Als Hahnenkampf bezeichnet man einen Wettbewerb, bei dem zwei Hähne (Kampfhähne bzw. Streithähne) in einer Arena oder auf einem Kampfplatz aufeinander losgelassen werden. Er basiert auf einem natürlichen Aggressionstrieb des Hahns sich gegenüber seinem Artgenossen durchzusetzen. Gewöhnlich wird bei einem Hahnenkampf auf dessen Ausgang gewettet. Einer der beiden Hähne unterliegt, wenn er nicht mehr kämpft, schwer verletzt ist oder stirbt. Der Tod eines der Hähne ist jedoch der Regelfall. Nach überwiegender Ansicht waren Hahnenkämpfe der Grund, warum das Huhn domestiziert wurde. Darauf weisen zahlreiche Ausgrabungen hin.Esther Verhoef, Aad Rijs: The Complete Encyclopedia of Chickens. REBO Publishers, Lisse 2006, ISBN 90-366-1592-5. S. 12. Der erste schriftliche Beleg für einen Hahnenkampf stammt aus dem China des Jahres 517 v. Chr. Zu dem Zeitpunkt waren Hahnenkämpfe bereits ein königlicher Sport mit sorgfältig ausgearbeiteten Spielregeln. Schon damals trugen die Kampfhähne künstliche Sporen aus Metall.Andrew Lawler: Why did the Chicken cross the World. Kapitel: Thrilla in Manila, ebook-Position 1661. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Hahnenkampf ein nahezu weltweit verbreitetes Freizeitvergnügen, dem lediglich im Westen und Süden Afrikas nicht nachgegangen wurde.Andrew Lawler: Why did the Chicken cross the World. Kapitel: Thrilla in Manila, ebook-Position 1681.

In nahezu allen Staaten der westlichen Welt sind Hahnenkämpfe aus Gründen des Tierschutzes oder wegen Wettverboten untersagt. Ausnahmen sind einige Länder Zentral- und Südamerikas und die Philippinen. Dort und trotz des Verbots auf der indonesischen Insel Bali beispielsweise ist der Hahnenkampf unverändert eine traditionelle und populäre Sportart. Höhepunkte der Hahnenkämpfe ist der World Slasher Cup, der im Araneta Coliseum in Quezon City (Philippinen) stattfindet und bei dem über fünf Tage 648 Hahnenkämpfe veranstaltet werden. Die Wetteinsätze betragen bei jedem Kampf mehrere 100.000 US-Dollar.Andrew Lawler: Why did the Chicken cross the World. Kapitel: Thrilla in Manila, ebook-Position 1431. Auf Grund der langen Tradition sind spezifische Kämpferrassen entstanden, von denen das älteste vermutlich das Asil ist, das sich durch eine straffe Bemuskelung, eine aufrechte Körperhaltung und einen kleinen Kamm sowie ein sehr aggressives Verhalten auszeichnet.Esther Verhoef, Aad Rijs: The Complete Encyclopedia of Chickens. REBO Publishers, Lisse 2006, ISBN 90-366-1592-5. S. 11.

Geschichte mini|Hahnenkampf auf den Philippinen

Die Domestikationsgeschichte des Haushuhns ist noch nicht abschließend geklärt. Das Haushuhn stammt jedoch von dem südostasiatischen Bankivahuhn ab. Eine der frühesten Kulturen, die Hühner hielten, war die Indus-Kultur, die sich etwa in den Jahren 2800–1800 v. Chr. entlang des Indus im Nordwesten des indischen Subkontinents entwickelte. Es gibt einige indirekte Hinweise, dass diese Kultur Hahnenkämpfe praktizierte: Zu den archäologischen Funden zählen eine kleine Lehmfigur, die einen Hahn in einer Weise hält, wie es vor Hahnenkämpfen üblich ist. Gefunden hat man auch einen künstlichen Sporn sowie ein Siegel, dessen Darstellung als zwei Hähne interpretiert werden, die miteinander kämpfen.Andrew Lawler: Why did the Chicken cross the World. Kapitel: The Cornelia Beard, ebook-Position 613. In einigen Regionen im Süden Indiens sind Hahnenkämpfe immer noch Bestandteil von religiösen Ritualen zur Verehrung einer Muttergottheit, die möglicherweise einen Ursprung in dieser Zeit haben.Andrew Lawler: Why did the Chicken cross the World. Kapitel: The Cornelia Beard, ebook-Position 614.

