mini|St. Katharina Die Pfarrkirche St. Katharina im Eupener Stadtteil Kettenis in der Deutschsprachigen Gemeinschaft von Ostbelgien ist ein römisch-katholisches Kirchengebäude. Die Ursprungskirche wurde um 1407 im gotischen Stil erbaut und der heiligen Katharina von Alexandrien gewidmet. Sie gehört seit den 1990er Jahren zum Pfarrverband Eupen-Kettenis im Dekanat 05Dekanat 05 Eupen im Bistum Lüttich des Bistums Lüttich und wurde 1978 unter Denkmalschutz gestellt.

Geschichte mini|hochkant|Grabplatte Claes Ghir Zu Beginn des 15. Jahrhunderts existierte im Zentrum des ländlich geprägten Dorfes Kettenis eine niedrige einschiffige Saalkirche, die 1407 als „Alte Kirche“ erstmals erwähnt wurde und der Mutterpfarre St. Stephan in Walhorn angeschlossen war. Der Inschrift „(B)AUMEISTER ONS HUYS ANNO 1543“ auf dem Grabsteinfragment des Architekten Claes Ghir zufolge wurde sie in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einer dreischiffigen Hallenkirche um- und ausgebaut, was die Jahreszahlgravuren 1515 und 1523 in den davon betroffenen Fenster- und Türgewänden belegen.

Im Jahr 1648 löste sich die Kirche von der Mutterpfarre und wurde anschließend Ende des 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts grundlegend saniert und neu ausgestattet. Höhepunkt dieser Maßnahmen war die Anfertigung eines Hochaltars des Aachener Barockbaumeisters Johann Josef Couven mit einem integrierten Altarbild des kurpfälzischen Hofmalers Francesco Bernardini, der es mit der Jahreszahl 1750 signiert hatte. Weitere Sanierungen und Restaurierungen des alten Kirchengebäudes wurden in den folgenden Jahrhunderten ebenso durchgeführt wie die Modernisierung oder Neuanschaffung von Teilen der Inneneinrichtung und Ausstattungsobjekte.

Nachdem infolge des Wiener Kongresses von 1815 der Kreis Eupen dem Staat Preußen eingegliedert worden war, wurde ab 1818 auch die Pfarre von der Diözese Lüttich losgelöst und zunächst dem Generalvikariat in Aachen und ab 1825 dem Erzbistum Köln unterstellt. Mit dem Anschluss Eupens nach Belgien infolge des Versailler Vertrags kam 1920 auch die Pfarrkirche wieder zum Bistum Lüttich.

Nachdem die Ortsgemeinde Kettenis bereits 1977 mit der Stadt Eupen zusammengeschlossen worden war, wurde in den 1990er Jahren ebenso die Pfarre St. Katharina in den neuen Pfarrverband Eupen-Kettenis integriert.

Pfarrer 1648–1655: Jacques Lenard Jacquet (1628–1675) 1655–1660: François Goffart 1660–1675: Jacques Lenard Jacquet (1628–1675) 1675–1705: Johann Leonhard Longhaye (1665–1705) 1705–1721: Heinrich Martens († 1721) 1721–1740: Godfrid Olivier (1667–1740) 1740–1743: Johann Gerhard Buyx (1710–1743) 1774–1778: Johann Gerhard Radermacher (1708–1778) 1778–1790: Johannes Huschet (1742–1790) 1790–1797: Mathias Wilhelm Josef Steinfeld (1748–1821), wurde 1797 abgesetzt 1797–1807: Johann Franz Matthias Goergen (1742–1813) 1807–1821: Mathias Wilhelm Josef Steinfeld (1748–1821) 1821–1825: Johann Nikolaus Servais († 1834) 1825–1832: Johann Simon Maess (1776–1862) 1832–1847: Paul Pauls (1801–1867) 1847–1859: Johann Heinrich Herfs (1802–1859) 1859–1863: Johannes Allecker (1817–1889) 1863–1887: Johann Heinrich Wieland (1832–1887) 1887–1895: Franz Anton Josef Jülich (1836–1907) 1895–1907: Karl Josef Ludwig Hout (1850–1922) 1907–1922: Robert Tollhausen (1865–1944), seit 1917 Dechant 1922–1937: Heinrich Josef Saur (1861–1937) 1937–1942: Johann Schyns (1849–1942) 1942–1960: Ludwig Kerres (1901–1960) 1960–1965: Gérard Pirenne (1904–1965) 1965–1973: Hubert Schifflers (1908–1983) 1975–1999: Ernst Alard (1928–1999) 1999–2010: Josef Mathieu Evertz (1945–2020) zugleich von 1982 bis 2013 Pfarrer an St. Josef in Eupen Seit 2011: Helmut Schmitz, Dechant, zugleich seit 2001 Pfarrer an St. Nikolaus und seit 2013 an St. Josef.

