralgemeinde gleichen Namens.Gesamtliste - 9646: Österreichische Katastralgemeinden, abgerufen am 18. Juni 2025

Nachbargemeinden Acht der zwölf Nachbargemeinden liegen im Bezirk Wiener Neustadt (WB), drei im Bezirk Neunkirchen (NK), eine im burgenländischen Bezirk Mattersburg (MA).

Klima Das Klima in Wiener Neustadt ist pannonisch. In Wiener Neustadt gibt es im Jahr durchschnittlich 90 Regentage (siehe Diagramm unten). Bei West-/Nordwestwetterlagen fällt oft wenig bis kein Niederschlag. Wenn eine solche Wetterlage im Winter auftritt, gibt es in Wiener Neustadt fast nie eine Schneedecke. Jedoch können mit Ausbildung eines Oberitalientiefs (auch Genuatiefs) und damit verbundenen Niederschlägen von Südosten her erhebliche Schneemengen fallen.

Durch die Lage am Steinfeld kann es sein, dass Wiener Neustadt im Sommer und Winter zu den Temperaturextremen Österreichs zählt.

Im sehr flachen Gebiet von Wiener Neustadt ist es fast immer windig. Im Umfeld der Stadt können Tornados auftreten. Der Tornado von 1916 hatte gravierende Folgen.

Geschichte mini|Wiener Neustadt um 1813 mini|Die Burg bzw. Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt mini|hochkant=0.7|Portal des Stiftes Neukloster

Die Stadtgründung Wiener Neustadt gehört zu jenen Städten, die bereits als Stadt gegründet und in ihrer Anlage geplant wurden. Errichtet wurde die Stadt im Steinfeld, dem südlichsten Teil des Wiener Beckens, einem Gebiet, das mit Blick auf seine natürlichen Gegebenheiten für die natürliche Entstehung einer mittelalterlichen Ansiedelung kein idealer Ort war.

Die Stadtgründung hatte politisch-strategische Gründe. Durch die Georgenberger Handfeste (17. August 1186) war das Herzogtum Steiermark mit der Grafschaft PittenDas Gebiet der Grafschaft umfasste in etwa die Fläche der heutigen Bezirke Wiener Neustadt und Neunkirchen. Bis ins 16. Jahrhundert war die Grafschaft Pitten Teil des Herzogtums Steiermark. nach dem Aussterben der Traungauer (Ottokare) im Jahr 1192 an die Babenberger (Luitpoldinger) gefallen, die über das benachbarte Herzogtum Österreich herrschten und mit der Errichtung einer befestigten Stadt die gemeinsame Grenze der beiden Herzogtümer gegen das ungarische Königreich zu sichern trachteten. Das Lösegeld, das Herzog Leopold V. für den englischen König Richard Löwenherz erhalten hatte, brachte das notwendige Kapital, um die Neustadt (Nova Civitas) zu bauen. Der Namenszusatz „Wiener“ setzte sich zur besseren Unterscheidung erst im 17. Jahrhundert durch. Der Beschluss zur Stadtgründung wurde in Fischau im Spätsommer oder Herbst 1194 gefasst.Gerhartl, Wiener Neustadt, S. 3.

Das Gründungsdatum lässt sich über Dokumente auf die Jahre 1192 bis 1194 eingrenzen.Erwin Reidinger: Stadtplanung im hohen Mittelalter: Wiener Neustadt – Marchegg – Wien. In: Ferdinand Opll, Christoph Sonnlechner: Europäische Städte im Mittelalter. In: Verein für Geschichte der Stadt Wien (Hrsg.): Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte. Band 52, StudienVerlag, Innsbruck/Wien/Bozen/Wien 2010, ISBN 978-3-7065-4856-4, , S. 167–168 (reidinger.at). Die archäoastronomische Untersuchung der Orientierung der Längsachse des Domes (Pfarrkirche) zeigt eine Ausrichtung genau auf den Sonnenaufgang zu Pfingsten 1192. Die Diagonale der alten Stadt (zwischen SW und SO-Turm) verläuft parallel dazu. Bis in den Nationalsozialismus war 1192 das akzeptierte Bezugsjahr für Stadtjubiläen. Aus politischen Überlegungen wurde vom Stadtarchivar im Jahre 1942 das Gründungsjahr 1194 favorisiert, was in der Nachkriegszeit beibehalten wurde. Heute ist es Konsens, dass 1192 das Gründungsjahr ist. Gesichert ist, dass nach Leopolds plötzlichem Tod die Errichtung der Stadt unter seinem Sohn und Nachfolger Herzog Leopold VI. im Jahr 1195 bereits begonnen hatte.

