Bernhard Kohl (* 4. Jänner 1982 in Wien) ist ein ehemaliger österreichischer Radrennfahrer und jetziger Unternehmer. Er beendete seine Sportkarriere 2009 nach einer Dopingsperre.
Sportlicher Werdegang Nachdem er im Jahr 2004 die Gesamtwertung der Tour des Pyrénées für sich hatte entscheiden können, erhielt Kohl für die Jahre 2005 und 2006 einen Vertrag beim UCI ProTeam T-Mobile. Sein größter Erfolg in seinem ersten Jahr wurde der 7. Gesamtrang bei der Österreich-Rundfahrt. Außerdem wurde Kohl Dritter beim internationalen Radkriterium in Gmünd. Zum Abschluss der Saison bestritt er mit der Vuelta a España 2005 seine erste dreiwöchige Rundfahrt.
Kohl erreichte nach im Frühjahr 2006 den zwölften Platz der Gesamtwertung der Kalifornien-Rundfahrt und der Baskenland-Rundfahrt und wurde Gesamtneunzehnter der Tour de Romandie. Außerdem schaffte Kohl mit einem 3. Platz in der Gesamtwertung den Sprung auf das Podium der zur Pro Tour gehörigen Rundfahrt Critérium du Dauphiné Libéré. Kohl wurde österreichischer Staatsmeister im Straßenrennen und Glocknerkönig sowie Gesamt-Fünfter bei der Österreich-Rundfahrt. Bei der Vuelta a España 2006 war er Kapitän seine Teams T-Mobile. Auf der neunten Etappe versteuerte er sich auf einer Abfahrt bei Puerto de San Lorenzo und schleuderte mit 60 km/h über eine Leitplanke 10 m den Abhang hinunter. Kohl, zu diesem Zeitpunkt Achter im Klassement, musste die Rundfahrt vorzeitig beenden, nachdem bei ihm eine Lungenkontusion diagnostiziert worden war.Vuelta: Kohl nach Sturz auf Königsetappe out. In: Der Standard, 31. August 2007, abgerufen am 12. Februar 2021. Die anschließenden Weltmeisterschaften 2006 in Salzburg beendete Kohl nach langer Führungsarbeit vorzeitig.
Die Saison 2007, die Kohl für das Team Gerolsteiner bestritt, begann für ihn mit der Kalifornien-Rundfahrt. Er nutzte sie als Training unter Wettkampfbedingungen und beendete die Rundfahrt auf dem 32. Rang. Weiters beendete Kohl die „Probe-Tour de France“, Dauphiné Libéré, auf dem 13. Gesamtrang. Bei der Tour de France konnte er den 30. Rang belegen.
Bei der Tour de France 2008 erreichte er bei der 10. Etappe seinen besten Platz als Vierter. Am 20. Juli 2008 setzte er sich als erster Österreicher in der Geschichte der Rundfahrt an die Spitze der Bergwertung bei der Tour. In: OÖNachrichten, 21. Juli 2008. Diese Führung konnte er bis zum Ende der Rundfahrt verteidigen. Die Tour de France selbst beendete er auf dem dritten Gesamtrang. Alle seine Ergebnisse der Tour de France 2008 wurden jedoch wegen Dopings annulliert.
Am 13. Oktober 2008 meldete die französische Sportzeitung L’Équipe, dass Kohl ebenso wie sein Gerolsteiner-Teamkollege und Tour-Zimmernachbar Stefan Schumacher bei den Nachkontrollen der Tour-de-France-Dopingproben durch die französische Anti-Doping-Behörde AFLD positiv auf das EPO-Dopingmittel CERA getestet worden sei. In: L’Equipe.fr, 13. Oktober 2008 (französisch). Dies wurde am folgenden Tag von der Nationalen Anti-Doping Agentur Austria (NADA) und am 15. Oktober 2008 von Kohl selbst im Zuge eines Pressegesprächs bestätigt.Michael Fruhmann: Kohl legt Karten auf den Tisch. In: sport.ORF.at, 15. Oktober 2008, abgerufen am 12. Februar 2021. Am 24. November 2008 wurde er nach einer Anhörung durch die NADA für 2 Jahre gesperrtMichael Fruhmann: Zweijährige Dopingsperre. In: sport.ORF.at, 24. November 2008, abgerufen am 12. Februar 2021., und seine Ergebnisse der Tour de France 2008 wurden annulliert.