Baucharakteristik mini|Ostansicht mit Herz-Jesu-Statue Bei der Katharinenkirche handelt es sich um ein dreischiffiges Gebäude aus Werk- und Blausteinfassaden, dessen zwei Erbauungsphasen durch die gelungene Wahl der unterschiedlichen Stilaspekte harmonisch miteinander verschmelzen. Das anfangs niedrigere und ursprünglich dreiachsige Mittelschiff ist der Kern der „Alten Kirche“ aus dem 15. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammt auch der fensterlose mächtige und auf quadratischer Grundfläche erbaute Turm im Westen, der bei der Kirchenbauerweiterung im 16. Jahrhundert mit Eckquadern ausgestattet und im oberen Bereich mit einem Sandsteinaufbau erhöht worden ist. Er ist mit einem oktogonalen Turmhelm abgedeckt und weist unter dem steinernen profilierten Dachgesims lediglich zwei gekuppelte rundbogige Öffnungen je Seite mit Quadergewänden und Schalllamellen für das Glockengeläut auf. Eine erste nachweisbare Glocke erhielt der Turm um 1639 durch den Glockenbauer Rochus Grongnard, die bereits 1690 durch eine neue aus der Werkstatt von Christoph von Trier ersetzt wurde. Im Jahr 1711 musste der Turm erneut restauriert und durch Anker verstärkt werden.

Ebenfalls zur „Alten Kirche“ zählt auch der fünfseitige vorgelagerte Chor im Osten mit seinen gotischen Fensterumrandungen. Zwischen diesen Fenstern ist er mit vier abgeschrägten Stützpfeilern abgestützt und insgesamt mit einem fünfseitigen Zeltdach abgedeckt.

Bei der zweiten Bauphase Anfang des 16. Jahrhunderts wurde das Mittelschiff stark überhöht und an seiner Nord- und Südseite mit schmalen und zunächst vierachsigen Seitenschiffen ergänzt, die an ihren Außenseiten durch drei im oberen Teil zurückgesetzte Pfeiler mit aufgesetzter Schieferabdeckung gestützt sind. Zusammen mit dem Mittelschiff sind die Seitenschiffe durch ein durchgehendes mächtiges Satteldach miteinander verbunden, in dem mehrere kleine Dachgauben eingelassen sind. Am östlichen Ende des Dachfirstes wurde 1722 ein erster kleiner Dachreiter aufgesetzt, in den die 1690 gegossene Glocke hineingesetzt wurde, da sie im Kirchturm nicht gut zu vernehmen war. Im Jahr 1844 wurde sie durch eine Neue von dem Glockengießer Hollerich Perin aus Luxemburg angefertigte ausgetauscht und erhielt 1928 im Rahmen einer Kirchensanierung einen neuen barocken Dachreiter. Diese Glocke wurde während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmt und 1947 anlässlich der 300-Jahr-Feier der Selbstständigkeit der Pfarre wiederum durch eine neue ersetzt.

Zwischen den Stützpfeilern der Seitenschiffe sind in den Achsen kleinere Rundbogenfenster eingelassen, deren teilweise profilierte Gewände mehrheitlich von den früheren gotischen Fenstern des nunmehr innen liegenden Mittelschiffs stammen. In der Sohlbank des zweiten Fensters am südlichen Seitenschiff ist noch die eingravierte Jahreszahl 1515 aus dem Umbaujahr zu erkennen. Zusätzlich wurde laut Beschluss vom 23. Februar 1772 je ein weiteres Fenster im gleichen Stil in der Turmachse der Seitenschiffe nachträglich eingebaut, wodurch diese Anbauten nunmehr über fünf Achsen verfügen.

Gleichzeitig mit dem Bau der neuen Seitenschiffe wurde der Eingang an die Außenfassade des südlichen Anbaus zwischen der ersten und zweiten Achse versetzt. Laut Chronogramm im Türsturz wurde dieser im Jahr 1842 als kleiner rechteckiger Vorbau mit Walmdach und Rundbogentür sowie vierstufiger Freitreppe ausgebaut und mit einer hölzernen Doppelflügeltür sowie einem ornamental verzierten Oberlicht ausgestattet.

Im Winkel zwischen dem Außenstützpfeiler der Westfassade und dem heutigen Haupteingang wurde im Jahr 1990 an der Außenfassade auf Höhe der neuen ersten Achse eine monumentale Lourdesgrotte aus Naturfelsgestein errichtet, in der auf Fensterhöhe in einer Nische eine fast lebensgroße weiß gekleidete Marienfigur aufgestellt wurde. Darüber hinaus wurde bereits in früheren Jahren rechts des Eingangs ein großes hölzernes Missionskreuz von 1857 mit einer rautenartig geschwungenen blauen Rückwand an der Fassade angebracht, an dessen vertikalem Pfahl mehrere Erinnerungsplättchen vergangener Missionstreffen von 1889 bis 1949 aufgeschraubt sind.