Über den Nahen Osten gelangten Haushühner ab etwa 1500 vor Chr. nach Ägypten, von wo sie in den griechischen und später römischen Kulturkreis gelangten. Homer (ca. 800 v. Chr.) erwähnte das Haushuhn noch nicht, auf schwarzfigurigen griechischen Vasen sind sie aber bereits relativ häufig abgebildet; sie wurden vermutlich hauptsächlich zum Hahnenkampf gehalten. Sie dienten auch als Kennzeichen auf den Schilden der Krieger. Eine weite Verbreitung im europäischen Raum fand das Haushuhn seit den Römern, die Hühner im großen Stil als Eier- und Fleischlieferanten züchteten. In Iulius Caesars Kriegsbericht De bello Gallico ist von Hähnen die Rede, die den römischen überlegen sind. Vor allem in England gibt es eine 2000-jährige Hahnenkampfkultur, die erst 1848 per Gesetz verboten wurde. Englische Kolonisten machten „Cockfights“ auch in Nordamerika zu einem beliebten Wettsport.Messerscharfes Metall zwischen den Krallen Berliner Zeitung, 28 April 1995

Obwohl die Kämpfe inzwischen in vielen Ländern verboten sind, gibt es zum Beispiel in Belgien, Frankreich, Mexiko, der Dominikanischen Republik, Italien, den Philippinen, Puerto Rico, Peru, der Türkei und Guam in boxkampfähnlichen Arenen regelmäßige Wettkämpfe mit hohen Wetteinsätzen.

Ablauf mini|An den Füßen des Tieres werden Sporen befestigt

Der Hahnenkampf selbst beginnt mit dem Einsetzen der Hähne in die Arena. Bei einem professionellen Kampf befinden sich neben den zwei Hähnen vier Personen in der Arena: Jeweils ein Betreuer je Hahn sowie ein Schiedsrichter und sein Assistent. Bei Dorfkämpfen ist der Betreuer gewöhnlich auch der Besitzer des Hahnes, bei professionellen Kämpfen wie bei dem World Slasher Cup sind es vom Besitzer angeheuerte Experten, die den Hahn zum Kampf bringen.Andrew Lawler: Why did the Chicken cross the World. Kapitel: Thrilla in Manila, ebook-Position 1471.

Durch das natürliche Revierverhalten – die Angriffsdistanz wird durch die Enge der Arena und Gegeneinanderdrängen der Tiere absichtlich unterschritten – beginnen die Hähne gewöhnlich selbständig mit dem Kampf. Zur zusätzlichen Aufstachelung und Provokation der Hähne werden sie manchmal vorher in Käfigen eng zusammengehalten oder die Hähne durch einen anderen Hahn unmittelbar vor dem Kampf in eine aggressive Stimmung gebracht. Vorher verabreichte schmerzlindernde Mittel können den Kampf auf bis zu zehn Minuten verlängern.

In vielen Regionen, in denen Hahnenkämpfe veranstaltet werden, ist es üblich, die Hähne mit künstlichen Sporen zu bewaffnen. Um dies möglich zu machen, werden den Hähnen sehr früh ihre natürlichen Sporne amputiert. Länge und Material dieser Sporen beeinflussen ebenfalls die Dauer des Kampfes. Kurze, aus Schildpatt gefertigte Sporen, wie sie beispielsweise in Südamerika verwendet werden, sorgen für lange Kämpfe. Die langen, messerscharfen Sporne, wie sie beispielsweise in den Philippinen verwendet werden, machen die Kämpfe sehr kurz und blutig. Sie enden dann in der Regel mit dem Tod eines der Hähne. Wenn eines der beiden Tiere unterliegt, das heißt, wenn es nicht mehr kämpft, schwer verletzt ist oder stirbt, wird der Kampf beendet. Nach dem Kampf werden in der Regel etwaige Wettgewinne gefeiert, weshalb sich an den eigentlichen Kampf meist ein soziales Zusammensein anschließt.

Kampftechniken Das Kampfverhalten der Hähne kann und muss kaum trainiert werden, sondern ist hauptsächlich genetisch bedingt. Die teilnehmenden Tiere werden daher mit Hinblick auf ihre Ausdauer, Aggressivität und Kraft gezüchtet und nur manchmal zusätzlich trainiert.

