Die North American Evangelical Alliance (kurz: NAE; Eigenbezeichnung: National Association of Evangelicals) ist Nordamerikas größte konfessionsübergreifende Vereinigung evangelischer Christen und wurde 1942 gegründet. Sie ist Teil der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) und vertritt in den USA 45.000 Kirchen in 40 Denominationen. Ihr Ziel ist es, evangelikale Christen in den USA zu repräsentieren. Die Organisation hat ihren Sitz in Washington, D.C. und wird von Walter Kim als Präsident repräsentiert.
Geschichte Die National Association of Evangelicals (NAE) wurde am 7.–9. April 1942 in St. Louis, Missouri von 147 Personen gegründet.Randall Herbert Balmer: Encyclopedia of Evangelicalism: Revised and expanded edition. Baylor University Press, 2004, S. 483.Richard G. Kyle: Evangelicalism: An Americanized Christianity. Transaction Publishers, 2006, S. 134.Earle E. Cairns: Christianity Through the Centuries: A History of the Christian Church. Harper Collins, 2009, S. 488.Mark A. Noll: A History of Christianity in the United States and Canada. Wm. B. Eerdmans Publishing, 1992, S. 438.Frank J. Smith: Religion and Politics in America: An Encyclopedia of Church and State in American Life (2 Bände). ABC-CLIO, 2016, S. 344. Der erste Vorsitzende wurde Harold Ockenga von 1942 bis 1944. Ihr ursprünglicher Name lautete National Association of Evangelicals for United Action; er wurde aber in der ersten Konstitution in National Association of Evangelicals geändert.
In den 1950er Jahren war die Reputation so weit angestiegen, dass Präsident Eisenhower eine NAE-Delegation im Weißen Haus empfing. Dwight D. Eisenhower war für seine Nähe zu evangelikalen Christen bekannt. Er bekehrte sich nach eigenen Aussagen durch den Prediger Billy Graham und eröffnete seine politischen Reden häufig mit einem Gebet. Dies fiel in eine Zeit, in der in Amerika die Zahl der Kirchenmitglieder landesweit von 49 % auf 69 % stiegen.
Auf der jährlichen Versammlung der NAE im Jahr 1983 in Orlando, Florida, begrüßte NAE-Präsident Arthur Evans Gay, Jr. den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, der dort seine Reich-des-Bösen-Rede hielt. Diese bezeichnete die Sowjetunion erstmals öffentlich als „Evil Empire“ und markierte eine nachhaltige Wendung in den russisch-amerikanischen Beziehungen. Die 50-Jahr-Feier wurde 1992 in Chicago, Illinois zelebriert. Der US-Präsident George H. W. Bush adressierte die Anwesenden ebenso wie Billy Graham. Im Jahr 2003 zur jährlichen Versammlung sprach George W. Bush zu den Anwesenden über Satellit.
Der wachsende politische Einfluss der NAE und ihr daraus abgeleitetes Selbstverständnis wird in dem im Folgejahr publizierten Dokument For the Health of the Nation: An Evangelical Call to Civic Responsibility (deutsch: „Für die Gesundheit des Landes: Ein evangelischer Aufruf zu mehr Bürgerverantwortung“) deutlich. Dort heißt es, dass die NAE mittlerweile 25 % aller Amerikaner repräsentiere.
Walter Kim wurde 2019 als Präsident gewählt.https://www.nae.net/nae-appoints-walter-kim-as-next-president/ Die NAE ist Mitglied der North American Evangelical Alliance. Diese führt neben der NAE als zweites Mitglied die kanadische Evangelical Fellowship of Canada (EFC). Beide gemeinsam sind über die North American Evangelical Alliance Mitglied der Weltweiten Evangelischen Allianz.
Auch wenn die NAE offiziell keine Unterstützung für US-Präsident Donald Trump aussprach, nimmt man an, dass 80 % ihrer weißen Mitglieder ihn gewählt haben. Die Nationale Vereinigung Schwarzer Evangelikaler (Original: National Black Evangelical Association, kurz: NBEA) startete schon 2016 eine Petition, die bemängelte, dass Evangelikale in den Medien als „mehrheitlich weiße, politisch konservative, ältere Männer“ dargestellt werden, und forderte dazu auf, nicht für Donald Trump zu stimmen.
Initiatives World Relief 1944 wurde die War Relief Commission gegründet, die Hilfsgüter in das zerstöre Europa sandte; Kleidung und Essen wurden an die Opfer des Zweiten Weltkriegs geschickt. Nachdem die Folgen des Kriegs abgeklungen waren, wurde die Gesellschaft in World Relief umbenannt; sie ist heute der humanitäre Arm der NAE. Sie hat heute 95.000 freiwillige Helfer und hat nach eigenen Angaben über 300.000 Flüchtlinge innerhalb der USA mit Umsiedlung, Kleidung, Sprachkursen und Englischkursen geholfen. Weitere Tätigkeitsfelder sind Microfinance, AIDS-Hilfe, Flüchtlingsumsiedlung (refugee resettlement) und Unterstützung von Immigranten.World Relief, Our Focus, worldrelief.org, USA, abgerufen am 8. Mai 2021.
National Religious Broadcasters 1944 wurde der Verband National Religious Broadcasters (NRB) in Columbus, Ohio gegründet.Edith Waldvogel Blumhofer: Restoring the Faith: The Assemblies of God, Pentecostalism, and American Culture. University of Illinois Press, 1993, S. 192. Dies wurde nötig, nachdem große Radiosender wie CBS und NBC religiöse Inhalte aus ihrem Programm nahmen, da sie einen Verlust von Werbeeinnahmen befürchteten. Zu der Organisation gehört das Trans World Radio, dem auch der deutsche Evangeliums-Rundfunk gehört.
Denominationen Die folgenden evangelischen Kirchennetzwerke sind – mit Stand 2017 – Mitglied der NAE:
Präsidenten seit 1942 J. Elwin Wright (1942–47) Rutherford L. Decker (1948–53) George L. Ford (1954–64) Clyde W. Taylor (1964–74) Arthur M. Climenhaga (1964–67) Billy A. Melvin (1967–95) Don Argue (1992–98) Kevin Mannoia (1999–2001) Leith Anderson (2002–03) Ted Haggard (2003–06) Leith Anderson (2006–19) Walter Kim (2020–heute)
Weblinks https://www.nae.org/
Literatur Harold Lindsell: Park Street Prophet: The Life of Harold John Ockenga, Van Kampen, Wheaton 1951. George M. Marsden: Reforming Fundamentalism: Fuller Seminary and the New Evangelicalism, William B. Eerdmans, Grand Rapids 1987. James DeForest Murch: Cooperation without Compromise: A History of the National Association of Evangelicals, William B. Eerdmans, Grand Rapids 1956. Ronald James Sider, Dianne Knippers (ed.): Toward an Evangelical Public Policy, Baker Books, Grand Rapids 2005. John G. Stackhouse, Jr.: The National Association of Evangelicals, the Evangelical Fellowship of Canada, and the Limits of Evangelical Cooperation, in: Christian Scholar’s Review 25, Dezember 1995, S. 157–179. Matthew Avery Sutton: American Apocalypse: A history of modern evangelicalism, 2014.
Einzelnachweise
Kategorie:Weltweite Evangelische Allianz Kategorie:Evangelikale Organisation Kategorie:Evangelischer Verband Kategorie:Christliche Organisation (Vereinigte Staaten) Kategorie:Organisation (Washington, D.C.) Kategorie:Religion (Washington, D.C.) Kategorie:Protestantismus in den Vereinigten Staaten Kategorie:Verbandsgründung 1942