Das Lithiumvorkommen auf der Weinebene befindet sich im Brandrücken (einem Bergrücken) ungefähr zwei Kilometer westlich der Weinebene (einem Pass) in der Gemeinde Frantschach-St. Gertraud in Kärnten, Österreich. Es ist eines der größten Lithiumvorkommen Europas (als Spodumen). Großräumiger gesehen liegt das Gebiet des Vorkommens im Bergzug Koralpe (auch Koralm), der längs der Grenze Kärnten/Steiermark verläuft.
Entdeckung, erste Untersuchungen Das Vorkommen ist wissenschaftlich dokumentiert.Gerhard Niedermayer, Richard Göd: Das Spodumenvorkommen auf der Weinebene und seine Mineralien. In: Carinthia II. 182./102. Jahrgang, Klagenfurt 1992, , S. 21–35 (). Es wurde 1951 (damals noch als Diopsid-Aplit)Peter Beck-Mannagetta: Die Auflösung der Mechanik der Wolfsberger Serie, Koralpe, Kärnten. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. Band 94, Jahrgänge 1949/51, , , S. 127–159 (zwei Karten nach S. 157; der Diopsid-Aplit ist als „Ad“ auf Tafel XVII rechts außen eingezeichnet). von Peter Beck-Mannagetta publiziert, eine Untersuchung von Heinz MeixnerHeinz Meixner: Neue Mineralfunde in der österreichischen Ostalpen. XXI. (Lagerstättenuntersuchung der Österreichischen Alpine Montangesellschaft). In: Carinthia II. 156./76. Jahrgang, Klagenfurt 1966, , S. 98 (). bewies das Vorkommen von Spodumen.
Grundlage der Aktivitäten Die Aktivitäten um dieses Lithium-Vorkommen und einschlägige Veröffentlichungen beruhen u. a. darauf, dass nach dem österreichischen Recht die Berechtigung zum Abbau von Mineralien (Schurfberechtigung) jeweils nur auf fünf Jahre erteilt oder verlängert werden kann. Eine Schurfberechtigung erlischt u. a., wenn nicht zumindest in einem der fünf Kalenderjahre Arbeiten zum Erschließen und Untersuchen des Vorkommens zum Feststellen der Abbauwürdigkeit durchgeführt worden sind.§ 13 Mineralrohstoffgesetz (MinRoG): Verlängerung der Geltungsdauer von Schurfberechtigungen (abgerufen am 16. Februar 2022).
Das Lithium-Vorkommen auf der Weinebene wurde 2024 im Vergleich mit den großen Lagerstätten in Südamerika (z. B. Bolivien ca. 23 Mio. Tonnen) als zwar relevant, aber vergleichsweise gering dargestellt: Während die weltweiten Lithiumreserven mit rund 100 Millionen Tonnen erwähnt wurden, wurden die Reserven in Österreich mit rund 0,06 Mio. Tonnen erwähnt. Im Vergleich dazu wurden für Tschechien 1,3, für Serbien 1,2 Mio. Tonnen erwähnt.Franziska Tschinderle: Serbiens Schatz. In: profil. Jahrgang 2024, Heft 31 (3. August 2024), , S. 28. Als Quelle wurde dort angegeben: U.S. Geological Survey, Jänner 2024.
In den 1980er-Jahren Mitte der 1980er Jahre fand ein Versuchsbergbau statt, im September 1985 ein Stollenanschlag. Es wurden 64 Kernbohrungen mit einer Gesamtlänge von 16 km durchgeführt, 35 Schürfgräben errichtet und Stollen mit einer Länge von 1,4 km gegraben. 1988 wurden die Arbeiten eingestellt.Verfluchtes Lithium. In: Die Zeit, 26. Mai 2011, Nr. 22. Zweiteiliger Beitrag, zum Teil 2. Wegen der hohen Aufbereitungskosten war ein Abbau des Vorkommens, der unter Tage erfolgen müsste, bis in das beginnende 21. Jahrhundert nicht wirtschaftlich möglich. Die Lithiumgewinnung aus anderen Vorkommen, besonders in Nordchile am Salar de Atacama, war im Obertagebau günstiger. Der Abbau wurde nach den Explorationsarbeiten stillgelegt, aber in Stand gehalten als Reserve für den Fall steigender Preise.Austroplan: Beurteilung des Lithium-Projektes Koralpe (Grobabschätzung). I - Wirtschaftlicher Teil, II - Technischer Teil. Lagerstätten-Archiv der Geologischen Bundesanstalt Wien, Wien 1987. 1991 wurde das Vorkommen um einen damaligen Schilling (heute: 0,07 Euro) vom staatlichen Unternehmen Minerex an die private Kärntner Montanindustrie (KMI) verkauft.