miniatur|Bernhard Kohl beim Welser Innenstadtkriterium am 30. Juli 2008 Im Folgejahr belastete kurz nach den Aussagen der Triathletin Lisa Hütthaler zu Hintermännern und Details zu ihren Doping-Vorwürfen auch Kohl seinen Ex-Manager Stefan Matschiner.sid: In: Focus, 1. April 2009, abgerufen am 12. Februar 2021. Matschiner wurde im Oktober 2010 wegen versuchten Blutdopings und der Weitergabe von verbotenen Substanzen zu einer teilbedingten Haftstrafe von 15 Monaten verurteilt.Markku Datler: Matschiner-Prozess: 15 Monate teilbedingt. In: Die Presse, 11. Oktober 2010, abgerufen am 12. Februar 2021. Am 25. Mai 2009 verkündete Kohl in Wien seinen Rücktritt vom aktiven Radsport. Er werde auch nach Ablauf seiner Sperre keine Rennen mehr bestreiten. In der ARD-Sendung Beckmann begründete er am selben Tag seinen Rücktritt damit, nicht wieder Teil eines Dopingsystems sein zu wollen, und gab an, während seiner ganzen Karriere seit dem 20. Lebensjahr gedopt zu haben.
Im Juni 2010 gab die Wiener Staatsanwaltschaft bekannt, dass das Strafverfahren gegen Kohl eingestellt wird. Zwar stand für die Anklagebehörde außer Frage, dass Kohl, wie er gestanden hatte, zusammen mit Michael Rasmussen und dem Skilangläufer Christian Hoffmann sich am Kauf einer Blutzentrifuge durch Matschiner beteiligt hatte, jedoch waren den drei Sportlern nach Inkrafttreten des österreichischen Antidoping-Gesetzes im August 2008 „keine Beitragshandlungen“ zum Blutdoping nachzuweisen.Strafverfahren gegen Kohl und Hoffmann eingestellt. In: Der Standard/APA, 10. Juni 2010, abgerufen am 12. Februar 2021. Kurz danach gab die NADA ihre Entscheidung bekannt.
Die wegen der Vielzahl an Verstößen fällige lebenslange Zusatzsperre zu den bereits verhängten zwei Jahren wurde wegen Kohls umfassendem Geständnis auf vier Jahre reduziert, womit seit dem 4. Juli 2014 wieder eine Startberechtigung bestand, (PDF; 986 kB). In: Website der Nationalen Anti-Doping Agentur Austria GmbH (NADA Austria), 15. Juni 2010. Zitat: . In: sport1, 15. Juni 2010, abgerufen am 12. Februar 2021.Michael Fruhmann: „Das falsche Signal“. Kohl im Interview mit ORF.at. In: sport.ORF.at, 25. Oktober 2008, abgerufen am 12. Februar 2021. von der Kohl aber keinen Gebrauch machte. Kohl im Interview. In: Report(+)PLUS. Report Verlag, 13. Oktober 2015, abgerufen am 12. Februar 2021.
Am 14. Juni 2015 nahm Kohl zum ersten Mal seit seiner Sperre mit dem SuperGiroDolomiti wieder an einem Radrennen teil, das er auch für sich entscheiden konnte.Sportredaktion: Bernhard Kohl gewinnt „SuperGiroDolomiti“. In: Dolomitenstadt.at – Online Magazin. Dolomitenstadt Media, 1. Juni 2016, abgerufen am 12. Februar 2021.
