Die Dampflokomotiven 56 und 57 waren schmalspurige Tenderlokomotiven der Südharz-Eisenbahn-Gesellschaft (SHE). Sie wurden nach der Stilllegung der Strecke 1963 ausgemustert sowie verschrottet.

Geschichte Mallet-Lokomotive Für die meterspurige Südharz-Eisenbahn waren um die Zeit nach 1925 stärkere Lokomotiven als die vorhandenen Malletlokomotiven notwendig. Der Lokomotivbauer Henschel glaubte, für die steigungs- und bogenreichen Strecken mit der Bauart Mallet die richtige Lösung gefunden zu haben.

Die Lokomotiven entstanden in Kassel als Tenderlokomotiven für Heißdampf mit zwei Triebwerksgruppen und einer unter dem Führerstand angeordneten Laufachse. Als sie fertig waren, hatte der Besteller, die Verkehrsbetriebe Bachstein, Bedenken die Lokomotiven abzunehmen, da es auf anderen Schmalspurbahnen Schwierigkeiten beim Betrieb mit Malletlokomotiven gegeben hatte. Es kam zu Streitigkeiten, in deren Folge die Lokomotiven in eine fünfachsige Einrahmenlokomotive umgebaut werden mussten.

Technik Malletlokomotive

Die Niederdruckzylinder saßen am vorderen, beweglichen Drehgestell der Lokomotive. Die Hochdruckzylinder waren am Hauptrahmen vorne angeordnet. Wahrscheinlich aus Vereinfachungsgründen kamen in der Hochdruckzone Innenrahmen zur Anwendung.

Die Kreuzköpfe wurden einschienig geführt, an den größeren Niederdruckzylindern war eine vordere Kolbenstangentragbuchse vorhanden. Die Treibstangen wirkten jeweils auf die zweite Kuppelachse. Die Steuerung war von der Bauart Heusinger mit Kolbenschiebern.Dirk Endisch: Mallet-Lokomotiven des Harzes. Die Geschichte der Gelenk-Maschinen der NWE, GHE und SHE. 2., ergänzte und erweiterte Auflage, Verlag Dirk Endisch, Stendal 2014, ISBN 978-3-936893-76-2, S. 102

Die Blattfedern der Treibradsätze lagerten unterhalb der Achslager und waren paarweise durch Ausgleichhebel miteinander verbunden. Die Feder der Laufachse lag oberhalb der Achslager quer zur Fahrtrichtung. Dadurch war ein gleichmäßiges Auflegen aller Radsätze auch bei schlechter Gleislage garantiert. Für jede Triebwerksgruppe befand sich ein Sanddom auf dem Langkessel.

Einrahmenlokomotive

Damit die Lokomotiven auf den kurven- und steigungsreichen Strecken der Südharz-Eisenbahn-Gesellschaft mit Gleisbogenhalbmessern von 60 m verkehren konnten, sah sich der Hersteller gezwungen, bei Orenstein & Koppel Lizenzen für einen Luttermöller-Achsantrieb zu kaufen. Die so durch den Umbau entstandene E h2-Tenderlokomotive war erheblich einfacher als die Malletlokomotive und besaß auch bessere Laufeigenschaften sowie ein günstigeres Reibungsgewicht als diese.

Diese schweren Lokomotiven wickelten in den folgenden Jahren nahezu den gesamten Verkehr bei der SHE ab und versahen den schweren Dienst auf den steigungsreichen Strecken bis zur Einstellung des Gesamtbetriebes.

Technische Merkmale Einrahmenlokomotive

Der Luttermöller-Achsantrieb wurde bevorzugt bei Schmalspurbahnen verwendet, weil er hier in den engen Krümmungen die erforderliche Kurvenbeweglichkeit besser gewährleisten konnte als die Verwendung mit seitenverschiebbaren Achsen. Der Nachteil des großen Anlaufwinkels der Spurkränze wird durch den Zahnradantrieb vermieden. Der Antrieb war staubdicht gelagert und lief im Ölbad. Das Gehäuse des Lagers war als Deichsel ausgeführt und wurde um die verdickte Mitte der Kuppelachswelle ausgeschwenkt. Dadurch stellten sich die Endradsätze in Gleiskrümmungen radial ein. Durch Rückstellfedern wurden die Achsen in der Geraden wieder in die Ausgangslage zurückgesetzt.

Die Dampfmaschine wurde von der ersten Ausführung fast komplett übernommen.

Literatur

Weblinks Foto von der SEH 56 auf der Südharz-Eisenbahn um 1928 auf der eisenbahnstiftung.de Datenblatt von den Fahrzeugen der Südharz-Eisenbahn mit Erwähnung der SEH 56 und 57

Einzelnachweise

Kategorie:Dampflokomotive Bauart Mallet Kategorie:Schienenfahrzeug (Henschel) Kategorie:Triebfahrzeug (Südharz-Eisenbahn-Gesellschaft) Kategorie:Tenderlokomotive Achsfolge E Kategorie:Dampflokomotive Bauart Luttermöller