Verkauf der Abbaustelle Die Abbaustelle wurde 2011 um 10,25 Millionen EuroChristine Rainer: Kleine Zeitung, 27. Mai 2011. an die East Coast Minerals ECM, ein australisches Unternehmen und einen Partner aus Dubai weiterverkauft,Der Standard, 10. Februar 2011, S. 18. der Vertrag am 31. Mai 2011 unterzeichnet.Der Standard, 30. Mai 2011, S. 10. Kleine Zeitung, 31. Mai 2011. Die für einen Abbau notwendigen Bergwerksberechtigungen waren im März 2011 erteilt worden.Parlamentarische Anfragebeantwortung vom 28. April 2011, Nr. 7731/AB (PDF; 42 kB) (zur Anfrage „Verkauf des Lithium Bergwerks Koralpe“ Nr. 7841/J (PDF; 33 kB) vom 3. März 2011). Das Unternehmen zog sich später von der australischen Börse zurück, wechselte seinen Namen in Global Strategic Metals NL (NL steht für: no liability/keine Haftung), seine Anteile notierten in London, die Anteile in Europa wurden abgespalten.Lavanttal: Weiter warten auf Lithium. Leichtmetall-Abbau im Lavanttal verzögert sich bis 2018. Betreiber will sich Geld an der Börse in London holen. Kleine Zeitung, 15. Oktober 2014; abgerufen am 29. August 2016.
Im Gebiet sollen sich bis zu 30 Millionen Tonnen lithiumhaltiges Gestein befinden. Über einen Abbau wurde Ende Mai 2011 publiziert, dass eine Machbarkeitsstudie beauftragt sei und man binnen 18 bis 24 Monaten, somit ungefähr 2013 mit der Förderung beginnen wolle. Zum möglichen Erfolg eines Abbaues sind auch skeptische Meinungen veröffentlicht, die auf die Höhenlage, die Qualität des Rohstoffs und die kostengünstigeren Gewinnungsmöglichkeiten in anderen Ländern hinweisen.
Untersuchungen 2011 Im Jahr 2011 wurde in einer Studie zu gesundheitlichen Folgen von Lithium im Trinkwasser bestätigt, dass die Koralpenregion eine hohe Konzentration von Lithium im Trinkwasser enthält. Zugleich ergeben sich Hinweise, dass im Wiener Becken und Nordburgenland weitaus höhere Li-Konzentrationen zu finden sind, die auf bislang unerkannte Lagerstätten deuten. Die Nutzbarmachung von Oberflächen-Trinkwasseranalysen zur Bestimmung von tiefen Lithiumvorkommen wird durch eine weitere Studie derselben österreichische Forschergruppe bestätigt, wonach hohe Grundwasser-Lithiumvorkommen im Osten von Texas mit Ausläufern ehemaliger Ölfelder der Smackover Formationenglische Wikipedia: Smackover Formation exakt übereinstimmen.
Situation 2012 Im Jänner 2012 wurde berichtet, nach einer Untersuchung sei es unsicher, ob eine Förderung profitabel sei. Für den Bau der Mine und die Weiterverarbeitung der Erze wurden 55 Mio. Euro, für die Weiterverarbeitung zu Lithiumkarbonat weitere 60 Mio. Euro veranschlagt.Lithium-Abbau kommt teuer. Der Standard, unter Berufung auf eine Studie der Performaxx (PDF; 257 kB), 13. Jänner 2012, S. 19. Für den November 2013 wurde ein probeweiser Abbau von 1000 Tonnen Lithium-Erz angekündigt, um nähere Informationen für die Aufbereitung der Erze zu erhalten.Weststeirische Rundschau, Nr. 43 (25. Oktober 2013), Jahrgang 2013, 86. Jahrgang, , Simadruck Aigner u. Weisi, Deutschlandsberg 2013, S. 1. 2014 wurde publiziert, dass sich der Abbau bis 2018 verzögern würde. 2015 wurde mit einem Aufwand von 170 Mio. Euro gerechnet, um die Mine in Betrieb zu nehmen.VLW-Führung/Befahrung Lithium-Mine auf der Weinebene Bericht des Vereins Lavanttaler Wirtschaft vom 1. Oktober 2015. 2016 wurde berichtet, dass man „2019 eventuell mit einem Abbau beginnen könnte“. Es blieb offen, welche Technologie für den Abbau geeignet wäre und wo eine Fabrik zur Umwandlung von Lithium-Carbonat einzurichten sei, wobei dies nicht im Lavanttal sein müsse. Als neuer Besitzer des Vorkommens wurde die European Lithium Limited aus Großbritannien genannt.Weststeirische Rundschau, 89. Jahrgang, Nr. 39, 30. September 2016, S. 5. Die Schurfberechtigungen (exploration licences, Berechtigungen zum Erschließen und Untersuchen) wurden bis Ende 2019 verlängert. Die Besitzerin gab an, dass das Projekt aus „22 original and 32 overlapping exploration licences and a mining licence over 11 mining areas“ bestünde und dass die Produktion mit Ende 2020 beginnen könne.Website European Lithium Ltd, abgerufen am 2. Oktober 2016.