mini|Hahnenkampf in Vietnam mini|Kampfhähne in Käfigen auf Bali

Gewicht: Die Gewichtsklassen der Hähne sind zumeist in Schritte von 100 g unterteilt, weshalb mögliche Vorteile durch höheres Körpergewicht im Kampf selbst keine große Rolle spielen. Schwere Hähne sind in der Regel eher kräftiger, leichte Hähne eher ausdauernder (s. u.). Genetisch disponierte Kampftechnik: Während einige Hähne während des ganzen Kampfes am Boden bleiben, gibt es andere Hähne, die wenige Zentimeter über dem Boden fliegen, um zu kämpfen. Beide Techniken sind in den Kämpfen in etwa gleichwertig. Die Züchter, Galleros, entscheiden sich in ihrer Zucht normalerweise nur für eine der beiden Arten. Dieses genetische Kampfverhalten kann nicht an- oder abtrainiert werden. Offensiv/defensiv: Ob das Verhalten im Kampf eher offensiv oder defensiv ist, hängt von der Züchtung ab. Auch hier gilt, dass keine der beiden Formen besser ist. Normalerweise züchtet man entweder defensive, ausdauernde Hähne oder offensive, kräftige Hähne. Kraft und Ausdauer: Die Züchter müssen zwischen Kraft und Ausdauer eine Balance finden. Einige Hähne kämpfen kraftvoll und offensiv, verlieren aber bei langen Kämpfen die Kraft und werden dadurch schutzlos. Andere Hähne können dagegen lange Zeit kämpfen, sind aber nicht in der Lage, dem gegnerischen Hahn größere Verletzungen zuzufügen. Revierverhalten und Aggressivität: Während einige Hähne eine geringe Distanz benötigen, um ihr Revier zu verteidigen, gibt es andere Hähne, die schwerer reizbar sind. Für Hahnenkämpfe sind aggressive Hähne besonders geeignet. Menschliche Einflüsse: Bei regionalen Varianten werden die Tiere mit an den Füßen befestigten Spornen oder Klingen, etwa aus Metall oder Schildpatt, bewaffnet, um ihre Kampfkraft zu erhöhen und die Tötung des Gegners zu ermöglichen. Langfristig können zur Stärkung der Muskeln Steroide verabreicht werden, kurzfristig eingesetzte schmerzlindernde Mittel können die Ausdauer verlängern.

Verteidiger des traditionellen Hahnenkampfs weisen gelegentlich darauf hin, wie sorgfältig Kampfhähne großgezogen werden. Sie haben in der Regel ein Lebensalter von zwei Jahren erreicht, wenn sie den ersten ernsthaften Hahnenkampf bestreiten. Sie kontrastieren dies mit der Aufzucht von Hähnchen in der westlichen Welt, wo Hühner in beengten Mastställen in zwei Monaten zur Schlachtreife gebracht werden.Andrew Lawler: Why did the Chicken cross the World. Kapitel: Thrilla in Manila, ebook-Position 1620.

Situation in verschiedenen Ländern mini|Gesetze bezüglich Hahnenkämpfen (Zucht, Organisation und Teilnahme) weltweit: mini|Hahnenkampf am Stadtrand von Kabul, Afghanistan, 2008 mini|Hahnenkampf auf Puerto Rico, 1937

Während seine Befürworter den Hahnenkampf als sportlichen Wettbewerb und festen Bestandteil regionaler Kultur verteidigen, gilt er vor allem in weiten Teilen Europas und Nordamerikas als Tierquälerei und ist deshalb gesetzlich verboten. Auch das mit dem Kampf verbundene Glücksspiel durch Wetten ist in vielen Staaten illegal. Hahnenkämpfe verschwanden jedoch durch die Verbote in den meisten Staaten nicht ganz von den Bildfläche, sondern finden vereinzelt illegal statt. In Ländern wie den USA hat man deshalb die Gesetzgebung in den letzten Jahren deutlich verschärft. Dies geschieht nicht zuletzt auch deswegen, weil die Wetteinsätze, die traditionell zum Hahnenkampf dazugehören, zum Betätigungsfeld krimineller Organisationen geworden ist.

In Südostasien, Mittelamerika und in Südamerika ist der blutige Wettkampf dagegen vielerorts legal, seit Jahrhunderten kulturell verwurzelt und auch verbreitet. Auch hier gilt jedoch als grundlegendes Problem, dass wegen der hohen Wettumsätze zunehmend kriminelle Organisationen von Hahnenkämpfen profitieren.

USA In den USA sind Hahnenkämpfe in allen Bundesstaaten sowie dem District of Columbia illegal. Der letzte Bundesstaat, der ein entsprechendes Gesetz verabschiedete, war Louisiana im Jahr 2007. Dieses Verbot richtet sich nicht nur gegen die Veranstaltung eines solchen Hahnenkampfes. Es ist in allen Bundesstaaten auch illegal, wissentlich einem Hahnenkampf beizuwohnen. Im Februar 2014 unterzeichnete US-Präsident Barack Obama außerdem ein Bundesgesetz, das das Mitnehmen eines Kindes unter 16 Jahren zu einem solchen Kampf zu einem Straftatbestand macht. In den USA wird auch rechtlich gegen Personen vorgegangen, die Kampfhähne für die Durchführung ins Ausland verkaufen.Andrew Lawler: Why did the Chicken cross the World. Kapitel: Thrilla in Manila, ebook-Position 1613.