alternativtext=Өвөг монгол хэлний гийгүүлэгч фонемуудын тогтолцоо|mini|431x431px|Das Konsonantenphonemsystem der protomongolischen Sprache (nach D. Tumurtogoo / rekonstruiert von L. Qurčabaγatur Solongγod)

Die mongolische Brahmi-Schrift (englisch: Mongolian Brāhmī Script, mongolisch: ᠮᠤᠩᠭᠤᠯ ᠪᠷᠠᠾᠮᠢ ᠪᠢᠴᠢᠭ) ist eine Schrift indischen Ursprungs, die von der Sanskrit-Brahmi-Schrift abstammt, im 4. bis 5. Jahrhundert u. Z. geschaffen wurde und im 6. Jahrhundert von den Altmongolen (Urmongolen) verwendet wurde. Diese Schrift stellt 8 kurze Vokale und 21 Konsonanten mit insgesamt 31 Schriftzeichen dar. Sie besitzt eine vertikale, von oben nach unten und von rechts nach links verlaufende phonetisch-syllabische Struktur (Abugida) und ist eine vertikale mongolische Schrift, deren Vokalharmonie und orthographische Regeln streng systematisiert sind. mini|300px|Strukturen der selbstständigen und unselbstständigen Vokale sowie der Konsonanten in der Khüis-Tolgoi-Inschrift (nach L. Qurčabaγatur Solongγod, 2025) Das System unterscheidet:

2 selbstständige (unabhängige) Vokale (dang egesig ᠳᠠᠩ ᠡᠭᠡᠰᠢᠭ) 3 unselbstständige (abhängige) Vokale (qariyatu egesig ᠬᠠᠷᠢᠶᠠᠲᠤ ᠡᠭᠡᠰᠢᠭ), die insgesamt 4 Zeichen umfassen und 6 Laute ausdrücken (3 starke/maskuline und 3 schwache/feminine Vokale) 24 Konsonanten mit inhärenten Vokalen (egesigtü geigülügči ᠡᠭᠡᠰᠢᠭᠲᠦ ᠭᠡᠢᠭᠦᠯᠦᠭᠴᠢ), die insgesamt 21 Laute repräsentieren.

Das Alphabet (Zeichensystem)

Die Struktur der Vokalzeichen 300px|mini|Vergleichende Studien zur mongolischen Brahmi-Schrift und Phags-pa-Schrift von Hurcabaatur Solonggod, 2025. 300px|mini|Vergleichstabelle der Schriftzeichen-Strukturen und der Silbenbildung in der mongolischen Brahmi-Schrift (HT1). Selbstständige Vokale (dang egesig): Es existieren 2 selbstständige Vokale. In der Inschrift HT1 treten a und u als zwei selbstständige Vokale auf, die als initiale Vokale vor maskulinen (hinteren) Wörtern geschrieben werden; vgl. anaqaya (Wo. 14), uqah (Wo. 11), uqaǰu (Wo. 12) und uqabar (Wo. 54). Der Vokal a wird entsprechend der mongolischen Vokalharmonie auf zwei verschiedene Weisen ausgesprochen und verwendet: Er wird entweder als hinterer Vokal (maskulin) a oder als vorderer Vokal (feminin) e artikuliert. Unselbstständige (abhängige) Vokale (qariyatu egesig): Es gibt 3 unselbstständige Vokale (plus 1 zusätzliches Sonderzeichen -ü). Dabei unterscheidet man drei unselbstständige hintere/maskuline Vokale (-ï, -o, -u) und drei unselbstständige vordere/feminine Vokale (-i, -ö, -ü). Diese werden sowohl innerhalb als auch am Ende einer Wortsilbe geschrieben. Ein unselbstständiger Vokal kann eine eigenständige Silbe nur in Verbindung mit den Konsonanten oder mit dem Basiszeichen (Graphem) a bilden; vgl. ba, be, bï, bi, bo, bu, bö, bü.L. Qurčabaγatur Solongγod: 2021, S. 26–27