Die damalige Anlage lehnte sich an die Form eines römischen Lagers an. Der Grundriss der Stadt entsprach einem Rechteck mit einer Seitenlänge von 620 m an der Südseite und 685 m an der Westseite. Das Stadtgebiet wurde von vier Hauptstraßen, die nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet waren und zu den Stadttoren führten, in Viertel unterteilt. Für das Zentrum war ein Platz als Markt in einer Ausdehnung von 180 × 80 m vorgesehen, im nordwestlichen Viertel wurde ein weiterer Platz als Standort der Pfarrkirche und des Friedhofs geplant. Die Stadt wurde durch eine 5 m hohe und 1 m starke aus Stein gefügte Stadtmauer umgeben, die an den Ecken durch massive Ecktürme verstärkt war; die vier Stadttore wurden zusätzlich durch Türme gesichert. Die Stadtmauern wurden von einem Graben umgeben, der durch örtliche Bäche und vor allem durch den Kehrbach gespeist wurde.Gerhartl, Wiener Neustadt, S. 8 ff.

Der neugegründeten Stadt wurden wichtige Privilegien erteilt, sie erhielt die volle Gerichtsbarkeit und das Marktrecht. Spätestens unter Herzog Friedrich dem Streitbaren wurde außerdem die landesfürstliche Münzstätte von Fischau in die Neustadt verlegt.Gerhartl, Wiener Neustadt, S. 15 f. Das Leopoldinum, ein angeblich aus der Zeit von 1221 bis 1230 stammendes Stadtrecht für die Neustadt aus der Zeit Rudolfs von Habsburg ist allerdings eine Fälschung. Auch für Wiener Neustadt galt Stadtluft macht frei nach Jahr und Tag.Gerhartl, Wiener Neustadt, S. 17.

Residenz des Landesfürsten, des Königs und des Kaisers Nach dem Tod von Herzog Friedrich dem Streitbaren, der keine Nachkommen hatte, kam es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu kriegerischen Auseinandersetzungen um seine Nachfolge in beiden Herzogtümern, aus denen schließlich Graf Rudolf IV. von Habsburg, als deutsch-römischer König Rudolf I., als Gewinner hervorging. Die Habsburger, die sich in der Folge auch Herzöge von Österreich nannten, konnten sich als neue Landesherren durchsetzen. In dieser Zeit wurde am 3. Juni 1285 ein gewisser Merboto zum Bürgermeister der Neustadt gewählt,Sonja Knotek: Bürgermeister schreiben Geschichte (rastundruh.heimat.eu, eingesehen am 16. Jänner 2017). die erste namentliche Nennung eines Bürgermeisters. Erst von 1380 bis 1382 ist mit Michael Prenner ein weiterer Bürgermeister von Wiener Neustadt namentlich nachgewiesen, der damals auch als ihr reichster Bürger galt.Chronik von Wiener Neustadt. Band 2.

