„Candidatus Nanohaloarchaea“ ist eine Klasse winziger extrem halophiler („nanohalophiler“) Archaeen mit einem ebenfalls vergleichsweise kleinen Genom und begrenzten Stoffwechselfähigkeiten.

Forschungsgeschichte

Nanohaloarchaeen (d. h. nanohalophile – extrem kleine, salzliebende Archaeen) sind in hypersalinen (stark salzhaltigen) Lebensräumen allgegenwärtig, die sie mit den größeren, ebenfalls extrem halophilen Haloarchaeen teilen.

Vertreter hat man per Metagenomik gefunden in verschiedenen hyper- und thalassosalinen Gewässern und Umgebungen auf der ganzen Erde, darunter der australische Lake Tyrrell – ein Salzsee in der Region „The Mallee“ im Nordwesten des Bundesstaates Victoria, spanische Salinen, russische Natronseen, kalifornische Salinen, und chilenischer Halit.

Über die Phylogenie und Taxonomie dieser Archaeen wurde lange gerätselt. Es bildeten sich in Konkurrenz zueinander zwei Theorien zur Taxonomie dieser nanohalophilen Archaeen heraus: Es könnte sich um ein eigenständiges Phylum (Stamm) „Nanohaloarchaeota“ innerhalb des Reichs Nanobdellati (früheres Superphylum DPANN, Diapherotrites, Parvarchaeota, Aenigmarchaeota, Nanoarchaeota, Nanohaloarchaeota) handeln. Zusammen mit halophilen Bakterien und anderen Haloarchaeen ist DPANN in Salzseen und Salzpfannen auf der ganzen Welt zu finden. Es könnte sich aber auch nur um eine Klasse „Nanohaloarchaea“ und Schwestergruppe der Haloarchaea innerhalb des Phylums „Euryarchaeota“ i. w. S. (dem heutigen Reich Methanobacteriati) handeln; diese beiden Gruppen wurden zusammen mit anderen gelegentlich zur größeren „Stenosarchaea-Gruppe“ zusammengefasst.

Beschreibung – Vorkommen – Genom Unter den aus der Metagenomik vermuteten möglichen Vertretern der ausgegliederten Klasse befinden sich nach Informationen aus der Gendatenbank des NCBI Isolate aus hypersalinen Salzgärten bei Alicante, Spanien; Proben-Entnahme am 15. September 2009 aus ebensolchen Anlagen bei Santa Pola, Provinz Alicante, Spanien; entnommen am 18. Juni 2010 von den Bonneville Salt Flats, Tooele County, Utah, entnommen am 3. September 2016 aus hypersalinen Seen an der Mittelmeerküste Israels bei Atlit (zw. Haifa und Tel Aviv-Jaffa), entnommen im Oktober 2018 aus dem Toten Meer, entnommen am 25. Juli 2018 vom ,Hikurangi Subduction Zone. Auf: GNS Science, Neuseeland (gns.cri.nz, ). vor der Nordinsel Neuseelands, entnommen 2018/2019 bei Margherita di Savoia bei Bari, Apulien, Italien, entnommen im März 2016 in der Atacama-Wüste, Chile, entnommen im Juni 2013 u. v. m.

Von den beiden Spezies (Arten) mit den vorläufigen Bezeichnungen Ca. Nanosalina sp. J07AB43 und Ca. Nanosalinarum sp. J07AB56, beide aus dem Lake Tyrrell (Australien), wurden von Priya Narasingarao et al. 2011 die vollständigen Genome sequenziert. Die Genomgröße beträgt jeweils etwa 1,2 Mbp (Megabasenpaare); die Zellgröße liegt bei etwa 0,6 μm – beide sind damit tatsächlich sehr klein.