Der selbstständige initiale Vokal a (in diesem Fall hat dieses A-Basiszeichen/Graphem eine stimmlose Null-Funktion wie das A-Graphem in der Phags-pa-Schrift) bildet in Verbindung mit den drei unselbstständigen maskulinen Vokalen -ï, -o, -u und den drei unselbstständigen femininen Vokalen -i, -ö, -ü jeweils eine Silbe. In seinen Forschungen kam urcabaatur Solonggod zu dem Schluss, dass der initiale Vokal eines Wortes in der mongolischen Brahmi-Schrift aufgrund struktureller Ähnlichkeiten mit dem der Phags-pa-Schrift vergleichbar ist. Wenn das Vokalzeichen A mit den unselbstständigen hinteren (maskulinen) Vokalen -ï, -o kombiniert wird, entstehen die initialen Vokale I, O. Das Gleiche gilt für die unselbstständigen vorderen (femininen) Vokale -i, -ö, -ü. Auf diese Weise werden die femininen initialen Vokale I, Ö, Ü gebildet.L. Qurčabaγatur Solongγod: 2021, S. 99 Die Struktur der Vokale und Konsonanten ist in der mongolischen Brahmi-Schrift und der Phags-pa-Schrift identisch. Die sieben initialen Vokalsilben der mongolischen Brahmi-Schrift lauten: A, E, Ï, I, O, U, Ö, Ü.L. Qurčabaγatur Solongγod: 2021, S. 326–329

Die Struktur der Konsonantenzeichen 300px|mini|Vergleich von 24 Konsonantenzeichen und 21 Lauten im mongolischen Brahmi. Es gibt insgesamt 24 Konsonanten bzw. Konsonanten mit inhärenten Vokalen.L. Qurčabaγatur Solongγod: 2021, S. 24–45 16 neutrale Konsonanten: Diese weisen die inhärenten Vokale a und e auf und werden gemäß der Konsonantenverbindung gebildet. Es handelt sich um: n (2×), b, p (2×), m, l, s, š, t, d, č, ǰ, y, r (2×). Maskuline Konsonanten: In der mongolischen Brahmi-Schrift wird das Wort entsprechend der Vokal- und Konsonantenharmonie (Geschlechterzuordnung/Genus) sehr präzise gebildet. Die beiden maskulinen Konsonanten γ(a) und h(a) können nur in Verbindung mit den hinteren maskulinen Vokalen -ï, -o, -u auftreten. Diese beiden Konsonanten besitzen den inhärenten Vokal a, wie z. B. in qaγan (Wo. 3) und hanï (Wo. 57). Auch die maskuline Silbe ka (qa) besitzt den inhärenten Vokal a, vgl. qaγan (Wo. 3). Feminine Konsonanten: Die beiden femininen Konsonanten g(e) und k(e) dürfen nur mit den vorderen femininen Vokalen -i, -ö, -ü kombiniert werden, wie z. B. in kügbü (Wo. 23) und kergin (Wo. 49). Diese beiden Konsonanten besitzen den inhärenten Vokal e, wie z. B. in tügeniye (Wo. 60) und kergin (Wo. 49). Sonderkonsonant ŋ (ng): Der Konsonant ŋ (ng) darf keine Silbe mit unselbstständigen Vokalen bilden. Er wird ausschließlich am Ende einer harmonischen Wortsilbe geschrieben. Im Mongolischen wird dies als enggelge bezeichnet, wie z. B. in γang (Wo. 29). Die maskuline Silbe ka (qa) besitzt ebenfalls den inhärenten Vokal a, wie z. B. in qaγan (Wo. 3). Fremdwandlungen (w und v): Die beiden Konsonanten w und v werden häufig in Lehnwörtern verwendet, wie z. B. in tüwer (Wo. 30), wo oder bodisattva (Wo. 6).