Berufsleben und Privates Im Februar 2010 eröffnete Bernhard Kohl an der Triester Straße 282–284 in Wien ein Fahrradgeschäft.Bernhard Kohl eröffnet eigenes Rad-Geschäft. In: Die Presse/APA, 14. Jänner 2010: Er führt das Geschäft in der Rechtsform der Bernhard Kohl Sporthandel GmbH und ist mit 51 % Mehrheitsgesellschafter, ein weiterer Gesellschafter ist mit 25 % an der im November 2009 gegründeten Gesellschaft beteiligt, beide sind alleinvertretungsberechtigte Geschäftsführer. Kohls ehemaliger Trainer Werner ZanierMichael Fruhmann: Das Zeug zum Sieger. Zanier im Interview mit ORF.at im Zusammenhang mit der 95. Tour de France. In: sport.ORF.at, 26. Juli 2008, abgerufen am 12. Februar 2021. hält über eine Zwischengesellschaft 24 % und fungiert gemeinsam vertretungsberechtigter Geschäftsführer.Bernhard Kohl Sporthandel GmbH, FN 337071v. In: firmenabc.at, abgerufen am 12. Februar 2021.Bernhard Kohl Sporthandel GmbH, FN 337071v. Firmendetails im firmenmonitor.at des Amtlichen Teils der Wiener Zeitung, abgerufen am 12. Februar 2021.
Seit August 2010 ist er verheiratet.Traumfrau Tatjana. Kohl feierte Rolls-Royce-Hochzeit. In: oe24.at, 1. August 2010, abgerufen am 12. Februar 2021. Das Paar hat eine Tochter (* 2011)Baby on Bike. Kohl: Baby-Tochter Mariella ist da! In: oe24.at, 20. Juli 2011, abgerufen am 12. Februar 2021. und einen Sohn (* 2014).Nachwuchs. Zweites Baby für Rad-Profi Bernhard Kohl. In: oe24.at, 27. Mai 2014, abgerufen am 12. Februar 2021.
Sportliche Erfolge 2004 Tour des Pyrénées
2006 Österreichischer Staatsmeister – Straße
Auszeichnungen 2008: Goldener Rathausmann der Stadt WienGoldener Rathausmann für Bernhard Kohl. In: Archivmeldung der Rathauskorrespondenz vom 1. August 2008, abgerufen am 12. Februar 2021.
Anfang August 2008 wurde Bernhard Kohl der Goldene Ehrenring der Stadtgemeinde Wolkersdorf im Weinviertel verliehen und übergeben.Riesen-Jubel: Wolkersdorf feiert Tour-Helden Bernhard Kohl. In: oe24.at, 3. August 2008, abgerufen am 12. Februar 2021. Zitat: Bis in den Oktober hinein fehlte jedoch noch der zugehörige Gemeinderatsbeschluss. Damit waren die Mandatare am 22. Oktober, nachdem zuvor am 13. Oktober 2008 die Doping-Vorwürfe gegen Kohl bekannt wurden, vor der schwierigen Entscheidung, ob sie nachträglich der Verleihung zustimmen, oder ob sie dagegen stimmen und die Stadtgemeinde den Ehrenring zurückfordern müsste.haba: 24 Zeilen: Wartefrist. In: OÖNachrichten, 21. Oktober 2008, abgerufen am 12. Februar 2021. Tatsächlich wurde der Ehrenring später von Kohl zurückgefordert und dieser gab den Ring auch zurück.Viktoria Antray: Etappensieg. In: miju schreibt Geschichte. Alexander Berchold (Hrsg.), Nr. 22, 1. August 2017, S. 6–11 (Volltext online auf Issuu, abgerufen am 12. Februar 2021). Hier: S. 7 unten: Sowie S. 8, linke Spalte unten:
Weblinks
bernhardkohl.at – Website der Bernhard Kohl Sporthandel GmbH.
Einzelnachweise
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