Situation 2017/18 Zu Jahresbeginn 2017 wurde publiziert, dass das Lithium-Vorkommen höher als bisher bekannt sei und binnen vier Jahren mit dem Abbau begonnen werden könne. Die Investitionen bis zur Förderung wurden auf 200 Mio. Euro geschätzt, Ziel sei, aus dem Mineral Spodumen für die Glaskeramikindustrie herzustellen. Allerdings erfordere die Aufbereitung des Erzes viel Wasser. Im Lavanttal herrsche aber eher Trinkwassermangel.Johanna Ruzicka: Kärntner Lithium-Vorkommen höher als gedacht. Der Standard, 23. Jänner 2017, S. 11. In einer anderen Quelle wurden 18 Mio. Tonnen von hochqualitativem außerordentlich reinem Lithium erwähnt, das mit geringem Aufwand gewonnen werden könne, was rund 150 Arbeitsplätze bringen würde. Ob sich die Aufbereitungsanlage im Lavanttal (bei Frantschach) oder im Bezirk Deutschlandsberg befinden solle, war noch nicht entschieden. Der Deutschlandsberger Bürgermeister habe aber bereits wegen des hohen Wasserverbrauchs der Aufbereitung abgewunken, es gäbe auch kein Konzept des Betreibers. Skeptische Stimmen aus der Bevölkerung werden zitiert.Thomas Martinz: Die Bürger pfeifen auf den Lithium-Schatz. Kurier, 2. Juli 2017, Chronik, S. 16. Ebenso die Sorge, durch Erschütterungen nach Bohrungen oder Sprengungen könnten die Trinkwasserquellen für das neu errichtete Trinkwasserleitungsnetz der Stadt Deutschlandsberg verschüttet werden, da es nach einer Probebohrung bereits Verunreinigungen gegeben habe.Weststeirische Rundschau, Nr. 48, 30. November 2018, Jahrgang 2018, 91. Jahrgang, , Simadruck Aigner u. Weisi, Deutschlandsberg 2018, S. 3. Allerdings ist publiziert, dass der Bergwerksstollen („Traudl-Stollen)“ des geplanten Lithiumabbaues in der Höhe von ca. 1575 m ca. 3 km von der nächsten Quelle des Trinkwassersystems (mit ca. 1700 m Höhe) entfernt liege, was einen Einfluss von Sprengungen auf das Wasservorkommen als fragwürdig erscheinen ließe und nur durch fachliche Gutachten geklärt werden könne.Gernot Weißensteiner: Sorgen um die Folgen durch Lithium Abbau. Leserbrief in: Weststeirische Rundschau. 31. Jänner 2025, Nr. 5, S. 4.
Am 19. Juni 2018 präsentierte der Geschäftsführer der European Lithium der Kärntner Landesregierung ein Vorhaben, das den Untertage-Abbau ab 2021 vorsah. 8–10 Mio. Euro wurde bereits in Prospektion investiert, im Juli 2018 sollten Genehmigungsverfahren beginnen.Pläne für Lithiumabbau werden konkreter orf.at, 18. Juni 2018, abgerufen am 18. Juni 2018. Das Unternehmen ging bei der Präsentation von einem Gesamtvorkommen von 720.000 Tonnen lithiumhaltigem Gestein aus. Pro Jahr könnten daraus 10.000 Tonnen Lithiumhydroxid gewonnen werden, wobei der Gewinn pro Tonne mit rund 12.000 Euro angegeben wurde. Es wurde mit einem Abbau über mindestens zehn Jahre gerechnet und davon ausgegangen, noch auf weitere Lithium-Vorkommen auf der Weinebene zu stoßen. Als Gesamtinvestitionssumme für den Bergwerksbetrieb und die Lithiumhydroxid-Gewinnungsanlage wurden 425 Millionen Euro genannt. Zu den Abbauplänen wurde die Schaffung von 400 direkten und im Idealfall über 1000 Arbeitsplätzen genannt., abgerufen am 4. November 2018.
Situation 2022