Besonderheiten der Mongolischen Brahmi-Schrift alternativtext=Монгол брахми бичгийн γa/ha үеийн эгшиг гийгүүлэгч зохицох ёсны харьцуулалт|mini|318x318px|Vergleich der vokalisch-konsonantischen Harmonie-Regeln der Silben γa/ha in der mongolischen Brahmi-Schrift Merkmal Ausprägung BelegSchreibrichtungVertikal von oben nach unten; Spalten von rechts nach links. PositionsformenKeine. Die Zeichen behalten ihre Form am Wortanfang, in der Mitte und am Ende unverändert bei. Selbstständige VokaleAm Wortanfang existieren nur A und U. A und E teilen sich dasselbe Zeichen (Unterscheidung via Vokalharmonie). Inhärente VokaleKonsonanten tragen einen eingebauten Vokal: 16 sind genusneutral (a/e), 3 rein maskulin (a), 2 rein feminin (e). Unselbstständige VokaleStrikte Trennung nach Genus: Maskulin (-ï, -o, -u) und Feminin (-i, -ö, -ü). VokalquantitätSpiegelt das Protomongolische mit 8 kurzen Vokalen wider; keine Langvokale oder Diphthonge. SonderzeichenFünf spezifische, im indischen Brahmi fehlende Zeichen: ha, γa, qa, wa und ng. SilbenstrukturErlaubt die Typen V, CV, VC und CVC. Keine direkten Konsonantencluster ohne Vokal. WorttrennungEinzelne Wörter werden durch horizontale Linien voneinander abgegrenzt. SyntaxStrikte Subjekt-Objekt-Verb-Struktur (SOV) analog zum klassischen Mongolischen.

Herkunft und Entwicklung mini|Herkunft, Entwicklung und Einfluss der mongolischen Brahmi-Schrift|481x481px Die mongolische Brahmi-Schrift ist eine Adaption und ein Abkömmling der indischen Gupta-Brahmi-Schrift, welche wiederum auf die altindische Brahmi-Schrift (eine Abugida für Sanskrit und andere Sprachen) aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. zurückgeht. Der Ursprung der Schriftzeichen und Symbole der mongolischen Brahmi-Schrift ist sehr alt; sie stammt von der Gupta-Brahmi-Schrift ab, welche wiederum ihre Wurzeln in der Ashoka-Brahmi-Schrift (Abugida Ashoka Brahmi) hat, einer altindischen Sanskrit-Schrift aus der Zeit vor unserer Zeitrechnung. Um 400 n. Chr. entwickelte sie sich zu einer eigenständigen Schrift und verbreitete sich von Indien aus nach Norden über die Gebirgszüge des Himalayas und das Tarim-Becken nach Tibet, der Mongolei, China und Japan. Im Zeitraum vom 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr. verwendeten die verschiedenen Nationen und ethnischen Gruppen im Raum des Tarim-Beckens parallel sechs Arten von „verwandten Brahmi-Schriften“: die Khotan-Brahmi-Schrift (于阗-和田), die Tocharische Brahmi-Schrift (吐火罗语), die Tumschukische Brahmi-Schrift (图木舒克语), die Sogdische Brahmi-Schrift (粟特语), die Uigurische Brahmi-Schrift (回鹘语) und die Mongolische Brahmi-Schrift (蒙古语). Die Bezeichnungen Khotan, Tocharisch, Tumschukisch, Sogdisch, Uigurisch und Mongolisch weisen dabei auf die jeweilige Sprache der damaligen Nation hin. Unter einer „Brahmi-Schrift“ versteht man hierbei die spezifischen Brahmi-Schriftzeichen und -Symbole einer ethnischen Nation, die diese an ihre eigene Sprache anpasste, indem sie neue Zeichen zur Darstellung der entsprechenden Aussprache und Phonetik hinzufügte. Mit anderen Worten: Das vorangestellte Wort bestimmt die Sprache, während das nachgestellte Wort das Schriftsystem bezeichnet.

Inschriften der Mongolischen Brahmi-Schrift Bislang sind lediglich drei Inschriften in mongolischer Brahmi-Schrift bekannt. Sie alle stammen aus dem 7. Jahrhundert n. Chr., wurden in den mongolischen Steppen entdeckt und werden heute in der Mongolei aufgewahrt.

