Scientific Linux (SL) ist eine nicht mehr weiterentwickelte Linux-Distribution, die auf der Distribution Red Hat Enterprise Linux (RHEL) des Unternehmens Red Hat basierte und zu dieser binärkompatibel war. Die Distribution wurde bis zur Version 7 hauptsächlich von Entwicklern am Fermilab, am CERN, an der ETH Zürich und am DESY weiterentwickelt.
Hintergrund Die kommerzielle Linux-Distribution RHEL kann nur im Zusammenhang mit Supportverträgen erworben werden. Die Firma Red Hat stellt aber alle Quellpakete von RHEL im Netz bereit, um die Anforderungen unterschiedlicher Lizenzen von – in RHEL enthaltener – freier Software zu erfüllen, und ermöglicht es so, auf dieser Basis eine zu RHEL binärkompatible Linux-Distribution zu entwickeln. Durch die Binärkompatibilität ermöglicht Scientific Linux, Computer mit einer RHEL-kompatiblen Linux-Distribution zu nutzen, ohne einen Supportvertrag mit Red Hat abschließen zu müssen. Neben finanziellen Ersparnissen ergibt sich auch der Vorteil, dass alle Software, die für RHEL angeboten wird, direkt und ohne Einschränkungen unter Scientific Linux genutzt werden kann.
Ziel von Scientific Linux Scientific Linux entstand im Umfeld verschiedener Forschungslabore und Universitäten und wurde geschaffen, um verschiedene Ansprüche dieser Institutionen zu erfüllen: Nicht jedes Institut und Labor muss eine eigene Distribution erstellen – das Bündeln der Anstrengungen vermeidet mehrfache Arbeit. Durch eine gemeinsame Distribution steht allen Forschern eine gemeinsame Installationsbasis für verschiedene Experimente zur Verfügung. Durch die Kompatibilität zu RHEL wird gewährleistet, dass auch Enterprise-Linux-Software, die häufig nur für RHEL zur Verfügung steht, problemlos auf Scientific Linux läuft. Die einfache Anpassbarkeit der Distribution ermöglicht es, dass Institutionen oder Labore eine optisch angepasste Variante der Distribution veröffentlichen können, ohne die anderen Ziele einzuschränken. Scientific Linux wird um in der Wissenschaft häufig notwendige oder praktische Software erweitert, um den Software-Ansprüchen der wissenschaftlichen Einrichtungen zu genügen.
Enterprise-Betriebssystem Scientific Linux ist binärkompatibel zu RHEL und ist daher ebenfalls ein Enterprise-Betriebssystem, also ein Betriebssystem, das auf die Bedürfnisse großer Unternehmen und staatlicher Organisationen ausgerichtet ist. Als Enterprise-Betriebssystem ist es deshalb auf Stabilität und lange Wartungszyklen ausgelegt. Man kann Scientific Linux über zehn Jahre nutzen, ohne Pakete bzw. Softwareversionen migrieren zu müssen, weshalb es für den kommerziellen Einsatz geeignet ist. Für RHEL bieten große Softwarehäuser wie Oracle oder SAP Zertifikate an, die garantieren, dass deren Software auf RHEL problemlos funktioniert, was analog für große Serverhersteller gilt. Enterprise-Betriebssysteme findet man daher meist auf Workstations und Servern, wo ein extrem stabiler Betrieb verlangt wird (z. B. Wissenschaft, Forschung, Börse, Militär oder Raumfahrt). Im Gegensatz zu RHEL gibt es für Scientific Linux von den meisten Software- und Hardware-Herstellern weder Zertifikate noch Support. Aufgrund der Binärkompatibilität zu RHEL kann es aber oft von den Voraussetzungen, die für RHEL geschaffen werden, direkt profitieren.
Geschichte von Scientific Linux Scientific Linux entstand im Umfeld verschiedener Universitäten und Forschungsinstitute wie CERN und Fermilab. Es baute am Anfang auf der Linux-Distribution „Fermi Linux LTS 3.0.1“ (Codename „Feynman“) auf, die um einige Programme und Updates erweitert worden war. Danach entschied man sich aber, die Quellen von RHEL zu nutzen, um binärkompatibel zu dieser Linux-Distribution zu werden, da für RHEL die meiste Enterprise-Linux-Software angeboten wird.
Ende der Entwicklung Im April 2019 wurde bekannt gegeben, dass keine weiteren Versionen von Scientific Linux entwickelt werden, sondern zukünftig auf CentOS gesetzt werde; die dadurch frei werdenden Ressourcen kommen diesem Projekt zugute.The end of Scientific Linux Der Support für Scientific Linux 6 und 7 soll aber bis an das vorgesehene Ende fortgesetzt werden.
Einsatzgebiete Scientific Linux wird neben RHEL und Debian auf der Internationalen Raumstation (ISS) eingesetzt, wie die NASA bekannt gab.
Versionen
VersionCodenameRHEL-VersionLinux-Kernel VersionVeröffentlichungUnterstützung bisLithium3.12.4.910. Mai 200420. Juli 20063.912. Oktober 2007Beryllium4.02.6.91. März 200531. März 20094.921. März 2011Boron5.02.6.1814. Mai 200731. März 20175.116. Januar 20085.226. Juni 20085.319. März 20095.44. November 20095.519. Mai 20105.621. Juni 20115.714. September 20115.824. April 20125.95. Februar 20135.1011. November 20135.114. November 2014Carbon6.02.6.323. März 201130. November 20206.128. Juli 20116.216. Februar 20126.38. August 20126.428. März 20136.512. Dezember 20136.612. November 20146.711. August 20156.87. Juli 20166.917. April 20176.1010. Juli 2018Nitrogen7.0 3.10.013. Oktober 2014 30. Juni 20247.113. April 20157.25. Februar 20167.325. Januar 2017Scientific Linux 7.3 x86_64 is officially released, Ankündigung von Pat Riehecky7.42. Oktober 2017Scientific Linux 7.4 Release Notes, Scientific Linux Team (englisch)7.510. Mai 20187.63. Dezember 20187.726. August 2019Pat Riehecky, Scientific Linux 7.7 now released, Fermi National Accelerator Laboratory (englisch)7.820. April 20207.920. Oktober 2020
Der Codename der jeweiligen Versionen von Scientific Linux folgt aus dem wissenschaftlichen Namen des chemischen Elements, dessen Ordnungszahl der Versionsnummer entspricht.
Siehe auch CentOS Liste von Linux-Distributionen
Weblinks
Scientific Linux Homepage (englisch) Scientific Linux Live-CD/DVD (englisch) scientificlinuxforum.org (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Linux-Distribution