Als Folge des im September 1379 geschlossenen Vertrags von Neuberg an der Mürz spalteten sich die Habsburger in zwei Familienzweige auf: die Albertinische und die Leopoldinische Linie. Zusammen mit den Städten Graz und Innsbruck gehörte die Neustadt in der Folge zu den Hauptresidenzen der „Leopoldiner“ und erlebte im 15. Jahrhundert eine Zeit des Aufschwungs. Unter Herzog Friedrich V. von Österreich, als deutsch-römischer König und Kaiser Friedrich III., war die Neustadt Mitte des 15. Jahrhunderts viele Jahre neben Graz die Hauptresidenz des Kaisers. 1453 fand hier sogar ein Reichstag statt, der allerdings von den Reichsfürsten nur schlecht besucht wurde. Der Dom und das Neukloster (in dem später seine Ehefrau, Kaiserin Eleonore Helena, und die meisten ihrer Kinder ihre letzte Ruhestätte fanden) wurden unter Friedrich III. wesentlich umgebaut, die Wappenwand an der Burg (heute die Kaserne) zeigt ihn inmitten der Wappen jener Besitzungen, die den Habsburgern seit der Österreichischen Chronik von den 95 Herrschaften zugeschrieben wurden. Im Jahre 1469 erreichte er bei Papst Paul II. die Zustimmung zur Gründung eines eigenen Bistums in Wiener Neustadt, welches aber wegen des Widerstandes der bisher zuständigen Bischöfe von Passau nur für die Stadt selbst zuständig war und nicht zum Landesbistum ausgebaut werden konnte. Es wurde bald mit dem Wiener Bistum zusammengeführt, ehe es im 19. Jahrhundert nach St. Pölten verlegt und später zum Landesbistum für Niederösterreich gemacht wurde. Friedrichs Sohn und Nachfolger Maximilian I. wurde in Wiener Neustadt geboren und verbrachte hier seine Jugend. In der Kapelle der Burg, der St.-Georgs-Kathedrale, wurde er nach seinem Tod auf seinen eigenen Wunsch hin beigesetzt.

Im August 1487 wurde die Neustadt (ungarisch: Bécsújhely) nach einer fast zweijährigen Belagerung durch den ungarischen König Matthias Corvinus eingenommen. Der König gewährte den Verteidigern freien Abzug und soll der Stadt aufgrund ritterlicher Traditionen in der Folge jenen Prunkpokal geschenkt haben, der heute als der Corvinusbecher im Stadtmuseum besichtigt werden kann. Nach seinem Tod wurde die Stadt von König Maximilian I. ohne wesentlichen Widerstand zurückerobert.

Die jüdische Gemeinde der Neustadt im 14. und 15. Jahrhundert Spätestens seit der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine jüdische Gemeinde in Wiener Neustadt belegt.Gerhartl: Wiener Neustadt. S. 11. Ein Grabstein aus dem Jahre 1252 – der älteste mit hebräischer Schrift im heutigen Österreich – ist in der Stadt erhalten. Vermutlich hing es damit zusammen, dass die Neustadt zum Herzogtum Steiermark gehörte, dass ihre jüdische Gemeinde von der Judenverfolgung von Pulkau (1338), Pogromen zur Zeit der Pest (1348/49) und von der Wiener Gesera (1420/1421) verschont blieb, die alle auf das Herzogtum Österreich begrenzt waren. Ca. 1445–1460 war die Neustadt Sitz des Rabbiners Israel Isserlein (1390–1460), einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten seiner Zeit. Damals galt es als ein Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit. Als König Maximilian I. im Jahr 1496 die Vertreibung aller Juden aus der Stadt verfügte und ihnen auf ewige Zeit verbot, sich erneut hier niederzulassen, bedeutete dies das Ende der jüdischen Gemeinde. Diese Maßnahme erfolgte nicht in Form eines Pogroms, sondern als organisierte Ausweisung. Erst im 19. Jahrhundert entstand eine neue jüdische Gemeinde in Wiener Neustadt.Werner Sulzgruber: Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Wiener Neustadt (Website der Kulturzeitschrift DAVID, eingesehen am 21. Jänner 2008).

Die Neustadt nach 1500 mini|Wiener Neustadt, auf einer Seite im Werk von Georg Matthäus Vischer, 1672 Im 16. Jahrhundert verlor die Neustadt ihre Bedeutung als landesfürstliche bzw. königlich-kaiserliche Residenz. Weiterhin aber war sie ein wichtiges Bollwerk gegen Bedrohungen aus dem Osten, so z. B. gegen die Osmanen und Kuruzen. Traurige Berühmtheit erlangte die Neustadt als Ort zweier politisch motivierter Hinrichtungen.