Die Inschrift von Bugut Die zweisprachige Inschrift von Bugut gehört zu den ältesten Inschriften, die von den Steppenvölkern im Jahr 571 n. Chr. in sogdischer Sprache und sogdischer Schrift sowie mongolischer Brahmi-Schrift und mongolischer Sprache verfasst wurden. Die Passagen in mongolischer Brahmi-Schrift wurden von Dieter Maue erstmals entziffert, woraufhin Alexander Vovin versuchte, die Texte der mongolischen Sprache zu analysieren und zu übersetzen. Das Originalmonument wird derzeit im Museum der Provinz Archangai (Mongolei) aufgewahrt.

Die Inschrift von Khüis Tolgoi (HT1) mini|300px|Die Inschrift von Khüis Tolgoi (HT1), fotografiert und bearbeitet am 8. August 2018 in Ulan-Bator von L. Qurčabaγatur Solongγod / Hurcabaatur Solonggod. Die Inschrift von Khüis Tolgoi wurde im Jahr 2018 von Dieter Maue epigraphisch entziffert und im Anschluss von Alexander Vovin einer ersten sprachwissenschaftlichen und historischen Analyse sowie Übersetzung zugeführt. Basierend auf diesen Entdeckungen legte Hurcabaatur Solonggod eine umfassende Neuanalyse der Inschriften vor und beschrieb damit erstmals die detaillierte Grammatik der mongolischen Brahmi-Schrift.L. Qurčabaγatur Solongγod: 2021, S. 435 Daraus resultieren in der Fachwelt zwei unterschiedliche Lesungen und Übersetzungen der Inschrift. Die Stele wird heute als wertvolles nationales Kulturerbe im Chinggis-Khaan-Nationalmuseum in der Mongolei ausgestellt und im Jahr 2025 offiziell in das internationale UNESCO-Weltdokumentenerbe „Memory of the World“ aufgenommen.

Transliteration und Übersetzung von Hurcabaatur Solonggod

Transliteration (HT1) mini|300px|Wiederherstellung und grafische Rekonstruktion des originalen Textes der Inschrift von Khüis Tolgoi (HT1) von L. Qurčabaγatur Solongγod / Hurcabaatur Solonggod, 2018.

Übersetzung (HT1)

Wir (Ich und Du) dachten an den neu geborenen Qaγan mit der heiligen Kraft von Bodisatva, der aus den Seelen von Qaγanen und von den Fürstenmitgliedern Digin erzeugt werden sollte sowie an die Urgeschichte des Buda Qaγans (Wo.1-12).

Wir alle sieben Mitglieder (① Hïrï, ② Anakaya, ③ ……, ④ Bidin, ⑤ ǰaha, ⑥ Bodi, ⑦ Bigiye) stimmten überein (Wo.13-23).

Wir Führende (für die Ahnenopferzeremonie) haben (mit den) schwarzen Naya, Gang Tüwer alle Zelte und Jurten zusammen aufgestellt (Wo.24-34).

Die Gattinnen und jüngere Brüder des Niri Qaγans führten für Niri Qaγan und Türüg Qaγan eine Ahnenopferzeremonie durch (Wo.35-47).

Die Kergin Schamanin des Hiri Stamms und der Pahiruhači Ahnengeisterrufer des Bargo Stamms haben getanzt und die Opfergaben verteilt (Wo.48-53).

Die Weisen zündeten die Ahnenlichter für die großen Qaγan und kleinen Khan an (Wo.54-58).

tünü (Wo.59) ….. dolaǰiaǰu (Wo.70)….. (nicht übersetzt) lo.….. (Wo.71)….. qaγa-nu-na (Wo.79)….. (nicht übersetzt)

Wir haben zur Auferstehung des Niri Qaγans und Türüg Qaγans die Ahnenlichter angezündet (Wo.80-87).