Etymologie Der Name der Klasse „Nanohaloarchaea“ leitet sich ab von , „zwergig“; sowie , ‚Meer‘; das Suffix ‚-archaea‘ soll eine Archaeenklasse bezeichnen. „Nanohaloarchaea“ bezeichnet also eine Klasse salzliebender, kleiner (d. h. nanohalophiler) Archaeen.

Systematik

In der graphischen Darstellung bei OneZoom sind alle Vertreter umgekehrt der DPANN-Gruppe (Reich nanobdellati) zugeordnet.

Die Systematik der so „verschobenen“ Klasse „Nanohaloarchaea“ nach gegenwärtig akzeptierter Taxonomie (Stand Februar 2022) basiert im Wesentlichen auf folgenden Quellen: L – (LPSN) N – (NCBI, )

In der „Stenosarchaea-Gruppe“ (N) innerhalb der Methanobacteriota (L,N) Klasse: „Candidatus Nanohaloarchaea“ oder „Nanohaloarchaea“ et al. 2012 (L,N) Ordnung: „Nanosalinales“ et al. 2021 (nicht LPSN oder NCBI) Familie: „Nanosalinaceae“ et al. 2021 (nicht LPSN oder NCBI) Gattung: „Candidatus Haloredivivus“ et al. 2011 (L,N mit „Klade“ statt „Gattung“) Spezies: Candidatus Haloredivivus sp. G17 (N) Gattung: „Candidatus Nanosalina“ et al. 2012 (L,N) Spezies: Candidatus Nanosalina sp. J07AB43 (N) Gattung: „Candidatus Nanosalinicola“ corrig. et al. 2012 mit Schreibvariante „Candidatus Nanosalinarum“ et al. 2012 (N) Spezies: Candidatus Nanosalinarum sp. J07AB56 (N), früher Candidatus Nanosalina sp. J07AB56 (N) weitere Stämme der Nanohaloarchaea als mögliche Spezies ohne Ordnungs-, Familien- oder Gattungszuweisung mit vorläufiger Bezeichnung. (N)

Literatur

Einzelnachweise OneZoom: Nanohaloarchaeota.

Details: "Candidatus Nanohaloarchaeota" Rinke et al. 2013 (phylum); graphisch: Candidatus Nanohaloarchaeota, auf: Lifemap NCBI Version.

Details: "Nanohaloarchaea" Narasingarao et al. 2012 (class); graphisch: Nanohaloarchaea, auf: Lifemap NCBI Version. Details: Nucleotide: txid1072680[Organism:exp], Nanohaloarchaea archaeon strains/isolates.

PDF. Susanne M. Bickel, Martina Ufer, Kerstin Steinert, Michaela Dane: Leben im Salz. In: Biologie in unserer Zeit, Band 25, Nr. 6, Dezember 1995, Projekt: Bioenergetics of Halophilic Archaea, S. 380–393; doi:10.1002/biuz.19950250624. PDF

Felipe Gómez, Barbara Cavalazzi, Nuria Rodríguez, Ricardo Amils, Gian-Gabriele Ori, Karen Olsson-francis, Cristina Escudero, Jose M. Martínez, Miruts Hagos: Ultra-small microorganisms in the polyextreme conditions of the Dallol volcano, Northern Afar, Ethiopia. In: Nature Scientific Reports, Band 9, Nr.: 1, 27. Mai 2019, S. 7907; doi:10.1038/s41598-019-44440-8, ResearchGate:333401933 ().

Christian Rinke, Maria Chuvochina, Aaron Mussig, Pierre-Alain Chaumeil, Adrián Davín, David W. Waite, William B. Whitman, Donovan H. Parks, Philip Hugenholtz: A standardized archaeal taxonomy for the Genome Taxonomy Database. In: Nature Microbiology, Band 6, Nr. 7, 21. Juni 2021, S. 946–959; doi:10.1038/s41564-021-00918-8, ResearchGate:352608636, Epub Juli 2021. Projects: A rank-normalized prokaryotic taxonomy. Hier insbes. Tbl. S13 in Supplementary Information.

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