Unmittelbar an das Kirchengebäude schließt sich an dessen Nordseite der noch aus der Entstehungszeit der Pfarre stammende Gemeindefriedhof an, der 1879 maßgeblich erweitert wurde. Dort und auch noch an bzw. vor der Fassade des südlichen Seitenschiffes befinden sich noch einige historisch bedeutende Grabplatten, darunter die des Baumeisters Claes Ghir, des Thomas de Royer und der Pfarrer Steinfeld, Herfs und Wieland. Zu diesem Friedhof gehört auch das an seiner östlichen Umfassungsmauer im Jahr 1952 vorgebaute Gefallenendenkmal über dem eine lebensgroße Herz-Jesu-Statue thront und an dem der Opfer beider Weltkriege gedacht werden kann.Kriegerdenkmal Kettenis, Porträt auf worldwartours-be

Innenarchitektur mini|Innenansicht Die heutige Sicht der Innenarchitektur entspricht den Um- und Ausbaumaßnahmen zu Beginn des 16. Jahrhunderts, in dem das Mittelschiff erhöht und die Seitenschiffe angebaut und zum Mittelschiff geöffnet worden waren.

Das in vier Joche gegliederte gotische Mittelschiff weist seitlich spitzbogige Arkadenreihen auf, die auf je vier schweren, runden Steinsäulen ruhen, die die frühere tragende Außenwand der „Alten Kirche“ ersetzt haben. Diese Säulen wurden im Jahr 1790 durch toskanische Kapitelle mit schlichten Band- und Wulstgliederungen und breiten Kämpferplatten verstärkt, von denen aus die Kreuzrippengewölbe zu den Gewölbeschlusssteinen ziehen.

Der ebenfalls gotische Chor weist ein dreijochiges Netzgewölbe mit Längsrippen und eine dreiseitige, durch Strebepfeiler gestützte Apsis auf. Die dortigen mittleren Schlusssteine sind mit Figuren des Erlösers, der hl. Katharina und eines Engels sowie die seitlichen Schlusssteine mit Wappenschildern der Familien Schuyl aus Walhorn, Wambach und Pallandt versehen.Wappen Weims & Pallandt, Beschreibung auf ostbelgien.net Im Jahre 1840 erhielten die Chorwände bis zur Fensterhöhe eine Täfelung aus Eichenholz.

Am Übergang aus der Eingangshalle im südlichen Seitenschiff zum Mittelschiff befindet sich noch eine alte profilierte Tür, an deren mit Ornamenten versehenem Bogen die Jahreszahl MDXXIII (1523) eingraviert gewesen sein soll, die mittlerweile jedoch verwittert und unleserlich ist. In Eintrittsrichtung an der linken Seite dieser Eingangshalle mit seinen spitzbogigen Oberlichtern befindet sich die Taufkapelle, die durch ein Eisentor betreten wird, das von der Rochuskapelle auf der Hochstraße in Kettenis stammt.

Der heute vorhandene Fußbodenbelag besteht aus quadratischen Blausteinplatten, die 1834 neu verlegt worden waren, weswegen zuvor mehrere im alten Steinboden eingelassene Grabsteinplatten auf dem benachbarten Gemeindefriedhof ihren Platz finden mussten, von wo sie später größtenteils wieder entfernt wurden.

Die heutigen Glasfenster sind mehrheitlich Stiftungen aus in den 1930er-Jahren. So sind beispielsweise die Rundbogenfenster in den Seitenschiffen mit den Bildnissen des hl. Heinrichs und der hl. Elisabeth von Thüringen aus dem Jahr 1934 sowie die Fenster mit den Darstellungen des hl. Sebastians und der hl. Cäcilia von Rom aus dem Jahr 1935 Geschenke des Pfarrers Heinrich Saur. Ebenso wurden im Jahr 1936 das Fenster mit der Darstellung der Königin des hl. Rosenkranzes von den Frauen und Jungfrauen der Pfarre und das Fenster mit dem Bildnis des hl. Isidors von der „Landwirtschaftlichen Jugendvereinigung“ gestiftet. Das Fenster auf der Orgelbühne zur Nordseite zeigt ein Bildnis der hl. Anna und das zur Südseite eines mit dem hl. Antonius von Padua. Im Jahr 1948 wurden anlässlich der 300-Jahr-Feier anstelle von zwei durch Hofmaler Michael Hubert Schmitz aus Aachen 1861 gefertigten und durch Kriegseinwirkung beschädigten Chorfenster Neuanfertigungen mit den Bildnissen der Mutter Gottes mit Jesukind und des hl. Joseph aus der Werkstatt des Joseph Osterrath Jun. aus Lüttich eingesetzt. Zuletzt erhielt die Kirche im Jahr 1995 an seinem südlichen Seitenschiff ein neues Fenster, das die zwölf Apostel darstellt und von dem Ketteniser Künstler Klaus Schiffer gestaltet wurde.Neues Kirchenfenster in Kettenis, in: Grenz-Echo vom 17. Mai 1995

Ausstattung Hochaltar